Tracklist
01. You Lil’ Shit
02. Cosmic Haze
03. Hellhounds
04. Another Chance
Besetzung
Tamás Orbán-Ducos – Gesang
Péter Szmolnik – Gitarre
Gergő Kelemen – Bass
Krisztián Nagy – Schlagzeug
Grunge Metal? Was zum Henker sollen das sein? Diese Frage liegt bei Obey The Sun tatsächlich ziemlich nahe. Doch schon nach wenigen Minuten von »Desert Ritual« wird klar: So abwegig ist diese Stilbeschreibung gar nicht. Die Band aus Budapest verbindet dreckige Grunge-Melancholie mit Sludge-Schwere, Stoner-Groove und einer ordentlichen Portion Alternative Metal. Das klingt nicht nach künstlich zusammengeklebtem Genre-Salat, sondern erstaunlich organisch. Obey The Sun liefern keine Schönwetter-EP, sondern ein staubiges, schweres und angenehm kantiges Brett.
Schwere Riffs treffen auf Rauen Gesang
Mit »Desert Ritual« setzen Obey The Sun auf vier Songs, die keine Zeit verschwenden. Die EP ist kurz, kompakt und kommt ohne unnötiges Vorgeplänkel aus. Stattdessen gibt es schwere Riffs, knurrenden Bass, druckvolle Drums und eine Stimme, die genug Dreck unter den Fingernägeln hat, um glaubwürdig zu bleiben. Musikalisch schimmern Einflüsse von Alice In Chains, Black Label Society, Pantera und klassischem Desert Rock durch, ohne dass Obey The Sun dabei wie eine reine Kopie wirken.
Gerade das macht die EP stark: Obey The Sun kennen ihre Zutaten, aber sie werfen sie nicht einfach wahllos in den Topf. »Desert Ritual« wirkt fokussiert, roh und gleichzeitig erstaunlich sauber aufgebaut. Die Songs haben Schwere, aber sie kleben nicht am Boden fest. Sie grooven, drücken und lassen trotzdem genug Raum für Atmosphäre.
Ein Werk das Direkt zur Sache kommt!
Schon »You Lil’ Shit« tritt die Tür ziemlich deutlich ein. Das Riff schiebt breit nach vorne, der Groove sitzt, und Tamás Orbán-Ducos liefert eine raue, angefressene Gesangsleistung, die perfekt zu diesem Sound passt. Hier wird nicht höflich angeklopft, hier wird direkt klargemacht, in welche Richtung die Reise geht.
Mit »Cosmic Haze« öffnen Obey The Sun den Sound anschließend etwas weiter. Der Song bringt mehr psychedelische Färbung ins Spiel, bleibt aber trotzdem schwer und bodenständig. Genau diese Mischung funktioniert richtig gut. »Cosmic Haze« darf schweben, verliert aber nie den Druck. Das ist kein zielloses Wegdriften, sondern kontrolliertes Hitzeflimmern über kaputtem Asphalt.
Kompromisslose Produktion ohne BlingBling
Ein großer Pluspunkt von »Desert Ritual« ist der Sound. Die EP klingt nicht glattgebügelt oder künstlich auf modern getrimmt, sondern organisch, trocken und schön rau und authentisch. Die Gitarren von Péter Szmolnik haben ordentlich Gewicht, der Bass von Gergő Kelemen knurrt darunter wie ein alter Motor, und Krisztián Nagy hält das Ganze am Schlagzeug stabil zusammen.
Wichtig ist dabei: »Desert Ritual« klingt dreckig, aber nicht matschig. Man spürt die rohe Energie, doch die Songs bleiben klar genug, um ihre Wirkung gezielt zu entfalten. Gerade in diesem Stil ist das keine Selbstverständlichkeit. Viele Bands verwechseln Schwere mit Klangbrei. Obey The Sun machen es besser.
Schwere mit Atmosphäre
»Hellhounds« zeigt besonders gut, dass Obey The Sun mehr können als nur fette Riffs stapeln. Der Song hat Biss, Druck und eine düstere Grundspannung, die sich langsam festsetzt. Hier trifft Grunge-Finsternis auf metallische Härte, ohne dass eine Seite die andere komplett überrollt. Das Ergebnis ist schwer, aber nicht plump.
Zum Abschluss bringt »Another Chance« noch einmal eine andere Farbe ins Spiel. Der Song wirkt nachdenklicher, etwas emotionaler und gibt der EP einen starken Ausklang. Tamás Orbán-Ducos klingt hier weniger aggressiv, aber nicht weniger intensiv. Dadurch bekommt »Desert Ritual« zum Ende hin mehr Tiefe und bleibt nicht nur als Riff-Gewitter hängen.
Kurz, aber ziemlich wirkungsvoll
Natürlich ist »Desert Ritual« mit vier Songs keine lange Angelegenheit. Aber genau das passt hier sehr gut. Obey The Sun liefern keinen Gramm zu viel und vermeiden jeden Leerlauf. »You Lil’ Shit« eröffnet mit Dreck und Druck, »Cosmic Haze« bringt Atmosphäre, »Hellhounds« beißt sich fest, und »Another Chance« rundet das Ganze mit mehr emotionalem Gewicht ab.
So funktioniert eine EP: kurz, konzentriert und mit klarer Linie. Obey The Sun zeigen auf »Desert Ritual«, dass Grunge Metal eben doch mehr sein kann als ein seltsames Etikett. Das Ding hat Groove, Seele, Schmutz und genug Wucht, um ordentlich nachzuwirken.
Fazit: Grunge Metal ergibt plötzlich Sinn
Fazit: Obey The Sun liefern mit »Desert Ritual« eine starke, kompakte und angenehm dreckige EP ab. Grunge, Sludge, Stoner Metal und Alternative Metal verschmelzen hier zu einem schweren, staubigen und sehr stimmigen Gesamtbild. Wer auf rohe Riffs, dunkle Atmosphäre und ehrlichen Druck steht, sollte dieser EP unbedingt eine Chance geben.






