Band: King Potenaz 🇮🇹
Titel: Arcane Desert Rituals Vol. 2
Label: Majestic Mountain Records
VÖ: 12.06.2026
Format: Digital
Genre: Stoner Doom / Occult Doom / Psychedelic Doom / Heavy Psych

Tracklist

01. Sumerian Nights
02. Lord Of The Rust
03. The Nothingness
04. A Crack In The Void (The Empty Hand Pt. 2)

Besetzung

Giuseppe Guarini – Gitarren, Gesang
Francesco Pensato – Bass
Piero Schiavone – Schlagzeug, Synthesizer

Gastmusikerin:
Anna Carla Del Prete – Cello im Intro von »Sumerian Nights«

Produktion:
Aufgenommen im Sudestudio
Aufnahme – Stefano Manca
Mixing und Mastering – Marc Urselli
Artwork – Mirkow Gastow

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Ein Jahr nach »Arcane Desert Rituals Vol. 1« schließen die aus dem süditalienischen Fasano stammenden King Potenaz ihre zweiteilige Werkreihe mit vier weiteren Langkompositionen ab. Veröffentlicht wurde »Arcane Desert Rituals Vol. 2« über Majestic Mountain Records, wobei das Trio seinen bisherigen Stoner- und Occult-Doom-Sound verstärkt um psychedelische, progressive und ambientartige Passagen erweitert. Die knapp 37 Minuten wirken weniger unmittelbar als der erste Teil und setzen deutlicher auf lange instrumentale Entwicklungen, hypnotische Wiederholungen und einen bewusst rauen Fuzz-Klang. Der Einfluss von Black Sabbath, Sleep, Kyuss, Electric Wizard und Monster Magnet bleibt hörbar, doch die Band übernimmt deren Stilmittel nicht unverändert. Vor allem die Verbindung aus zurückhaltendem Gesang, schweren Basslinien, kosmischen Synthesizerflächen und ungewöhnlich aufgebauten Gitarrenpassagen gibt dem Album eine eigene Identität.

YouTube Art Playlist: Arcane Desert Rituals Vol. 2

SUMERISCHE MYTHEN UND LANGSAME ENTWICKLUNG

»Sumerian Nights« beginnt mit Cello, zurückhaltendem Bass und einzelnen Gitarrentönen. Der Gastbeitrag von Anna Carla Del Prete verleiht dem Intro einen ernsten, beinahe kammermusikalischen Charakter. Erst nach dieser längeren Vorbereitung setzt die verzerrte Gitarre ein und führt die Komposition in den bekannten Stoner-Doom-Sound der Band.

Der Einstieg erinnert an die meditative Schwere von Om und die langen Spannungsbögen von Sleep. King Potenaz übernehmen dabei nicht einfach ein einzelnes Riff und wiederholen es unverändert. Bass, Gitarre und Schlagzeug verändern Betonungen, Lautstärke und Klangfarbe schrittweise, sodass die knapp elf Minuten aus mehreren miteinander verbundenen Bewegungen bestehen.

Giuseppe Guarini setzt seinen Gesang vergleichsweise sparsam ein. Seine Stimme ist rau, aber nicht besonders aggressiv. Sie steht nicht deutlich über den Instrumenten, sondern bleibt in die verzerrte Gesamtproduktion eingebunden. Dadurch wirken die Textpassagen eher wie Bestandteile einer zeremoniellen Erzählung als wie ein klassischer Stoner-Rock-Refrain.

Inhaltlich beschäftigt sich der Song mit der Kultur und Mythologie des alten Mesopotamiens. Schöpfung, göttlicher Zorn, Naturkräfte und die Stadt Uruk werden ebenso angesprochen wie Dichter, Schreiber und die Weitergabe von Geschichten über Jahrhunderte. Die Texte verbinden historische Begriffe mit fantastischen und okkulten Bildern, ohne eine lineare Handlung zu erzählen.

Nach dem schweren ersten Teil folgt eine längere instrumentale Passage. Die Gitarre arbeitet hier stärker mit psychedelischen Effekten und weniger mit klaren Akkordfolgen. Francesco Pensato übernimmt am Bass eine wichtige Rolle, weil seine Linien der offenen Gitarrenarbeit eine nachvollziehbare Struktur geben.

Piero Schiavone hält das Tempo bewusst kontrolliert. Sein Schlagzeugspiel ist weder technisch überladen noch vollständig statisch. Kleine Veränderungen bei Becken und Toms sorgen dafür, dass die wiederholten Riffs nicht völlig gleichförmig wirken.

