Tracklist
01. OM
02. Detachment
03. Hope
04. OW
05. Pachanga
06. Inner Dance
Besetzung und Produktion
Emilia Moncayo – Gesang / Samples / Synthesizer
Amadeus Galiano – Gitarre / Bass / Percussion
Carlos Sánchez – Schlagzeug
Aufgenommen von:
Amadeus Galiano im Borgo 41 Studio, Lumbisí, Ecuador
Mix:
Jamie Uertz
Mastering:
Juan Pablo Rivas
Coverartwork:
Elodots
Ein niedliches Kleinpferd klingt gewöhnlich weder nach achtsaitigen Gitarren noch nach gutturalem Gesang, polyrhythmischen Schlagzeugfiguren und elektronisch verfremdetem Lärm. Genau auf diesem Widerspruch errichteten Minipony ihre Identität, und mit »Detach« führt das Trio aus Ecuador diese Idee auf besonders konzentrierte Weise weiter. Vier vollständige Kompositionen und zwei instrumentale Zwischenstücke reichen aus, um technischen Death Metal, Mathcore, Djent, Breakcore, lateinamerikanische Rhythmik und rituelle Klangflächen miteinander kollidieren zu lassen. Trotz der kurzen Spielzeit handelt es sich nicht um eine beiläufige Sammlung übrig gebliebener Stücke, sondern um den bislang klarsten Ausdruck einer Band, die Komplexität nicht als sportlichen Wettbewerb behandelt, sondern als natürliche Reaktion auf eine widersprüchliche Wirklichkeit.
DIE SCHWERE HINTER DEM HARMLOSEN NAMEN
Minipony entstanden aus dem Wunsch von Emilia Moncayo und Amadeus Galiano, eine gemeinsame musikalische und visuelle Sprache zu entwickeln. Zuvor hatten beide bei El Karmaso gespielt, deren Mischung aus Rap, Metal, Drum and Bass und Funk von fünf unterschiedlichen kreativen Stimmen bestimmt wurde. Das Ergebnis besaß Energie, erschwerte jedoch die Suche nach einer gemeinsamen Richtung.
Minipony sollten persönlicher, beweglicher und konzeptionell geschlossener arbeiten. Bereits der Bandname verweigerte sich den üblichen Begriffen des Extreme Metal. Statt Zerstörung, Krankheit oder religiöser Provokation steht dort ein Wort, das eher an ein Kinderzimmer als an tief gestimmte Gitarren erinnert.
Dieser Gegensatz blieb keine einmalige Pointe. Süße und Brutalität, technische Kontrolle und improvisierte Unordnung, Körperlichkeit und Spiritualität sowie elektronische und organische Klänge bilden seitdem das Zentrum der Band. Minipony interessieren sich nicht dafür, diese Gegensätze aufzulösen. Sie lassen sie gleichzeitig bestehen.
2013 veröffentlichte das Projekt eine selbst produzierte EP mit drei Stücken. Das gemeinsam mit dem italienischen Fotografen Federico Giammattei gedrehte Stop-Motion-Video zu »MilkWithSilk« erhielt unter anderem Aufmerksamkeit von Alejandro Jodorowsky, Jens Kidman von Meshuggah, Justin Pearson und Trey Spruance.
Mit dem Einstieg von Schlagzeuger Carlos Sánchez erhielt die Musik 2017 ein belastbares rhythmisches Fundament. Im selben Jahr folgte über Subsound Records das Debütalbum »Imago«. Die Veröffentlichung wurde im Teatro Nacional Variedades in Quito vor ausverkauftem Haus präsentiert, bevor Auftritte auf mehreren wichtigen Festivals in Ecuador und eine Tour durch Italien folgten.
Das zweite Album »Ajna« entstand teilweise in den Silver Cord Studios in Brooklyn, die mit Gojira verbunden sind. Anschließend standen Minipony beim Hell And Heaven Open Air in Mexiko und beim Summer Breeze Brasil auf der Bühne, begleiteten Fear Factory auf deren Lateinamerika-Tour und eröffneten 2024 das erste Konzert von Meshuggah in Bogotá.
