Chullachaqui - Epiphanic Perdition - cover artwork

Band: Chullachaqui 🇬🇧
Titel: Epiphanic Perdition
Label: Independent
VÖ: 05.06.2026
Format: Digital
Genre: Post Metal / Sludge Metal / Doom Metal / Drone Metal / Progressive Metal

Tracklist

01. Yakruna
02. Futility I: Unstoppable Force
03. Futility II: Immovable Object
04. Futility III: Death Becomes You
05. The Serpent
06. Oblivion [2023 Version]

Besetzung und Produktion

Matt Cooper – Gesang, Gitarren, Bass, Drum-Programming

Gastmusiker:
Jess O’Toole – zusätzliche Gitarren auf „Yakruna“, „Futility I: Unstoppable Force“, „Futility III: Death Becomes You“ und „Oblivion“; Gitarrensoli auf „Futility I“, „Futility III“ und „Oblivion“
George Mitchell – Schlagzeug auf „Oblivion“, Drum-Programming auf den Tracks 1–5

Produktion:
Jess O’Toole – Aufnahme, Produktion, Mix und Mastering
SLItHeR Productions – Studio
Silvana Massa Art – Artwork
Moonroot Logos – Logo

Bewertung:

3,5 von 5 Punkten

Eine geballte Mischung aus Post Metal, Sludge Metal und epischem schweren Doom Metal und das Made In England. Hinter Chullachaqui steht Matt Cooper, Sänger und Bassist von Vulgaris, der auf seinem Debütalbum »Epiphanic Perdition« nahezu sämtliche Instrumente selbst übernimmt. Das Ergebnis sind knapp 51 Minuten voller dröhnender Gitarren, schleppender Rhythmen, psychedelischer Wiederholungen und harscher Stimmen. Inhaltlich folgt das Album einem Mann, der nach einer bewusstseinserweiternden Erfahrung den gesellschaftlichen Umsturz anstrebt, an der Unbeweglichkeit des Systems scheitert und seine Erlösung schließlich nicht im Fortschritt, sondern in infernaler Vergeltung sucht.

Full Album Stream: Epiphanic Perdition

ERKENNTNIS AUF DEM WEG IN DIE VERDAMMNIS

Der Titel »Epiphanic Perdition« verbindet den Moment einer plötzlichen Erkenntnis mit dem Zustand endgültiger Verdammnis. Die zentrale Figur des Albums gelangt zu einer neuen Sicht auf Gesellschaft, Macht und menschliches Versagen. Doch diese Erkenntnis führt nicht zu einem besseren Leben. Sie setzt eine Bewegung in Gang, die von revolutionärer Hoffnung über politische Ernüchterung bis zum vollständigen Bruch mit der Menschheit reicht.

Das Album erzählt diese Entwicklung nicht über kompakte Einzelgeschichten. Die sechs Stücke wirken wie Stationen eines einzigen langen Abstiegs. Wiederkehrende Drone-Flächen, verlangsamte Riffs und ausgedehnte instrumentale Passagen verbinden die Songs zu einem zusammenhängenden Werk.

Dabei entsteht eine epische Klangbühne, auf der die Gitarren nicht einfach Riffs spielen, sondern gewaltige Flächen errichten. Der Bass bewegt sich darunter wie eine schwere tektonische Platte, während das Schlagzeug die langsamen Verschiebungen im Inneren der Musik kontrolliert. Wenn sich das Tempo erhöht, wirkt es, als würde ein bislang unbeweglicher Koloss plötzlich zum Angriff übergehen.

YAKRUNA: DAS RITUAL BEGINNT

»Yakruna« eröffnet das Album ohne Gesang. Der Name verweist auf eine mythische, bewusstseinserweiternde Pflanze und markiert den Ausgangspunkt der folgenden Transformation. Das Instrumental lässt sich als musikalische Darstellung eines psychedelischen Rituals verstehen, nach dem die bisherige Wahrnehmung der Hauptfigur nicht mehr wiederhergestellt werden kann.

Die Komposition beginnt nicht mit einem direkten Angriff. Matt Cooper und Jess O’Toole bauen ihre Gitarren langsam übereinander. Einzelne Töne bleiben lange im Raum, werden von verzerrten Flächen umschlossen und entwickeln sich schrittweise zu einer massiven Wand. Die Musik bewegt sich nicht auf ein klassisches Ziel zu, sondern zieht den Hörer immer tiefer in ihre Wiederholungen hinein.