Der Song verlangt Geduld. Einige Abschnitte könnten kompakter ausfallen, ohne die Atmosphäre zu beschädigen. Gerade der instrumentale Mittelteil verweilt lange bei ähnlichen Motiven. Gleichzeitig zeigt »Sumerian Nights« sehr deutlich, dass die Band auf dem zweiten Teil weniger an unmittelbaren Refrains und stärker an einer zusammenhängenden klanglichen Entwicklung interessiert ist.

Als Eröffnung funktioniert die Komposition überzeugend. Cello, Doom-Riffs und psychedelische Passagen führen die wichtigsten Elemente des Albums ein und geben dem zweiten Teil bereits zu Beginn einen eigenständigeren Charakter.

DER HERRSCHER ÜBER ROST UND VERFALL

»Lord Of The Rust« ist kompakter und rhythmisch direkter aufgebaut. Das zentrale Gitarrenriff besitzt einen ausgeprägten Fuzz-Klang und verbindet Stoner Rock mit schwerem Doom Metal. Im Vergleich zum langen Aufbau des Openers erreicht der Song schneller seinen Hauptteil.

Der Text beschreibt eine einsame Herrscherfigur, die über verfallene Industrielandschaften, zerbrochenen Stahl und aufgegebene Gebiete wacht. Rost wird dabei zum Zeichen einer Welt, in der menschliche Konstruktionen und frühere Machtansprüche ihre Bedeutung verloren haben.

Guarinis Gesang erhält hier mehr rhythmische Kontur. Seine Linien folgen dem Gitarrenriff, ohne vollständig mit ihm zusammenzufallen. In einzelnen Momenten besitzt der Vortrag eine leicht punkige oder post-punkartige Direktheit. Das unterscheidet den Song von zahlreichen Doom-Bands, deren Stimmen ausschließlich langgezogen über den Akkorden liegen.

Die erste Hälfte gehört zu den zugänglichsten Abschnitten des Albums. Pensatos Bass spielt einen festen, gut hörbaren Groove, während Schiavone die Musik mit einem vergleichsweise energischen Rhythmus vorantreibt. Das Trio klingt kompakt und verzichtet zunächst auf ausgedehnte Umwege.

Im weiteren Verlauf reduziert die Band das Tempo. Aus dem Stoner-Rock-Groove entwickelt sich ein wesentlich langsamerer Doom-Abschnitt, in dem die Gitarren länger auf einzelnen Tönen und Akkorden verweilen. Synthesizer und Effekte treten stärker hervor und verändern die zuvor klare Songstruktur.

Dieser Wechsel ist nachvollziehbar vorbereitet und verleiht der Komposition zusätzliche Tiefe. Der direkte Beginn und die langsamere zweite Hälfte stehen nicht unverbunden nebeneinander. Das Hauptriff bleibt in veränderter Form erhalten und sorgt für einen gemeinsamen Rahmen.

»Lord Of The Rust« ist der unmittelbarste Titel des Albums. Der Song besitzt einen erkennbaren Hauptgroove, eine klare vokale Linie und genügend Veränderungen, um seine fast acht Minuten zu rechtfertigen. Gleichzeitig bleibt die Produktion roh genug, um den Verfall des Textes auch musikalisch abzubilden.

Die Verbindung aus Fuzz, Doom und einer leicht post-punkartigen Gesangsführung gehört zu den interessantesten Eigenschaften der Band. Gerade hier lösen sich King Potenaz am deutlichsten von einer reinen Sleep– oder Electric-Wizard-Nachahmung.

ATMOSPHÄRE STATT KLASSISCHER SONGSTRUKTUR

»The Nothingness« ist mit knapp sieben Minuten das kürzeste Stück des Albums, aber keineswegs dessen direkteste Komposition. Der Song reduziert Tempo und rhythmische Bewegung deutlich. Gitarren, Bass und Synthesizer erzeugen eine weitgehend gleichmäßige, schwere Atmosphäre.

Die wenigen Textzeilen handeln von Zerstörung, Isolation und der Verwandlung eines Überlebenden in eine todbringende Macht. Die Formulierung über den Zerstörer der Welten greift eine weithin bekannte Aussage auf, die mit dem Atomzeitalter und der Möglichkeit vollständiger Vernichtung verbunden wird.

