Band: Coprolith 🇨🇦
Titel: Putrescence
Label: Me Saco Un Ojo Records / Rotted Life Records
VÖ: 03.07.2026
Format: LP / CD / MC / Digital
Genre: Death Metal / Doom Metal

Tracklist

01. Sentenced To The Grave
02. Putrescence
03. Defiling Incantation
04. Birthed By Remorseless Flames
05. Another Skull To Claim
06. Possessed By Incoherent Violent Suggestions

Besetzung

K.D– Gesang
J.H
– Gitarre
A.K – Gitarre
A.M – Bass
S.A – Schlagzeug

Bewertung:

4,5 von 5 Punkten

Coprolith sind eine neue Truppe aus dem Death Metal Universum! Drei Jahre nach ihrem selbstbetitelten Demo legen die aus dem kanadischen Toronto stammenden Deather »Putrescence« ihr erstes vollständiges Album vor und ziehen den Hörer tief in eine Welt aus Verwesung, Grabeskälte und nahezu körperlich spürbarer Finsternis.

Die sechs Stücke bewegen sich zwischen höhlenartigem Old-School-Death-Metal und schleppendem Death Doom. Coprolith setzen dabei weder auf technische Selbstdarstellung noch auf sterile Hochglanzproduktion. Tiefer gestimmte Gitarren, ein deutlich verzerrter Bass, finstere Tremoloriffs und extrem tiefe Growls bilden das Fundament. Einflüsse von Incantation, Winter, Asphyx und Disma sind erkennbar, ohne dass »Putrescence« zu einer bloßen Kopie dieser Vorbilder verkommt.

Albumstream

AUS DER GRUFT DIREKT IN DIE TIEFE

»Sentenced To The Grave« beginnt mit einem morbiden Vorspiel, bevor die gesamte Band wie eine einstürzende Grabkammer einsetzt. Das Schlagzeug arbeitet kontrolliert und druckvoll, während die Gitarren mit tiefen Tremolopassagen und schweren Akkorden eine nahezu undurchdringliche Klangwand errichten. Über allem liegt der abgründige Gesang von K.D, der weniger nach menschlicher Stimme als nach einem Geräusch aus dem Erdinneren klingt.

Der Opener zeigt bereits die größte Stärke der Platte: Coprolith beherrschen den Wechsel zwischen Geschwindigkeit und beinahe regungsloser Schwere. Schnelle Attacken werden nicht zum dauerhaften Selbstzweck, sondern dienen als gewaltsamer Kontrast zu den langsamen Abschnitten. Gerade dann, wenn die Band das Tempo drosselt, entfaltet das Material seine bedrückendste Wirkung.

Der Titelsong »Putrescence« bricht zunächst deutlich aggressiver los, ehe der Boden unter dem Stück regelrecht wegzusacken scheint. Das Tempo fällt ab, die Gitarren werden breiter und der Bass drückt sich mit einer stark verzerrten Präsenz durch den Mix. Statt bloßer Geschwindigkeit entsteht ein Gefühl stetiger Zersetzung.

ZWISCHEN TODESSTOSS UND TRAUERMARSCH

»Defiling Incantation« und »Another Skull To Claim« halten den Druck hoch, ohne die grundlegende Atmosphäre zu verlassen. Die Riffs werden nicht mit übermäßigen Verzierungen belastet, sondern wiederholen sich häufig so lange, bis ihre Wirkung vollständig eingesetzt hat. Kleine Tempowechsel, kurze Blastbeat-Ausbrüche und schleppende Übergänge verhindern trotzdem, dass die Stücke völlig gleichförmig geraten.

Besonders eindrucksvoll fällt »Birthed By Remorseless Flames« aus. Zu Beginn treiben Blastbeats und thrashige Schlagzeugfiguren das Stück voran. Später tritt der verzerrte Bass deutlicher hervor und leitet einen massiven Doom-Abschnitt ein. Hier zeigen Coprolith, dass Langsamkeit im extremen Metal mindestens ebenso zerstörerisch sein kann wie hohes Tempo.

Das abschließende »Possessed By Incoherent Violent Suggestions« verbindet beide Seiten des Albums besonders konsequent. Aus einer unheilvollen, beinahe zeremoniellen Stimmung entwickelt sich ein schneller Ausbruch, bevor sich die Musik erneut in einen schweren Trauermarsch verwandelt. Glockenschläge verstärken zum Ende hin den Eindruck, einer Beisetzung in einer längst verlassenen Kathedrale beizuwohnen.

ORGANISCHER KLANG STATT DIGITALER STERILITÄT

Auch die Produktion trägt entscheidend zur Wirkung bei. Das Schlagzeug besitzt genügend Klarheit, um selbst während der schnelleren Passagen verständlich zu bleiben, wirkt aber nicht künstlich geglättet. Die Gitarren liegen tief und dicht im Klangbild, während der Bass hörbar gegen diese Masse arbeitet. Der Gesang wurde nicht unnötig weit nach vorne gemischt, sondern erscheint als weiterer Bestandteil des gesamten Klanggewölbes.

Natürlich erfinden Coprolith den höhlenartigen Death Metal nicht neu. Viele der tiefen Tremoloriffs, Tempowechsel und schleppenden Doom-Passagen folgen einer Sprache, die Incantation und vergleichbare Bands bereits vor Jahrzehnten geprägt haben. Auch ähneln sich einzelne Übergänge innerhalb der sechs Stücke. Wer klare Refrains, melodische Wiedererkennungsmerkmale oder technische Überraschungen erwartet, dürfte hier kaum fündig werden.

Innerhalb ihres gewählten Rahmens agieren die Kanadier allerdings ausgesprochen überzeugend. Die kompakte Trackliste verhindert unnötige Wiederholungen, während die sorgfältig gesetzten Geschwindigkeitswechsel für genügend Dynamik sorgen. Vor allem die langsamen Passagen besitzen eine enorme Schwere und lassen das Album wesentlich bedrohlicher wirken als viele Produktionen, die ausschließlich auf Lautstärke und Blastbeats setzen.

FAZIT:

»Putrescence« ist ein finsteres, kompromissloses Debütalbum für Liebhaber von höhlenartigem Old-School-Death-Metal und schwerem Death Doom. Coprolith verbinden abgründige Growls, tief gestimmte Tremoloriffs, organisches Schlagzeug und einen bemerkenswert präsenten Bass zu einem Klangbild, das sich langsam und unerbittlich über den Hörer legt. Besonders »Sentenced To The Grave«, der Titelsong, »Birthed By Remorseless Flames« und der monumentale Abschluss überzeugen durch das Wechselspiel aus rasender Gewalt und beinahe erstarrter Schwere. Vollkommen neu ist diese Art des Death Metal nicht. Sie wird hier jedoch mit so viel Konsequenz, Atmosphäre und morbider Wucht umgesetzt, dass Freunde von Incantation, Winter, Asphyx oder Disma unbedingt ein Ohr riskieren sollten.

Internet

Coprolith - Putrescence - CD Review

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