Das Schlagzeug wirkt trotz seiner programmierten Grundlage erstaunlich körperlich. George Mitchell setzt keine übertrieben komplizierten Figuren ein, sondern arbeitet mit schweren Schlägen und langsamen Veränderungen. Dadurch erhält das Stück etwas Rituelles. Es klingt, als würde eine Prozession Schritt für Schritt auf einen Ort zumarschieren, von dem es keine Rückkehr gibt.

Coopers Bass ist tief in den Gesamtklang eingebettet. Er liefert keine auffälligen Läufe, gibt den Gitarren jedoch jene Masse, die den Song im unteren Frequenzbereich zusammenhält. Die Produktion lässt das Stück roh und ungeschliffen erscheinen, ohne den Eindruck einer unfertigen Demoaufnahme zu erzeugen.

Allerdings zeigt sich bereits im Opener eine zentrale Schwäche des Albums. Manche Motive werden länger wiederholt, als es für ihre Entwicklung zwingend notwendig wäre. Die Atmosphäre bleibt stark, doch nicht jede Minute fügt dem Ritual eine neue Ebene hinzu.

DIE UNAUFHALTSAME KRAFT

»Futility I: Unstoppable Force« beschreibt die Euphorie nach der Erkenntnis. Die Hauptfigur sieht plötzlich einen möglichen Weg aus gesellschaftlicher Unterdrückung. Menschen schließen sich zusammen, alte Autoritäten werden infrage gestellt und der Gedanke einer gemeinsamen Revolution gewinnt an Kraft.

Die Bilder von fallenden Herrschern und vereinten Stimmen besitzen zunächst etwas Triumphierendes. Die Masse erscheint als unaufhaltsame Kraft, die selbst mächtige Systeme überwinden könnte. Doch bereits gegen Ende des Stücks zeigen sich erste Brüche. Die gemeinsame Sache zerfällt an inneren Konflikten, Angst und mangelnder Entschlossenheit.

Musikalisch setzt Cooper diese Entwicklung sehr wirkungsvoll um. Der Song beginnt mit einem schweren, aber noch kontrollierten Aufbau. Gitarren, Bass und Schlagzeug ziehen zunächst in dieselbe Richtung. Sobald die revolutionäre Bewegung an Kraft gewinnt, verdichtet sich das Arrangement und die harschen Vocals treten stärker hervor.

Coopers Stimme klingt wie eine Ansprache, die nicht von einem erhöhten Podium, sondern aus dem Zentrum einer aufgebrachten Menge kommt. Sein Gesang wechselt zwischen tiefem Brüllen, rauem Sprechen und schwarzmetallisch gefärbten Ausbrüchen. Besonders die weniger kontrolliert wirkenden Momente passen zum Text, weil sie den Übergang von politischer Überzeugung zu emotionalem Kontrollverlust hörbar machen.

Jess O’Toole erweitert die Rhythmuswand mit zusätzlichen Gitarren und einem Solo, das nicht auf klassische Virtuosität setzt. Die Leadgitarre windet sich durch die dichte Produktion, als suche sie innerhalb einer zusammenbrechenden Bewegung noch nach einem möglichen Ausgang.

DAS UNBEWEGLICHE OBJEKT

Mit mehr als 15 Minuten ist »Futility II: Immovable Object« das Zentrum des Albums. Die unaufhaltsame Kraft aus dem vorherigen Stück trifft nun auf das unbewegliche Objekt: den politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Apparat, der jeden Versuch grundlegender Veränderung überdauert.

Die Revolution verliert ihre Einheit. Während sich die Beteiligten gegenseitig bekämpfen, bleiben die Herrschenden und ihre Institutionen unangetastet. Der Text reduziert diese Erkenntnis auf wenige Aussagen. Gerade diese sprachliche Knappheit passt zur Musik, denn auch der Song arbeitet nicht mit ständig neuen Ideen, sondern mit der langsamen Demonstration von Unbeweglichkeit.

Das Fundament aus Bass und programmiertem Schlagzeug wirkt wie ein Betonblock. Darüber legen sich Gitarren, die nicht nach vorne preschen, sondern mit jeder Wiederholung schwerer erscheinen. Die Komposition möchte keinen schnellen Höhepunkt liefern. Sie zwingt den Hörer, sich mit der Stagnation auseinanderzusetzen.

Cooper zeigt hier ein gutes Verständnis für Drone und Doom Metal. Er weiß, dass ein einzelner Akkord an Wirkung gewinnen kann, wenn Klangfarbe, Lautstärke und Umgebung vorsichtig verändert werden. Die Gitarren scheinen ihre Position kaum zu verlassen, während sich ihre Oberfläche fortlaufend verändert.

