GODTHRYMM - Projections - cover artwork

Band: GODTHRYMM 🇬🇧
Titel: Projections
Label: Profound Lore Records
VÖ: 29/05/26
Genre: Doom Metal

Tracklist

01. Trenches Deep
02. Truth In My Own
03. The Sun Never Fell
04. Endure My Skin (feat. Aaron Stainthorpe)
05. Jewels
06. Hope Is Eternal

 

Besetzung

Hamish Glencross – Guitar & vocals
Shaun Taylor-Steels – Drums
Bob Crolla – Bass
Catherine Glencross – Keys & vocals
Kris McLaughin – Guitar

 

Bewertung:

4,5/5

Mit ihrem dritten Album »Projections« schließen GODTHRYMM ihre sogenannte »Visions Trilogy« ab. Nach »Reflections« von 2020 und dem starken Nachfolger »Distortions« aus dem Jahr 2023 liefert die britische Formation nun das Werk, das den bisherigen Weg konsequent zu Ende denkt. Die Band um Hamish Glencross, der vielen Doom-Fans noch aus früheren Tagen bei MY DYING BRIDE bekannt sein dürfte, bewegt sich tief im Geist der großen britischen Neunziger-Doom-Schule, ohne dabei wie eine bloße Kopie zu wirken. Gerade die Atmosphäre jener legendären Peaceville-Ära schwebt permanent über diesem Album, doch GODTHRYMM besitzen mittlerweile genug Eigenständigkeit, um daraus etwas Eigenes entstehen zu lassen.

Dunkle Schwere mit Gefühl

»Projections« lebt von einer Mischung aus melancholischer Wucht, hymnischer Tiefe und bedrückender Eleganz. Schon der Opener »Trenches Deep« zieht den Hörer langsam in einen Nebel aus schweren Gitarren, getragenen Rhythmen und emotionalem Gesang hinein. Hamish Glencross klingt dabei nie übertrieben dramatisch, sondern glaubwürdig und menschlich. Genau das macht viele Momente auf diesem Album so stark.

Die Produktion wirkt organisch und warm. Das Album wurde über das vergangene Jahr verteilt in unterschiedlichen Studios aufgenommen, wobei Andy Hawkins und Glencross selbst an den Reglern standen. Dadurch entsteht ein Sound, der nicht geschniegelt oder modern glattpoliert wirkt. Stattdessen bekommen die Songs Raum zum Atmen. Besonders die Gitarren entfalten eine massive, fast greifbare Tiefe, während Catherine Glencross mit ihren Keyboardflächen und zusätzlichen Vocals immer wieder feine emotionale Schichten ergänzt.

Zwischen Hoffnung und Verzweiflung

Der zweite Track »Truth In My Own« zeigt die melodische Seite der Band besonders eindrucksvoll. Hier treffen schwere Riffs auf melancholische Leads, die sich langsam in die Gehörgänge graben. GODTHRYMM verstehen es hervorragend, Spannung aufzubauen, ohne hektisch zu werden. Die Musik lebt vom langsamen Entwickeln der Stimmung. Jeder Ton scheint bewusst gesetzt.

»The Sun Never Fell« gehört zu den emotionalen Höhepunkten des Albums. Der Song verbindet klassische Doom-Schwere mit fast schon epischen Harmonien. Gerade hier zeigt sich, wie sehr die Band ihre Wurzeln verstanden hat. Die Einflüsse von PARADISE LOST oder frühen ANATHEMA sind zwar spürbar, doch GODTHRYMM vermeiden den Fehler vieler Retro-Doom-Bands. Sie verlassen sich nicht ausschließlich auf Nostalgie. Stattdessen wirken die Stücke modern genug, um frisch und relevant zu bleiben.

Starker Gastauftritt

Besondere Aufmerksamkeit verdient »Endure My Skin«, bei dem Aaron Stainthorpe von MY DYING BRIDE als Gastsänger mitwirkt. Seine markante Stimme fügt sich perfekt in die düstere Atmosphäre ein und verstärkt den ohnehin schon intensiven Charakter des Songs zusätzlich. Trotzdem bleibt das Stück klar ein GODTHRYMM-Song und keine bloße Hommage an alte Helden.

Gerade dieser Titel zeigt die größte Stärke des Albums, emotionale Tiefe ohne Kitsch. Die Band schafft es, Trauer, Hoffnungslosigkeit und eine seltsame Form von Trost gleichzeitig transportieren zu können. Das gelingt im Doom-Metal längst nicht jeder Formation.

Feinheiten im Detail

Mit »Jewels« wird das Tempo leicht angezogen, ohne die düstere Grundstimmung zu verlieren. Die Gitarrenarbeit von Glencross und Kris McLaughin harmoniert hervorragend. Immer wieder tauchen kleine melodische Details auf, die erst nach mehreren Durchläufen ihre volle Wirkung entfalten. Bob Crolla liefert dazu ein druckvolles Bassfundament, während Shaun Taylor-Steels am Schlagzeug genau das richtige Maß zwischen Zurückhaltung und Wucht findet.

Der Abschluss »Hope Is Eternal« trägt seinen Titel nicht zufällig. Der Song wirkt wie das emotionale Finale dieser Trilogie und bündelt noch einmal sämtliche Stärken des Albums. Schwere Doom-Passagen treffen auf fragile Melodien und eine beinahe spirituelle Atmosphäre. Gerade das Ende hinterlässt Eindruck und sorgt dafür, dass »Projections« lange nachhallt.

GODTHRYMM liefern mit »Projections« ein beeindruckendes Doom-Metal-Album ab, das tief in der Tradition des britischen Neunziger-Doom verwurzelt ist, dabei aber niemals altbacken klingt. Die Band versteht es, Melancholie, Härte und Atmosphäre in ein stimmiges Gesamtbild zu verwandeln. Besonders die emotionale Ehrlichkeit der Songs macht das Album so stark.

Wer mit den frühen Werken von PARADISE LOST, ANATHEMA oder MY DYING BRIDE aufgewachsen ist, wird hier viel entdecken, das vertraut wirkt. Gleichzeitig besitzt »Projections« genug eigene Persönlichkeit, um nicht im Schatten seiner Einflüsse zu stehen. Für Doom-Fans gehört dieses Album definitiv zu den stärkeren Veröffentlichungen des Jahres.

Fazit: »Projections« markiert einen bedeutenden Meilenstein im Schaffen von GODTHRYMM.

Internet

GODTHRYMM - Projections - CD Review

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Robert
Soldat unter dem Motto morituri te salutant sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.