THE NEW FLESH TOUR:
SYLOSIS, REVOCATION, DISTANT & LIFE CYCLES
28.01.2026 live @ Szene Wien
– Live-Bericht –
SYLOSIS kamen im Rahmen ihrer „The New Flesh“-Tour nach Wien. Das Konzert fand am 28.01.2026 in der Szene statt. Als Support-Acts wurden REVOCATION, DISTANT und LIFE CYCLES eingeladen. Alle Fotos vom Abend gibt es hier!
Life Cycles
Ausverkauft war das Konzert nicht, daher war unklar, wie groß der Ansturm sein würde. Vor der Szene hatte sich lediglich eine kleine Warteschlange gebildet. Entsprechend entspannt war die Lage im Saal kurz vor dem Auftritt der ersten Band LIFE CYCLES. Die erste Reihe war zu dem Zeitpunkt bis auf zwei bis drei Plätze gefüllt – die Die-Hard-Fans waren bereit! Der restliche Bereich vor der Bühne war so gut wie leer.
Die Texaner Crossover-Formation betrat die Bühne mit spürbarem Elan. Vor allem der Sänger nutzte die Bühne, um sich auszutoben. Von Song zu Song füllte sich der Raum sichtbar, die Musik kam gut an und die Stimmung war von Beginn an angenehm locker. Trotz der immer noch bescheidenen Publikumsanzahl gab es ein paar motivierte Seelen, die mit vollem Körpereinsatz den Mosh Pit für ihr Terrain erklärten. Die Thrash-Beats, die LIFE CYCLES immer wieder in ihren Liedern eingebaut hatten, animierten zum Tanzen und genießerischem Kopfnicken.
Im letzten Song bauten LIFE CYCLES ein Riff ein, das stark an „Domination“ von PANTERA erinnerte. Während ich noch überlegte, ob das wohl Absicht war, folgte prompt die Auflösung: Am Ende des Songs spielten sie tatsächlich „Domination“ an. Ein äußerst sympathischer Moment, der den Auftritt perfekt abrundete. LIFE CYCLES legten einen großartigen Start hin. Die Grooves und Riffs waren mitreißend und sauber gespielt. Der Sound war mächtig und hob die Qualität der Show auf ein beachtliches Niveau.
Distant
Die niederländische Deathcore-Partie DISTANT spielen mittlerweile gefühlt alle sechs Monate in Österreich. Für mich war es, glaube ich, das vierte Mal in weniger als drei Jahren, dass ich die Band live sah. Auch beim Publikum waren DISTANT längst keine Unbekannten mehr, besonders bei den jüngeren Gästen erfreuten sie sich großer Beliebtheit.
Die Energie, die die Band auf der Bühne versprühte, wurde vom Publikum dankend aufgenommen und mit voller Wucht zurückgegeben. Der vorhandene Platz wurde für aggressives Moshen und intensives Headbangen genutzt. Die Stimmung war durchgehend sehr gut.
Mich persönlich konnten DISTANT nicht überzeugen. Ja, sie sorgen gut für Stimmung, aber nach dem siebzehnten Breakdown mit „tan tan tan-tan-tan“-Riff muss einem ja sogar beim Spielen fad werden! Der einzig spannende Gitarrenpart wurde vom Tonband eingespielt. Kein Wunder, dass sich Gitarrist und Bassist die ganze Zeit im Kreis drehen können… Sänger und Schlagzeuger verfügen zwar über beachtliche technische Fähigkeiten, diese gehen im Gesamtbild jedoch unter.
Nichtsdestotrotz zeigte sich das Publikum euphorisch und forderte nach der letzten Nummer eine Zugabe. Aus Zeitgründen blieb diese allerdings aus. DISTANT verließen die Bühne und hinterließen eine bestens aufgewärmte Menge, die nach mehr verlangte.
Revocation
Als es Zeit für REVOCATION war, war der Bereich vor der Bühne bereits zu etwa 80% gefüllt. Viel dürfte also nicht mehr gefehlt haben, um den Abend auszuverkaufen. Die Extreme-Metal-Formation aus Massachusetts durfte sich auf zahlreiche Fans in Wien freuen.
Eine der ersten Informationen, die uns Sänger David Davidson übermittelte, war, dass es die Band schon seit über zwanzig Jahren gibt. Damit seien sie offiziell alt. Entsprechend setzte sich die Setlist aus älteren Klassikern und neueren Stücken zusammen. Letztes Jahr veröffentlichten REVOCATION ihr neues Album „New Gods, New Masters“, von dem sie drei Lieder spielten. Mit der Frage „Wanna hear some new shit?” leitete Davidson „Dystopian Vermin“ ein. Auf das brachiale Intro folgte sogleich ein heftiger Pit.