Der Bass trägt einen erheblichen Teil der körperlichen Wirkung. Er brummt nicht lediglich unter den Gitarren, sondern schiebt den gesamten Song wie eine schwere Maschine durch den Hörraum. In besonders dichten Passagen verschwimmen die einzelnen Instrumente allerdings stark miteinander. Die Produktion gewinnt dadurch an Masse, verliert aber an Transparenz.

Die Länge ist zugleich Stärke und Belastung. Das Konzept des unbeweglichen Objekts wird musikalisch nachvollziehbar, doch einige Abschnitte verharren sehr lange in derselben Dynamik. Zwei oder drei gezielte Kürzungen hätten den späteren Steigerungen zusätzliche Wirkung gegeben.

DER TRAUM WIRD HINGERICHTET

»Futility III: Death Becomes You« benötigt nur 41 Sekunden, um die Revolution endgültig zu beerdigen. Der Song ist kein voll entwickeltes Kapitel, sondern ein kurzer Bericht aus einer bereits verlorenen Zukunft. Träume von gesellschaftlicher Veränderung werden erschossen, wissenschaftliche Erkenntnisse im Interesse des Profits beseitigt und der Planet dem Untergang überlassen.

Nach den langen, schwerfälligen Bewegungen von »Futility II« wirkt dieser kurze Angriff wie eine plötzliche Explosion. Das Schlagzeug hämmert, die Gitarren schieben kompakt nach vorne und Cooper presst seine Anklage ohne Pause durch den Song.

Die bewusste Kürze funktioniert. Nach 15 Minuten Stagnation bleibt keine Zeit für eine weitere Diskussion. Das Urteil ist bereits gesprochen. Die erhoffte Zukunft ist gescheitert, die Herrschenden entkommen und der Tod wird zum einzigen Ergebnis des großen gesellschaftlichen Traums.

O’Tooles zusätzliche Gitarre gibt dem kurzen Stück einen scharfen Abschluss. Allerdings wirkt die Produktion hier deutlich kontrollierter und beinahe klinischer als in den umliegenden langen Kompositionen. Dieser Kontrast kann als bewusster Schock verstanden werden, lässt den Song aber auch etwas vom übrigen Album getrennt erscheinen.

DIE SCHLANGE BIETET EINEN NEUEN WEG

Nach dem Scheitern der Revolution verändert »The Serpent« die Richtung des Albums. Die Hauptfigur sucht nicht länger nach gesellschaftlicher Erneuerung. Sie wendet sich von der Menschheit ab und folgt einer Schlange, die infernale Macht, Sünde und Rache verspricht.

Die Schlange erscheint als Bote eines dunklen Herrschers. Sie führt nicht zur Erkenntnis im aufgeklärten Sinn, sondern in ein Reich, in dem Schmerz und Hass als Quellen persönlicher Stärke verstanden werden. Der gescheiterte Revolutionär ersetzt damit einen Glauben durch einen anderen: An die Stelle einer besseren Gesellschaft tritt die Vorstellung, durch Verdammnis Macht über jene zu erhalten, die ihn enttäuscht haben.

Musikalisch arbeitet der Song stärker mit Groove. Der Bass rückt weit nach vorne und gibt der Komposition eine fast hypnotische Bewegung. Die Gitarren legen sich darüber wie schwere Rauchschichten. Das Stück marschiert nicht, sondern kriecht langsam vorwärts – passend zu seinem titelgebenden Tier.

Coopers Stimme wirkt hier weniger wie der Anführer einer Bewegung und stärker wie ein bereits Verwandelter. Das Brüllen erhält eine tiefere, bedrohlichere Färbung. Die wiederkehrenden Aufforderungen entwickeln den Charakter einer Beschwörung.

Gerade der dominante Bass gehört zu den interessantesten Elementen. Gleichzeitig verdeckt er in einigen Passagen große Teile der Gitarren. Was als bedrohliche Klangmasse funktioniert, nimmt den einzelnen Instrumenten einen Teil ihrer Kontur. Etwas mehr Trennung im Mix hätte dem Song gutgetan.

OBLIVION: DER ABSTIEG WIRD ZUR ERLÖSUNG

»Oblivion« war das erste veröffentlichte Stück von Chullachaqui und bildet nun den 14-minütigen Abschluss des Albums. Die Hauptfigur betritt endgültig die Unterwelt. Bilder aus der antiken Mythologie, Dantes Höllenfahrt, satanische Symbolik und psychedelische Bewusstseinserweiterung werden miteinander verbunden.

