DUIR - Catarsi - cover artwork

Band: DUIR 🇮🇹
Titel: Catarsi
Label: AOP Records
VÖ: 26/06/26
Genre: Atmospheric Folk/Black Metal

Tracklist

01. Manifesto
02. Di Nessuno
03. Impeto (feat. L.G. of Ellende)
04. Della Notte
05. Del Giorno
06. Oltre l’Alba

 

Besetzung

MK- Music, Guitar
Vox in Umbra- Vocals & Lyrics
Skryer- Guitar
TZ. – Flute, bagpipe, hurdy gurdy
P. – Drums

 

Bewertung:

4,5/5

Zwischen Eichen, Erinnerungen und den Schatten des Krieges

Seit ihrer Gründung im Jahr 2013 verfolgen DUIR einen klaren künstlerischen Anspruch. Das italienische Quintett verbindet atmosphärischen Black-Metal mit traditionellen Folk-Elementen und erschafft daraus Klangwelten, die weit über Genregrenzen hinausreichen. Der Name der Band stammt vom keltischen Wort für die Eiche und steht symbolisch für Beständigkeit, Weisheit und Verwurzelung. Nach den Veröffentlichungen der Demo »Tribe«, der EP »Obsidio« und dem ersten Longplayer »T. S. N. R.I. – Impermanenza« erspielte sich die Formation durch zahlreiche Konzerte in Italien und darüber hinaus einen ausgezeichneten Ruf. Mit »Catarsi« folgt nun das bislang ambitionierteste Werk der Band.

Ein Konzeptalbum über Krieg und innere Zerrissenheit

Die Geschichte von »Catarsi« spielt während des Ersten Weltkriegs und begleitet einen jungen Soldaten auf seinem Weg zwischen Patriotismus, Angst, Verzweiflung und dem schleichenden Verlust seiner Identität. Dabei erzählen DUIR ihre Geschichte nicht mit martialischer Härte, sondern mit einer Mischung aus emotionaler Intensität und poetischer Melancholie. Folk-Instrumente wie Flöte, Dudelsack und Drehleier verweben sich mit rasenden Black-Metal-Passagen, melodischen Gitarren und atmosphärischen Klangflächen zu einem geschlossenen Gesamtkonzept.

Produktionstechnisch präsentiert sich das Album auf hohem Niveau. Der Mix von P.G. von Groza sorgt dafür, dass selbst in den dichtesten Arrangements jedes Instrument seinen Platz behält, während die natürliche Dynamik erhalten bleibt.

Dramatische Reise durch sechs Kapitel

Bereits der Opener »Manifesto« eröffnet die Handlung mit eindringlichen Melodien und steigert sich langsam zu einem kraftvollen Ausbruch. Hier werden die zentralen Themen des Albums vorgestellt, ohne zu viel vorwegzunehmen. Die Kombination aus harschen Vocals von Vox in Umbra und den folkloristischen Einschüben entwickelt sofort eine besondere Sogwirkung.

»Di Nessuno« intensiviert die Stimmung deutlich. Schnelle Blastbeats treffen auf melancholische Gitarrenlinien, während die traditionellen Instrumente immer wieder wie entfernte Erinnerungen aus einer friedlicheren Zeit auftauchen. Gerade dieser Kontrast macht den Reiz des Stücks aus.

Ein Höhepunkt des Albums ist zweifellos »Impeto«, bei dem L.G. von ELLENDE als Gastsänger mitwirkt. Seine Stimme fügt sich hervorragend in das Klangbild ein und verstärkt die emotionale Wucht des Songs. Die verschiedenen Gesangsebenen ergänzen sich harmonisch und verleihen dem Stück zusätzliche Tiefe, ohne den charakteristischen Sound von DUIR zu überdecken.

Mit »Della Notte« wird die Atmosphäre zunehmend düsterer. Das Tempo variiert geschickt zwischen ruhigen Passagen und heftigen Ausbrüchen, wodurch sich ein fast filmischer Spannungsbogen entwickelt. Die Gitarren von MK und Skryer arbeiten dabei besonders harmonisch zusammen und erschaffen eindrucksvolle Klanglandschaften.

»Del Giorno« bringt anschließend etwas mehr Licht in die Geschichte, ohne die grundsätzliche Schwermut aufzugeben. Die Melodien wirken hoffnungsvoller, gleichzeitig schwingt ständig das Gefühl mit, dass Erlösung nur schwer erreichbar bleibt. Vor allem die fein dosierten Folk-Arrangements verleihen dem Titel eine außergewöhnliche Eleganz.

Den Abschluss bildet »Oltre l’Alba«, das sämtliche Motive des Albums noch einmal aufgreift und zu einem bewegenden Finale zusammenführt. Hier verschmelzen Melancholie, Härte und Hoffnung zu einer musikalischen Katharsis, die dem Albumtitel alle Ehre macht. Der Song endet nicht mit einem explosiven Höhepunkt, sondern mit einer nachdenklichen Ruhe, die lange nachhallt.

Atmosphärischer Black-Metal mit eigener Handschrift

DUIR gelingt es auf »Catarsi«, die Balance zwischen traditionellem Black-Metal und folkloristischen Einflüssen bemerkenswert sicher zu halten. Die eingesetzten Instrumente wirken niemals dekorativ, sondern sind fest in die Kompositionen eingebunden und tragen maßgeblich zur Erzählung bei. Gleichzeitig verzichten die Musiker auf übertriebene Effekthascherei und konzentrieren sich stattdessen auf starke Melodien sowie sorgfältig aufgebaute Spannungsbögen.

Auch die Besetzung überzeugt auf ganzer Linie. MK liefert ein vielseitiges Gitarrenspiel und prägt gemeinsam mit Skryer den atmosphärischen Charakter der Platte. Vox in Umbra transportiert die lyrischen Inhalte mit einer eindrucksvollen Mischung aus Aggression und Verzweiflung, während TZ. den Songs durch Flöte, Dudelsack und Drehleier ihre unverwechselbare folkloristische Identität verleiht. P. sorgt am Schlagzeug für das notwendige Fundament und beweist sowohl in rasanten als auch in zurückgenommenen Momenten ein gutes Gespür für Dynamik.

»Catarsi« ist weit mehr als eine weitere Atmospheric-Folk-Black-Metal-Veröffentlichung. DUIR verbinden historische Thematik, existenzielle Fragen und musikalische Vielfalt zu einem in sich geschlossenen Werk, das den Hörer auf eine intensive Reise mitnimmt. Die Kompositionen besitzen emotionale Tiefe, die Produktion überzeugt mit Transparenz und Kraft, und die Gastbeteiligung von L.G. fügt sich nahtlos in das Gesamtkonzept ein.

Wer atmosphärischen Black-Metal mit starkem erzählerischem Anspruch und authentischen Folk-Elementen schätzt, wird an diesem Album kaum vorbeikommen. »Catarsi« entfaltet seine Wirkung nicht durch einzelne Hits, sondern als zusammenhängendes Erlebnis, das mit jeder Minute weiterwächst und lange im Gedächtnis bleibt.

Fazit: Mit »Catarsi« beweisen DUIR erneut ihre Fähigkeit, atmosphärische Musik mit tiefgründigen Themen zu verbinden.

Internet

DUIR - Catarsi - CD Review

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Robert
Soldat unter dem Motto morituri te salutant sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.