Band: SOULGRIND 🇫🇮
Titel: Ad Pulchram Mortem
Label: Inverse Records
VÖ: 14/08/26
Genre: Gothic/Black Metal

Tracklist

01 Nousee Musta Lintu
02. The Origin of The White Serpent
03. Jylhä Metsämies
04 The Last Day of Therinon
05. In The Circus of Tuonela
06. Dark Water Wide
07. Tears of The Earth
08. A Whispered Curse Upon The Gale
09. As A Narrow Fjord Descends
10. Into The Shadows of Devotion

 

Besetzung

Lord Heikkinen – guitars
Azhemin – Keybords, vocals
Tanya Lilith – Vocals
Suntio – Drums
JP – Bass
Micko Hell – Guitars, Vocals

 

Bewertung:

4,5/5

Finnische Dunkelheit mit Charakter

Seit mehr als drei Jahrzehnten ziehen SOULGRIND unbeirrt ihren eigenen Weg durch die finnische Metalszene. Gegründet 1992 von Gitarrist Lord Heikkinen, hat sich die Band nie den wechselnden Trends untergeordnet. Stattdessen entwickelte sie ihren ganz eigenen Klangkosmos, in dem Gothic Metal, Black Metal und melodische Elemente zu einer stimmungsvollen Einheit verschmelzen. Mit „Ad Pulchram Mortem“ legt das Sextett nun ein Album vor, das genau diese Handschrift trägt und gleichzeitig zeigt, dass kreative Weiterentwicklung auch nach so vielen Jahren möglich ist.

Neben Lord Heikkinen prägt vor allem Miika „Azhemin“ Niemelä den Sound der Band. Seine Keyboards und markanten Growls bilden das Fundament für viele der düsteren Klanglandschaften. Zusammen mit Sängerin Tanya Lilith, Gitarrist Micko Hell, Bassist JP und Schlagzeuger Suntio entsteht ein Gesamtbild, das von Beginn an geschlossen und stimmig wirkt.

Atmosphärischer Einstieg

Bereits der Opener „Nousee Musta Lintu“ zieht den Hörer in diese dunkle Welt hinein. Sanfte Keyboardflächen öffnen den Song, bevor scharf gespielte Gitarren und treibende Drums das Tempo anziehen. Besonders spannend sind die Gesangswechsel. Azhemins raue Stimme trifft auf den klaren Gesang von Tanya Lilith, wodurch sich eine Dynamik entwickelt, die den gesamten Albumverlauf prägt.

Mit „The Origin of The White Serpent“ bleibt die Band diesem Weg treu. Melodische Gitarrenlinien wechseln sich mit raueren Black-Metal-Passagen ab, ohne dass der Song seine Balance verliert. Statt auf möglichst viele Effekte zu setzen, lebt das Stück von seiner Atmosphäre und den sorgfältig ausgearbeiteten Details.

Melancholie als roter Faden

Wer finnische Metalbands kennt, weiß, dass Melancholie oft eine zentrale Rolle spielt. Auch SOULGRIND greifen dieses Gefühl auf, wirken dabei aber nie übertrieben oder kitschig. „Jylhä Metsämies“ verbindet nordische Stimmung mit kraftvollen Riffs und entwickelt dabei fast schon eine meditative Wirkung. Gerade weil sich die Band Zeit für ihre Melodien nimmt, entfalten sie ihre volle Wirkung.

Noch epischer präsentiert sich „The Last Day of Therinon“. Die Keyboards verleihen dem Stück beinahe filmische Dimensionen, während die Gitarren ständig zwischen Härte und Eleganz pendeln. Das Arrangement wächst mit jeder Minute und zeigt eindrucksvoll, wie viel Erfahrung in den Kompositionen steckt.

Düster, aber niemals eintönig

Zu den stärksten Momenten des Albums zählt „In The Circus of Tuonela“. Der Song besitzt eine leicht theatralische Note, ohne ins Übertriebene abzudriften. Die verschiedenen Gesangsstimmen ergänzen sich hervorragend und sorgen dafür, dass der Refrain lange im Gedächtnis bleibt.

Auch „Dark Water Wide“ überzeugt durch seine Vielseitigkeit. Ruhige Abschnitte schaffen Platz zum Atmen, ehe die Band mit voller Wucht zurückkehrt. Gerade diese Wechsel machen den Reiz des Albums aus. Nichts wirkt vorhersehbar, dennoch bleibt jederzeit ein roter Faden erkennbar.

Mit „Tears of The Earth“ schlagen SOULGRIND leisere Töne an. Die Emotion steht hier klar im Mittelpunkt. Tanya Lilith verleiht dem Song eine besondere Intensität, ohne ihn zur Ballade werden zu lassen. Stattdessen entsteht ein Stück voller Melancholie, das lange nachklingt.

Starke zweite Hälfte

Auch im weiteren Verlauf hält das Album das hohe Niveau. „A Whispered Curse Upon The Gale“ überzeugt mit druckvollem Schlagzeug und dichten Keyboardarrangements, während „As A Narrow Fjord Descends“ die melodische Seite der Band stärker in den Vordergrund rückt. Beide Titel zeigen, dass SOULGRIND ihre musikalischen Möglichkeiten genau kennen und geschickt einsetzen.

Den Schlusspunkt setzt „Into The Shadows of Devotion“. Der Song beginnt zurückhaltend, entwickelt sich aber nach und nach zu einem würdigen Finale. Epische Melodien, kraftvolle Gitarren und die gelungene Mischung aus klarem sowie harschem Gesang fassen noch einmal alle Stärken des Albums zusammen.

Eine Band mit eigener Handschrift

Was „Ad Pulchram Mortem“ besonders auszeichnet, ist die Ausgewogenheit. Keines der Instrumente drängt sich unnötig in den Vordergrund. Stattdessen arbeitet die Band als geschlossenes Kollektiv. Die Gitarren schaffen Druck und Atmosphäre zugleich, die Keyboards setzen gezielte Akzente und die Rhythmussektion hält alles souverän zusammen. Vor allem die Gesangsduelle zwischen Azhemin, Micko Hell und Tanya Lilith verleihen den Songs zusätzlichen Charakter.

Auch die Produktion verdient Lob. Sie klingt druckvoll und modern, bewahrt aber genügend Wärme, damit die Musik nicht steril wirkt. Gerade bei einem Album mit so vielen Details zahlt sich diese Natürlichkeit aus.

Mit „Ad Pulchram Mortem“ liefern SOULGRIND eines ihrer stärksten Werke der vergangenen Jahre ab. Die Band verbindet Gothic Metal und Black Metal mit melodischen Akzenten, ohne sich dabei in Klischees zu verlieren. Statt auf schnelle Effekte setzt sie auf Atmosphäre, starke Kompositionen und eine hörbare Leidenschaft für ihren eigenen Stil.

Dieses Album verlangt Aufmerksamkeit und belohnt jeden weiteren Durchlauf mit neuen Details. Wer düsteren, melodischen Metal mit Tiefgang schätzt, wird hier viele spannende Momente entdecken. SOULGRIND beweisen einmal mehr, dass sie ihren festen Platz in der finnischen Metalszene vollkommen zurecht innehaben.

Fazit: Mit „Ad Pulchram Mortem“ beweisen SOULGRIND erneut ihre Fähigkeit, dunkle Klangwelten mit melodischer Tiefe zu verbinden.

Internet

SOULGRIND - Ad Pulchram Mortem - CD Review

Vorheriger ArtikelTEMPLE OF DREAD – Dreadspawn Dominion
Robert
Soldat unter dem Motto morituri te salutant sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.