Der Weg in die Hölle wird nicht als Strafe beschrieben. Er erscheint als Befreiung von einer Welt, die der Erzähler als moralisch tot und hoffnungslos wahrnimmt. Erst beim Blick in die Flammen glaubt er, die Menschheit klar erkennen zu können. Die Verzweiflung über gesellschaftliches Versagen wird dadurch in Hass und Größenwahn verwandelt.

Besonders interessant ist die Umkehr von Licht und Dunkelheit. Das Feuer der Unterwelt zerstört den Erzähler nicht, sondern erleuchtet ihn. Satan wird nicht als Versucher dargestellt, der einen unschuldigen Menschen verdirbt. Die Hauptfigur sucht diese Begegnung freiwillig, weil sie in der Verdammnis eine Form von Zugehörigkeit findet, die ihr auf der Erde versagt blieb.

Der Text endet mit einer vollständigen Selbstermächtigung. Der zuvor machtlose Mensch erhebt Anspruch auf das Feuer, tötet symbolisch seine Vergangenheit und nimmt eine neue Identität als dunkler Prinz an. Diese Entwicklung ist jedoch keine wirkliche Heilung. Der Schmerz wird nicht verarbeitet, sondern in eine neue Ideologie überführt.

Musikalisch bündelt »Oblivion« die unterschiedlichen Elemente des Albums. Langsame Doom-Riffs, progressive Übergänge, psychedelische Wiederholungen und aggressivere Ausbrüche greifen ineinander. George Mitchell spielt hier echtes Schlagzeug und verleiht dem langen Stück eine lebendigere Dynamik. Seine kleinen Schwankungen und Fills geben den Übergängen eine organische Bewegung, die beim Drum-Programming der vorherigen Titel gelegentlich fehlt.

Jess O’Toole setzt zusätzliche Gitarren und Soli ein, die den Abstieg in verschiedene Phasen gliedern. Die Leadgitarre wirkt zeitweise wie eine zweite Stimme. Sie kommentiert Coopers Gesang nicht melodisch versöhnlich, sondern verstärkt dessen fiebrigen Zustand.

Die ältere Aufnahme unterscheidet sich klanglich jedoch vom restlichen Album. Sie wirkt stärker komprimiert und weniger räumlich als die fünf neueren Stücke. Inhaltlich ist »Oblivion« der notwendige Schlusspunkt, produktionstechnisch bleibt ein hörbarer Übergang.

MATT COOPER TRÄGT DAS GEWICHT

Als Sänger, Gitarrist, Bassist und Hauptkomponist trägt Matt Cooper fast die gesamte Last des Albums. Seine größte Stärke liegt im Verständnis langer musikalischer Entwicklungen. Er schreibt keine Riffsammlung, sondern denkt in Flächen, Wiederholungen und langsamen Veränderungen.

Die Rhythmusgitarren sind selten technisch spektakulär. Ihre Wirkung entsteht aus Gewicht und Ausdauer. Cooper lässt Akkorde lange stehen, bis sich ihre Wahrnehmung durch zusätzliche Spuren, Bassbewegungen oder Veränderungen des Schlagzeugs verschiebt. Das passt hervorragend zu Post Metal und Drone, verlangt aber auch Disziplin beim Hören.

Sein Bassspiel ist ein wesentliches Element. Der Bass liefert nicht nur das Fundament, sondern prägt die körperliche Wirkung des Albums. Besonders in »The Serpent« und »Futility II« steht er so stark im Vordergrund, dass er beinahe die Funktion einer zusätzlichen verzerrten Gitarre übernimmt.

Als Sänger arbeitet Cooper mit mehreren extremen Ausdrucksformen. Tiefe Growls, aufgerissene Schreie und sprechende Passagen folgen der psychischen Entwicklung der Figur. Die Stimme ist nicht immer sauber in den Vordergrund gemischt, wirkt dadurch aber wie ein Bestandteil der gesamten Klangmasse.

Die emotional stärksten Momente entstehen dort, wo Cooper seine Stimme nicht maximal verdichtet. In einzelnen ruhigeren oder halb gesprochenen Passagen wird die Verzweiflung hinter der Aggression deutlicher. Mehr solcher Kontraste hätten der Gesangsleistung zusätzliche Tiefe gegeben.

GÄSTE MIT ENTSCHEIDENDEM EINFLUSS

Jess O’Toole ist weit stärker beteiligt, als es die Bezeichnung Gastgitarrist vermuten lässt. Seine zusätzlichen Gitarren erweitern vier Stücke, während seine Soli wichtige Übergänge und Höhepunkte markieren. Er bringt mehr melodische Beweglichkeit in Coopers schwere Grundstrukturen.

