Bands: Moonspell, Dagoba, Jaded Star Date: 25.010.15 Venue: p.p.c., Graz

Moonspell aus Portugal, spätestens seit Wolfheart von vor zwanzig Jahren, welches Album heute einen Genre-Klassiker des Dark Metal und Gothic Metal darstellt, sind eine wahre Institution der Musik härterer Gangart – geschätzt von einem Publikum, das diese härtere Gangart gerne mit Schauerromantik, Mystik und dunklem Schamanismus verbindet. Und somit versprechen die Touren der Portugiesen im Albumturnus zu Hohefesten der dunklen Romanze zu werden.

Der Schreiber dieser Zeilen, der Moonspell schon seit Jahren als Größe ihrer „Schublade“ schätzt, hatte bisher nicht die Freude gehabt, Fernando Ribeiro und seine Sidekicks live zu erleben; es stellte sich daher die große Frage, ob es der Truppe auch nach über 25 Jahren im Gothicbiz noch genug im Allerwertesten jucken würde, um eine begeisternde Dark Metal-Messe für ihre JüngerInnen zu leiten. Das neue Album Extinct war der Anlass des dunklen Glockenläutens am 25.10.2015 im Grazer p.p.c., einer noch jüngeren, aber kleinen und feinen Location für Clubshows.

Begleitet wurden die mediterranen Düsterheimer auf ihrem Zug durch Europa – getauft Road to Extinction Tour – von den Vorgruppen Jaded Star und Dagoba. Um 19.30 war es dann soweit, dass die Burschen plus Frontfrau von Jaded Star die Bühne enterten. Die Band spielt guten und melodischen Metal, oft mit Zitaten aus klassischen Hard Rock-Songs (Hammondorgel!) der 1970er-Jahre. Vom ersten Ton an war klar, dass die Gruppe aus Hellas ihr Handwerk versteht; vor allem Frontröhre Maxi Nil ist eine wahre Könnerin ihres Fachs, die dem Spiel ihrer Band in bester Rockröhren-Tradition das Sahnehäubchen aufsetzte. Der Sound war gut, das Publikum zierte sich zwar noch etwas, aber gerade die letzten beiden Songs, bei denen Maxi die Crowd nochmals aufforderte, ihre Hintern in Richtung Bühnenrand vorzuversetzen, waren ein gelungener Auftakt des Sonntagabends. Zwei klare Daumen nach oben für die erste Band!

img_1873Die zweite Vorband, die den schon etwas undankbaren Job zu übernehmen hatte, nach Jaded Star die Menge nochmals ordentlich für Moonspell anzuheizen, waren die französischen Brüll-Metaller von Dagoba. Und der Kontrast, den ihre auch gelungene Show zu ihren VorgängerInnen hinterließ, hätte größer nicht sein können: Schon auf Platte drückt die Musik von Dagoba brutal in die Magengrube, aber live haben sie den Charme eine kanadischen Waldaxt im Blutrausch – und das ist höchst positiv zu sehen. Sie präsentierten ihren offensichtlich stark von Machine Head inspirierten Groove-Metal in technisch sauberer Weise, trafen immer den Punkt. Gerade Sangesbeserker Shawter forderte die Menge vor seiner Bühne permanent auf, in seinen Wutbann einzutauchen. Dass er dabei nicht nur souverän brüllte, sondern auch die cleanen Gesangspassagen gar noch besser als Robb Flynn an so manchem Abend traf, setzte einer imposanten Show die Krone auf. Dagoba waren eigentlich würdige Headliner vor den Headlinern, was auch die Meute im p.p.c zu würdigen wusste.

Schließlich gegen 21.15 Uhr war es dann soweit, dass das eintrat, worauf sich die schreibende Journaille und die Menge, die inzwischen auf etwa 300 Nasen angewachsen war, seit geraumer Zeit freute. Die Düsterköpfe aus Portugal betraten die Stage und eröffneten nach ihrem Intro mit Breathe (Until We Are No More) vom aktuellen Longplayer ihr Zelebrieren der dunklen Seite der Macht im Metalbiz. Wirkte Sänger und Master Of Ceremony Fernando Ribeiro während der ersten Songs noch etwas fahrig, so steigerte sich die Leistung der Band von Song zu Song. Dazu trug ein glasklarer Sound wesentlich bei, sodass Bass und Gitarre deutlich differenziert spielten, die Keys von Pedro Paixão klar zu vernehmen waren, die Drums ordentlichen Wumms hatten und über allem sich das düstere Organ Ribeiros erheben konnte.

img_1936Dabei wurde offensichtlich, dass Moonspell schon ein Kollektiv sind, aber ihr Sänger und Frontturner Ribeiro die zentrale Schaltstelle in ihrem Live-Getriebe ist. Mit den Signature-Wechseln zwischen Ribeiros bedrohlichem Gutturalgesang und seinem dunklem Klartimbre, das er live mit theatralischen Gesten verbindet, wurde klar, dass Moonspell gerade auch aufgrund ihrer Livepräsenz in ihrem Genre ein wahrer Archetypus sind. Sie verbinden die so geschätzte Melancholie portugiesischer Kultur mit einem brettharten Metal-Fundament. Live kommt dann raus, dass die Burschen ein höchst gelungenes Dark Metal-Theater inszenieren, das den Mythos und dunklen Pathos ihrer Heimat sowie der europäischen Romantik des 19. Jahrhundertes in einen mitreissenden Konzertabend gießt. Kurz, was die Herren Ribeiro, Amorim, Paixão, Gaspar und Pereira veranstalten, ist der Zenit der dunklen Metal-Unterhaltungskunst. Dass gerade Frontgurgel Ribeiro offensichtlich aus einem wohlerprobten und oftmals wiederholten Repertoire an Mimik, Gestik und Vokalistik schöpft, das auch klare Routine ist, tat der Wirkung keinen Abbruch.

Eigentlich alle Tracks, vom Opener bis zum Rausschmeisser Full Moon Madness wurden dem Status eines Klassikers und einer Legende würdig ins Publikum gefeuert. Dabei zeigten sich nicht nur die unvermeidbaren Classics wie Alma Mater und Opium als Opium der Crowd, sondern gerade die langsameren und düstersten Momente, als die Band sich auf ihre schiere Präsenz im Bild verließ (wie etwa vor allem bei Vampiria), ließen dem Schreiberling einen wohligen Schauer den Rücken hinablaufen.

Kurz, an diesem kurzweiligen Abend, den die Band nach einer Drei-Song-Zugabe beendete, wurden die Erwartungen der Menge in allen Belangen erfüllt. Zwei starke, sich gegenseitig kontrastierende Vorbands eröffneten bestens, sodass Moonspell dann ihre dunkle Präsenz in die Seelen ihres Publikums einbrennen konnten. Natürlich sind Moonspell drama as drama goes; aber ehrlich, Metaller-Herz, was willst du mehr?

Setlist:

01. La Baphomette (Intro)
02. Breathe (Until We Are No More)
03. Extinct
04. Night Eternal
05. Opium
06. Awake!
07. The Last of Us
08. Medusalem
09. Scorpion Flower (ft. Maxi Nil from Jaded Star)
10. Malignia
11. Em Nome do Medo
12. Vampiria
13. Ataegina
14. Domina
15. Alma Mater

Zugabe:

16. Everything Invaded
17. The Future Is Dark
18. Full Moon Madness

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Headbanger and bedhanger.

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