Tracklist
01. He Is… – 04:45
02. The Antithesis – 03:28
03. What A God – 02:49
04. The Fence – 03:37
05. Better To Be Drowned With A Millstone Around The Neck – 03:37
06. The Perseverance – 02:30
07. The Greatest Lie Ever Told – 03:21
08. Through Christ We Live – 02:54
09. Satan Will Kill You – 03:21
Besetzung
Jordan „HeavenHammer“ Varela – Gesang und sämtliche Instrumente
Weitere Angaben:
Sämtliche Musik und Arrangements – Jordan Varela
Artwork – Justin Abraham
Auf dem Zaun sitzt es sich bekanntlich bequem. Man muss keine eindeutige Position beziehen, hält sich scheinbar alle Möglichkeiten offen und kann jederzeit behaupten, eigentlich keiner Seite vollständig anzugehören. Für Dichotomy ist diese vermeintliche Neutralität allerdings nichts anderes als Selbsttäuschung, denn »Lucifer Owns The Fence«. Hinter dem US-amerikanischen Soloprojekt steht Jordan „HeavenHammer“ Varela, der sämtliche Instrumente und den Gesang des Debütalbums eigenständig verantwortet. Der Musiker ist unter anderem durch Lust Of Decay, Shuriken Cadaveric Entwinement und seine frühere Tätigkeit bei Lividity bekannt. Seine Erfahrung hört man den neun Stücken deutlich an. Hier wird nicht vorsichtig ausprobiert, sondern mit hoher Geschwindigkeit, präzisem Schlagzeugspiel und einem klaren Verständnis für amerikanischen Old School Death Metal angegriffen. Musikalisch stehen vor allem Deicide, Hate Eternal, Immolation, Morbid Angel, Malevolent Creation und Cannibal Corpse Pate. Inhaltlich dreht Varela die traditionell antichristliche Ausrichtung vieler dieser Vorbilder jedoch vollständig um. »Lucifer Owns The Fence« ist ein kompromisslos christliches Death-Metal-Album über Glauben, Versuchung, Konsequenz und die Ablehnung spiritueller Halbherzigkeit.
EIN MANN GEGEN DIE SPIRITUELLE GRAUZONE
Der Name Dichotomy bezeichnet eine Zweiteilung in gegensätzliche Bereiche. Genau dieses Prinzip bildet das Fundament des Albums. Himmel oder Hölle, Christus oder Lucifer, Konsequenz oder Heuchelei: Einen neutralen Zwischenraum erkennt Varela innerhalb seines Glaubensverständnisses nicht an.
Das titelgebende Bild des Zauns steht deshalb für eine Haltung, die sich nicht endgültig entscheiden möchte. Man bekennt sich öffentlich zum Glauben, hält gleichzeitig aber an Verhaltensweisen fest, die diesem Bekenntnis widersprechen. Varela richtet diese Kritik keineswegs ausschließlich gegen Außenstehende. Das Album versteht sich ebenso als persönliche Selbstprüfung und als Abrechnung mit religiöser Doppelmoral.
Diese inhaltliche Eindeutigkeit passt zum musikalischen Aufbau. Dichotomy verzichten auf lange Einleitungen, atmosphärische Zwischenspiele oder progressive Umwege. Die neun Stücke kommen gemeinsam auf knapp über eine halbe Stunde und folgen einer klaren Arbeitsweise: schnelle Schlagzeugrhythmen, tief gestimmte Gitarren, kurze Tempowechsel und gutturaler Gesang.
Das bedeutet allerdings nicht, dass die Musik nur aus einer durchgehenden Aneinanderreihung von Blastbeats besteht. Unter der hohen Geschwindigkeit befinden sich kontrollierte rhythmische Verschiebungen, prägnante Übergänge und gelegentliche Groove-Passagen. Besonders die Gitarren greifen immer wieder ineinander, bevor sie sich gemeinsam mit dem Schlagzeug in kurze, hart gesetzte Akzente werfen.
Die größte Aufmerksamkeit beansprucht dennoch das Schlagzeug. Varela ist in erster Linie als Drummer bekannt und setzt seine Fähigkeiten entsprechend wirkungsvoll ein. Doublebass, schnelle Fills und wechselnde Beckenfiguren halten das Album permanent in Bewegung. Nach eigener Aussage verzichtet er darauf, sein Spiel vollständig zu quantisieren. Dadurch bleiben kleine menschliche Schwankungen erhalten, die dem Material eine organische Wirkung geben.
