Band: Morgal 🇫🇮
Titel: The Seventh Circle
Label: Werewolf Records
VÖ: 26.06.2026
Format: CD / Vinyl / Kassette / Digital
Genre: Black Metal / Blackened Speed Metal / Heavy Metal

Tracklist

01. Intro
02. Stormchaser
03. Tales of Woland
04. Goddess of Death
05. Blessed in Hell
06. Harbinger’s Ritual
07. The Damned from the Seventh Circle

Besetzung

Tomb Nekrofiler – Gesang, Bass
Crusher – Gitarre
Killhammer – Gitarre
SS Exiler – Schlagzeug

Produktion:
Petri Puheloinen – Produktion, Aufnahme, Mixing
Morgal – Co-Produktion
Henri Sorvali – Mastering im Trollhouse Audio
Satvrnvs Noctvrna Art – Artwork
The Vultyrian – Logo, Kalligrafie

Aufgenommen zwischen August und Oktober 2024

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Black Metal aus Finnland und das mit ordentlich Wucht! Morgal benötigen auf ihrem zweiten Album »The Seventh Circle« nur ein dreißigsekündiges Intro, bevor sie sämtliche Sicherheitsvorkehrungen über Bord werfen. Danach rasen die Finnen durch sechs vollwertige Stücke, als müsse der namensgebende siebte Kreis der Hölle noch vor Sonnenaufgang erreicht werden.

Zwischen dem Debütalbum »Nightmare Lord« und seinem Nachfolger liegen fünf Jahre, zwei neue Musiker und eine hörbare Verschärfung der Lage. Tomb Nekrofiler übernimmt Bass und Gesang, Killhammer erweitert die zuvor dreiköpfige Band um eine zweite Gitarre. Gemeinsam mit den Gründungsmitgliedern Crusher und SS Exiler entsteht ein Quartett, das die unkontrollierte Angriffslust der frühen Morgal mit deutlich ausgefeilterem Heavy-Metal-Handwerk verbindet.

 

Full Album Stream: The Seventh Circle

Das Ergebnis ist (wie man hören kann) Black Metal, der weder unter einer meterdicken Schicht aus Hall verschwindet noch beim ersten melodischen Gitarrenlauf seine Boshaftigkeit verliert. Morgal bedienen sich bei Speed Metal, klassischem Heavy Metal und der melodischen skandinavischen Schwarzmetall-Schule der Neunziger, lassen daraus aber keine gepflegte Nostalgieveranstaltung entstehen. »The Seventh Circle« ist schnell, scharfkantig und ruppig produziert, besitzt unter seiner schwarzen Oberfläche jedoch erstaunlich viele ausgearbeitete Gitarrenlinien.

Die sechs eigentlichen Songs dauern überwiegend zwischen viereinhalb und knapp sieben Minuten. Trotzdem wirkt das Album mit rund einer halben Stunde Spielzeit ausgesprochen kompakt. Morgal verschwenden keine Zeit mit Ambient-Zwischenspielen, bedeutungsschweren Rezitationen oder einem achtminütigen Lagerfeuerintro. Hier wird kurz die Tür zur Unterwelt geöffnet und anschließend mit beiden Beinen eingetreten.

DIE HÖLLE BRAUCHT KEINEN WARMLAUF

Das schlicht »Intro« genannte Vorspiel bleibt mit einer halben Minute erfreulich knapp. Dunkle Klänge markieren den Eingang, bevor »Stormchaser« ohne weitere Vorwarnung losbricht. SS Exiler wirft die ersten Blastbeats in den Raum, Crusher und Killhammer setzen mit rasenden Gitarren ein und Tomb Nekrofiler begrüßt den Hörer mit einem heiseren Fauchen, das deutlich bissiger ausfällt als der Gesang auf dem Vorgänger.

Der neue Frontmann arbeitet nicht mit tiefen Growls oder einem durch Effekte künstlich vergrößerten Organ. Seine Stimme klingt ausgespuckt, gereizt und körperlich. Sie sitzt knapp über den Gitarren, ohne deren melodische Bewegungen zu verdecken. Das gibt dem Album eine unmittelbare Aggression, die eher an einen Angriff aus nächster Nähe als an eine weit entfernte Beschwörung erinnert.