LOSZULASSEN, OHNE DARAN ZU ZERBRECHEN
Der Titel »Detach« geht unmittelbar auf das zentrale Stück »Detachment« zurück. Inhaltlich beschäftigt sich die EP mit einer Herausforderung, die sich durch das gesamte menschliche Leben zieht: Menschen, Orte, Erfahrungen und frühere Versionen der eigenen Persönlichkeit loszulassen, ohne den damit verbundenen Verlust zu verdrängen.
Minipony verstehen dieses Loslassen nicht als Gleichgültigkeit. Es geht um das bewusste Annehmen von Veränderung. Jeder Lebensabschnitt verlangt eine Form der Trennung, bis am Ende die endgültige Ablösung vom eigenen Körper und der bisherigen Existenz steht.
Damit setzt »Detach« die spirituellen Gedanken des Vorgängers »Ajna« fort. Bewusstsein, Wahrnehmung und persönliche Entwicklung bleiben wichtige Themen. Dennoch handelt es sich nicht um ein Konzeptwerk mit einer durchgehenden Handlung. Jedes Stück betrachtet einen eigenen emotionalen oder philosophischen Raum.
Diese Ausrichtung passt zum persönlichen Hintergrund der Beteiligten. Natur, Tierwelt, Yoga, Achtsamkeit und ein zunehmend nüchternes Leben spielen für die Musiker eine wichtige Rolle. Die aggressive Musik steht dazu nicht im Widerspruch. Sie dient als Sprache für Spannungen, die sich mit ruhigen Worten nicht immer vollständig ausdrücken lassen.
Auch das Cover von Elodots greift diesen Gedanken auf. Das Motiv besteht aus einer enormen Zahl einzeln gesetzter Punkte, die erst aus entsprechender Entfernung ein gemeinsames Bild ergeben. Jeder Punkt bleibt für sich bestehen und wird dennoch Bestandteil einer größeren Energie. Gerade innerhalb eines Werkes über Vergänglichkeit und Ablösung erhält diese Technik eine nachvollziehbare Bedeutung.
KOMPLEXITÄT BEGINNT MIT EINEM RHYTHMISCHEN GERÜST
Minipony schreiben ihre Stücke nicht von einem klassischen Gitarrenriff ausgehend. Am Anfang stehen rhythmische Demogerüste, welche die späteren Kompositionen tragen. Erst danach entstehen die Gitarrenarrangements, bevor Emilia Moncayo Texte und Gesangsphrasierungen an die vorhandenen Bewegungen anpasst.
Komposition und Aufnahme bleiben dabei eng miteinander verbunden. Während der Gesangsaufnahmen entstehen zusätzliche Geräusche, elektronische elektronische Verfremdungen und kleine Klangdetails, die anschließend fester Bestandteil der jeweiligen Komposition werden. Der Produktionsprozess dient nicht allein dazu, bereits vollständig ausgearbeitete Lieder festzuhalten.
Diese Vorgehensweise erklärt, warum die Gitarren auf »Detach« selten wie das alleinige Führungsinstrument wirken. Sie sind Teil eines rhythmischen Geflechts, das von Sánchez’ Schlagzeug, Galianos Bass und Moncayos ungewöhnlicher Artikulation zusammengehalten wird.
Achtsaitige Gitarren, tiefe Stimmungen und Polyrhythmen gehören bereits länger zur Sprache der Band. Auf »Detach« treten zusätzlich schnellere Bassdrumfolgen und deutlich stärkere elektronische Ebenen hinzu. Die Musik gewinnt dadurch an Geschwindigkeit, ohne ihre massive Tiefe zu verlieren.
»OM« – KEINE MEDITATION FÜR DEN WELLNESSBEREICH
Das 1:25 Minuten kurze »OM« eröffnet die EP als instrumentales Vorspiel. Der Titel weckt Erwartungen an einen meditativen Grundton, doch Minipony übersetzen die damit verbundene Konzentration in eine spannungsgeladene elektronische Klangfläche.
Geräusche treten auf, verschieben ihre Position und verschwinden wieder. Eine klare Melodie bietet das Stück nicht an. Es bereitet stattdessen den geistigen Raum vor, in dem die folgenden Kompositionen wirken sollen.