DER AUFTAKT KENNT KEINE AUFWÄRMPHASE
»He Is…« eröffnet das Album mit einem lang gezogenen gutturalen Schrei und geht unmittelbar in einen kontrollierten Tumult aus schnellen Drums und sich windenden Gitarrenriffs über. Schon der erste Titel zeigt, dass sich Varela zwar an der amerikanischen Death-Metal-Schule orientiert, seine Kompositionen aber nicht vollständig auf geradlinige Prügelattacken reduziert.
Die Rhythmen wechseln abrupt, einzelne Riffs werden nur kurz angespielt und anschließend durch schwerere Passagen abgelöst. Trotzdem entsteht kein willkürliches Durcheinander. Hinter der scheinbaren Unordnung steht eine erkennbare Struktur, die ihre Wirkung vor allem bei wiederholtem Hören entfaltet.
Inhaltlich ist »He Is…« ein Lobpreis auf Jesus Christus. Wo viele Death-Metal-Alben Gotteslästerung, Verfall oder religiöse Ablehnung behandeln, verwendet Varela dieselbe musikalische Härte für das genaue Gegenteil. Der Gegensatz ist zunächst ungewöhnlich, wird aber nicht als ironischer Effekt eingesetzt. Varela trägt seine Überzeugung mit derselben Ernsthaftigkeit vor, mit der andere Genrevertreter antireligiöse Botschaften formulieren.
»The Antithesis« beschäftigt sich anschließend mit Lucifer als Gegenpol zu Christus. Der Song bezeichnet ihn als gefallenen Engel, Täuscher und Herrscher einer vergänglichen Welt. Verehrung findet dabei nicht statt. Vielmehr soll die Figur entmystifiziert und als gescheiterter Widersacher dargestellt werden.
Musikalisch erhöht Varela die Schlagzahl noch einmal. Das Schlagzeug arbeitet beinahe pausenlos, während Bass und Gitarren eine kompakte Wand bilden. Gerade der metallisch klingende Bass verleiht dem Stück zusätzlichen Druck und ist deutlicher wahrnehmbar als auf vielen anderen Soloaufnahmen dieser Art.
Die größte Schwäche wird hier allerdings ebenfalls hörbar: Varelas Growls besitzen Kraft und Wiedererkennungswert, bleiben aber über längere Strecken in einer ähnlichen Lage. Das passt zur kompromisslosen Ausrichtung, reduziert jedoch die vokale Vielfalt.
LOBPREIS ZWISCHEN DOPPELBASS UND TODESMETALL
Mit weniger als drei Minuten gehört »What A God« zu den kürzeren Nummern. Der Song wird von mehreren Rezensionen zu Recht als einer der Höhepunkte hervorgehoben. Unter der aggressiven Oberfläche befinden sich eingängige Gitarrenfiguren und rhythmische Wendungen, die den Titel aus dem durchgehend hohen Härtegrad herausheben.
Varela verbindet hier die Geschwindigkeit der alten Schule mit einer vergleichsweise zeitgemäßen Durchschlagskraft. Der Klang ist druckvoll, ohne vollständig klinisch zu wirken. Die Instrumente besitzen ausreichend Klarheit, damit die einzelnen Riffwechsel nicht unter dem Schlagzeug verschwinden.
Textlich handelt es sich erneut um eine eindeutige Verehrung Christi. Die Heiligkeit und Größe Gottes werden nicht mit melodischem Klargesang, Chören oder symphonischen Arrangements dargestellt, sondern mit tiefen Growls und aggressiven Riffs. Genau in diesem Gegensatz entwickelt Dichotomy seine stärkste Identität.
Der Titelsong »The Fence« stellt danach die zentrale Frage: Auf welcher Seite steht der Hörer? Der Zaun bietet nach Varelas Auffassung keinen Schutz. Wer versucht, gleichzeitig christlichen Glauben und gegensätzliche Lebensweisen miteinander zu verbinden, befindet sich bereits in Lucifers Einflussbereich.
