JESTER MAJESTY – Infinite Measure Finite Existence

cover artwork JESTER MAJESTY Infinite Measure Finite Existence

Band: JESTER MAJESTY 🇮🇹
Titel: Infinite Measure Finite Existence
Label: XTREEM MUSIC
VÖ: 04/12/25
Genre: Progressive Death/Thrash Metal

Bewertung:

4,5/5

Das Debütalbum der relativ neuen italienischen Progressive-Metal-Band JESTER MAJESTY – ein Konzeptalbum um abstrakte Themen kreisend – bietet mit „Infinite Measure Finite Existence“ eine sehr komplexe Klanglandschaft, technisch und musikalisch faszinierend.

Polyrhythmische Komplexität von Anfang an

Das Album beginnt mit schweren Akkorden und einer komplexen Klanglandschaft. Ein kurzes, aber gut ausgearbeitetes Intro: „Zero-Point Collapse„. Doch wirklich progressiv im Kern ist der nächste Song „Human vs. Machine“ – ein polyrhythmischer Sound, solide Riffs ergänzt durch komplizierte Gitarren, Vocals in cleanem Register mit eher gutturalen und harschen Akzenten. Nicht wirklich melodisch, aber beeindruckend durch Komplexität und Technik. Die Leadgitarre setzt genau die notwendigen Akzente, während Rhythmussektion und Gitarre ein expansives, futuristisches Fundament legen.

JESTER MAJESTY stammen aus Turin, Anfang 2024 von zwei außergewöhnlichen Talenten gegründet: Alessandro Gargivolo (Alchemist, ex-Axelerator, ex-Sonic Reducer) – verantwortlich für Gitarren, Bass und Vocals – und Erymanthon Seth (Apocalypse, Feralia, Teratum, ex-Alchemist (live)) an Leadgitarre und Keyboards.

Zartere Akkorde eröffnen „Echoes Of π„, doch dieser sanftere Sound ist nicht von Dauer und wird durch schwere Riffs ersetzt – ein guter Rhythmus und dieselben cleanen, nicht sehr melodischen, meist gesprochenen Vocals. Eine sehr gute Balance zwischen den Gitarren, diesmal steht größtenteils die Rhythmusgitarre im Rampenlicht. Polyrhythmen, raffinierte Instrumentierung mit leicht epischem Vibe, aber viele Texturen treffen in diesem Song aufeinander. Sogar ein Hauch emotionalen Ansatzes, falls das in einem Song über π (Pi) möglich ist. Aber das sind die bevorzugten lyrischen Ansätze der Band: Mathematik, Technologie, Abstraktion.

Virtuose Mini-Oper mit Jazz-Einflüssen

Mit einem so ungewöhnlichen Songnamen bringt „Married to the Masterplan“ eine gute Basslinie und noch schwereren Sound. Solide Riffs, hier sind die Vocals klar die kontrastierenden Elemente. Kompositorisch erinnert es an britischen originalen Progressive Rock, auch in Vocal-Technik und Stil. Mit wechselnden Melodien – sogar eine kurze Passage orientalischer Musik ist zu hören. Ein bisschen Chaos und Disharmonie findet sich ebenfalls im Song. Ein sehr komplexes Stück, aber insgesamt ein beeindruckender Song.

Die Produktion ist sehr gut – sie fängt die schwerere Seite der Band hervorragend ein, aber auch den mehrschichtigen und komplexeren Sound, der die progressive Seite zeigt. Die Vocals sind von der Art, an die man sich gewöhnen muss – nicht die übliche warme und sanfte Stimme, die man normalerweise im Genre findet. Aber sie passen sehr gut zur Musik, haben etwas Theatralisches und manchmal Distanziertes wie ein Geschichtenerzähler oder emotionaler bei anderen Stücken. Musik, die aufmerksames Hören erfordert, um all die Klangschichten zu erfassen, aus denen sie besteht.