Als eigenständiges Instrumental bleibt »OM« bewusst unvollständig. Seine Funktion wird erst im Übergang zu »Detachment« deutlich. Die Ruhe führt nicht zur Entspannung, sondern unmittelbar in eine rhythmische Überlastung.
»DETACHMENT« – KONTROLLVERLUST UNTER GENAUER AUFSICHT
Mit »Detachment« beginnt der eigentliche körperliche Angriff. Tief gestimmte Gitarren setzen kurze, massive Figuren gegeneinander, während Carlos Sánchez die scheinbar voneinander unabhängigen Bewegungen mit schnellen Bassdrumfolgen zusammenhält.
Auf den ersten Eindruck wirkt das Stück beinahe chaotisch. Wiederholtes Hören zeigt jedoch, wie genau die Akzente verteilt wurden. Die Band lässt einzelne Schläge aus, verschiebt erwartete Betonungen und unterbricht Bewegungen häufig genau dort, wo ein traditionelles Metalarrangement eine Auflösung anbieten würde.
Emilia Moncayo behandelt ihre Stimme wie ein zusätzliches Rhythmusinstrument. Ihre Growls, Schreie und kurzen Lautfolgen folgen nicht durchgehend einer klassischen Textzeile. Silben werden gedehnt, abgebrochen oder auf einzelne Schläge gelegt. Dadurch kann der Gesang zugleich menschlich, tierisch und elektronisch verfremdet erscheinen.
Inhaltlich stellt »Detachment« die Frage, wie Verlust bewusst angenommen werden kann. Die Musik liefert darauf keine friedliche Antwort. Loslassen bedeutet hier, sich der Unsicherheit auszusetzen, ohne einen vertrauten Takt, einen eingängigen Refrain oder eine sichere harmonische Ordnung als Schutz zu erhalten.
Gerade darin liegt die Stärke des Stücks. Die Komposition vermittelt nicht bloß eine abstrakte Idee, sondern macht die Unruhe einer Ablösung körperlich erfahrbar. Gleichzeitig bleiben einzelne Rhythmusfolgen derart präzise gesetzt, dass der Eindruck willkürlicher Unordnung vermieden wird.
»HOPE« – HOFFNUNG ALS HEFTIGSTER WIDERSTAND
Der Titel »Hope« klingt zunächst freundlicher als alles, was Minipony musikalisch anbieten. Das Stück gehört jedoch zu den aggressivsten Momenten der EP. Gitarre und Schlagzeug setzen mit hoher Geschwindigkeit ein, während Moncayos Stimme zwischen tiefen Ausbrüchen und schrilleren Lauten wechselt.
Im Vergleich zu »Detachment« besitzt »Hope« deutlichere Kontraste. Zwischen den schweren Passagen öffnen sich kurze ruhigere Räume, in denen elektronische Texturen und einzelne Gitarrentöne hervortreten. Diese Momente bleiben knapp genug, um nicht als vollständige Erholung zu funktionieren.
Die anschließenden Ausbrüche erhalten dadurch zusätzliche Wucht. Minipony verstehen Dynamik nicht als Wechsel zwischen einer lauten Strophe und einem gefühlvollen Refrain. Lautstärke, Dichte und rhythmische Bewegung werden vielmehr in mehreren Abstufungen gegeneinander verschoben.
Carlos Sánchez gehört hier zu den wichtigsten Beteiligten. Seine schnelle Fußarbeit bildet keinen bloßen Hintergrund für die Gitarre. Sie treibt die gesamte Komposition an, markiert überraschende Übergänge und verhindert, dass die wiederkehrenden tiefen Figuren statisch wirken.
Trotz seiner Härte besitzt »Hope« einen nachvollziehbaren inneren Verlauf. Hoffnung erscheint nicht als passiver Wunsch nach einer besseren Zukunft, sondern als Entscheidung, innerhalb eines instabilen Zustands weiterzumachen. Gerade deshalb gehört das Stück zu den zugänglichsten und zugleich stärksten Beiträgen der EP.