Nach dem Song ließ uns Davidson wissen, dass sie nur noch Zeit für zwei weitere Nummern hätten. Für mich war die Zeit bis dahin wie im Flug vergangen, weshalb mich diese Ansage ehrlich überraschte. Für die letzten Minuten sammelte die Menge noch einmal alle Kräfte, um sich ein letztes Mal in den Pit zu stürzen und die Nackenmuskulatur zu fordern.
REVOCATION lieferten eine beeindruckende Performance ab. Die technisch anspruchsvollen Songs wurden mit einer bemerkenswerten Lässigkeit und Präzision gespielt. Obwohl sie musikalisch nicht ganz meinen Nerv treffen, zogen sie mich dennoch in ihren Bann. Der Auftritt war kurzweilig und äußerst unterhaltsam. Der Sound blieb weiterhin bombastisch.
Setlist
1. Cronenberged
2. Sarcophagi of the Soul
3. Existence Is Futile
4. Diabolical Majesty
5. Galleries of Morbid Artistry
6. Dystopian Vermin
7. Strange and Eternal
8. The Outer Ones
Sylosis
Bevor SYLOSIS die Bühne betraten, lief zur Einstimmung „I Was Made For Loving You“ von KISS – ein netter Kontrast zur bis dahin dominierenden Härte des Abends. Im Vergleich zu den bisherigen Bands waren die Briten ohnehin die melodischste Formation. Sie eröffneten ihr Set mit der neuen Single „Erased“ vom kommenden Album „The New Flesh“. Der melodische Refrain bleibt sofort hängen, Josh Middletons Gesang ist dabei schlicht großartig.
Mit „I Sever“ schlugen SYLOSIS direkt eine härtere Richtung ein. Die Stimmung befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits auf einem sehr hohen Niveau. Interaktionen mit der Band mussten nicht eingefordert werden, sie entstanden ganz selbstverständlich und voller Euphorie. In der ersten Reihe waren alle Augenpaare wie hypnotisiert auf die Band gerichtet – die Atmosphäre war elektrisierend.
Bei „Heavy Is The Crown” formierte sich ein anständiger Pit. Das Publikum zeigte sich an diesem Abend generell sehr bewegungsfreudig – ganz wie SYLOSIS selbst. Besonders der Bassist fiel mit seinen Drehungen und Sprüngen immer wieder ins Auge.
Anschließend wandte sich Middleton direkt an uns. „Can you keep a secret?“, fragte er. Das neue Album erscheine erst am 20. Februar, dennoch wolle die Band einen bislang unveröffentlichten Song spielen. Er bat darum, die Smartphones in den Taschen zu lassen, um keine Mitschnitte auf Social Media zu verbreiten. Während der Performance sah ich zwar einen Bildschirm kurz aufleuchten, ob das Video tatsächlich gepostet wurde, bleibt offen. Gespielt wurde „All Glory, No Valour“, ein bissiger, treibender Song mit einem mitreißenden Refrain, der sich hervorragend für den Live-Einsatz eignete.
Danach widmete sich die Band älteren Nummern. Die Lichtshow tauchte die Bühne abwechselnd in monochromes Blau und tiefes Rot und erzeugte eine düstere, beinahe bedrohliche Atmosphäre. Irgendwann zwischen „Servitude“ und „Teras“ fragte Middleton, ob wir noch einen richtig lauten Song hören wollten. Im Gegenzug verlangte er einen Circle Pit, so groß wie der Raum selbst. Die Menge lieferte respektabel ab.
Mit dieser Energie näherte sich der Auftritt einem fulminanten Ende. Nach einer Wall of Death waren wir schließlich beim letzten Song angelangt: „The New Flesh“. Dass SYLOSIS den Abend sowohl mit einer neuen Single eröffneten als auch beendeten, war ein klares Statement. Dass die Stimmung darunter nicht litt, ebenfalls.

SYLOSIS verabschiedeten sich und hinterließen ein glückliches, verschwitztes Publikum mit dem Versprechen, bald wieder zurückzukommen. Zur Abkühlung lief anschließend „Girls Just Want To Have Fun“ von Cyndi Lauper. Spaß hatten an diesem Abend allerdings nicht nur die Mädels.
Fazit: Der Abend mit SYLOSIS, REVOCATION, DISTANT und LIFE CYCLES war ein voller Erfolg. Die Stimmung war von Beginn an gut und steigerte sich mit jedem Auftritt. Der Sound überzeugte von der ersten Sekunde an. Die Umbaupausen wurden konsequent eingehalten, sodass jede Band ihre Setlist ohne Stress spielen konnte. Der Ablauf war gut getaktet und äußerst kurzweilig. SYLOSIS und REVOCATION hätten jedoch gerne jeweils zwei bis drei Songs mehr spielen dürfen.
Setlist
1. Erased
2. I Sever
3. Worship Decay
4. Heavy Is The Crown
5. Poison for the Lost
6. All Glory, No Valour
7. Where the Sky Ends
8. Eclipsed
9. Servitude
10. Reflections Through Fire
11. Teras
12. Pariahs
13. Deadwood
14. The New Flesh