»Stormchaser« lebt vom Gegensatz zwischen vollkommen entfesseltem Tempo und erstaunlich kontrollierter Gitarrenarbeit. Unter den Blastbeats laufen melodische Figuren, die sich nicht mit drei wiederholten Tremoloakkorden zufriedengeben. Die beiden Gitarren schichten Harmonien übereinander, wechseln sich mit kurzen Leads ab und lassen immer wieder klassischen Heavy Metal durch die schwarze Kruste brechen.

Morgal verstehen Geschwindigkeit nicht als Ersatz für Songwriting. Das Stück rast zwar beinahe permanent, besitzt aber klar voneinander getrennte Abschnitte. Kurze Temporeduzierungen geben den Riffs Kontur, bevor SS Exiler erneut beschleunigt. Gerade diese wenigen heruntergeschalteten Passagen verhindern, dass die Nummer zu einer fünfminütigen Geräuschfläche verschmilzt.

Der Schlagzeugsound bleibt dabei Geschmackssache. Snare und Becken schneiden scharf durch den Mix, während die Doublebass in den dichtesten Momenten etwas an Definition verliert. Das passt zur ungezügelten Wirkung, könnte aber bei höherer Trennschärfe noch brutaler einschlagen. Eine Dampfwalze wird schließlich nicht automatisch langsamer, nur weil man ihre einzelnen Schrauben erkennen kann.

WOLAND KOMMT NICHT ZUM KAFFEETRINKEN

»Tales of Woland« hält das Tempo auf Anschlag. Der Titel legt eine Verbindung zu Woland, der teuflischen Gestalt aus Michail Bulgakows »Der Meister und Margarita«, zumindest nahe. Morgal machen daraus jedoch keinen literarischen Themenabend, sondern eine weitere schwarzmetallische Hetzjagd.

Das zentrale Riff arbeitet mit einer aufsteigenden Bewegung, die zwischen Triumph und Bedrohung schwankt. Genau hier zeigt sich, wie stark Morgal vom klassischen Heavy Metal profitieren. Die Melodien klingen nicht versöhnlich. Sie verleihen der Aggression vielmehr eine Richtung. Wo stumpfes Dauerfeuer lediglich zerstört, schlagen diese Gitarren gezielt zu.

Crusher und Killhammer spielen nicht permanent dasselbe. Eine Gitarre hält häufig das rasende Fundament, während die zweite mit kurzen Läufen, Harmonien und fiebrigen Leads dagegenarbeitet. Dadurch entsteht eine Tiefe, die auf dem ersten Album noch nicht durchgehend vorhanden war.

SS Exiler leistet Schwerstarbeit. Die Blastbeats bleiben eng, die Tempowechsel erfolgen ohne hörbaren Kontrollverlust und selbst in den hektischsten Passagen fällt das Stück rhythmisch nicht auseinander. Der Drummer klingt nicht wie eine perfekt programmierte Maschine. Kleine Unebenheiten und die körperliche Wucht seines Spiels machen deutlich, dass hier ein Mensch beinahe an seine Belastungsgrenze geht. Das ist bei dieser Musik ein Vorteil.

Gegen Ende lässt die Band kurz mehr Raum für die Gitarren. Ein Lead schraubt sich über das Rhythmusfundament, bevor der Song erneut in den Abgrund beschleunigt. »Tales of Woland« gehört damit zu den stärksten Stücken des Albums. Die Nummer verbindet ungebremste Raserei mit genügend melodischen Widerhaken, um auch nach dem dritten Durchlauf nicht zu einer schwarzen Unschärfe zu werden.

DIE GÖTTIN DES TODES TRÄGT ZWEI GITARREN

Mit »Goddess of Death« erreicht die erste Albumhälfte ihren Höhepunkt. Das Stück ist fast sechs Minuten lang und nutzt diese Zeit, um die unterschiedlichen Seiten von Morgal am vollständigsten zusammenzuführen.

