THOKKIAN VORTEX – Lucifer Lucem Proferens

THOKKIAN VORTEX - Lucifer Lucem Proferens - album cover

Band: THOKKIAN VORTEX 🇺🇸
Titel: Lucifer Lucem Proferens
Label: Folter Records
VÖ: 27/11/25
Genre: Black Metal

Bewertung:

3,5/5

Es gibt Bands, die man bereits nach wenigen Momenten an ihrer Atmosphäre erkennt. THOKKIAN VORTEX gehören in diese Kategorie. Hinter dem Projekt steht Lord Kaiaphas, einst bei ANCIENT aktiv, und man spürt sofort, dass er seit Jahrzehnten ein feines Gespür für okkulten Black Metal kultiviert hat. »Lucifer Lucem Proferens«, das neue Album, setzt genau dort an: Es ist düster, rituell, kalt und jedoch überraschend detailverliebt. Kein Versuch, das Genre neu zu erfinden. Eher ein konzentrierter Blick auf das, was diesen Stil seit jeher trägt.

Düster, rituell, kalt und detailverliebt

Das Line-up wirkt kompakt und eingespielt. Kaiaphas kümmert sich um Gesang und Synthesizer, Mantus legt die Gitarrenwände, Sil steuert den Bass bei und Asmodevs DD sitzt am Schlagzeug. Zwei Stücke erhalten zusätzlich Flötenbeiträge von Danielle Sassi, was schon vor dem Hören neugierig macht. Gerade solche kleinen Brüche sorgen dafür, dass das Album nie in Beliebigkeit abrutscht.

Der Auftakt »Sethian Aeon« baut sofort Druck auf. Das Stück wirkt wie ein Schleier, der sich langsam öffnet. Die Gitarren flirren, das Schlagzeug hämmert stoisch und Kaiaphas setzt seine Stimme deutlich rauer ein, als man es aus manchen seiner früheren Arbeiten kennt. Die Synthesizer bleiben im Hintergrund und schaffen Platz für ein dichtes Klangbild.

»Fires of Samum« treibt das Tempo an. Die Band setzt auf Geschwindigkeit, ohne die melodische Linie zu vernachlässigen. Mantus spielt hier mit einer Mischung aus Tremoloriffs und eher klassischen Heavy-Metal-Figuren, was den Song lebendiger macht. Im Mittelteil öffnet sich die Struktur einigermaßen, bevor das Stück abermals in die harsche Grundstimmung zurückfällt.

Gitarren mit einem kalten Schimmer

Der Titeltrack »Lucifer Lucem Proferens« wirkt dagegen kontrollierter. Das Stück orientiert sich stärker an Ritualästhetik und verlässt sich mehr auf Atmosphäre als auf reine Härte. Die Synthesizer treten deutlicher hervor und umgeben die Gitarren mit einem kalten Schimmer. Kaiaphas singt weniger aggressiv, eher beschwörend. Der Song ist einer der Höhepunkte des Albums.

»At War with Ohrmuzd« zeigt die Band dann wieder von ihrer direkteren Seite. Das Schlagzeug zetert unablässig, die Gitarren preschen voran. Der Song liefert, was man von traditionellem Black-Metal erwartet. Er bleibt im Kontrast hierzu nicht unbedingt hängen, was vermutlich daran liegt, dass THOKKIAN VORTEX in anderen Momenten schlicht mehr Charakter zeigen.

Mit »The Great Harlot« wird es spannender. Der Song ist langsamer aufgebaut und wirkt schwerer. Die Band schafft hier eine Art brodelnde Unterströmung. Bass und Schlagzeug tragen wesentlich dazu bei. Kaiaphas wechselt zwischen gehauchtem und wütendem Vortrag, was dem Stück eine innere Unruhe verleiht.

»Shadowmother« folgt einer ähnlichen Stimmung, bloß dichter und bedrohlicher. Der Song lebt stark von seinen Gitarrenmotiven. Mantus legt Schichten über Schichten, die sich langsam zu einer Art Klangnebel formen. Kein Track, der sofort ins Ohr geht, aber einer, der das Album atmosphärisch zusammenhält.

»Summoning the Evil Ones of Ekurra« arbeitet erneut mit mehr Tempo. Asmodevs DD liefert hier eine starke Leistung, weil er trotz Geschwindigkeit Akzente setzt und nicht nur im Dauerfeuer agiert. Der Song wirkt wie ein Bindeglied zwischen den härteren und den mystischeren Momenten des Albums.

Dann kommen die beiden Stücke mit Flöte: »The Brazen Vessel of Solomon« und »Drip Drip«. Gerade diese Tracks zeigen, dass THOKKIAN VORTEX nicht im Korsett des Genres feststecken. Danielle Sassis Spiel wirkt nicht folkig, sondern kalt und scharf. Die Flöte fügt sich wie ein weiteres rituelles Element ein, ein zusätzlicher Schatten, kein Schmuck. Beide Stücke zählen zu den mutigsten des Albums.

Der Abschluss »Crystalline Dawn« führt all diese Facetten zusammen. Die Synthesizer werden etwas breiter eingesetzt, die Gitarren bleiben dunkel, das Schlagzeug zieht das Ganze nach vorne. Der Song löst die angestaute Spannung gut auf.

Solides, stimmungsreiches Black-Metal-Album

Unterm Strich liefert »Lucifer Lucem Proferens« ein solides, stimmungsreiches Black-Metal-Album. Die Band kennt ihre Stärken und setzt auf Atmosphäre, ohne in Langeweile zu verfallen. Nicht jeder Song sticht hervor, doch die Platte wirkt geschlossen und sorgfältig arrangiert. Wer klassischen, okkult ausgerichteten Black Metal schätzt, bekommt hier eine überzeugende Variante davon.

Fazit: »Lucifer Lucem Proferens« von THOKKIAN VORTEX ist ein gelungenes Werk, das durch seine dunkle, mystische Atmosphäre und die gelungene Instrumentierung überzeugt.

Tracklist

01. Sethian Aeon
02. Fires of Samum
03. Lucifer Lucem Proferens
04. At War with Ohrmuzd
05. The Great Harlot
06. Shadowmother
07. Summoning the Evil Ones of Ekurra
08. The Brazen Vessel of Solomon
09. Drip Drip
10. Crystalline Dawn

 

Besetzung

Lord Kaiaphas – vocals and synthesizers
Mantus – guitars
Sil – bass
Asmodevs DD – drums
Flute on »The Brazen Vessel of Solomon« and »Drip Drip« by Danielle Sassi

 

Internet

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Roberthttps://www.metalunderground.at
Soldat unter dem Motto morituri te salutant sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.

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