Tracklist
01. Nimm alles mit
02. Sternensegler
03. Beide Füße in der Luft
04. Flagge
05. Nosferatu
06. Wo Sprache aufhört
07. In der Hand
08. An beiden Enden
09. Lass nicht los
10. Trag Dich
11. Zwei Raben (feat. Laura Fella)
Besetzung
Till Herence – Vocals, Guitar
Thomas Lindner – Piano/Keyboards, Acoustic Guitar, Accordion
Martin Duckstein – Electric/Acoustic Guitars, Cister, Cistele, Lute, Banjo, Backing Vocals
Matthias Richter – Bass, Double Bass
Stefan Brunner – Drums, Percussion
Saskia Forkert – Violin, Hurdy-Gurdy, Backing Vocals
Birgit Muggenthaler-Schmack – Flutes, Shawms, Bagpipes, Accordion, Backing Vocals
Ein neuer Sänger, eine neue Ära
Bei SCHANDMAUL ist derzeit einiges anders als noch vor ein paar Jahren. Die Band, die seit Jahrzehnten zu den festen Größen zwischen Folk, Mittelalter und Rock gehört, musste sich am Mikrofon neu aufstellen. Thomas Lindner, Gründungsmitglied und über viele Jahre die prägende Stimme der Münchner, zog sich aus gesundheitlichen Gründen vom Gesang zurück. Bereits seit 2024 übernimmt Till Herence bei den Live-Auftritten den Part am Mikrofon. Mit „Sternensegler“ steht nun erstmals ein komplettes Studioalbum mit ihm als Sänger vor der Tür.
Und genau hier wird es spannend. Denn Herence versucht gar nicht erst, Lindner zu kopieren. Das wäre vermutlich auch der falsche Weg gewesen. Seine Stimme klingt eigenständig, etwas anders gefärbt und gibt den Songs eine neue Note. Gleichzeitig bleibt Lindner der Band musikalisch erhalten und ist weiterhin an Piano, Keyboards, Akustikgitarre und Akkordeon zu hören. Dadurch fühlt sich „Sternensegler“ trotz der Veränderung nicht wie ein kompletter Neustart an. Das Album erscheint am 11. September 2026 über Napalm Records und macht ziemlich schnell deutlich, dass SCHANDMAUL ihren Kurs nicht verloren haben.
Zwischen Folk, Rock und großen Melodien
„Nimm alles mit“ eröffnet die Reise und passt schon vom Titel hervorragend zu einem Album, das von Aufbruch und Veränderung geprägt ist. Der Song verbindet kräftige Rockgitarren mit den typischen folkloristischen Instrumenten der Band und bleibt dabei angenehm direkt. Kein langes Vorgeplänkel, sondern rein in den Song.
Mit „Sternensegler“ folgt der Titelsong, der musikalisch ziemlich genau das liefert, was man von SCHANDMAUL erwartet. Gitarren treffen auf Violine, Flöten, Akkordeon und weitere traditionelle Instrumente, während sich darüber ein Refrain entfaltet, der schnell hängen bleibt. Das Stück wirkt groß, ohne unnötig aufgeblasen zu sein.
„Beide Füße in der Luft“ schlägt anschließend eine etwas leichtere Richtung ein. Genau solche Momente funktionieren bei SCHANDMAUL seit jeher besonders gut. Die Musik darf Spaß machen, ohne dabei oberflächlich zu wirken. „Flagge“ setzt wieder mehr auf Druck und einen markanten Refrain.
Interessant wird es mit „Nosferatu“. Der Song bringt eine dunklere Stimmung ins Album und sorgt dafür, dass „Sternensegler“ nicht wie eine Aneinanderreihung typischer Folk-Rock-Nummern wirkt. „Wo Sprache aufhört“ geht noch stärker in die emotionale Richtung und gehört zu den ruhigeren Momenten der Platte.
Viele Instrumente, aber kein musikalisches Durcheinander
Was bei SCHANDMAUL natürlich sofort auffällt, ist die enorme Instrumentierung. Martin Duckstein spielt neben elektrischen und akustischen Gitarren unter anderem Cister, Cistele, Laute und Banjo. Saskia Forkert bringt Violine und Drehleier ein, Birgit Muggenthaler-Schmack sorgt mit Flöten, Schalmei, Dudelsäcken und Akkordeon für weitere typische Klangfarben.
Das könnte theoretisch schnell überladen wirken. Tut es aber nicht. Die einzelnen Instrumente werden so eingesetzt, dass die Songs trotzdem klar strukturiert bleiben. Dazu kommen Bass und Kontrabass von Matthias Richter sowie Stefan Brunner an Schlagzeug und Percussion. Gerade diese Kombination aus traditionellem Instrumentarium und moderner Rockbasis gehört weiterhin zu den größten Trümpfen der Band.
„In der Hand“ und „An beiden Enden“ zeigen diese Stärke ziemlich deutlich. Hier sitzt das Zusammenspiel einfach. Die Gitarren geben den nötigen Schub, während die Folk-Instrumente den Songs ihre unverwechselbare Farbe verleihen.
„Lass nicht los“ gehört zu den Stücken, bei denen Herence seine Stimme besonders gut zur Geltung bringen kann. Er klingt nicht wie jemand, der versucht, eine Lücke zu füllen. Er klingt wie ein Sänger, der inzwischen seinen eigenen Platz gefunden hat.
Der Blick nach vorne
Mit „Trag Dich“ wird es noch einmal gefühlvoller, bevor „Zwei Raben“ das Album beendet. Für diesen Song hat sich die Band Laura Fella als Gast ins Boot geholt. Ihre Stimme ergänzt Herence hervorragend und verleiht dem Abschluss noch einmal eine besondere Atmosphäre.
Was nach den elf Songs hängen bleibt, ist vor allem das Gefühl, dass SCHANDMAUL diese schwierige Situation erstaunlich gut gemeistert haben. Natürlich wird es Hörer geben, die Thomas Lindner am Mikrofon vermissen. Das lässt sich bei einer Band mit einer so langen gemeinsamen Geschichte auch gar nicht vermeiden. „Sternensegler“ versucht aber nicht, diese Tatsache zu verstecken. Stattdessen gehen SCHANDMAUL nach vorne.
Und genau das macht das Album so sympathisch. Die Band hält an ihrem musikalischen Kern fest, erlaubt sich aber gleichzeitig Veränderungen. Till Herence bringt eine neue Stimme und damit zwangsläufig eine neue Dynamik ein. Thomas Lindner bleibt als Musiker ein wichtiger Teil des Ganzen. Zusammen funktioniert diese Konstellation erstaunlich gut.
„Sternensegler“ ist deshalb kein nostalgischer Blick zurück, sondern ein Album über Weitergehen. Es klingt vertraut, ohne altmodisch zu wirken, und neu, ohne die eigene Geschichte abzuschütteln. Für SCHANDMAUL ist das ein ziemlich überzeugender Neustart.
Fazit: „Sternensegler“ zeigt, dass SCHANDMAUL auch in neuer Besetzung in der Lage ist, ein beeindruckendes, musikalisch vielfältiges Werk abzuliefern.