Der Beginn bleibt schnell, doch die Gitarrenmelodien erhalten mehr Raum als zuvor. Unter der Raserei liegt eine melancholische Bewegung, die an den melodischen Black Metal der mittleren Neunziger erinnert. Morgal kopieren dabei keine bestimmte Band. Sie greifen vielmehr jene Zeit auf, in der melodische Gitarren noch nicht automatisch bedeuteten, dass ein Song weichgespült oder auf Festivalrefrains zugerichtet wurde.

Die beiden Gitarren bauen ein Netz aus Tremololäufen, zweistimmigen Harmonien und kurzen Soli. Dabei bleibt das Fundament stets aggressiv. Selbst die melodischsten Momente wirken nicht schön im gefälligen Sinn, sondern kalt und schneidend. Schönheit darf im Black Metal schließlich durchaus vorkommen – sie sollte nur so aussehen, als hätte sie gerade etwas Unverzeihliches getan.

Tomb Nekrofiler setzt seine Stimme rhythmischer ein als in den beiden vorherigen Stücken. Einzelne Silben werden gegen die Gitarren geschleudert, während längere Schreie über den melodischen Passagen stehen. Sein Bass ist im dichten Mix nur selten als eigenständige Linie wahrnehmbar, verleiht den Gitarren aber den nötigen Unterbau.

Zur Mitte reduziert die Band das Tempo und wechselt in einen schweren Marschrhythmus. Hier zeigt sich, dass Morgal nicht ausschließlich mit Geschwindigkeit überzeugen können. Die Gitarren klingen breiter, das Schlagzeug setzt deutliche Akzente und der Song gewinnt kurzfristig eine fast majestätische Wirkung. Danach zieht die Band wieder an und führt das Hauptmotiv mit zusätzlicher Schärfe zurück.

»Goddess of Death« ist der beste Einstieg für Hörer, die Morgal noch nicht kennen. Die Nummer besitzt Raserei, Melodie, Heavy-Metal-Pathos und jene kontrollierte Unordnung, die das gesamte Album auszeichnet.

IN DER HÖLLE GESEGNET, IM SPEED METAL GETAUFT

»Blessed in Hell« eröffnet die zweite Hälfte mit einem Riff, das seine Heavy-Metal-Herkunft kaum verbergen möchte. Die Gitarren galoppieren, SS Exiler tritt das Tempo nach oben und Tomb Nekrofiler klingt, als wolle er jede Spur traditioneller Heldenhaftigkeit persönlich aus dem Song prügeln.

Hier treten die Speed-Metal-Einflüsse besonders deutlich hervor. Morgal spielen jedoch keinen schwarz eingefärbten Retro-Metal mit Patronengurt und sorgfältig einstudierter Achtzigerpose. Die Geschwindigkeit bleibt zu extrem, der Gesang zu bösartig und die Gesamtwirkung zu unberechenbar. Heavy Metal liefert das Stahlgerüst, Black Metal setzt es anschließend in Brand.

Das Stück besitzt einen der eingängigsten Gitarrenläufe des Albums. Eingängig bedeutet in diesem Fall allerdings nicht, dass beim nächsten Dorffest mitgesungen werden kann. Die Melodie bleibt sofort hängen, weil sie mehrfach in leicht veränderter Form zurückkehrt und zwischen den beiden Gitarren wandert.

Der Mittelteil wird rhythmischer. SS Exiler verlässt für kurze Zeit das Blastbeat-Dauerfeuer und setzt auf einen treibenden Beat, über dem Crusher und Killhammer ihre Leads ausspielen können. Solche Momente sind wichtig, weil sie der Band erlauben, ihre handwerkliche Klasse zu zeigen, ohne in technische Selbstdarstellung zu verfallen.

Trotzdem macht sich hier erstmals eine gewisse Gleichförmigkeit bemerkbar. Gitarrenton, Stimmlage und Produktionsästhetik bleiben über das gesamte Album sehr konstant. »Blessed in Hell« besitzt starke Riffs, hebt sich klanglich aber weniger deutlich von seinen Vorgängern ab als »Goddess of Death«. Ein stärkerer Bruch oder eine ungewöhnlichere Dynamik hätte der zweiten Albumhälfte zusätzliche Kontur gegeben.