»OW« – 56 SEKUNDEN ELEKTRONISCHE DESORIENTIERUNG
Nach zwei dicht arrangierten Kompositionen unterbricht »OW« den Ablauf für 56 Sekunden. Das zweite Instrumental arbeitet stärker mit elektronischen Geräuschen, bearbeiteten Impulsen und einer bewusst unruhigen Atmosphäre.
Die Kürze verhindert, dass daraus ein vollständig entwickeltes Stück entsteht. »OW« funktioniert als Scharnier zwischen der spirituell geprägten ersten Hälfte und den stärkeren lateinamerikanischen sowie körperlichen Bewegungen von »Pachanga« und »Inner Dance«.
Dabei bleibt ein kleiner Vorbehalt. Bei insgesamt sechs Titeln nehmen zwei sehr kurze Zwischenstücke einen verhältnismäßig großen Platz in der Trackliste ein. Der Spannungsbogen profitiert davon, während der Umfang an vollständig ausgearbeiteten Kompositionen entsprechend knapp bleibt.
»PACHANGA« – DIE FEIER FINDET IM SCHLACHTHAUS STATT
Das spanische Wort Pachanga bezeichnet eine Feier oder Party. Minipony verwenden diesen ausgelassenen Begriff für einen Song über einen erheblichen moralischen Widerspruch: Menschen empfinden Zuneigung und Mitgefühl für Tiere, während sie zugleich eine normalisierte Industrie unterstützen, die auf deren Leid und Tötung beruht.
Dieser Gegensatz wird nicht in Form einer belehrenden Abhandlung vorgetragen. Der Text arbeitet mit Metaphern, während die Musik zwischen schwerem Djent, technischen Rhythmusverschiebungen und lateinamerikanisch gefärbter Percussion vermittelt. Der vermeintliche Festcharakter bleibt erkennbar, wird jedoch fortlaufend beschädigt.
Amadeus Galianos Gitarre beginnt mit einem tiefen, mechanisch wirkenden Motiv. Bass und Schlagzeug ergänzen es nicht einfach, sondern bewegen sich teilweise gegen seine Betonungen. Erst nach und nach entsteht ein Groove, der trotz aller Verschiebungen körperlich funktioniert.
Die lateinamerikanischen Elemente werden erfreulich selbstverständlich eingebunden. Minipony hängen keine folkloristische Verzierung an ein fertiges Djentstück. Percussion, Akzente und Bewegungen gehören zum kompositorischen Aufbau und verändern die Wirkung der schweren Gitarren.
Moncayos Stimme erreicht hier einige ihrer extremsten Momente. Growls, Schreie und eigenwillig betonte Silben vermitteln gleichzeitig Abscheu, Anklage und eine beinahe rituelle Erregung. Das kann zunächst überfordernd wirken, gehört aber untrennbar zur Identität der Band.
Der Titel und seine musikalische Beweglichkeit stehen in bewusstem Gegensatz zum Inhalt. Es soll getanzt und gefeiert werden, während unterhalb dieser Oberfläche eine systematische Grausamkeit sichtbar wird. »Pachanga« ist damit der thematisch deutlichste und musikalisch vollständigste Song der EP.
»INNER DANCE« – DER ABSCHLUSS BEWEGT SICH NACH INNEN
Mit »Inner Dance« kehrt die EP zu ihrer spirituellen Grundrichtung zurück. Der Tanz findet nicht als gesellschaftliche Feier statt, sondern beschreibt eine innere Bewegung, bei der Körper, Bewusstsein und Rhythmus miteinander reagieren.
Musikalisch verbindet der Abschluss die zuvor eingeführten Bestandteile. Tiefe Gitarren, komplexe Schlagzeugakzente, elektronische Ebenen und rituell wirkende Gesangsphrasen stehen gleichzeitig im Raum. Das Stück klingt dadurch locker und streng kontrolliert zugleich.
Dieser scheinbare Widerspruch gehört zu den wichtigsten Eigenschaften von Minipony. Die Musiker treffen jeden komplizierten Akzent mit großer Genauigkeit, vermitteln aber dennoch nicht den Eindruck eines klinischen Mathematikseminars. Kleine Verschiebungen und unvorhersehbare vokale Reaktionen erhalten eine spontane Wirkung.