Guarinis Stimme wird stark verzerrt und teilweise in den Hintergrund gesetzt. Sie wirkt weniger wie eine klare Erzählstimme als wie ein weiteres Geräusch innerhalb der Produktion. Gerade dieser Ansatz macht den Song atmosphärisch geschlossen, erschwert aber den unmittelbaren Zugang.

Das zentrale Riff basiert auf langsamen, tief gestimmten Akkorden. Pensatos Bass verstärkt deren Gewicht, spielt aber zwischen den Gitarrenschlägen kleinere Bewegungen. Dadurch entsteht eine gewisse innere Dynamik, obwohl das Tempo nahezu unverändert bleibt.

Schlagzeuger Schiavone verzichtet auf schnelle Übergänge oder auffällige Fills. Seine Aufgabe besteht vor allem darin, die langen Wiederholungen zusammenzuhalten. Ergänzende Synthesizerflächen erweitern den Klang und geben dem Stück eine kosmische, teilweise ambientartige Ausrichtung.

»The Nothingness« funktioniert eher als Ritual denn als herkömmlicher Song. Es gibt keinen deutlich abgegrenzten Refrain und nur wenige erkennbare melodische Veränderungen. Die Wirkung entsteht durch Dauer, Wiederholung und allmähliche Verdichtung.

Genau darin liegt zugleich die Begrenzung des Stücks. Wer auf ein prägnantes Hauptriff oder einen klaren Höhepunkt wartet, erhält nur wenige Orientierungspunkte. Im Albumzusammenhang funktioniert die Nummer als ruhiger und bedrückender Übergang zum Finale. Isoliert betrachtet bleibt sie weniger einprägsam als »Lord Of The Rust«.

Die Produktion unterstützt die beabsichtigte Wirkung. Gitarre, Bass und Stimme bilden eine nahezu geschlossene Klangfläche. Mehr Dynamik zwischen den einzelnen Abschnitten hätte den Spannungsbogen allerdings deutlicher hervortreten lassen.

DIE LEERE HAND WIRD VOLLENDET

»A Crack In The Void (The Empty Hand Pt. 2)« setzt die auf dem ersten Teil begonnene Komposition »The Empty Hand Pt. 1« fort. Der Song bildet damit nicht nur den Abschluss des Albums, sondern auch das Ende des gesamten zweiteiligen Zyklus.

Die ersten Minuten basieren auf einem langsamen, bluesig gefärbten Groove. Die Gitarre klingt weniger massiv als bei »Lord Of The Rust« und lässt Bass sowie Schlagzeug mehr Raum. Guarinis Stimme bleibt zurückhaltend und wird erneut als Bestandteil der Gesamtatmosphäre eingesetzt.

Der Text beschreibt einen Riss in der Wirklichkeit, die Auflösung von Zeit und eine unsichtbare Macht, die Welten zerstört. Die sogenannte leere Hand erscheint als kosmische Instanz, deren Bedeutung bewusst nicht vollständig erklärt wird. Dadurch bleibt die Erzählung offen und kann als Fortsetzung der okkulten und apokalyptischen Motive des ersten Teils verstanden werden.

Im Mittelteil entfernt sich die Komposition stärker vom klassischen Doom Metal. Gitarreneffekte, Synthesizer und lange instrumentale Passagen entwickeln eine psychedelische Struktur. Die Band lässt einzelne Motive ineinander übergehen, anstatt sie durch deutliche Strophen oder Refrains zu trennen.

Pensatos Bass bleibt während dieser offenen Passagen besonders wichtig. Er gibt dem Song eine erkennbare Bewegung und verhindert, dass sich die Gitarreneffekte vollständig von der Rhythmussektion lösen. Schiavone reagiert mit kleinen Veränderungen, hält sich aber weiterhin mit technischen Demonstrationen zurück.

Im letzten Viertel steigert die Band Tempo und Intensität. Schlagzeug und Bass werden energischer, während die Gitarre stärker verzerrt und rhythmisch direkter eingesetzt wird. Dieser späte Ausbruch ist einer der wenigen Momente des Albums, in denen sich eine lange vorbereitete Spannung vollständig entlädt.

Die Beschleunigung wirkt nicht willkürlich. Sie greift Motive aus den vorherigen Minuten auf und führt sie zu einem klaren Abschluss. Gerade weil die ersten drei Stücke häufig auf kontrollierte Entwicklung setzen, erhält dieser letzte Abschnitt zusätzliche Bedeutung.