DAS RITUAL VERZICHTET AUF RÄUCHERSTÄBCHEN

»Harbinger’s Ritual« nähert sich stärker jenem rohen und direkten Klang, der häufig mit finnischem Black Metal verbunden wird. Das Hauptriff wirkt weniger offen melodisch und setzt stattdessen auf kurze, wiederkehrende Bewegungen. Die Atmosphäre wird dunkler, während der Heavy-Metal-Anteil etwas in den Hintergrund tritt.

Morgal vermeiden trotzdem den üblichen Fehler, Rohheit mit Einfallslosigkeit zu verwechseln. Unter den geradlinigen Akkorden liegen kleine Veränderungen. Einzelne Gitarrentöne werden verlängert, Akzente verschoben und melodische Gegenstimmen nur für wenige Sekunden angedeutet.

Das Schlagzeug treibt die Nummer mit einer Mischung aus schnellen Schlägen und marschierenden Passagen voran. Gerade im langsameren Mittelteil entwickelt »Harbinger’s Ritual« eine ritualistische Wirkung, ohne auf Chöre, Glocken oder eine Aufnahme knisternden Feuers zurückgreifen zu müssen. Ein gutes Riff erledigt diese Arbeit zuverlässiger als jeder Soundeffekt aus dem Okkult-Baukasten.

Tomb Nekrofiler klingt hier besonders angegriffen. Seine Stimme besitzt weniger Hall als bei vielen Genrevertretern und bleibt dadurch unangenehm nah. Der Gesang scheint nicht aus einer Höhle zu kommen, sondern direkt aus dem Nebenraum. Das nimmt der Musik etwas von ihrer mystischen Distanz, erhöht aber ihre körperliche Wirkung.

Im direkten Vergleich mit den ersten drei Stücken fehlt »Harbinger’s Ritual« jedoch ein ähnlich prägnanter melodischer Höhepunkt. Die Nummer funktioniert innerhalb des Albums, bleibt aber eher Bindeglied als dessen zentraler Moment. Das ist bei sechs Hauptstücken kein Totalausfall, fällt aufgrund der ansonsten hohen Qualität aber auf.

DER SIEBTE KREIS SCHLIESST SICH

Der abschließende Titelsong hört auf den vollständigen Namen »The Damned from the Seventh Circle« und ist mit knapp sieben Minuten das längste Stück des Albums. Morgal nutzen die zusätzliche Spielzeit nicht für ein ausgedehntes Intro. Die Band greift sofort an und führt anschließend sämtliche Bestandteile ihres Stils zusammen.

Die ersten Minuten stehen im Zeichen der Geschwindigkeit. Gitarren und Schlagzeug preschen nach vorn, während der Gesang in kurzen Ausbrüchen über dem Instrumental liegt. Danach verlangsamt sich die Nummer und lässt ein schweres, fast episches Riff hervortreten.

Dieser Wechsel wirkt nicht wie eine pflichtbewusste Unterbrechung, damit die Blastbeats später wieder schneller erscheinen. Der langsame Abschnitt verändert tatsächlich die Perspektive. Die Gitarren klingen größer und dunkler, während der Rhythmus den Eindruck eines unausweichlichen Marsches erzeugt.

Crusher und Killhammer liefern im weiteren Verlauf mehrere der stärksten Leadpassagen des Albums. Die Gitarren greifen ineinander, trennen sich wieder und führen schließlich gemeinsam zum Hauptmotiv zurück. Dabei entsteht eine melodische Größe, die den extremen Kern der Musik nicht abschwächt.

Das Finale vermeidet den erwartbaren Ausklang. Kein Windrauschen, kein langsam verklingender Akkord und keine fünf Minuten lange Rückkehr zum Intro. Morgal beschleunigen ein letztes Mal und beenden das Album mit derselben Entschlossenheit, mit der es begonnen hat.

»The Damned from the Seventh Circle« ist gemeinsam mit »Tales of Woland« und »Goddess of Death« der stärkste Titel. Die Nummer bündelt Geschwindigkeit, melodische Gitarren, schweren Metal und rohe Black-Metal-Energie zu einem Finale, das seiner Länge gerecht wird.

VIER MUSIKER, KEIN LEERLAUF

Die personellen Veränderungen nach »Nightmare Lord« hätten Morgal problemlos aus dem Gleichgewicht bringen können. Stattdessen klingt die Band auf »The Seventh Circle« geschlossener und instrumentell vielseitiger.

