Tracklist
01. Gutsy
02. Alive After Death (Last Plane Out)
03. Here She Comes
04. Kid In A Candy Store
05. Sky High
06. Who Put The Rhythm In You?
07. Christmas Bonus
08. Last Man Standing
09. Rock ‘N’ Roll Ya
10. Bogotá
11. Hells Got No Vacancy
12. Send Me To Rock ‘N’ Roll Heaven
Besetzung
Joel O’Keeffe – Vocals, Guitar
David Roads – Guitar
Justin Street – Bass
Ryan O’Keeffe – Drums
So richtig still wird es um die australischen Rocker von AIRBOURNE selten: Als regelmäßiger Act auf Festivals und zuletzt auch als Vorband von IRON MAIDEN bleibt das Viergespann eine feste Größe auf den großen Bühnen. Da können sich die Abstände zwischen den Studioalben schon einmal etwas verlängern. Seit dem letzten Werk „Boneshaker“ sind mittlerweile sieben Jahre vergangen. Für ihr sechstes Album haben AIRBOURNE erstmals den Bandnamen selbst zum Titel gemacht – und damit durchaus passend zusammengefasst, was musikalisch zu erwarten ist: AIRBOURNE pur.
Produktion und Sound – „blockbuster shit“
Anders als der bewusst roh gehaltene Vorgänger setzt das selbstbetitelte Album auf einen deutlich wuchtigeren Sound. Mit Brian Howes und Mike Fraser, die bereits bei „Black Dog Barking“ und „Breakin’ Outta Hell“ für einen druckvollen Klang sorgten, verbrachten die Australier mehrere Monate damit, auch an kleineren Details zu feilen. Die Demos sollen dabei bereits so überzeugend geklungen haben, dass selbst Mutt Lange und Bryan Adams sie für das fertige Album hielten. Nach den letzten Anpassungen brachte Sänger Joel O’Keeffe das Ergebnis mit den Worten „This is blockbuster shit“ auf den Punkt. Tatsächlich präsentiert sich „Airbourne“ klanglich äußerst souverän: druckvoll und zugleich lebendig genug, um nicht steril zu wirken. Im direkten Vergleich mit „Boneshaker“ ist die Produktion deutlich größer angelegt und verleiht den Songs zusätzliche Wucht.
Name ist Programm – „no matter what, stay true to yourselves“
Seit ihrem Debüt „Running Wild“ verfolgen AIRBOURNE eine klar erkennbare musikalische Linie. Ihr geradliniger, energiegeladener Hard Rock orientiert sich unverkennbar an klassischen Vorbildern wie AC/DC und setzt auf Lautstärke, eingängige Riffs und Refrains mit hohem Mitsingpotenzial. Entsprechend finden sich auch auf „Airbourne“ zahlreiche Elemente wieder, die Fans der Band bereits aus früheren Veröffentlichungen kennen. Passend dazu veröffentlichte die Band im Zuge der Albumankündigung einen offenen Brief von Joel O’Keeffe an dessen verstorbenen Freund und Idol Lemmy Kilmister. Darin erinnert sich der Sänger an einen Rat des MOTÖRHEAD-Frontmanns: „no matter what, stay true to yourselves“. Diesem Prinzip bleiben AIRBOURNE auch auf ihrem neuen Album konsequent treu.
Die Formel bleibt bestehen
Die Kehrseite dieser Konsequenz ist, dass sich AIRBOURNE musikalisch nur wenig von ihrem bisherigen Kurs entfernen. Bereits die 2025 veröffentlichte Single „Gutsy“ versammelt die bekannten Zutaten des Band-Sounds: treibende Gitarren, geradlinige Rhythmen und einen Refrain, der unmittelbar auf die Bühne zu gehören scheint. Auch im weiteren Verlauf des Albums begegnen einem vertraute Strukturen. Das Gitarrenintro von „Last Man Standing“ etwa erinnert deutlich an „Live It Up“, während viele Refrains nach dem bewährten AIRBOURNE-Prinzip funktionieren: Der Songtitel wird zum zentralen Mitsingmoment.
Musikalische Finesse vs. Spaßfaktor
Was live hervorragend funktionieren dürfte, wirkt beim konzentrierten Hören eines kompletten Albums naturgemäß weniger abwechslungsreich. AIRBOURNE setzen bewusst nicht auf technische Komplexität oder stilistische Experimente, sondern auf die unmittelbare Wirkung ihres Hard Rocks. Das Album ist dadurch leicht zugänglich und entwickelt schnell einen hohen Unterhaltungswert, bietet musikalisch aber nur wenige Überraschungen.
Stärken und Schwächen
Eine Ausnahme bildet „Bogotá“, das sich etwas stärker vom etablierten Muster abhebt. Auch „Alive After Death (Last Plane Out)“ gehört zu den abwechslungsreicheren Stücken des Albums. Hier ist der Übergang zwischen den aufbauenden Strophen und dem explosiven Refrain besonders deutlich gestaltet. Zusätzliche Details in der zweiten Strophe und ein elektrisierender Übergang zum letzten Abschnitt sorgen für Dynamik und machen den Song zu einem der interessantesten Stücke der Platte. Nicht jeder Song erreicht dieses Niveau. „Here She Comes“ und „Hell’s Got No Vacancy“ bleiben beispielsweise vergleichsweise eindimensional, da sich Strophen und Refrains nur wenig voneinander abheben.
„Airbourne“ zeigt damit eine Band, die ihre Stärken sehr genau kennt und konsequent ausspielt. Wer von AIRBOURNE klassischen, druckvollen Hard Rock mit hohem Mitsing- und Livefaktor erwartet, bekommt genau das – wer hingegen auf musikalische Weiterentwicklung oder größere stilistische Überraschungen hofft, wird nur vereinzelt fündig.
Fazit: „Airbourne“ ist eine rundum solide Hard-Rock-Platte mit herausragender Produktion, viel Energie und dem unverwechselbaren Sound der Australier. Musikalisch bleibt die Band ihrer bewährten Formel treu – mit allen Vor- und Nachteilen, die das mit sich bringt.