Die Musik arbeitet mit versetzten Rhythmusfiguren und stärkerem Groove. Dadurch setzt sich der Song angenehm von den ersten drei Nummern ab. Statt ausschließlich Geschwindigkeit aufzubauen, lässt Varela einzelne Riffs länger stehen und verleiht ihnen durch kurze Pausen zusätzliches Gewicht.
»The Fence« ist nicht das technisch spektakulärste Stück, aber das konzeptionell wichtigste. Inhalt, Albumtitel und Artwork laufen hier zusammen. Das macht den Song zum Mittelpunkt einer Platte, deren religiöse Botschaft keineswegs nur als dekorativer Hintergrund dient.
DER MÜHLSTEIN UND DIE KONSEQUENZ
»Better To Be Drowned With A Millstone Around The Neck« besitzt nicht nur den längsten Titel, sondern behandelt auch das schwerwiegendste Thema des Albums. Varela bezieht sich auf die biblische Warnung vor der Schädigung von Kindern und auf die drastische Strafe, die darin beschrieben wird.
Ursprünglich sollte sich ein vollständiges Album diesem Thema widmen. Varela entschied sich jedoch dagegen, weil die Beschäftigung damit für ihn emotional zu belastend geworden wäre. Stattdessen verdichtete er den Gedanken in einem einzelnen Song. Die Einnahmen aus CD-Verkäufen möchte er einer Organisation zuführen, die gegen die Ausbeutung und den Missbrauch von Kindern arbeitet.
Musikalisch wird diese Wut in einen konzentrierten Death-Metal-Angriff übertragen. Der Song hält sich nicht mit langen Aufbauten auf. Schlagzeug und Gitarren setzen entschlossen ein, während der Gesang die Abscheu gegenüber den beschriebenen Taten ohne Umwege vermittelt.
Trotz des ernsten Hintergrunds verfällt Varela nicht in eine ausufernde, überdramatisierte Inszenierung. Die Nummer bleibt kompakt und konzentriert sich auf das Wesentliche. Das macht sie zu einem der wirkungsvollsten Stücke des Albums.
Mit »The Perseverance« folgt der kürzeste Titel. Zweieinhalb Minuten reichen aus, um den Gedanken von Ausdauer, Demut und Glaubenstreue in klassischen amerikanischen Death Metal zu übertragen.
Hier tritt die Nähe zu älteren Genreproduktionen besonders deutlich hervor. Schnelle Riffs, durchgehende Doublebass und kurze harmonische Spitzen werden ohne überflüssige Erweiterungen zusammengefügt. Der Song endet, bevor die Idee abgenutzt wirkt.
Gerade diese Kürze steht dem Album gut. Da »Lucifer Owns The Fence« nahezu durchgehend auf hohem Intensitätsniveau arbeitet, sind die kompaktesten Stücke häufig die stärksten. Sie setzen ihre Aussage, schlagen zu und verschwinden wieder.
DIE GRÖSSTE LÜGE UND DAS NEUE LEBEN
»The Greatest Lie Ever Told« behandelt die Versuchung von Adam und Eva. Lucifer überzeugt die Menschen davon, dass Gott nicht genüge und sie selbst eine gottgleiche Stellung erreichen könnten. Für Varela ist dies der Ausgangspunkt von Scham, Sünde und geistigem Tod.
Die Gitarren arbeiten mit kurzen, stechenden Figuren und hohen Obertönen. Doublebass und aggressive Riffs treiben sich gegenseitig an, ohne die rhythmische Übersicht zu verlieren. Der Song gehört zu jenen Momenten, in denen die technische Kontrolle besonders deutlich wird.
Varela spielt schnell, aber nicht wahllos. Jeder Wechsel hat eine Funktion, und trotz der dichten Instrumentierung bleibt der Aufbau nachvollziehbar. Dadurch unterscheidet sich Dichotomy von zahlreichen Projekten, die Geschwindigkeit als Ersatz für Songwriting verwenden.
»Through Christ We Live« bildet den positiven Gegenentwurf. Der Song behandelt Erlösung und neues Leben durch die Auferstehung Christi. Musikalisch bleibt die Nummer dennoch hart und aggressiv. Hoffnung wird nicht durch einen deutlichen Stilwechsel oder melodischen Refrain dargestellt.
Das ist konsequent, verschenkt aber auch eine Möglichkeit. Ein stärkerer dynamischer Kontrast hätte dem letzten Drittel zusätzliche Spannung verliehen. Weil beinahe sämtliche Stücke mit ähnlicher Intensität auftreten, verschwimmen einige Übergänge beim ersten Durchlauf.