Tomb Nekrofiler bringt eine andere Art von Aggression mit. Sein Gesang ist weniger verhallt und stärker auf unmittelbare Attacke ausgerichtet. Die Stimme besitzt zwar keine enorme Bandbreite, passt aber hervorragend zur Geschwindigkeit und zur scharfkantigen Produktion. Über die gesamte Spielzeit bleibt er fast ausschließlich in derselben heiseren Tonlage. Einige tiefere oder kontrollierter eingesetzte Passagen hätten die Wirkung einzelner Ausbrüche noch verstärkt.

Sein Bass erfüllt vor allem eine stützende Funktion. Im Gitarrengewitter tritt er selten klar hervor. Das sorgt für ein geschlossenes Klangbild, lässt aber wenig Raum für eigenständige Bassbewegungen. Gerade in den langsameren Passagen wäre eine deutlichere Präsenz reizvoll gewesen.

Crusher und Killhammer sind die entscheidende Erweiterung. Die zweite Gitarre verdoppelt nicht einfach das vorhandene Riffing, sondern öffnet den Songs neue Möglichkeiten. Harmonien, Leads und kurze Soli werden über das Rhythmusfundament gelegt, ohne die Angriffslust zu bremsen.

Dabei vermeiden beide Gitarristen übertriebene Virtuosität. Die Soli bleiben kurz, scharf und funktional. Niemand hält den Song an, um zwanzig Sekunden lang seine Tonleiterkenntnisse vorzuführen. Bei Morgal stehen die Gitarren im Mittelpunkt, aber nicht über der Komposition.

SS Exiler ist das Triebwerk der Band. Sein Schlagzeugspiel bewegt sich häufig am Rand des kontrollierten Zusammenbruchs, verliert diesen Kampf aber nie. Die Blastbeats besitzen Wucht, die Tempowechsel sitzen und die langsameren Passagen werden nicht mechanisch abgearbeitet. Besonders »Stormchaser« und »Tales of Woland« zeigen seine enorme Ausdauer.

SCHMUTZ MIT AUSREICHEND KONTUR

Petri Puheloinen produzierte, nahm auf und mischte das Album, während Henri Sorvali das Mastering im Trollhouse Audio übernahm. Die Aufnahmen entstanden bereits zwischen August und Oktober 2024. Das Ergebnis klingt roh genug, um Morgals Energie nicht zu zähmen, aber deutlich genug, um die aufwendigen Gitarrenarrangements erkennen zu lassen.

Die Gitarren stehen weit vorne. Ihr Klang ist scharf und körnig, besitzt aber genügend Substanz, damit die Heavy-Metal-Riffs nicht zu dünn wirken. Leads und Harmonien setzen sich meist gut vom Rhythmusfundament ab.

Das Schlagzeug klingt bewusst direkt. Snare und Becken besitzen einen harten Anschlag, während die Bassdrums in den schnellsten Passagen etwas zusammenlaufen. Ein moderner, vollkommen transparenter Mix hätte mehr Einzelheiten sichtbar gemacht, Morgal aber womöglich einen Teil ihrer Gefährlichkeit genommen.

Der Gesang ist verständlicherweise kein Hochglanzprodukt. Tomb Nekrofiler sitzt knapp über der Musik und wird nur mit dem nötigen Maß an räumlicher Tiefe versehen. Dadurch bleibt die Stimme aggressiv und vermeidet jene endlose Hallfahne, mit der manche Black-Metal-Produktionen selbst einen Einkaufszettel nach metaphysischer Verdammnis klingen lassen.

Die Produktion ist somit nicht perfekt, aber passend. Sie verbindet die Rohheit des Undergrounds mit genügend Klarheit für die melodischen und handwerklichen Feinheiten. Lediglich der Bass könnte stärker hervortreten und das Schlagzeug in den schnellsten Passagen etwas differenzierter abgebildet sein.

