Mit erstaunlich geringen Mitteln gelingt es mir hier in Norwegen einen Musiker für ein Interview zu gewinnen. Die Cola war es mir natürlich Wert um mit Øystein Garnes Brun, Gitarrist bei Borknagar über ihr neuestes Album „Urd“ zu plaudern.

Hey Øystein! Erstmal vielen Dank, dass du dir Zeit für ein kurzes Interview nimmst, wie geht’s dir?

Hallo, nun ja ich bin ein wenig erschöpft vom Auftritt gestern aber sonst geht’s mir sehr gut.

Gratulation zum neuen Album. Bedauerlicherweise kenne ich Borknagar noch nicht sehr lange. In Österreich seid ihr ja eher ein Geheimtipp. Aber ich habe meine Hausaufgaben gemacht und recht schnell gemerkt, dass sich eure Art der Musik seit dem ersten Album drastisch geändert hat. Steht ihr mit Urd nun am Ende des Weges, oder gibt es bereits Pläne für eine neuerliche Veränderung von Borknagar?

Nein, es ist sicherlich nicht das Ende des Weges. Wir versuchen uns nach wie vor zu entwickeln, das gibt der Band den nötigen Charakter. Ich als Musiker hatte nie das Interesse konservativ zu sein. Das ist ja das schöne an der Musik, die Veränderung und die Möglichkeiten die man hat.

Epic Metal, Avantgarde, Progressive Black Metal… Was denkst du über diesen Kategorienzwang und die teils absurden Auswüchse? Und wo genau siehst du Borknagar?

In einem gewissen Grad ist es sehr wohl wichtig für Magazine und dergleichen um einen groben Anhaltspunkt zu haben, worum es sich bei dieser und jener Band handelt. Ich als Musiker finde es oft lächerlich, es macht nicht wirklich oft Sinn. Wir haben immer versucht, diese Kategorisierung zu vermeiden. Borknagar will nicht irgend ein Genre repräsentieren.. Die Musik steht nach wie vor im Vordergrund. Aber ich denke es ist schon wichtig, bis zu einem gewissen Grad zu wissen, worum es sich hier und dort handelt.

Wie ich schon vorhin gesagt habe, Borknagar ist ja eher ein Geheimtipp in unseren Breitengraden. Gibt es Pläne das zu ändern, zum Beispiel mit einer Tour?

Wir werden sehen. Es würde uns sehr freuen, aber wir sind alle keine 20 mehr. Wir haben alle eine Frau und Kinder, da ist das nicht mehr so einfach. Wir sind in erster Linie ja keine Live Band, Alben veröffentlichen liegt uns da schon eher. Das touren ist für uns eher sekundär und vor allem schwer zu planen. Aber wir versuchen unser Bestes!

Ich habe gelesen, ihr probt nicht viel gemeinsam. Nur vor größeren Shows etc. Funktioniert es auch ohne proben?

Nun, wir sind ja mittlerweile schon 15 Jahre und länger im Business, da kehrt eine gewisse Routine ein. Wir verbringen tatsächlich mehr Zeit im Studio als im Proberaum, die meisten von uns haben sich ja zu Hause ein kleines Studio eingerichtet. Die Zeiten in denen man Nächte lang im Keller geprobt hat sind nun mal vorbei. Es würde natürlich nichts verschlimmern, wenn wir uns ab und zu mal zusammen in den Proberaum setzen würden, allerdings funktioniert es zurzeit ganz gut so wie es ist.

Aber ihr trefft euch privat, oder?

Ja klar. Die Jungs zählen zu meinen besten Freunden. Jens ist ja auch mein Schwager. Wir sind ein wenig wie eine Famile. Trotz der Entfernung versuchen wir sehr wohl Zeit miteinander zu verbringen.

Wie genau funktioniert dann die Arbeit für neues Material? Jeder Arbeitet für sich und präsentiert dann seine Gedankengänge, oder wie kann ich mir diesen Prozess vorstellen?

So in der Art, ja. Wir arbeiten Sachen aus, faken die Drums um zu sehen ob es einigermaßen passt. Wir konzipieren Passagen und teilen sie einander, dort wird es verfeinert und zurückgesendet. Das Internet ermöglicht es uns an der Musik zu arbeiten, ohne dass jeder anwesend sein muss. Somit konzentriert sich auch jeder automatisch um einiges mehr auf das Wesentliche, da keiner irgendwie Lustlos im Studio sitzt. Man kann ja daran arbeiten wenn man will. So etwas funktioniert natürlich nicht bei jeder Band, aber bei uns geht das wie man sieht.

Was hörst du zurzeit für Musik zur Inspiration?

Hhm, das ist immer eine gute Frage. Es ist natürlich nicht immer Metal, oft sind es auch Sachen die man nicht von mir erwartet. Allerdings höre ich zurzeit viel 70er Jahre Rock oder Porcupine Tree und ähnliches. Es kommt halt immer auf die Situation drauf an. Man kann nicht zum Relaxen Black Metal hören. Ich kann es halt nicht.

Die Metalszene nimmt ja seit je her ihren Lauf und hat so ihre Trends. In den 80er war es Hardcore, danach kam der Death- gefolgt von Black Metal. Was denkst du wohin uns dieser Wachstum führt?

Zurzeit ist es ja so, dass es nicht Linear wächst, sondern eher explodiert. In den 90ern waren ja wir unter anderem diejenigen, die zu experimentieren begannen. Heute gibt es viele Bands, die sich dem traditionellen Black Metal abgewandt haben. Ich finde es wirklich gut, dass diese sture Art sich allmählich löst. Ein wirklicher „Trend“ ist aber nicht zu erkennen, denke ich.

So, vielen Dank! Letzte Worte an das österreichische Publikum?

Ja, hört euch das neue Album an! Hoffentlich gefällt es euch haha. Und wie versprochen versuchen wir mal eine Tour bei euch klar zu machen. Vielen Dank!

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