Gerade hier zeigt sich die wichtigste Einschränkung des Albums: Varela beherrscht seine gewählte Ausdrucksform, erweitert sie innerhalb dieser neun Titel jedoch nur selten. Wer von Anfang bis Ende kompromisslosen Death Metal erwartet, erhält genau das. Wer nach deutlichen Stimmungswechseln oder melodischen Ruhepunkten sucht, wird sie kaum finden.
SATAN WILL KILL YOU
Das Finale trägt den unmissverständlichen Titel »Satan Will Kill You«. Gemeint ist dabei nicht zwangsläufig eine unmittelbare körperliche Bedrohung. Varela beschreibt Lucifer als geistigen Zerstörer, der mit Lügen, Verwirrung und Verführung arbeitet.
Musikalisch fasst das Stück die wesentlichen Eigenschaften des Albums zusammen. Bass und Schlagzeug bilden ein massives Fundament, die Gitarren setzen kurze aggressive Figuren darüber und der Gesang bleibt tief und dominant.
Die Produktion lässt dem Schlagzeug erneut viel Raum. Varelas Fills wirken kontrolliert, gleichzeitig aber lebendig genug, um nicht wie nachträglich am Computer zusammengesetzt zu klingen. Besonders die Verbindung aus Doublebass und metallischem Bassklang verleiht dem Stück erheblichen Druck.
Zum Ende verändert sich die Atmosphäre. Schreie und geräuschhafte Elemente führen aus dem eigentlichen Song heraus und hinterlassen einen verstörenden Eindruck. Dieser Abschluss gibt dem Album schließlich jene zusätzliche Ebene, die in einigen vorherigen Stücken fehlt.
Statt einfach mit einem letzten Akkord zu enden, zieht »Satan Will Kill You« die Warnung über die Musik hinaus. Das Finale gehört gemeinsam mit »He Is…«, »What A God« und »The Fence« zu den überzeugendsten Momenten.
ALTE SCHULE MIT MODERNEM AUFPRALL
Die musikalischen Vorbilder sind deutlich erkennbar. Frühere Deicide, Morbid Angel, Malevolent Creation und Hate Eternal bilden den wichtigsten Bezugspunkt. Auch die direkte Riffarbeit älterer Living Sacrifice lässt sich an einigen Stellen nachvollziehen.
Varela versteckt diese Einflüsse nicht. »Lucifer Owns The Fence« versucht nicht, den Death Metal neu zu definieren. Stattdessen wird eine bekannte Form mit handwerklicher Sicherheit und einer klaren persönlichen Botschaft ausgefüllt.
Vereinzelte schwarzmetallische Schärfen in den Gitarren und Harmonien bringen zusätzliche Farbe in das Material. Sie übernehmen jedoch nie vollständig die Kontrolle. Im Kern bleibt das Album amerikanischer Death Metal mit hohem Tempo, starken rhythmischen Verschiebungen und tiefem gutturalem Gesang.
Die Produktion verbindet eine rohe Grundhaltung mit ausreichender Klarheit. Das Schlagzeug klingt nicht vollständig glattgezogen, während Gitarren und Bass genügend Präsenz erhalten. Bei höchster Geschwindigkeit wird das Klangbild stellenweise sehr dicht, doch die wichtigsten Riffs bleiben nachvollziehbar.
Besonders beachtlich ist die Geschlossenheit der Platte. Weil sämtliche Instrumente, Stimmen und Arrangements von einer Person stammen, besteht immer die Gefahr eines einförmigen Ergebnisses. Varela verhindert dies zumindest innerhalb der kompakten Spielzeit durch unterschiedliche Riffstrukturen und kleine Tempovariationen.
Vollständig entkommt das Album der Gleichförmigkeit trotzdem nicht. Die Growls verändern sich nur begrenzt, und die nahezu permanente Aggression lässt einige Songs weniger deutlich hervortreten. Ein oder zwei bewusst langsamere Abschnitte hätten der Gesamtwirkung nicht geschadet.