Als Produzent, Aufnahmeleiter, Mixer und Mastering-Verantwortlicher prägt O’Toole zudem die gesamte klangliche Identität. Die neu aufgenommenen Songs besitzen einen rohen, weitgehend unkomprimierten Charakter. Sie klingen nicht besonders sauber, können aber atmen. Lautstärkezuwächse und dynamische Steigerungen bleiben dadurch tatsächlich spürbar.

George Mitchell gibt dem Material rhythmische Ordnung. Sein Drum-Programming auf den ersten fünf Tracks hält die langen Kompositionen zusammen, ohne sie permanent mit technischen Details zu überladen. Gerade bei »Yakruna« und »Futility II« ist die Reduktion sinnvoll.

Auf »Oblivion« zeigt Mitchell mit seinem akustischen Schlagzeug, was dem restlichen Album stellenweise fehlt. Das Spiel reagiert flexibler auf Gitarren und Gesang, die Übergänge wirken weniger berechnet und selbst kleine Abweichungen erzeugen zusätzliche Spannung.

ROHE MASSE MIT BEGRENZTER TRANSPARENZ

Die Produktion von »Epiphanic Perdition« setzt bewusst auf Dichte. Gitarren, Bass und Schlagzeug stehen nicht sauber voneinander getrennt im Raum, sondern wachsen zu einer gemeinsamen Masse zusammen. Dadurch entwickelt das Album eine beeindruckende Schwere.

Besonders die tiefen Mitten dominieren. Der Sound besitzt viel Körper, kann in den dichtesten Passagen aber beinahe sämtliche Feinheiten verschlucken. Einzelne Gitarrenlinien verschwinden hinter Bass und Rhythmusspuren, während die Becken gelegentlich sehr scharf über der ansonsten dunklen Produktion stehen.

Diese klangliche Unordnung ist teilweise gewollt und unterstützt die Atmosphäre. Das Album handelt schließlich vom Zusammenbruch politischer und persönlicher Ordnung. Trotzdem hätte etwas mehr Transparenz die Wirkung einzelner Musiker nicht geschmälert, sondern verstärkt.

Die größten Probleme entstehen nicht durch die Rohheit, sondern durch die Unterschiede zwischen den einzelnen Produktionen. Die fünf neuen Stücke besitzen einen offenen, räumlichen Klang. »Oblivion« wirkt als ältere Aufnahme verdichteter und digitaler. Als Abschluss der Geschichte funktioniert der Song hervorragend, als Bestandteil eines klanglich einheitlichen Albums nur eingeschränkt.

GROSSE IDEE, NICHT IMMER GLEICH GROSSE ENTWICKLUNG

»Epiphanic Perdition« besitzt ein nachvollziehbares Konzept und eine konsequente Stimmung. Die Entwicklung von psychedelischer Erkenntnis über revolutionäre Hoffnung und politisches Scheitern bis zur satanischen Selbstermächtigung ist klar erkennbar.

Die langen Stücke geben dieser Erzählung ausreichend Raum. Besonders »Futility I: Unstoppable Force«, »Futility II: Immovable Object« und »Oblivion« zeigen, dass Cooper große Spannungsbögen aufbauen kann. Die Verbindung aus Post Metal, Doom, Sludge und Drone wirkt nicht künstlich zusammengesetzt.

Allerdings fehlt manchen Wiederholungen eine erkennbare Weiterentwicklung. Atmosphäre allein trägt nicht jede Passage über sieben, 14 oder 15 Minuten. Ein kompakterer Schnitt hätte die zentralen Riffs und Steigerungen stärker hervorgehoben.

Trotzdem wirkt das Album nicht wie eine Sammlung übrig gebliebener Ideen aus einem anderen Projekt. Chullachaqui besitzt eine klar erkennbare Identität: langsam, düster, politisch desillusioniert und zunehmend von infernaler Symbolik bestimmt.

FAZIT:

»Epiphanic Perdition« ist ein ambitioniertes Debüt, das Post Metal, Sludge, Drone und schweren Doom zu einer knapp 51-minütigen Erzählung über Erkenntnis, Revolution, Scheitern und Verdammnis verbindet. Matt Cooper überzeugt als vielseitiger Musiker und Konzeptautor, während Jess O’Toole und George Mitchell den langen Kompositionen zusätzliche Struktur und Dynamik verleihen. Die ausgedehnten Wiederholungen und klanglichen Unterschiede zwischen den Aufnahmen verhindern eine höhere Wertung, doch die stärksten Momente rechtfertigen gute 3,5 von 5 Punkten.

Art Track: The Serpent

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Chullachaqui - Epiphanic Perdition - CD Review

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