Band: Die Infizierten 🇦🇹
Titel: Fear And Loathing (Live In Budapest)
Label: NRT-Records
VÖ: 12.07.2026
Format: Konzertfilm / Digital
Genre: Aggropunk / Punkrock / Deutschpunk / Hardcorepunk

Titelliste

01. Intro
02. Die Infizierten
03. Heuchler
04. Judas
05. Ekelhaft
06. No More
07. Bankrotter Punkrocker
08. Punkpolizist
09. Geiziges Intro
10. Geiz Ist Geil
11. Schachmatt
12. Passed Out
13. NISAED
14. Outro / Credits

Besetzung

Pinhead – Bass und Hauptgesang
DOC – Gitarre und Hintergrundgesang
N01Z – Schlagzeug und Hintergrundgesang
BANDIT – Gitarre und Hintergrundgesang

Bewertung:

3,5 von 5 Punkten

Ein Konzertfilm muss keinen kleinen Club in eine Arena verwandeln, um Eindruck zu hinterlassen. Die Infizierten setzen auf »Fear And Loathing (Live In Budapest)« deshalb konsequent auf Nähe, Lautstärke und die sichtbare Anstrengung eines echten Auftritts. Aufgenommen wurde das knapp vierzigminütige Programm am 29. Dezember 2025 im S8 Underground Club in Budapest. Pinhead, DOC, N01Z und der inzwischen ausgestiegene Gitarrist BANDIT präsentieren dort einen Querschnitt durch das bisherige Material der Wiener. Punkrock, Hardcore, Deutschpunk und metallische Härte werden zu jener Mischung verbunden, die die Band selbst als Aggropunk bezeichnet. Präsentiert wird der Konzertfilm auch von Martin „Otte“ Örtels Blattturbo.

Die Infizierten – Fear And Loathing (Live In Budapest) – Full Show

EIN NEUER EINSTIEG IN DEN BUDAPESTER ABEND

Die nun erscheinende Fassung des Konzertfilms unterscheidet sich vom ursprünglich vorgesehenen Schnitt. Nach Streitigkeiten mit einem ehemaligen Bandmitglied konnten das frühere Intro und der Song »Nichts Ist Wie Es Scheint« nicht länger verwendet werden. Eine überarbeitete Version wurde damit unumgänglich. Der Film beginnt jetzt mit einem kurzen »Intro«, bevor »Die Infizierten« unmittelbar den musikalischen Auftakt übernimmt.

Der neue Einstieg funktioniert erstaunlich gut. Schon während der ersten Akkorde wird deutlich, dass diese Band wenig Interesse an vorsichtiger Annäherung besitzt. Pinhead führt mit rauem Gesang und kräftigem Bass durch das Stück, während DOC und BANDIT die Gitarren breit aufstellen. N01Z hält das Tempo hoch, ohne die Nummer in unübersichtliche Hektik kippen zu lassen. Als Eröffnung erfüllt der selbstbetitelte Song gleich mehrere Aufgaben: Er stellt die Band vor, formuliert ihr Selbstverständnis und bringt den Auftritt ohne längere Verzögerung in Bewegung.

Mit »Heuchler« zieht das Quartett anschließend die Geschwindigkeit an. Der Titel setzt auf kurze Gitarrenfiguren, einen geradlinigen Rhythmus und eine Gesangslinie, die eher herausgeschleudert als vorgetragen wird. Die Aufnahme zeigt dabei, wie stark Die Infizierten von der unmittelbaren Bühnenenergie profitieren. Kleine Unsauberkeiten bleiben hörbar, stören den Gesamteindruck jedoch kaum. Sie gehören zu einem Auftritt, der nicht auf nachträgliche Perfektion, sondern auf körperliche Wirkung ausgerichtet ist.

»Judas« schlägt einen etwas schwereren Weg ein. Die Gitarren erhalten mehr Gewicht, während das Schlagzeug den Song mit festen Akzenten vorantreibt. Inhaltlich bleibt die Band bei ihrem bevorzugten Themenfeld aus Verrat, Doppelmoral und falschen Loyalitäten. Der Titel besitzt einen klaren Aufbau und gehört zu den Nummern, die live deutlich geschlossener erscheinen als auf einer nüchtern betrachteten Studioaufnahme.

VON EKEL BIS ZUM TOTALEN NEIN

Mit »Ekelhaft« erreicht das Konzert einen seiner aggressivsten Abschnitte. Das Stück verzichtet auf längere Vorbereitungen und konzentriert sich auf einen kompakten Angriff aus Bass, Gitarren und Schlagzeug. Pinhead trägt den Text mit hörbarer Ablehnung vor, während die beiden Gitarren genügend metallische Schärfe einbringen, um die Hardcore-Grundlage zu erweitern. Die Nummer ist simpel konstruiert, erfüllt ihren Zweck aber mit Nachdruck.