Besonders Carlos Sánchez sorgt dafür, dass die zahlreichen Unterbrechungen nicht zum Stillstand führen. Selbst dort, wo die Gitarre nur kurze tiefe Impulse setzt, bleibt eine unterschwellige Vorwärtsbewegung erhalten. Galianos Bass verstärkt währenddessen die körperliche Schwere.
Das Ende verzichtet auf eine versöhnliche Zusammenfassung. »Inner Dance« führt nicht zu einer endgültigen Ruhe, sondern lässt den begonnenen Prozess offen. Das passt zur Grundidee des Loslassens, das nicht als einmaliger Entschluss, sondern als fortlaufende Aufgabe verstanden wird.
EMILIA MONCAYOS STIMME BLEIBT DIE GRÖSSTE HÜRDE
Die ungewöhnliche Stimme von Emilia Moncayo ist das deutlichste Erkennungsmerkmal der Band. Sie verwendet tiefe Growls, schrille Schreie, abgehackte Silben, tierisch wirkende Laute und elektronisch bearbeitete Ebenen. Eine klassische melodische Hauptstimme ist kaum vorhanden.
Diese Herangehensweise erfüllt eine klare musikalische Funktion. Da viele Kompositionen mit kurzen rhythmischen Zellen arbeiten, reagiert der Gesang unmittelbar auf einzelne Akzente. Moncayo singt nicht einfach über das Instrumental, sondern greift in dessen Struktur ein.
Gleichzeitig liegt hier der wahrscheinlich größte Streitpunkt. Ihre extremen Lautfolgen können auf unvorbereitete Hörer beinahe karikaturenhaft wirken. Wer eine verständliche Textvermittlung, einen wiederkehrenden Refrain oder traditionelles Death-Metal-Growling erwartet, wird sich nur schwer an diese Artikulation gewöhnen.
Auf »Detach« erscheint die Stimme allerdings besser in das Gesamtbild eingebunden als auf früheren Veröffentlichungen. Die kürzere Laufzeit verhindert eine übermäßige Wiederholung der ungewöhnlichen Effekte. Zudem lässt die Produktion genügend Raum zwischen Gesang, Gitarre und Schlagzeug.
EINE RHYTHMUSGRUPPE MIT GEMEINSAMEM NERVENSYSTEM
Die technische Leistung der drei Musiker ist beachtlich, wird aber selten demonstrativ ausgestellt. Amadeus Galiano verzichtet weitgehend auf Soli und auffällige Leadgitarren. Seine achtsaitige Gitarre dient vor allem dazu, kurze rhythmische Motive und massive tiefe Akzente zu erzeugen.
Der zusätzlich von Galiano eingespielte Bass verschwindet nicht vollständig unter diesen Frequenzen. Er verstärkt bestimmte Bewegungen und verleiht besonders »Pachanga« und »Inner Dance« zusätzliche Körperlichkeit. Die Percussion erweitert den Klang, ohne wie ein nachträglich hinzugefügter Verweis auf die Herkunft der Band zu wirken.
Carlos Sánchez muss unterdessen zahlreiche Aufgaben gleichzeitig erfüllen. Er hält die Polyrhythmen zusammen, treibt die schnelleren Passagen mit präziser Fußarbeit an und lässt dennoch genügend Raum für elektronische Geräusche und Gesang. Seine Leistung besteht nicht allein in Geschwindigkeit, sondern in der sicheren Kontrolle über ständig wechselnde Schwerpunkte.
Das Zusammenspiel erklärt, weshalb Minipony trotz der zahlreichen Brüche nicht beliebig klingen. Hinter der scheinbaren Unordnung arbeitet eine Rhythmusgruppe mit einem bemerkenswert gemeinsamen Verständnis für Akzente, Pausen und Übergänge.