HEAVY METAL UNTER SCHWARZER FLAGGE

Morgal wurden 2014 in Mikkeli gegründet und erarbeiteten sich über Demos, EPs und das 2021 veröffentlichte Debütalbum »Nightmare Lord« einen eigenen Platz im finnischen Untergrund. Bereits damals verband die Band Black Metal mit der direkten Energie von Speed und Heavy Metal.

Auf »The Seventh Circle« wird diese Verbindung konsequenter umgesetzt. Die neuen Mitglieder verändern nicht das Fundament, sondern erweitern es. Morgal klingen melodischer und teilweise kontrollierter, zugleich aber aggressiver als auf dem Vorgänger.

Einflüsse aus dem Black Metal der Neunziger sind unüberhörbar. Die Raserei erinnert gelegentlich an Impaled Nazarene, die melodische Kälte an schwedische Genrevertreter jener Zeit. Die Gitarren besitzen außerdem jene metallische Angriffslust, die man auch bei Bands wie Nifelheim oder Deströyer 666 findet.

Trotzdem ist »The Seventh Circle« keine Ansammlung fremder Erkennungsmerkmale. Morgal stellen die unterschiedlichen Einflüsse so eng zusammen, dass eine eigene Handschrift entsteht. Entscheidend ist die Reihenfolge: Die Band spielt nicht Heavy Metal und legt anschließend Black-Metal-Gesang darüber. Die Musik bleibt in Haltung, Tempo und Atmosphäre fest im Black Metal verankert. Die traditionellen Metal-Elemente dienen als scharf geschliffene Werkzeuge.

Mit nur sechs vollwertigen Songs geht das Album kein unnötiges Risiko ein. Es gibt keinen Stilbruch, keine Ballade und auch keinen experimentellen Ausflug. Diese Konzentration ist eine Stärke, begrenzt aber zugleich die Dynamik. Ein überraschenderer Rhythmus, eine deutlich langsamere Komposition oder eine anders eingesetzte Stimme hätten dem Material zusätzliche Tiefe gegeben.

Andererseits dauert »The Seventh Circle« nicht lange genug, um durch seine Geschlossenheit zu ermüden. Morgal schlagen zu, hinterlassen sechs sauber gezackte Wunden und verschwinden wieder. Manchmal ist genau das die bessere Dramaturgie.

FAZIT:

»The Seventh Circle« ist ein rasendes, melodisches und ausgesprochen metallisches Black-Metal-Album. Morgal verbinden finnische Angriffslust mit Speed-Metal-Energie, klassischen Gitarrenharmonien und der frostigen Melodik der Neunziger, ohne daraus eine nostalgische Kopie zu bauen.

Die neue Viererbesetzung funktioniert. Tomb Nekrofilers bissiger Gesang verleiht den Songs zusätzliche Unmittelbarkeit, während Killhammer und Crusher eine scharf verzahnte Doppelgitarrenfront bilden. SS Exiler hält das hohe Tempo nicht nur durch, sondern gibt den Kompositionen trotz aller Raserei erkennbare Bewegungen.

»Tales of Woland«, »Goddess of Death« und »The Damned from the Seventh Circle« bilden die Höhepunkte. »Stormchaser« liefert den passenden Frontalangriff, während »Blessed in Hell« den Heavy- und Speed-Metal-Anteil besonders deutlich ausspielt.

Kleine Abzüge gibt es für die etwas gleichförmige Gesangslage, den zu zurückhaltenden Bass und eine zweite Albumhälfte, in der nicht jedes Stück dieselbe melodische Prägnanz erreicht. Auch der Schlagzeugmix könnte in den schnellsten Momenten etwas mehr Trennschärfe vertragen.

Das ändert wenig am Gesamteindruck. Morgal haben ihr Debüt nicht neu erfunden, sondern dessen beste Eigenschaften geschärft, beschleunigt und mit einer zweiten Gitarre bewaffnet. Der siebte Kreis ist damit kein Ort für vorsichtige Besucher. Wer eintritt, wird von sechs Songs lang mit Blastbeats, schneidenden Harmonien und brennendem Heavy-Metal-Stahl bearbeitet. Finnischer Black Metal mit ordentlich Wucht – Auftrag erfüllt.

Official Preview: Stormchaser

The Damned from the Seventh Circle

Internet

Morgal - The Seventh Circle - CD Review

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