GLAUBE OHNE MUSIKALISCHE ZURÜCKHALTUNG
Christlicher Death Metal ist keineswegs ein neues Phänomen. Bands wie Mortification, Crimson Thorn und Living Sacrifice haben bereits vor Jahrzehnten bewiesen, dass extreme Musik und christliche Inhalte zusammenfinden können.
Dichotomy unterscheiden sich dennoch durch die Konsequenz, mit der Varela explizit von stark antichristlich geprägten Bands beeinflusste Musik für ein christliches Glaubensbekenntnis verwendet. Darin liegt die eigentliche Dichotomie des Projekts.
Die Texte lassen wenig Raum für Mehrdeutigkeit. Varela predigt, warnt, bekennt und klagt an. Diese Direktheit wird nicht jeden Hörer erreichen. Wer Religion in Musik grundsätzlich ablehnt oder subtilere Texte bevorzugt, dürfte sich an der Eindeutigkeit stören.
Gleichzeitig wirkt das Album nicht wie eine kalkulierte Provokation. Die Botschaft ist ernst gemeint und richtet sich ausdrücklich auch gegen religiöse Heuchelei innerhalb christlicher Gemeinschaften. Varela stellt sich selbst nicht außerhalb seiner Kritik, sondern versteht die Platte als Aufforderung zur persönlichen Konsequenz.
Diese Glaubwürdigkeit ist wichtig. Ohne sie könnte das Konzept schnell wie ein bloßer Austausch satanischer gegen christliche Begriffe erscheinen. Auf »Lucifer Owns The Fence« bilden Inhalt und musikalische Ausführung jedoch eine erkennbare Einheit.
KEINE REVOLUTION, ABER EIN STARKES DEBÜT
Die häufigsten Einschätzungen anderer Kritiker treffen den Kern des Albums ziemlich genau: Dichotomy revolutionieren den Death Metal nicht, liefern aber eine äußerst kompetente und entschlossene Ausführung seiner traditionellen Grundlagen.
Varelas größte Stärke liegt in der Verbindung aus technischer Erfahrung und klarer Songstruktur. Selbst in den hektischsten Abschnitten bleibt erkennbar, wohin sich ein Stück bewegt. Die Rhythmen mögen wild erscheinen, werden aber nicht dem Zufall überlassen.
Besonders das Schlagzeugspiel hebt das Album über durchschnittliche Old-School-Veröffentlichungen hinaus. Varela arbeitet schnell und präzise, verliert dabei jedoch nicht vollständig den menschlichen Charakter. Die Gitarren erfüllen ihre Funktion mit aggressiven, teilweise eingängigen Riffs, während der Bass der Produktion zusätzliches Gewicht gibt.
Weniger abwechslungsreich fällt der Gesang aus. Die tiefen Growls passen hervorragend zur Musik, könnten über die gesamte Spielzeit aber stärker variiert werden. Auch die dauerhaft hohe Intensität sorgt dafür, dass sich nicht jeder Song sofort im Gedächtnis festsetzt.
Mit knapp über dreißig Minuten ist das Album jedoch kurz genug, um diese Schwächen nicht zu einem grundsätzlichen Problem werden zu lassen. »Lucifer Owns The Fence« besitzt keine unnötigen Intros, keine bedeutungslosen Zwischenspiele und keine künstliche Verlängerung. Die Platte formuliert ihre Aussage und beendet den Angriff, bevor die Konzentration nachlässt.
FAZIT:
»Lucifer Owns The Fence« ist ein starkes Debüt, auf dem Jordan „HeavenHammer“ Varela seine langjährige Erfahrung im amerikanischen Death Metal wirkungsvoll bündelt. Das herausragende Schlagzeugspiel, die kontrollierten Riffwechsel und die konsequente Verbindung aus Old-School-Brutalität und christlicher Botschaft verleihen Dichotomy eine klare Identität. Besonders »He Is…«, »What A God«, »The Fence« und »Satan Will Kill You« überzeugen. Die begrenzte vokale Variation, das beinahe durchgehend identische Intensitätsniveau und die starke Orientierung an bekannten Vorbildern verhindern den Sprung in die absolute Spitzengruppe. Wer Deicide, Hate Eternal, Immolation oder klassischen US Death Metal schätzt und mit der ausdrücklich christlichen Ausrichtung keine Berührungsängste hat, erhält dennoch eine fokussierte, handwerklich starke und glaubwürdig vorgetragene Platte.