Mit fast elf Minuten ist die Komposition umfangreich, nutzt ihre Laufzeit aber überzeugender als »Sumerian Nights«. Die einzelnen Phasen sind klarer voneinander unterscheidbar, und der finale Tempowechsel gibt dem Stück einen nachvollziehbaren Zielpunkt.

Gemeinsam mit dem ersten Teil ergibt sich eine ausgedehnte Komposition über Leere, kosmische Zerstörung und eine nicht greifbare Macht. Auch ohne direkte Kenntnis des Vorgängers funktioniert »A Crack In The Void« als eigenständiger Song. Seine vollständige konzeptionelle Bedeutung erschließt sich jedoch erst im Zusammenhang beider Alben.

ZWEI TEILE MIT UNTERSCHIEDLICHER GEWICHTUNG

»Arcane Desert Rituals Vol. 2« setzt die Struktur des ersten Teils fort. Beide Veröffentlichungen bestehen aus vier langen Songs und erreichen jeweils eine Laufzeit von deutlich mehr als einer halben Stunde. Trotzdem klingt der zweite Teil nicht wie lediglich nachgereichtes Material aus denselben Aufnahmesitzungen.

Vol. 1 war stärker vom Occult Doom geprägt. Die Riffs standen deutlicher im Mittelpunkt, und mehrere Songs entwickelten eine unmittelbarere körperliche Wirkung. Vol. 2 richtet den Fokus stärker auf Psychedelic Doom, Space Rock, Ambient und progressive Entwicklungen.

Diese Veränderung verhindert Wiederholungen. Die Band verwendet weiterhin denselben Gitarrenklang und dieselbe Grundbesetzung, erweitert aber die Songstrukturen. Besonders »Sumerian Nights« und »A Crack In The Void« bestehen aus mehreren längeren Phasen, die sich nur teilweise an klassischen Strophe-Refrain-Strukturen orientieren.

Der zweite Teil wirkt dadurch anspruchsvoller, aber weniger direkt. Mehrere Abschnitte benötigen Zeit, bevor sich Veränderungen bemerkbar machen. Bei konzentriertem Hören entwickelt sich ein geschlossenes Album. Als beiläufige Hintergrundmusik können die langen Wiederholungen dagegen schnell gleichförmig erscheinen.

Ein weiterer Unterschied liegt im Gesang. Guarini setzt seine Stimme noch sparsamer ein und behandelt sie stärker als atmosphärisches Element. Die instrumentale Arbeit erhält dadurch mehr Raum, gleichzeitig fehlen an einigen Stellen markante vokale Orientierungspunkte.

Die Entscheidung ist künstlerisch konsequent. King Potenaz wollen keine vier konventionellen Stoner-Rock-Songs liefern, sondern die auf dem ersten Teil begonnene Welt erweitern. Das gelingt überwiegend, auch wenn die größere Offenheit nicht jeder Komposition gleichermaßen zugutekommt.

EIN TRIO MIT KLAR VERTEILTEN AUFGABEN

Giuseppe Guarini verbindet schwere Akkorde mit psychedelischen Effekten, offenen Solopassagen und langen Rückkopplungen. Seine Gitarrenarbeit ist weniger auf technische Präzision als auf Klangfarbe und Dynamik ausgerichtet.

Die Riffs bleiben bewusst einfach. Ihre Wirkung entsteht durch den verzerrten Ton, die tiefe Stimmung und die lange Wiederholung. Innerhalb dieser festen Strukturen setzt Guarini kleine Veränderungen ein, die häufig erst nach mehreren Durchläufen deutlich werden.

Sein Gesang passt zur rauen Produktion. Die Stimme klingt zurückgenommen, teilweise müde und an anderen Stellen leicht bedrohlich. Eine größere vokale Bandbreite hätte einzelnen Songs zusätzliche Kontraste gegeben, doch ein dominanter oder technisch aufwendiger Gesangsstil würde kaum zur Musik passen.

Francesco Pensato ist für die Beweglichkeit der Stücke entscheidend. Sein Bass unterstützt nicht lediglich die Gitarre, sondern entwickelt eigene Linien. Besonders in den psychedelischen Abschnitten hält er die Kompositionen zusammen.

