Band: Amulet
Titel: The First
Label: Century Media
VÖ: 2014
Genre: Heavy Metal
Bewertung: 3.5/5
Written by: Lex

Ein Blick auf das Album-Cover genügt, um zu wissen woran man ist: Wir sind mal wieder Marty McFly und sind in der Zeitmaschine unterwegs ins London der frühen 1980er Jahre, als die Eisernen Jungfrauen noch keine Stadien füllten und Bruce Dickinson noch bei Samson oder sonst wo unterwegs war. Nein keine Angst, AMULET klingen NICHT nach einer Maiden-Coverband. Wenn man Vergleiche bemühen will, kommt der hardrockig verwurzelte Alt-Metall der Jungs eher nach Zeug wie SATAN oder ANGEL WITCH.

Produktionstechnisch ist das Retro-Feeling astrein hergestellt, klingt authentisch und doch qualitativ besser als es damals möglich gewesen wäre. Vielleicht ist das auch gar nicht „retro“, sondern ich verbinde immer noch „künstlich überproduziert und scheiße“ immer noch mit „modern“ und „natürlich und gut“ mit „irgendwann zwischen 1970 und 1990 erschienen“? So oder so, die Produktion gefällt mir, wunderbar organischer Sound. Dasselbe gilt fürs Cover-Artwork: Ich bevorzuge die guten alten Zeichnungen jederzeit gegenüber irgendeinem Playstation-Grafik-Dreck, der seinerzeit beispielsweise das „Dance Of Death“-Album von Iron Maiden verschandelte.

Aber kommen wir zur Musik: AMULET haben die Ursuppe des Heavy Metal ganz klar aus Mamas Zitzen gelutscht und zocken den Sound dementsprechend ganz natürlich, als wär der 20. September 1981 gerade erst gestern gewesen. Sie erfinden das Rad klarerweise nicht neu, aber wer hat das schon jemals getan und wann war das schon jemals nötig? Es sind in der Regel endgeile Songs, die einen Musikstil bereichern – vertrackte Soundexperimente dagegen haben von jeher nur verkopfte Progressiv-Eierschädel fasziniert, die dann doch heimlich denselben Proleten-Metal wie wir Normal-Intelligenzler hören.

Eben beim Schmieden des Songmaterials gilt es für AMULET noch etwas zu arbeiten, was die Gestaltung der Refrains betrifft. Da ist leider nirgendswo ein Chorus dabei, bei dem die stählerne Faust wie von selbst nach den Eiern der Engel boxt. Das könnte beim nächsten Wurf wahrscheinlich gelingen, denn wir haben es mit einem Newcomer zu tun, der ansonsten bereits jetzt alles richtig gemacht hat. Es sind insbesondere die Spielfreudigkeit und die kleinen kauzigen Details, die „The First“ für mich zu einem kleinen Highlight werden lassen. Beispielsweise „Cathedral“ auf „Evil“ zu reimen – das ist schon einen Literaturpreis wert.
Schwanke zwischen 3.5 und 4 Punkten, zieh mir per Zufallswiedergabe nochmal den Abschluss „Nightmare“ an und entscheide mich für letzteres.

Tracklist:

01. Evil Cathedral
02. Glint of the Knife
03. The Gauntlet
04. Bloody Night
05. Heathen Castle
06. The Flight
07. Talisman
08. The Sacrifice
09. Mark of Evil
10. Wicked ’n Cruel
11. Black Candle
12. Trip Forever
13. Nightmare

Besetzung:

Jamie Elton (Vocals)
Heathen Steven (Guitar)
Nippy Blackford (Guitar)
Bill Dozer (Bass)
Dave Sherwood on Drums (Drums)

Internet:

Amulet @ Facebook

Amulet @ BigCartel

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Wenn mir irgendwas von Manowar nicht gefällt, konsumiere ich es solange, bis ich endlich nach mehreren Durchläufen erkenne, welche Großtat die New Yorker wieder geleistet haben. Leider habe ich diese Geduld nicht bei anderen Bands, tut mir leid für euch.

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