Tracklist
01. My Worst Enemy – 03:27
02. Rocker’s Confession – 03:44
03. You Know Better – 03:17
04. I Just Wanna Make Love To You – 03:46
05. The Rest Of The World – 05:07
06. Shape Up Or Ship Out – 03:48
07. Chicks Can’t Rock – 02:20
08. First In Line feat. Doro Pesch – 04:51
Besetzung
Maggy Luyten – Gesang
Bas Maas – Gitarre, Begleitgesang
Nick McGrath – Bass, Begleitgesang
Mischa Aussems – Schlagzeug
Gastmusikerin:
Doro Pesch – Gesang bei »First In Line«
Tja, Sex sells – TITTEN! Das plakative Cover von »You’ve Been Served« lässt kaum Zweifel daran, dass Rock Justice auf klassischen Hard Rock mit einer gehörigen Portion Achtzigerjahre-Attitüde setzen. Hinter der Band stehen mit Sängerin Maggy Luyten, bekannt durch Ayreon, Beautiful Sin und Nightmare, sowie Doro– und Ex-After Forever-Gitarrist Bas Maas zwei erfahrene Musiker. Gemeinsam mit Bassist Nick McGrath und Schlagzeuger Mischa Aussems liefern sie ein knapp über dreißig Minuten langes Debüt, das klassischen Hard Rock, Melodic Metal und traditionellen Rock ’n’ Roll sauber miteinander verbindet. Veröffentlicht wurde das Album am 26. Juni 2026 über Fireflash Records.
KLASSISCHER HARD ROCK OHNE UMWEGE
»My Worst Enemy« eröffnet das Album mit einem kräftigen Gitarrenriff, einem kontrollierten Midtempo-Groove und einer der überzeugendsten Gesangsleistungen der Platte. Maggy Luytens raue Stimme besitzt genügend Ausdruck, um auch vertrauten Hard-Rock-Strukturen Charakter zu verleihen. »Rocker’s Confession« steigert anschließend das Tempo und liefert einen gut funktionierenden Refrain, bleibt kompositorisch jedoch nah an bekannten Vorbildern.
Das gilt auch für »You Know Better«. Der Song ist eingängig, sauber arrangiert und besitzt eine starke Gesangsmelodie. Gleichzeitig bewegt sich die Band sehr sicher innerhalb etablierter Genregrenzen. Überraschungen bleiben aus, doch handwerklich gibt es wenig zu beanstanden. Maas setzt kompakte Riffs und kurze Leadpassagen ein, während Bass und Schlagzeug für einen druckvollen, geradlinigen Unterbau sorgen.
Die Neuinterpretation von »I Just Wanna Make Love To You« erhält durch Luytens Stimme und die härtere Gitarrenarbeit eine eigene Färbung. Der vielfach gecoverte Klassiker wirkt allerdings etwas vorhersehbar. Bei einem Album mit lediglich acht Titeln wäre ein weiterer eigener Song interessanter gewesen.
ZWISCHEN BALLADE UND VOLLGAS
»The Rest Of The World« nimmt das Tempo deutlich zurück. Die fünfminütige Ballade bietet Luyten ausreichend Raum und gehört gesanglich zu den stärksten Momenten des Albums. Der Aufbau bleibt konventionell und der Refrain trägt etwas dick auf, funktioniert innerhalb des nostalgischen Gesamtkonzepts aber ordentlich.
Deutlich stärker fällt »Shape Up Or Ship Out« aus. Das schnelle Riffing, die klaren Powerchords und das energische Schlagzeug ergeben einen der unmittelbarsten Songs der Platte. Hier klingt die Band weniger kontrolliert und entwickelt den nötigen Vorwärtsdrang. Der Titel gehört gemeinsam mit »You Know Better« zu den Höhepunkten.
»Chicks Can’t Rock« ist mit etwas mehr als zwei Minuten kurz, direkt und augenzwinkernd. Der Song lebt von seiner Haltung und Luytens energischem Vortrag, besitzt musikalisch jedoch nur begrenzte Substanz. Als kompakter Rocker erfüllt er seinen Zweck, hätte aber durchaus weiter ausgearbeitet werden können.
DORO KOMMT ZUM FINALE
Für den Abschluss »First In Line« erhält Maggy Luyten Unterstützung von Doro Pesch. Das Duett ist erwartungsgemäß hymnisch angelegt und richtet sich inhaltlich an die Vorbilder und verstorbenen Helden der Rock- und Metal-Geschichte. Beide Sängerinnen harmonieren gut miteinander, wobei Luyten neben der Metal Queen keineswegs untergeht.
Der Refrain ist wirkungsvoll, die Produktion druckvoll und das Finale passend gewählt. Gleichzeitig klingt der Song stark nach dem musikalischen Umfeld, aus dem Doro Pesch stammt. Das ist professionell umgesetzt und dürfte Anhänger klassischen Heavy Rocks unmittelbar erreichen, erweitert die musikalische Identität von Rock Justice jedoch nur bedingt.
MUSIKERLEISTUNG UND PRODUKTION
Die größte Stärke von »You’ve Been Served« ist Maggy Luyten. Ihre Stimme klingt kraftvoll, rau und emotional, ohne in übertriebene Effekthascherei abzugleiten. Bas Maas liefert passende Riffs und verzichtet auf unnötig lange Soli. Nick McGraths Bass ist im Mix gut wahrnehmbar, während Mischa Aussems die Songs präzise und mit angemessenem Druck begleitet.
Die von Maas produzierte und von Luyten co-produzierte Platte wurde von Luca Princiotta gemischt und gemastert. Der Klang ist klar, kraftvoll und modern genug, ohne die klassische Ausrichtung zu überdecken. Gitarren, Bass und Schlagzeug sind sauber getrennt, während der Gesang jederzeit im Mittelpunkt bleibt.
Die knappe Laufzeit von rund dreißig Minuten ist dagegen ein Schwachpunkt. Acht Titel, darunter eine Coverversion, lassen das Debüt eher wie eine umfangreiche EP wirken. Zudem greifen Rock Justice häufig auf bekannte Hard-Rock-Muster, typische Textthemen und etablierte Refrainstrukturen zurück. Die Band beherrscht diesen Stil, entwickelt auf ihrem Debüt aber noch nicht durchgehend eine unverwechselbare eigene Sprache.
FAZIT:
»You’ve Been Served« ist ein solides und hörbar mit Begeisterung eingespieltes Hard-Rock-Debüt von Rock Justice. Maggy Luytens herausragender Gesang, die professionelle Produktion und gelungene Songs wie »You Know Better«, »Shape Up Or Ship Out« und »First In Line« sprechen klar für Rock Justice. Dem gegenüber stehen eine sehr kurze Spielzeit, die wenig zwingende Coverversion und ein Songwriting, das sich häufig auf bekannte Genreformeln verlässt. Die Band besitzt Erfahrung, Spielfreude und eine starke Frontfrau. Für eine höhere Wertung müsste sie diese Qualitäten künftig stärker in eine eigenständigere musikalische Handschrift überführen.