Der Bass ist im Mix gut hörbar und besitzt einen warmen, leicht verzerrten Klang. Bei »Lord Of The Rust« trägt er den zentralen Groove, während er bei »Sumerian Nights« und »A Crack In The Void« zwischen den offenen Gitarrenflächen vermittelt.

Piero Schiavone spielt kontrolliert und konzentriert. Sein Schlagzeug wirkt bewusst organisch und wurde nicht auf klinische Präzision reduziert. Kleine Schwankungen und natürliche Dynamik bleiben hörbar.

Zusätzlich übernimmt Schiavone die Synthesizer. Diese werden sparsam eingesetzt und dienen vor allem der räumlichen Erweiterung. Sie stehen nie als eigenständige Hauptmelodie im Vordergrund, sondern ergänzen die Gitarren und verstärken die kosmische Ausrichtung des Albums.

Das Zusammenspiel der drei Musiker ist geschlossen. Trotz der langen improvisatorisch wirkenden Passagen bleibt erkennbar, dass die Kompositionen geplant und strukturiert wurden. Nur an wenigen Stellen entsteht der Eindruck, dass ein Jam länger fortgeführt wird, als es für die musikalische Aussage notwendig wäre.

CELLO, SYNTHESIZER UND PSYCHEDELISCHE ERWEITERUNGEN

Der Einsatz des Cellos im Intro von »Sumerian Nights« zeigt, dass King Potenaz ihren Klang erweitern wollen, ohne das Grundgerüst des Powertrios aufzugeben. Anna Carla Del Prete erhält keinen bloßen kurzen Effektmoment. Das Instrument prägt die erste Phase des Songs und bereitet dessen ernste Atmosphäre vor.

Bedauerlich ist, dass das Cello später nicht erneut eingesetzt wird. Eine Rückkehr im Finale oder in »The Nothingness« hätte zwischen den vier Kompositionen eine zusätzliche Verbindung herstellen können.

Die Synthesizer übernehmen diese verbindende Funktion nur teilweise. Schiavone setzt sie vor allem als Hintergrundflächen ein. Sie unterstützen die kosmischen und okkulten Themen, verändern die grundlegende Klangfarbe der Band aber nicht vollständig.

Am wirkungsvollsten sind die Erweiterungen dort, wo sie unmittelbar mit Bass und Schlagzeug zusammenarbeiten. Reine Effektpassagen verlieren gelegentlich an Spannung, während rhythmisch angebundene psychedelische Abschnitte deutlich fokussierter wirken.

Die Band verfügt über ausreichend Ideen, um ihre Musik über traditionellen Stoner Doom hinauszuführen. Für zukünftige Veröffentlichungen könnte eine noch stärkere Integration von Cello, Synthesizern oder weiteren Instrumenten interessant sein. Auf Vol. 2 bleiben diese Mittel gezielte Ergänzungen.

RAUE AUFNAHMEN UND PRÄZISE KLANGBEARBEITUNG

Das Album wurde bereits im Februar 2024 im Sudestudio von Stefano Manca aufgenommen. Mixing und Mastering übernahm im Mai desselben Jahres Marc Urselli. Veröffentlicht wurde das Material schließlich im Juni 2026.

Die Produktion verbindet eine rohe Bandaufnahme mit einer klaren Trennung der Instrumente. Die Gitarre besitzt einen stark verzerrten, teilweise körnigen Fuzz-Klang, während Bass und Schlagzeug ausreichend Raum behalten.

Pensatos Bass wird nicht vollständig von der Gitarre verdeckt. Besonders bei niedriger bis mittlerer Lautstärke bleibt sein Instrument deutlich erkennbar. Das ist für die langen, auf Wiederholung aufgebauten Passagen wichtig, da der Bass häufig die eigentliche Bewegung vorgibt.

Das Schlagzeug klingt natürlich und vergleichsweise trocken. Schiavones Spiel wurde nicht durch übertriebene Trigger oder starke digitale Nachbearbeitung vereinheitlicht. Dadurch behält das Album einen Proberaum- und Livecharakter.

Guarinis Gesang wurde dagegen stark in die Gesamtfläche eingebunden. Diese Entscheidung unterstützt die Atmosphäre, erschwert aber gelegentlich das Verständnis der Texte. Eine etwas deutlichere Platzierung hätte besonders »Lord Of The Rust« zugutekommen können.

Die Mischung ist dicht, aber nicht vollständig überladen. Selbst während der lautesten Stellen bleiben Bass, Gitarren und Becken unterscheidbar. Die psychedelischen Effekte verteilen sich über das Stereobild, ohne die Rhythmussektion zu verdrängen.

