Tracklist
01. Tridentium
02. Ascent
03. The Qryptfarer
04. As Seen In The Unseen
05. Ulvgjeld & Blodsodel
06. Repository Of Divine Transmutation
07. Slik minnes en alkymist
08. Phantom Of The Nemesis
09. The Exonerated
10. Recognizant
11. At The Precipice Of Convergence
12. Shadows Of A Thousand Perceptions
13. Gjǫll
Besetzung
Shagrath – Vocals
Silenoz – Rhythm Guitar
Galder – Lead Guitar
Daray – Drums
Gerlioz – Keyboard
Wie eine mächtige Schlange recken DIMMU BORGIR nach acht Jahren auf der Lauer die Köpfe in die Höhe und greifen an. Statt mit schierer Muskelkraft fesselt uns „Grand Serpent Rising“ mit ausgeklügelten, hämmernden Schlagzeug-Beats, aggressiven Riffs und orchestralen Arrangements. Die Norweger präsentieren uns auf ihrem zehnten Studioalbum eine frische Symbiose aus ihren Diskografie-Highlights, die mit über siebzig Minuten Spieldauer einem wahren Opus gleicht.
Skandinavischer Black Metal trifft auf Komplexität und Symphonie
DIMMU BORGIR gehören zu den wichtigsten Vertretern von skandinavischem Black Metal der 90er Jahre. Ihre zunehmende Einflechtung von melodischen und insbesondere symphonischen Elementen kam allerdings nicht immer gut in der Szene an. Zuletzt sorgte „Eonian“ (2018) für Unmut, da hier die Symphonic-Schiene sehr konsequent gefahren wurde und die typischen Schwarzmetall-Aspekte magerer ausfielen als gewöhnlich. Gleichzeitig ist es genau dieser Stilbruch, der DIMMU BORGIR bei vielen so beliebt macht. Wofür die Band ebenso geschätzt wird, ist ihr progressiver Zugang zu Songstrukturen. Der traditionelle Liederaufbau ist zwar durchaus vorhanden, aber zahlreiche Songs gleichen mehr einer komplexen Komposition mit dramaturgischem Aufbau, der ohne mehrmals wiederholten, catchy Refrains auskommt.
Grandioser Einstieg
„Grand Serpent Rising“ verbindet sowohl die progressiven als auch die symphonischen und melodischen Qualitäten zu einer unfassbar mitreißenden Kreation mit viel Biss. Das cinematische Intro „Tridentium“ gleicht einem langen, wohltuenden Ein- und Ausatmen – die Ruhe vor dem Sturm, die Vorbereitung auf eine abenteuerliche Reise. Diese Reise startet erbarmungslos mit der Single „Ascent“. Das Tempo ist auf Anschlag; Schlagzeug und Gitarren hämmern im Gleichschritt ins Verderben. Der symphonische Unterbau ist da – dezent, aber maximal wirkungsvoll. Shagrath zeigt uns währenddessen, dass seine Stimme immer noch ranzig, roh und giftig klingt. In „As Seen in the Unseen“ bekommen die orchestralen Elemente wieder eine bedeutendere Rolle. Das Lied ist mit über sieben Minuten eben eines dieser großartigen Kompositionen. Es hat eine mystische Aura, die besonders durch die Streichermelodien erzeugt wird. Das Lied erinnert stellenweise an die „Death Cult Armageddon“-Ära.
Nostalgische Momente
Auch die erste Single, „Ulvgjeld & Blodsodel“, erweckt nostalgische Gefühle. Die Wahl norwegischer Lyrics lässt es automatisch an die ersten beiden Alben, „For All Tid“ und „Stormblåst“, denken. Die rockigen Riffs und lockeren Beats verleihen dem Lied ebenso etwas wunderbar Altmodisches. Im starken Kontrast dazu steht jedoch das Intro, dessen Atmosphäre stark an die amerikanischen Black Metaller AKHLYS erinnert. Für das Outro von „Ulvgjeld & Blodsodel“ wurde dann noch einmal fest an der Drama-Schraube gedreht – Blast Beats, Gitarrenmelodien, Chorgesang und Streicher werden für ein bombastisches Finale in Einklang gebracht, dass es einem wortwörtlich die Haare aufstellt! Wenig überraschend kommt auch „Slik minnes en alkymist“ mit einem nostalgischen Beigeschmack. Das Lied wird von einer unglaublich schönen, heroischen Melodie begleitet, die sich zwischen den aggressiven Blasts immer wieder durchschlängelt. Die wiederkehrende Streichermelodie in „Phantom of the Nemesis“ erinnert wiederum stark an „Interdimensional Summit“ vom Vorgänger, „Eonian“.
Alte Muster neu interpretiert
„Grand Serpent Rising“ bildet in gewisser Weise einen perfekten Querschnitt durch DIMMU BORGIRs gesamte Diskografie. Anstatt jedoch Altbekanntes zu reproduzieren, erschaffen sie etwas Neues. Ich finde, die Balance zwischen Aggression und Melodie ist ihnen auf diesem Album nahezu perfekt gelungen. An wenigen Stellen (z. B. in „At the Precipice of Convergence“) gehen die Gitarren zu Gunsten der orchestralen Arrangements etwas unter. Ansonsten ist das Zusammenspiel von Symphonie und Metal aber genial – oft sind die Streicher sehr dezent und trotzdem wirkungsvoll. Manchmal übernehmen die Streicher oder das Klavier eine bedeutsamere Rolle, ohne jedoch den Fokus von den E-Gitarren, Schlagzeug und Bass zu nehmen.
Kompositorische Komplexität
Gerade die Performance von Daray am Schlagzeug sticht auf diesem Album besonders hervor. Die ausgeklügelten Details auf den Becken und Toms sowie die Rhythmus- und Tempowechsel machen die Lieder verdammt facettenreich und spannend. Bei einer Spieldauer von über siebzig Minuten verteilt auf dreizehn Liedern wird die Aufmerksamkeit automatisch auf die Probe gestellt – diese Fülle an Details macht es einem aber einfacher, konzentriert zu bleiben. Der untypische Aufbau der Songs sorgt ebenso für ein fesselndes Hörerlebnis. Es ist kein stumpfsinniges Strophe-Refrain-Strophe-Konstrukt. Die Lieder erzählen Geschichten und gute Geschichten sind nicht immer geradlinig und vorhersehbar.
Fazit
„Grand Serpent Rising“ ist nicht nur für loyale Fans ein Genuss. DIMMU BORGIR haben hier eine extrem dynamische Symbiose aus Black Metal, Symphonie und technischer sowie kompositorischer Komplexität geschaffen, die erstaunlich zugänglich bleibt. Jeder Hördurchgang offenbart neue Details, wodurch „Grand Serpent Rising“ trotz seiner üppigen Spieldauer zu einem äußerst lohnenden Album wird.






