Tracklist
01. Malnutrition
02. Horrific Visions
03. Deranged Perversion
04. Crippled Under The Weight Of A Hollow World
05. Synaptic Decay
06. Primal Regression
07. Disgusted Warped Mentality
08. Enlightenment Through Excruciating Torture
09. Remnants Of Atrophy
Besetzung
Rene Martinez – Drums
Chris Rossmeier – Guitar
Mason Vickers – Guitar
Cody Hancock – Bass
Conrad Heinemeyer – Vocals
Zwischen Wahnsinn und Verwüstung
Mit »Remnants Of Atrophy« legt die Brutal-Death-Metal-Formation HORRIFIC VISIONS ein Debüt vor, das sich kompromisslos dem Extrem verschreibt. Die Band besteht aus Rene Martinez am Schlagzeug, Chris Rossmeier und Mason Vickers an den Gitarren, Cody Hancock am Bass sowie Conrad Heinemeyer am Mikrofon. Schon die Besetzung deutet an, wohin die Reise geht! Technisch versierter Old-School-Death-Metal, kombiniert mit modernem Brutality-Einschlag und einer Produktion, die bewusst roh gehalten wurde.
Gemischt und gemastert von Gitarrist Mason Vickers in den Rocker House Studios, klingt das Album wie ein rostiges Skalpell direkt ins Gesicht. Der Sound besitzt eine schneidende Härte, bleibt dabei aber bewusst ungeschliffen. Genau darin liegt sowohl Stärke als auch Schwäche dieser Veröffentlichung.
Brutale Intensität ohne Verschnaufpause
Bereits der Opener »Malnutrition« macht klar, dass HORRIFIC VISIONS keine Zeit mit Atmosphäre oder langen Intros verschwenden. Blastbeats, tiefergestimmte Gitarren und ein nahezu permanenter Angriff prägen den Einstieg. Die Produktion setzt stark auf Druck und Dichte, wodurch einzelne Instrumente stellenweise miteinander verschmelzen. Gerade Fans von klassischem US-Brutal-Death-Metal dürften daran Gefallen finden.
Conrad Heinemeyers Vocals bewegen sich dauerhaft zwischen tiefem Gurgeln und aggressivem Röhren. Technisch funktioniert das solide, emotional bleibt der Vortrag jedoch oft auf derselben Ebene hängen.
Interessanter wird es bei »Deranged Perversion«. Hier blitzen erstmals dynamischere Ansätze auf. Tempowechsel sorgen für etwas mehr Spannung, während die Gitarrenarbeit von Rossmeier und Vickers deutlich variabler wirkt. Besonders die kurzen Lead-Elemente lockern das ansonsten sehr kompakte Klangbild auf.
Starke Musiker, begrenzte Abwechslung
Eines der größten Probleme von »Remnants Of Atrophy« liegt in seiner Monotonie. Viele Songs folgen einem ähnlichen Muster aus Hochgeschwindigkeits-Drumming, tiefen Growls und dicht gepackten Riffs. Für ein Album mit neun Tracks ist das auf Dauer anstrengend, selbst für Genre-Liebhaber.
»Crippled Under The Weight Of A Hollow World« demonstriert dieses Problem besonders deutlich. Der Song startet intensiv, verliert aber im Mittelteil an Profil. Einzelne Riffs bleiben kaum hängen, weil das Material zu sehr auf Daueraggression setzt. Technisch ist das alles sauber gespielt, doch memorierbare Momente entstehen selten.
Andererseits zeigt »Synaptic Decay«, dass die Band durchaus Potenzial besitzt. Hier gelingt die Balance aus Groove und Brutalität deutlich besser. Die rhythmischen Akzente wirken kontrollierter, während das Schlagzeugspiel von Rene Martinez angenehm präzise bleibt. Gerade die Double-Bass-Passagen entwickeln ordentlich Druck, ohne komplett im Klangbrei zu verschwinden.
Auch Bassist Cody Hancock bekommt vereinzelt Raum, um Akzente zu setzen. Zwar bleibt der Bass meist tief im Gesamtmix verborgen, dennoch sorgen einzelne Passagen für zusätzliches Fundament.
Zwischen Old School und moderner Härte
Musikalisch bewegen sich HORRIFIC VISIONS irgendwo zwischen klassischem CANNIBAL-CORPSE-Einfluss, Slam-Elementen und moderner Technical-Death-Metal-Schule. Besonders »Primal Regression« und »Disgusted Warped Mentality« erinnern phasenweise an frühe US-Underground-Produktionen der Neunziger. Das dürfte Puristen gefallen, nimmt dem Album aber gleichzeitig Eigenständigkeit.
Die größte Stärke der Platte bleibt ihre kompromisslose Energie. Kaum ein Song fällt komplett auseinander oder wirkt uninspiriert. Selbst wenn die Ideen nicht immer nachhaltig zünden, liefern die Musiker konstant hohen Druck. Besonders die Gitarrenarbeit besitzt eine aggressive Schärfe, die hervorragend zum düsteren Gesamtbild passt.
»Enlightenment Through Excruciating Torture« versucht gegen Ende noch einmal zusätzliche Intensität aufzubauen. Der Song gehört zu den chaotischsten Momenten der Platte und lebt von seinem fast schon klaustrophobischen Charakter. Gleichzeitig zeigt sich hier erneut die Schwäche der Produktion. Manche Feinheiten gehen schlicht verloren, weil der Mix dauerhaft am Limit arbeitet.
Ein Album für kompromisslose Genre-Fans
Mit dem abschließenden Titelstück »Remnants Of Atrophy« endet die Platte ähnlich zerstörerisch, wie sie begonnen hat. HORRIFIC VISIONS präsentieren sich als Band mit klarer Vision, maximale Härte, rohe Energie und keine unnötigen Experimente. Genau diese Konsequenz dürfte einen Teil der Death-Metal-Community begeistern.
Trotzdem bleibt das Album hinter seinem Potenzial zurück. Die handwerklichen Fähigkeiten der Musiker sind vorhanden, ebenso der Wille zur absoluten Eskalation. Was fehlt, sind stärkere Wiedererkennungsmerkmale und mehr Dynamik innerhalb der Songs. Viele Ideen verschwimmen im permanenten Angriff, sodass selbst gute Ansätze nicht immer nachhaltig wirken.
Fans von kompromisslosem Brutal-Death-Metal werden hier dennoch einiges finden, das Spaß macht. Wer allerdings nach außergewöhnlichem Songwriting oder innovativen Strukturen sucht, dürfte eher ernüchtert zurückbleiben.
»Remnants Of Atrophy« ist ein aggressives, ehrliches und technisch solides Extrem-Metal-Album, das seine rohe Gewalt konsequent auslebt, dabei aber zu selten aus der eigenen Komfortzone ausbricht.
Fazit: »Remnants Of Atrophy« ist ein Album, das durch seine rohe Intensität und ungeschliffene Klangästhetik besticht.