Uptempo und melodischer kommt „The Curse of Majesty“ – der aggressivste Song auf dem Album mit beeindruckenden Drums, aber auch einem irgendwie anderen Stil und sehr guten Gitarrenriffs. Technische Meisterschaft ist hier in jedem Akkord offensichtlich, eine zugänglichere Komposition, aber nicht weniger komplex. Ein Höhepunkt.

When Numbers Speak“ bringt ausgespuckte Vocals und ist wieder sehr aggressiv. Abenteuerlustige Gitarren erkunden verschiedene Klanglandschaften, ebenso die Rhythmussektion. Auch die Vocals kommen mit einem neuen, direkteren Ansatz – auf Passagen fast growlend – alles schließt mit einem knackigen Solo und Fusion-beeinflussten Klängen ab. „A World in a Single Word“ wieder in einem leicht anderen Register – tiefe, heruntergestimmte Riffs, langsamer, nicht sehr melodisch, aber theatralisch. Eine denkwürdige Serie guter Riffs, die den harschen Ansatz mit melodischerer und leicht melancholischer Musik abwechseln. Ein weiterer sehr guter Track.

Masquerade (The Algorithm)“ kommt mit erneuter Wut und ist dissonant und roh. Sehr Uptempo und technisch, auch mit karnevalesker Atmosphäre. „Amphibian to Chameleon“ bringt epische und dramatische Vocals, der Rhythmus ist sehr gut, wechselt aber mit langsameren Parts ab, die dem Storytelling-Teil klares Gewicht verleihen. Der finale Song „φinal Jest“ ist nur ein kurzes Outro – irgendwie würde man ein epischeres und triumphierenderes Ende erwarten, stattdessen ein kurzes akustisches Stück, aber es passt zum Gesamtalbum: unerwartet und überraschend.

Abstrakt, ambitioniert und durchweg beeindruckend

Eine Mini-Oper in ihrer Gesamtheit – virtuos, ständig wechselnde Töne, Jazz-beeinflusste Komplexität, ein Sound, der mit jedem Hören überrascht und neue Dimensionen ihres Klangs offenbart. Sie überraschen den Hörer sehr oft auf dem Album mit unerwarteten Wendungen, aber all diese sind tatsächlich sehr gut in den Sound integriert – ein fließender Sound, der sich durch das Album entwickelt. Auf Passagen abstrakt, auf anderen ambitioniert, aber am Ende ein angenehmes und erfreuliches Hörerlebnis.

Vocals in Progressive Rock/Metal waren so oft ungewöhnlich – in dieser Hinsicht passen auch JESTER MAJESTY sehr gut. Einige werden die Vocals einzigartig und warm finden, andere distanziert und kalkuliert. Denn es ist all das. Beim ersten Hören ziemlich hermetisch, aber unbestreitbar komplex und technisch beeindruckend. Alle Songs sind intrinsisch miteinander verbunden und formen ein Album mit einheitlichem Gefühl, wobei jede seiner Komponenten gleichermaßen beeindruckend ist. Es hinterlässt einen Hunger, die vielen Pfade von „Infinite Measure Finite Existence“ erneut zu besuchen. Eine starke Empfehlung für Fans progressiver Musik oder jeden, der komplizierte Texturen und mehrschichtige Klänge schätzt.

Fazit: JESTER MAJESTY präsentieren ein Debütalbum mit komplexem Sound – gleichermaßen progressiv und sehr Metal, expansiv, abstrakt, unvorhersehbar.

Tracklist

01. Zero-Point Collapse
02. Human vs. Machine
03. Echoes Of π
04. Married to the Masterplan
05. The Curse of Majesty
06. When Numbers Speak
07. A World in a Single Word
08. Masquerade (The Algorithm)
09. Amphibian to Chameleon
10. φinal Jest

Besetzung

Alessandro Gargivolo – Guitars/Bass/Vocals
Erymanthon Seth – Lead Guitar/Keyboards

Internet

JESTER MAJESTY – Infinite Measure Finite Existence CD Review

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