Deutlich umfangreicher fällt »No More« aus. Der englischsprachige Titel sorgt nicht nur sprachlich für Abwechslung, sondern lässt auch musikalisch etwas mehr Raum. Die Band arbeitet stärker mit Tempowechseln und längeren Übergängen. Dadurch entsteht ein Kontrast zu den vorherigen Stücken, die ihre Wirkung überwiegend aus Kürze und Direktheit beziehen.

Gerade hier zeigt sich jedoch auch eine kleine Schwäche des Mitschnitts. Nicht jede ruhigere oder ausgedehntere Passage besitzt dieselbe Spannung wie die schnellen Teile. Sobald die Band geschlossen nach vorne spielt, entwickelt der Auftritt seinen größten Druck. In den längeren Zwischenräumen verliert das Set kurzzeitig an Zugkraft. Das bleibt ein überschaubarer Kritikpunkt, macht aber deutlich, dass die Stärken der Wiener vor allem im kompakten Songformat liegen.

PLEITE, POLIZEI UND DER PREIS DER MUSIK

Der zweite Teil des Konzerts beginnt mit »Bankrotter Punkrocker«. Die Nummer verbindet Humor, Selbstironie und eine treffende Betrachtung des Musikeralltags. Statt den mittellosen Punk zum tragischen Helden zu erklären, zeichnet die Band eine Figur, die zwischen leerem Konto, fehlendem Bier und großem Überlebenswillen ihren eigenen Zustand kommentiert. Musikalisch gehört der Song zu den zugänglichsten Momenten des Films. Der Refrain sitzt schnell fest und dürfte auch ohne vorherige Kenntnis des Materials funktionieren.

»Punkpolizist« fällt wieder schärfer aus. Gitarren und Schlagzeug rücken enger zusammen, während der Text Widersprüche innerhalb der Szene aufs Korn nimmt. Die Infizierten wenden ihre Kritik damit nicht ausschließlich gegen Politik, Gesellschaft oder Musikindustrie. Auch das eigene Umfeld bleibt nicht verschont. Genau diese Bereitschaft zur internen Abrechnung verleiht dem Material zusätzliche Glaubwürdigkeit.

Das anschließende »Geizige Intro« bereitet den Übergang zu »Geiz Ist Geil« vor. Die Band nimmt sich Zeit für eine humorvolle Einleitung, bevor einer ihrer eingängigsten Songs startet. Inhaltlich geht es um Musiker und Veranstaltungsstrukturen, die für die eigene Arbeit Höchstpreise verlangen, bei anderen jedoch jeden Betrag nach unten handeln wollen. Der Song bringt diese Doppelmoral in einfachen, verständlichen Bildern auf den Punkt.

Live entwickelt »Geiz Ist Geil« beinahe hymnische Qualitäten. Der Refrain ist auf Beteiligung ausgelegt, der Rhythmus bleibt geradlinig und die Gitarren geben der Nummer genügend Härte. Die Komposition ist weder besonders kompliziert noch überraschend, besitzt aber genau jene Klarheit, die ein Punkstück dieser Art benötigt.

DAS FINALE BLEIBT KURZ UND HEFTIG

Mit »Schachmatt« biegt der Auftritt auf die Zielgerade ein. Die Nummer setzt erneut auf ein hohes Tempo und eine kompakte Struktur. N01Z treibt das Stück mit präziser Schlagzeugarbeit voran, während DOC und BANDIT ihre Gitarren zu einer dichten Rhythmuswand verbinden. Pinhead klingt zu diesem Zeitpunkt bereits deutlich beansprucht, was der Wirkung des Songs allerdings zugutekommt. Seine Stimme trägt die Spuren des bisherigen Konzerts und passt damit zur gereizten Grundstimmung.

»Passed Out« wirkt im Anschluss etwas lockerer. Der Titel bringt einen anderen Rhythmus in das Set und verhindert, dass das Finale ausschließlich aus ähnlich aufgebauten schnellen Nummern besteht. Die Band bleibt druckvoll, lässt aber genügend Platz für einen leicht verschobenen Groove. Gerade im letzten Drittel sorgt diese Veränderung für neue Bewegung.

Das kurze »NISAED« bildet den musikalischen Abschluss. Statt noch einmal einen großen Höhepunkt zu erzwingen, beendet die Band den Abend knapp und ohne unnötige Verlängerung. Danach folgen »Outro / Credits«, die den Konzertfilm auslaufen lassen und die beteiligten Personen sowie Unterstützer aufführen.

EINE BAND, DIE VON DER GEMEINSAMEN WUCHT LEBT

Die stärkste Leistung kommt nicht von einem einzelnen Musiker, sondern aus dem Zusammenspiel. Pinheads Bass bleibt präsent genug, um den Gitarren ein tragfähiges Fundament zu geben. Gleichzeitig übernimmt er den Hauptgesang und führt mit rauer Stimme durch das Programm. Sein Vortrag ist technisch nicht auf makellose Kontrolle ausgerichtet. Ausdruck, Verständlichkeit und Haltung stehen im Mittelpunkt.

