Wenn man »Aarnihauta« das erste Mal auflegt, merkt man schnell, dass VERILEHTO nicht versucht, das Rad neu zu erfinden. Das Trio aus Finnland setzt auf eine Mischung aus kaltem Riffing, rauschenden Synthflächen und einer Atmosphäre, die eher aus dem Unterholz als aus dem Studio zu kommen scheint. Trotzdem gelingt es den drei Musikern, vertraute Formen mit einer eigenen Handschrift zu beleben. Die Platte wirkt wie eine gut erzählte Geschichte, deren einzelne Kapitel sich gegenseitig stärken.
Bewusst ungeschliffen, hingegen nicht schlampig
Der Opener »Surutta Tapettu« gibt die Richtung klar vor. Gitarrist und Schlagzeuger Janne Tuikkala legt eine rhythmische Grundlage, die eher marschiert als rennt. Der Song wirkt kompakt, annähernd stoisch, dagegen nicht plump. Sänger Janne Partanen schichtet seine Stimme in rauen, angespannten Linien darüber. Die Produktion ist bewusst ungeschliffen, hingegen nicht schlampig. Man hört, dass jemand viel Zeit in die Balance zwischen Klarheit und Rohheit gesteckt hat. Der Track öffnet das Album ohne große Show, dafür mit fester Haltung.
»Nälänhätä« zieht das Tempo an. Die Gitarre fräst melodische Konturen in ein Drumming, das stellenweise beinahe punkig wirkt. Hier zeigt sich, wie gut das Zusammenspiel funktioniert. Nichts wirkt überladen, nichts bleibt zurück. Bassist Markus Räipiö sorgt für ein Fundament, das nicht nur auffüllt, sondern mit eigenem Charakter punktet. Der Song hat einen fiesen Sog und gehört zu den eingängigeren Momenten der Platte, ohne darum zu betteln.
Der Titeltrack »Aarnihauta« steht irgendwo zwischen Ritual und Erzählung. Die Gitarrenfiguren wiederholen sich wie alte Beschwörungsformeln, während die Synths ein Flimmern erzeugen, das man eher fühlt, als bewusst wahrnimmt. Der Track braucht seine Zeit, demgegenüber genau das macht ihn spannend. Man wird hineingezogen und muss sich darauf einlassen, dass es nicht um Höhepunkte und Auflösungen geht, sondern um Stimmung.
»Kalman Sotajuokko« wirkt danach wie ein Befreiungsschlag. Das Stück treibt härter voran, bleibt indessen kontrolliert. Tuikkalas Drums sind kantig, freilich nicht übertrieben laut gemischt. Das gibt Partanens Stimme genügend Raum, um ihre ganze Schärfe auszuspielen. An mehreren Stellen blitzen kurze melodische Ideen auf, die sich sofort nochmals verflüchtigen. Diese Flüchtigkeit macht den Track lebendig. Er kommt, trifft und verschwindet wieder.
Mit »Tuhkaverho« fährt die Band die Intensität etwas herunter. Das Stück lebt von langen Gitarrentönen und einem gleichmäßig pochenden Rhythmus. Man könnte es als Verschnaufpause bezeichnen, aber das wäre zu wenig. Der Song zeigt eine Seite von VERILEHTO, die approximativ meditativ ist. Die Synths legen sich wie Nebel über die Riffs und geben der Musik Tiefe, ohne kitschig zu wirken.
Gitarren kratzen, sägen und peitschen
»Syöjätär« setzt abermals auf Angriff. Hier lässt Tuikkala die Gitarre kratzen, sägen und peitschen, während Räipiö den Bass fast melodisch führt. Der Song spielt mit Kontrasten: trockene Drums, unruhige Gitarren, harscher Gesang. Die Nummer ist nicht sofort greifbar, belohnt im Kontrast hierzu Zuhörer, die sich Zeit nehmen. VERILEHTO zeigt hier eine gewisse Experimentierfreude, ohne den Rahmen des Genres zu sprengen.
Zum Schluss gibt es noch »Virvatulet«, einen Track, der das Album sauber abrundet. Er verbindet den fließenden Charakter der ruhigeren Stücke mit dem Biss der schnelleren. Die Gitarrenlinien wirken annähernd offener, die Synths strahlen breiter. Man spürt, dass hier der Kreis geschlossen wird. Nichts drängt sich auf, alles läuft zusammen.
Was das Album insgesamt auszeichnet, ist die Klarheit in der musikalischen Idee. VERILEHTO setzen nicht auf technische Überheblichkeit. Sie suchen auch nicht nach Sounds, die das Genre komplett umkrempeln sollen. Stattdessen bauen sie auf Atmosphäre, Wiedererkennungswert und auf ein Zusammenspiel, das über viele Jahre gewachsen klingt. Die Band erlaubt sich Ecken und Kanten, ohne zerfranst zu wirken. Das Ergebnis ist eine Platte, die mehr durch Stimmung als durch Spektakel überzeugt.
»Aarnihauta« ist kein Album, das man nebenbei konsumiert. Es fordert Aufmerksamkeit, belohnt doch mit starken Bildern und einem Gefühl von Tiefe, das vielen Veröffentlichungen im Black-Metal fehlt. Man taucht hinein und bleibt dort, weil das Material einen ernst nimmt.
Durchdachtes Album mit genug Wiederhörwert
Mit 4 von 5 Punkten landet die Platte im oberen Feld. Sie hat Charakter, wirkt durchdacht und enthält genug Wiederhörwert, um regelmäßig im Player zu landen. VERILEHTO liefern ein Werk ab, das im Gedächtnis bleibt, gerade weil es nicht schreit, sondern erzählt.
Fazit: VERILEHTO ist mit »Aarnihauta« ein Black-Metal-Werk mit vielen Facetten gelungen.
Tracklist
01. Surutta Tapettu
02. Nälänhätä
03. Aarnihauta
04. Kalman Sotajuokko
05. Tuhkaverho
06. Syöjätär
07. Virvatulet
Besetzung
Janne Tuikkala – Guitars, Drums, Synths
Janne Partanen – Vocals
Markus Räipiö – Bass & Backing Vocals

