Tracklist
01. Extreme Paranoia
02. Break The Fall
03. God Of Lies
04. Wrong Children
05. Open Scars
06. Rat In A Cage
07. Flat Black (J.J. Johnson)
08. Terror Eyes
09. …To Change Your Vision
Besetzung
Andrea Calviello – Vocals
Alex Gervasoni – Guitars
Luca Caci – Guitars
Stefano Cipriano Moliner – Bass
Filippo Torno – Drums
Die italienische Thrash-Metal-Band URAL kehrt mit ihrem vierten Album “Anthropic Genetic Involution” zurück. Seit ihrer Gründung ist es ihnen nicht gelungen, sich in der ersten Reihe des Genres zu etablieren, doch mit dieser neuen Veröffentlichung versuchen sie, mehr Aufmerksamkeit zu gewinnen und gleichzeitig Reife sowie stärker inspirierte Musik zu zeigen.
Klassischer Thrash-Auftakt mit Energie
Ein kurzer gesprochener Text eröffnet den ersten Song „Extreme Paranoia“, doch sofort übernimmt ein Old-School-Thrash-Sound das Kommando. Gangshouts, eine hoch gepitchte, schreiende und keifende Stimme, einfache Riffs, ein Midtempo-Rhythmus und ein melodisches Solo. Ein klassisches Rezept für das Genre, dennoch ein Song mit Energie und der typischen rebellischen Haltung.
URAL stammen aus Turin und wurden 2010 gegründet. Die meisten Musiker sind bis heute Teil der Band: Andrea Calviello am Gesang, Alex Gervasoni an der Gitarre, Stefano Cipriano Moliner am Bass, Filippo Torno am Schlagzeug und Luca Caci als zweite Gitarre.
Etwas technischere Instrumente und ein klarerer Aufbau prägen den Beginn von „Break The Fall“. Insgesamt wirkt die Komposition jedoch hektisch, beinahe chaotisch und zerstückelt, ohne ein prägnantes Riff, das als Fundament dienen könnte. Der Song springt ständig zwischen verschiedenen Ansätzen hin und her, bringt zu viele Ideen gleichzeitig ein und verliert dadurch seine Richtung.
Und leider setzt sich dieses Muster auf dem Album fort. „God Of Lies“ beginnt erneut vielversprechend, zerfällt jedoch bald in langsame und wenig überzeugende Strophen. Leidenschaftliche Schreie sind vorhanden, doch eine einprägsame melodische Linie fehlt. Immerhin findet sich in der Mitte des Songs eine interessante Riff-Sequenz mit leicht progressivem Einschlag, die man sich länger ausgearbeitet gewünscht hätte. „Wrong Children“ wechselt zwischen energischen Riffs und aggressiveren, dissonanten Passagen, bevor im Refrain melodischere, aber weiterhin lebhafte und wütende Elemente auftauchen. Auch wenn sich der Song stellenweise etwas verliert, gehört er insgesamt zu den besser konstruierten und damit zu den stärkeren Momenten des Albums.
Zerfahrene Songs und fehlende musikalische Richtung
Der nächste Song „Open Scars“ kehrt wieder zu hektischer und unfokussierter Musik zurück. Die Gangshouts sind dramatisch, der Gesang wirkt bewusst übermäßig wütend, doch diese Haltung spiegelt sich in der Musik der Band nicht konsequent wider. Die ständige Abfolge unterschiedlichster Riffs verstärkt den Eindruck von Songs, die aus voneinander getrennten Fragmenten bestehen und eher zusammengeklebt als wirklich durchdacht wirken. „Rat In A Cage“ weckt zunächst wieder Hoffnung auf einen gelungenen Track. Der Anfang überzeugt tatsächlich mit einigen der stärksten musikalischen Momente des Albums, mit soliden Riffs und einem klaren Rhythmus.
Wie der Titel bereits verrät, ist „Flat Black (J.J. Johnson)“ eine Coverversion des verstorbenen Jazzmusikers J. J. Johnson, der als Komponist des Originals genannt wird. Beschrieben als „savage reinterpretation of a classic tune from jazz trombonist J.J. Johnson“, stellt der Song tatsächlich einen interessanten Ansatz dar: Harte Vocals und aggressive Akkorde treffen auf kurze Ausschnitte des ursprünglichen Jazzstücks. Ein mutiger Versuch, der für seine Originalität Anerkennung verdient.
Doch mit „Terror Eyes“ kehrt der eher blasse Sound zurück. Nach dem vorherigen Stück wirkt dieser Song wie eine Rückkehr zur Realität: wieder die gleichen wenig inspirierten Übergänge zwischen unzusammenhängenden Akkorden in verschiedenen Tempos. Der abschließende Track „…To Change Your Vision“ setzt diese Stimmung fort. Langsam, unentschlossen und mit etwas Melodie versehen, bewegt er sich eher in Richtung eines experimentelleren, langsamen Heavy-Metal-Sounds, bevor die Musik allmählich leiser wird und schließlich im Nichts verklingt.
Traditioneller Thrash mit strukturellen Schwächen
Der Sound erinnert stellenweise an frühe Phasen von Overkill, auch Einflüsse von Anthrax sind deutlich zu erkennen. Insgesamt orientiert sich das Album stark am klassischen Old-School-Thrash-Metal-Sound und respektiert dessen Traditionen. Trotz einiger gelungener Momente bleibt am Ende jedoch der Eindruck eines durchschnittlichen Albums zurück – Thrash Metal von der Stange, mit der erwähnten Coverversion als frischem Moment innerhalb der Platte.
Das größte Problem von URAL liegt in den Kompositionen. Damit reiht sich die Band in eine große Gruppe von Metalbands ein, denen es schwerfällt, ein gutes Riff über die Länge eines ganzen Songs konsequent zu entwickeln. Der ständige Wechsel melodischer Linien, offenbar gedacht, um Vielseitigkeit zu zeigen, lässt die Songs jedoch verschwimmen. Das Ergebnis ist ein Hörerlebnis, das unfokussiert wirkt und auf Dauer ermüdet. Das Niveau, das die Band vermutlich anstrebt, erreichen sie hier noch nicht.
Fazit: Solider Old-School-Thrash mit guten Momenten, aber zu zerfahrenen Songs und wenigen bleibenden Riffs – nur die Jazz-Coverversion sticht wirklich hervor.






