Nachdem die Tiroler Alpen-Höllenhunde Asphagor unsere Redaktion, zumindest mich als Rezensenten, wirklich mit ihrem neuem Album begeistern konnten, war die Neugier geweckt: Wer sind die Burschen und warum zum Geier hatte ich bisher noch nichts von ihnen gehört?! Vielleicht einfach weil ich ignorant bin…ein Interview mit ihnen musste her. Gesagt, getan. Lest nun aber selbst, was ihr Axtmörder Hybreos zu berichten wusste….

Peter: Hallo, kürzlich hatte ich die große Freude, Eure neue Scheibe „The Cleansing“ zu rezensieren. Es war – sorry! 😉 – mein Erstkontakt mit Euch als Band. Aber, um es kurz zu machen, ist bisher eines meines Highlights im schwarzen Jahr 2018, dessen Hälfte ja schon vorbei ist. Da es vielleicht auch noch andere Ahnungslose gibt, die Euch noch nicht kennen, daher zuerst die unvermeidlich Einstiegsfrage: Wer sind Asphagor, wofür steht Ihr?

Hybreos: Das freut uns natürlich sehr und wir sind begeistert, dass Deine sowie die Rezension der Hörerschaft die gleiche Freude mit „The Cleansing“ versprühen, wie wir sie mit den Aufnahmen hatten. Wir sind Asphagor aus Angerberg, Tirol. Wir musizieren seit 2007 im Zeichen des Black Metal und sind überzeugt, mit „The Cleansing“ ein in seiner Gesamtheit einzigartiges Werk geschaffen zu haben. Die Reise unserer Musik führte uns über viele Stolpersteine und Erlebnisse zu der Form, die wir jetzt verkörpern. Vielleicht ist es genau diese Veränderung, die wir verkörpern. Doch, bestimmt, der Wandel ist das, was uns am Besten beschreibt und was wir in unserer Musik ausdrücken wollen.

P: Wie bereits erwähnt, finde ich „The Cleansing“ eines der stärksten Black Metal Alben des Jahres, und vielleicht das beste österreichische des Jahres. Aber das ist nur meine Rezensentenmeinung. Lasst unsere LeserInnen doch von Euch als Künstler hören, was ihr Euch bei der Scheibe gedacht, gewünscht, zum Ziel gesetzt habt? Wer war denn für das Songwriting verantwortlich und wie seid Ihr an dieses sowie Recording und Produktion herangegangen?

H: Um an vorhin anzuschließen sind wir ehrlich gesagt vom allgemeinen Feedback überwältigt und wollen das Album am Liebsten weltweit live präsentieren. Wir haben während den Aufnahmen bereits gewusst, dass wir ein riskantes Spiel spielen. Sich so weit aus dem Fenster zu lehnen und dennoch eine Identität zu behalten war der Spagat, der richtig in die Hose gehen hätte können (lach). Also waren in unserer Köpfe nur zwei mögliche Szenarien vorhanden: entweder die Leute lieben oder hassen es.
Der Gedanke zum Inhalt des Albums kam uns bereits recht früh, denn wo in etwa ein Drittel des Songwritings abgeschlossen war, kam uns die Idee ein Konzeptalbum zu erschaffen. Die Intention war, eine Reise anzutreten, die entlang der alchemischen Phasen des Magnus Opum aus etwas Unreinem über vier Phasen die Epiphanie, das Aufblühen und die Katharsis darzustellen, wobei letztere ambivalent betrachtet werden kann, ist doch die Läuterung gleichzeitig der Aufstieg in eine höhere Form. Jeder von uns würde das Konzept anders beschreiben. So wie wir glauben ist uns auch die lyrische Umsetzung entlang des roten Fadens geglückt und unser Ziel, trotz des Konzepts das Album, oder genau deswegen, hörbar zu machen gelungen.
Das Songwriting an sich haben M.E. und ich übernommen und der Prozess der Zusammenarbeit war großteils sehr produktiv. Großteils deshalb, weil wir manchmal mehrere Riffs am Stück geschrieben, für gut befunden und arrangiert haben und an anderen Tagen nur auf einem einzelnen Übergang hängen geblieben sind. Ich denke wir haben uns musikalisch gut ergänzt, da wir beide gerne verschiedene und manchmal ausgefallene Stile, auch außerhalb des Metals, hören und sich so der gemeinsame Nenner relativ schnell ergeben hat.
Für die Produktion haben wir uns mit unserem Freund und Produzenten Patrick W. Engel kurzgeschlossen. Wir haben sehr gute Erfahrungen in der Vergangenheit gemacht, z.B. bei unserem Album „ANTI“, und die Aufnahmen gestalteten sich als sehr spaßig und interessant.