DOC und BANDIT teilen sich die Gitarrenarbeit. Beide setzen überwiegend auf kräftige Rhythmuspassagen, kurze melodische Figuren und metallisch gefärbte Riffs. Ausgedehnte Soli oder instrumentale Selbstdarstellung spielen kaum eine Rolle. Die Gitarren dienen den Songs und geben ihnen jene zusätzliche Härte, durch die sich die Band vom klassischen Deutschpunk absetzt.

N01Z erweist sich als verlässlicher Motor. Sein Schlagzeugspiel bleibt auch in den schnelleren Abschnitten stabil und verleiht den Stücken eine klare Richtung. Besonders bei »Heuchler«, »Ekelhaft«, »Geiz Ist Geil« und »Schachmatt« trägt seine Arbeit entscheidend dazu bei, dass die Musik nicht auseinanderfällt.

CLUBATMOSPHÄRE STATT HOCHGLANZPRODUKTION

Für Aufnahme und Schnitt war Péter Drapkó verantwortlich. Die Kamera bleibt nah an den Musikern und vermittelt dadurch einen glaubwürdigen Eindruck von der räumlichen Enge des S8 Underground Club. Statt ständig neue Effekte einzusetzen, konzentriert sich die visuelle Umsetzung auf die Band und ihre Bewegungen. Das passt zur Musik, die ebenfalls ohne aufwendige Verzierungen auskommt.

Die Postproduktion von Philipp Gottfried bringt die verschiedenen Aufnahmen in eine nachvollziehbare Form. Trotz der später notwendigen Änderungen wirkt die Neufassung nicht wie ein hastig zusammengesetztes Ersatzprodukt. Übergänge, Titelfolge und Schlusssequenz ergeben einen geschlossenen Film.

Klanglich bleiben die Bedingungen eines kleinen Clubs stets hörbar. Der Gesang setzt sich nicht an jeder Stelle gleich deutlich durch, und manche Gitarrenpassagen verschwimmen innerhalb des dichten Gesamtbildes. Gleichzeitig besitzen Bass und Schlagzeug genügend Präsenz, um das Konzert zusammenzuhalten. Eine sauberere Abmischung hätte einzelne Details deutlicher hervorgehoben, möglicherweise aber auch einen Teil der unmittelbaren Atmosphäre gekostet.

DIREKT, UNGESCHÖNT UND NICHT OHNE SCHWÄCHEN

»Fear And Loathing (Live In Budapest)« zeigt Die Infizierten in einem Umfeld, das gut zu ihrer Musik passt. Die Band benötigt weder große Bühne noch ausgearbeitete Showelemente. Ihre Wirkung entsteht durch kurze Songs, verständliche Aussagen und ein Zusammenspiel, das selbst in den raueren Momenten geschlossen bleibt.

Nicht sämtliche Titel erreichen dasselbe Niveau. Manche Strukturen ähneln sich, und in den längeren Passagen könnte die Spannung konsequenter gehalten werden. Auch der Clubsound verlangt eine gewisse Bereitschaft, kleinere klangliche Schwankungen zu akzeptieren. Dafür erhält das Publikum einen Mitschnitt, der die Veranstaltung nicht künstlich vergrößert und die Band so zeigt, wie sie an diesem Abend aufgetreten ist.

Die überarbeitete Fassung bewahrt trotz des entfernten ursprünglichen Einstiegs einen funktionierenden Ablauf. Das kurze Intro und »Die Infizierten« führen schnell in das Konzert, während »Geiz Ist Geil«, »Bankrotter Punkrocker«, »Ekelhaft« und »Schachmatt« die stärksten Akzente setzen. So bleibt ein ehrliches Dokument einer Band, die Punkrock nicht als historische Erinnerung behandelt, sondern als gegenwärtige und streitbare Ausdrucksform.

FAZIT:

»Fear And Loathing (Live In Budapest)« ist ein rauer und glaubwürdiger Konzertfilm, der die Livequalitäten von Die Infizierten überzeugend festhält. Die Mischung aus Punkrock, Hardcore, Deutschpunk und metallischer Härte funktioniert besonders bei den kurzen, direkten Songs. Kleine Schwächen im Klang und einige ähnliche Songstrukturen verhindern eine höhere Wertung, ändern aber wenig daran, dass diese Neufassung ein druckvolles Dokument des Wiener Aggropunks darstellt.

Die Infizierten im Netz

Die Infizierten – Fear And Loathing (Live In Budapest) – Konzertfilm-Kritik

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Robert
Soldat unter dem Motto morituri te salutant sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.