Tracklist
01. Beating In My Chest
02. Living Out of Line
03. All Hail Hypocrisy
04. Triple Threat
05. Wasteland
06. When Eden Burn
07. Pseudo Genius
08. Bad Addiction
09. Porridge Head
10. Whatcha Gonna Do
11. Cashed Out
Besetzung
Lizzy DeVine – Vocals & Guitar
Kristian Solhaug – Guitar
Mats Wernerson- Bass
Robin Nilsson – Drums
Zwischen Glam, Dreck und großen Hooks
Mit ihrem zweiten Album »All Hail Hypocrisy« liefern THE CRUEL INTENTIONS genau das ab, was Fans von ehrlichem Sleaze- und Hard-Rock hören wollen. Eingängige Refrains, rotzige Gitarren, jede Menge Attitüde und Songs, die sich nicht in Nostalgie verlieren. Die 2015 gegründete schwedisch-norwegische Formation aus Oslo verbindet den Spirit klassischer Sunset-Strip-Bands mit modernem Punch und einer Portion Pop-Punk-Energie. Das Ergebnis klingt nach verschwitztem Club, Lederjacke, Bierdusche und langen Nächten, ohne dabei altbacken zu wirken.
Die Bandbesetzung bleibt dabei überschaubar, aber effektiv. Lizzy DeVine übernimmt Vocals und Gitarre, Kristian Solhaug sorgt für die zweite Gitarrenfront, Mats Wernerson liefert den drückenden Bass und Robin Nilsson sitzt hinter dem Schlagzeug. Produziert, gemischt und gemastert wurde das Album von Erik Mårtensson, dessen Handschrift man deutlich hört. Der Sound wirkt fett, klar und druckvoll, ohne den rauen Rock’n’Roll-Charakter glattzubügeln.
Rock’n’Roll mit modernen Zähnen
Schon der Opener »Beating In My Chest« macht keine Gefangenen. Der Song startet direkt mit einem treibenden Groove und einem Refrain, der sich nach wenigen Sekunden festsetzt. Genau hier liegt eine der größten Stärken von »All Hail Hypocrisy«. Die Band versteht es, Hooks zu schreiben, die sofort funktionieren, ohne billig zu wirken.
»Living Out of Line« schlägt anschließend in dieselbe Kerbe, wirkt aber etwas rotziger und erinnert phasenweise an frühe MÖTLEY CRÜE-Momente mit moderner Produktion. Die Gitarrenarbeit bleibt dabei angenehm dynamisch. Statt stumpfem Dauerfeuer setzt das Quartett auf Rhythmusgefühl und eingängige Leads.
Der Titeltrack »All Hail Hypocrisy« gehört klar zu den stärksten Momenten der Platte. Hier verbinden sich hymnische Chöre mit einem sleazigen Grundgefühl und einer ordentlichen Portion Straßenattitüde. Der Song transportiert genau jene Mischung aus Arroganz und Selbstironie, die guten Hard Rock seit Jahrzehnten ausmacht.
Zwischen Party und Abgrund
Was das Album besonders angenehm macht, die Band verlässt sich nicht ausschließlich auf schnelle Partyhymnen. »Wasteland« bringt beispielsweise eine düstere, leicht melancholische Stimmung ins Spiel und zeigt, dass THE CRUEL INTENTIONS mehr können als bloßes Poser-Gehabe. Vor allem Lizzy DeVines Stimme funktioniert in diesen Momenten hervorragend, weil sie rau klingt, aber dennoch melodisch bleibt.
Auch »When Eden Burn« überzeugt mit atmosphärischen Gitarren und einer emotionaleren Grundstimmung. Hier zeigt sich erneut die Stärke der Produktion. Erik Mårtensson schafft es, jedem Instrument genug Raum zu geben, ohne dass die Songs an Druck verlieren.
»Pseudo Genius« und »Bad Addiction« liefern danach wieder deutlich mehr Tempo und Rotz. Gerade »Bad Addiction« besitzt enormes Livepotenzial. Der Song schreit förmlich nach Festivalbühne, klebrigem Asphalt und gröhlendem Publikum.
Kein Retro-Aufguss
Viele moderne Sleaze- oder Hard-Rock-Bands scheitern daran, dass sie lediglich bekannte Versatzstücke kopieren. THE CRUEL INTENTIONS umgehen dieses Problem erstaunlich geschickt. Natürlich hört man Einflüsse von GUNS N’ ROSES, MÖTLEY CRÜE oder auch BACKYARD BABIES heraus, doch die Band wirkt nie wie eine reine Tribute-Version vergangener Tage.
Das liegt vor allem daran, dass immer wieder moderne Elemente eingebaut werden. Einige Refrains besitzen fast schon pop-punkige Energie, während bestimmte Gitarrenpassagen angenehm zeitgemäß klingen. Dadurch bleibt das Album frisch und erreicht vermutlich auch jüngere Rockfans, die mit klassischem Sleaze bisher wenig Berührung hatten.
»Porridge Head« fällt dabei besonders auf. Der Song besitzt einen leicht chaotischen Charakter, funktioniert aber genau deshalb hervorragend. Die Band wirkt hier locker, unangepasst und herrlich unperfekt. Genau diese Momente geben dem Album Persönlichkeit.
Starkes Finale
Mit »Whatcha Gonna Do« und dem abschließenden »Cashed Out« zieht die Band das Niveau nochmals an. Vor allem der Closer hinterlässt Eindruck, weil er die unterschiedlichen Facetten des Albums bündelt. Melodie, Druck, Mitsingfaktor und eine gewisse emotionale Schwere.
Über die gesamte Laufzeit hinweg gelingt es THE CRUEL INTENTIONS, das Energielevel hochzuhalten. Zwar bewegen sich viele Songs stilistisch in ähnlichen Gefilden, langweilig wird das Album aber nie. Dafür sorgen die starken Refrains, das spielfreudige Gitarrenduo und eine Produktion, die genau weiß, wie moderner Hard-Rock klingen muss.
»All Hail Hypocrisy« ist ein starkes Hard-Rock-Album geworden, das die goldenen Zeiten des Sleaze-Rock feiert, ohne wie ein billiger Retro-Abklatsch zu wirken. THE CRUEL INTENTIONS liefern ehrliche Rockmusik mit Schweiß, Dreck und großen Melodien. Die Mischung aus klassischem Glam-Feeling, modernen Hooks und druckvoller Produktion funktioniert hervorragend. Wer Bands wie GUNS N’ ROSES, CRASHDÏET oder BACKYARD BABIES schätzt, sollte hier definitiv reinhören.
Fazit: »All Hail Hypocrisy« von THE CRUEL INTENTIONS ist ein Album, das sowohl die Essenz des Hard Rocks einfängt, als auch frische Impulse setzt.