KLARHEIT FÜR EINEN ABSICHTLICH UNÜBERSICHTLICHEN KLANG
Aufgenommen wurde »Detach« von Amadeus Galiano im bandeigenen Borgo 41 Studio in Lumbisí. Den finalen Mix übernahm Jamie Uertz, der durch seine Arbeit im Umfeld von Gojiras Silver Cord Studio bekannt ist und für dieses Projekt nach Quito reiste. Das Mastering stammt von Juan Pablo Rivas.
Der Mix gibt jedem Instrument ausreichend Gewicht. Die tiefen Gitarren besitzen enorme Masse, ohne das Schlagzeug vollständig zu verdecken. Bassdrum und Snare bleiben selbst während der dichtesten Passagen klar definiert.
Auch die zahlreichen Samples und Synthesizerflächen wurden sinnvoll eingeordnet. Sie liegen nicht bloß im Hintergrund, sondern treten an bestimmten Stellen bewusst nach vorn. Besonders die beiden Instrumentalstücke profitieren von dieser räumlichen Staffelung.
Moncayos unterschiedliche Stimmen werden durch verschiedene Effekte und Positionen voneinander getrennt. Dadurch bleibt erkennbar, wann ein tiefer Growl die Führung übernimmt und wann schrillere oder stärker verfremdete Ebenen als zusätzlicher rhythmischer Reiz dienen.
Die Produktion kann allerdings nicht verhindern, dass einzelne Passagen überladen wirken. Wenn Gitarre, schnelle Bassdrum, Samples und mehrere Gesangsebenen gleichzeitig den Vordergrund beanspruchen, verlieren kleinere Details an Wirkung. Diese Dichte ist gewollt, kann bei längerer Lautstärke aber ermüden.
VIER SONGS SIND SCHNELL VORBEI
Die Entscheidung für eine Spielzeit von knapp über 20 Minuten ist nachvollziehbar. Die extreme Stimme, die komplizierten Rhythmen und die dichten elektronischen Ebenen würden auf einem langen Album erhebliche Konzentration verlangen. »Detach« endet, bevor aus Überforderung vollständige Erschöpfung wird.
Gleichzeitig bleibt das Gefühl zurück, dass die EP gerade ihre stärkste Phase erreicht hat, als »Inner Dance« bereits endet. Zwei der sechs Titel sind kurze instrumentale Übergänge. Somit bilden lediglich vier Stücke den eigentlichen kompositorischen Kern.
Innerhalb dieser vier Songs zeigen Minipony allerdings eine größere Klarheit als auf früheren Veröffentlichungen. »Detachment« definiert das philosophische Zentrum, »Hope« nutzt Dynamik besonders wirkungsvoll, »Pachanga« verbindet musikalische Herkunft und moralischen Widerspruch, während »Inner Dance« sämtliche Bestandteile zu einem offenen Abschluss zusammenführt.
Die Band hat nach eigener Aussage weder an Algorithmen noch an Radioformate oder einen technischen Leistungsnachweis gedacht. Das ist glaubwürdig. »Detach« enthält keinen offensichtlich berechneten Playlisttitel und keine Stelle, an der ein konventioneller Refrain plötzlich um Aufmerksamkeit bittet.
Diese Konsequenz schränkt das mögliche Publikum ein. Selbst erfahrene Hörer von Technical Death Metal oder Djent müssen sich auf eine vokale und rhythmische Sprache einstellen, die vertraute Ordnung bewusst verweigert. Wer diese Hürde überwindet, entdeckt jedoch ein ungewöhnlich eigenständiges Werk.
FAZIT:
Mit »Detach« bündeln Minipony ihre Mischung aus Mathcore, Technical Death Metal, Djent, elektronischer Desorientierung und lateinamerikanischer Rhythmik zu einer kurzen, technisch beeindruckenden und bemerkenswert persönlichen EP, deren Höhepunkte »Hope«, »Pachanga« und »Inner Dance« darstellen. Emilia Moncayos extreme Artikulation, die dichte Produktion und der geringe Umfang von nur vier vollständigen Kompositionen verlangen erhebliche Offenheit, doch gerade diese kompromisslose Eigenständigkeit hebt das Trio deutlich aus dem internationalen Experimental Metal hervor.