P: Bei allem Lob ist mir am Album aber auch aufgefallen – vielleicht nur wieder meine Meinung -, dass es einen Punkt gibt, den ich mir an der Scheibe als Hörer (so das für die Künstler von Relevanz ist) anders gewünscht hätte; das Album ist heftig, schwarz, auf Höhe der Zeit produziert, aber es orientiert sich doch im Ganzen an den Konventionen des Genres, ohne absichtliche Aussreisser zu wagen. Wenn man das positiv formuliert, könnte man sagen, wenn Asphagor künstlerisch noch mehr Eigenständigkeit riskieren würden, könnte das nächste Album der ganz große Wurf werden. Wie seht Ihr das? Oder ist Euch die Erwartungshaltung in diesem Sinne eigentlich eher gleichgültig?

H: Der Einwand ist natürlich legitim. Wir versuchten bei aller Experimentalität, mit „The Cleansing“ eine runde Sache zu erschaffen und finden, dass viele Elemente noch nie im Asphagor-Universum ihre Verwendung gefunden haben, womit wir für unser Verständnis des Genres mit einigen unserer eigenen Konventionen gebrochen haben. Um einige Beispiele aufzuzählen wären da ein Chor, eine Hommage an Pink Floyd, Sprechgesang sowie Post-Rock-Elemente. Viele der Songs fallen mitunter sehr dicht aus, mit viel Inhalt. Wir finden, dass bei allem Schneid hier ein wenig die Identität verloren ginge, hätten wir noch mehr Ideen hineingepackt.

P: Kommen wir abseits der Studiotatsachen zu Euch als Liveband. Ich hab mir sagen lassen dass Ihr auch beim jüngst geschehenen Sick Midsummer Festival ordentlich abgeräumt habt. Wie seht Ihr denn als Künstler das Verhältnis zwischen „Live“ und „Album“? Ist es Euer Ziel, möglichst nahe ans Album ranzureichen, oder habt Ihr da einen anderen Zugang? Wie kann denn in Euren Augen Black Metal im Jahr 2018 überhaupt live spannend umgesetzt werden?

H: Das Publikum war am Festival aber auch der Burner und wir hoffen, dass wir dort bald wieder auftreten können! Wir leben für die Bühne und unsere Songs darauf darzubieten und empfinden Bühnenpräsenz als das A und O, den Leuten nicht nur die Musik, sondern auch die Leidenschaft mitzuteilen. Das alles versuchen wir so nahe wie möglich am Album zu schaffen, aber ohne penibel zu sein. Dafür ist die Bühne schließlich auch da und eine gute Show sorgt immer dafür, dass Leute gerne wieder zu Konzerten kommen und dein Merch kaufen. Und Black Metal im Jahr 2018? Ich erinnere mich an Mayhem, die mit ihrer De Mysteriis Tour gerade richtig abräumen, Wolves in the Throne Room, die mit Bühnendeko plus der dunkelsten aller Bühnen und blauen Leuchtdioden am Gitarrenhals und alles, was auf der Neudegg Alm in Abtenau passiert (nämlich beim Houses of the Holy II Festival, Anm. d. Verfassers).

P: Das war’s dann eigentlich schon. Danke, dass Ihr uns Eure Zeit und Worte zukommen habt lassen. Wenn Ihr Euren Fans und allen anderen Wahnsinnigen da draußen noch etwas zu sagen habt, dann habt Ihr jetzt die Chance dazu. Was ist demnächst von Euch zu erwarten?

H: Danke für das Interview! Wir sind im Oktober auf Tour durch Zentraleuropa und freuen uns über jeden, den wir bei den Konzerten antreffen werden! Hört Euch das Album an und wenn es Euch gefällt, hört es nochmal, und danach kauft es Euch!

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