Der Klang passt zur Musik. Eine glattere Produktion würde den Songs ihre raue Wirkung nehmen. Etwas mehr Dynamik zwischen ruhigen und lauten Abschnitten hätte jedoch besonders »The Nothingness« und Teilen von »Sumerian Nights« zusätzliche Spannung verliehen.

BEKANNTE EINFLÜSSE UND EIGENE MERKMALE

Die wichtigsten Einflüsse von King Potenaz sind leicht erkennbar. Die schweren Grundriffs gehen auf Black Sabbath zurück, während Sleep und Electric Wizard vor allem bei Klang, Tempo und Wiederholung wichtige Bezugspunkte darstellen.

Die psychedelische Seite erinnert an Kyuss, Monster Magnet und stellenweise Ufomammut. Einzelne rhythmische und atmosphärische Passagen lassen außerdem Vergleiche mit Slomatics, Om oder der ruhigeren Seite von Tool zu.

Das Album bleibt trotzdem mehr als eine Zusammenstellung vertrauter Stilelemente. Die zurückhaltende Gesangsführung, die Verbindung aus süditalienischem Occult Doom und kosmischen Themen sowie die leicht post-punkartige Direktheit einzelner Passagen geben der Band eigene Konturen.

Besonders »Lord Of The Rust« zeigt, wie diese Einflüsse zu einem persönlichen Stil verbunden werden können. Der Song ist schwer, aber nicht durchgehend langsam; psychedelisch, aber nicht strukturlos; melodisch, ohne einen klassischen Refrain zu benötigen.

Weniger eigenständig wirken einzelne lange Fuzz-Passagen, die sich sehr nah an bekannten Stoner-Doom-Konventionen bewegen. Dort trägt vor allem die Produktion die Musik, während das eigentliche Riff wenig neue Impulse bietet.

Insgesamt befinden sich King Potenaz jedoch auf einem nachvollziehbaren Entwicklungsweg. Vol. 2 klingt nicht nach einer Band, die lediglich ihre Einflüsse reproduziert, sondern nach einem Trio, das innerhalb eines klar abgesteckten Genres zunehmend eigene Entscheidungen trifft.

VIER LANGE SONGS OHNE FÜLLMATERIAL

Vier Titel in knapp 37 Minuten bedeuten, dass jede Komposition ausreichend Raum erhält. Das Album besitzt weder Intro noch Outro als separate Tracks und enthält keine kurzen instrumentalen Zwischenstücke. Sämtliche atmosphärischen Entwicklungen sind in die vier Hauptsongs integriert.

Dieser Aufbau unterstützt den geschlossenen Charakter. Jeder Titel steht für einen eigenen Abschnitt, während die Gesamtverbindung durch Klang, Texte und wiederkehrende kosmische Motive erhalten bleibt.

Die lange Form ist jedoch nicht durchgehend notwendig. »Sumerian Nights« könnte im Mittelteil etwas gestrafft werden, und »The Nothingness« verlässt sich stark auf die Wirkung weniger Motive. Die Wiederholungen sind stilistisch beabsichtigt, erzeugen aber nicht in jedem Fall zusätzliche Intensität.

Am konzentriertesten wirkt »Lord Of The Rust«. Der Song verbindet Direktheit und Entwicklung in einem ausgeglichenen Verhältnis. »A Crack In The Void« rechtfertigt seine Länge durch den klaren Aufbau und die späte Steigerung.

Das Album funktioniert am besten als vollständige Einheit. Einzelne Stücke lassen sich zwar isoliert hören, doch die Unterschiede zwischen den langsamen, psychedelischen und direkteren Abschnitten werden erst innerhalb der vorgesehenen Reihenfolge vollständig deutlich.

FAZIT:

»Arcane Desert Rituals Vol. 2« schließt den zweiteiligen Zyklus mit vier schweren, psychedelischen und sorgfältig entwickelten Kompositionen überzeugend ab, wobei besonders »Lord Of The Rust« und »A Crack In The Void« herausragen. Einige instrumentale Passagen sind länger als notwendig, doch die eigenständige Atmosphäre, das starke Zusammenspiel und die gelungene Produktion überwiegen deutlich.

Official Video: Sumerian Nights

Internet

King Potenaz - Arcane Desert Rituals Vol. 2 - CD Review

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