Tracklist
01. Geestenmist
02. Kroos en slijk
03. Het laatste licht
04. Eendracht maakt macht
05. De overtocht
06. Roede voor de borst
Besetzung
Mike Seidel – Bass
Bram Trommelen – Drums
Zino van Leerdam – Vocals
Michael van Eck – Guitars
Rikke Linssen – Violin
Eine Reise durch alte Geschichten
Folk Metal lebt von Geschichten. Von alten Sagen, von Schlachten, von Mythen und von dieser ganz besonderen Mischung aus Melodie und Härte. VANAHEIM aus Tilburg gehören zu den Bands, die genau damit arbeiten, ihrer Musik aber gleichzeitig einen eigenen Anstrich geben. Seit 2015 ist das niederländische Quintett unterwegs und hat sich mit der EP „The House Spirit“ sowie dem 2022 erschienenen Album „Een Verloren Verhaal“ bereits einen Namen gemacht. Gerade der Vorgänger wurde in der Szene ziemlich begeistert aufgenommen und brachte VANAHEIM einige Vorschusslorbeeren ein.
Mit „Roede voor de Borst“ steht nun das nächste Kapitel auf dem Tisch. Und schon nach den ersten Minuten wird klar, dass sich die Band nicht auf dem bisher Erreichten ausruhen möchte.
Dunkel, episch und trotzdem melodisch
„Geestenmist“ eröffnet die Platte und gibt ziemlich gut vor, wohin die Reise geht. Die Musik besitzt diese typische epische Breite, die man im Folk Metal erwartet, gleichzeitig steckt ordentlich Härte in den Gitarren. Michael van Eck lässt es an den richtigen Stellen krachen, während Mike Seidel und Bram Trommelen für ein solides Fundament sorgen.
Was VANAHEIM dabei besonders macht, ist die Violine von Rikke Linssen. Sie wird nicht einfach irgendwo im Hintergrund eingesetzt, damit man ein folkloristisches Instrument auf dem Album vorweisen kann. Die Violine bekommt Raum und trägt wesentlich dazu bei, dass die Songs ihren eigenen Charakter entwickeln.
Dazu kommt der Gesang von Zino van Leerdam. Gesungen wird auf Niederländisch, was zunächst vielleicht ungewohnt wirken mag, sich aber schnell als eine der größten Stärken des Albums herausstellt. Die Sprache passt hervorragend zur Atmosphäre. Sie klingt rau, direkt und emotional und gibt den Geschichten eine Authentizität, die mit englischen Texten wahrscheinlich nicht dieselbe Wirkung hätte.
Geschichten aus einer anderen Zeit
Inhaltlich führt „Roede voor de Borst“ ins 19. Jahrhundert und erzählt von Reue, Verzweiflung, Hoffnung und Erlösung. VANAHEIM versuchen dabei nicht, dem Hörer jede Einzelheit mit dem Holzhammer einzubläuen. Vieles funktioniert über die Atmosphäre der Musik.
„Kroos en slijk“ schlägt härtere Töne an und zeigt die Death-Metal-Seite der Band. Schwere Riffs treffen auf folkloristische Melodien, während die orchestralen Elemente den Songs zusätzliche Größe verleihen. Das klingt stellenweise mächtig, ohne komplett in einem überladenen Bombast zu versinken.
„Het laatste licht“ schlägt danach eine etwas emotionalere Richtung ein. Hier zeigen VANAHEIM, dass sie nicht ständig auf maximale Geschwindigkeit und möglichst große Arrangements setzen müssen. Die ruhigeren Momente tun dem Album gut und sorgen für Abwechslung.
Mit „Eendracht maakt macht“ nimmt die Band wieder Fahrt auf. Der Song funktioniert vor allem durch sein Zusammenspiel aus treibendem Schlagzeug, Gitarren und den folkigen Melodien. Man hört hier eine Band, die mittlerweile ziemlich genau weiß, wie sie ihre verschiedenen musikalischen Zutaten zusammenbringen muss.
Kein Folk-Metal von der Stange
Und genau das ist vielleicht der interessanteste Punkt an „Roede voor de Borst“. VANAHEIM erfinden den Folk Metal nicht neu. Das müssen sie auch gar nicht. Viel entscheidender ist, wie sie bekannte Elemente miteinander verbinden.
Da gibt es symphonische Passagen, harte Death-Metal-Riffs, eingängige Folk-Melodien und die Violine. Dazu kommt die niederländische Sprache, die dem Album einen unverwechselbaren Stempel aufdrückt. Gerade diese Kombination verhindert, dass die Platte wie eine weitere Veröffentlichung aus der großen Folk-Metal-Maschine klingt.
„De overtocht“ bringt noch einmal viel Atmosphäre ins Spiel, bevor der Titelsong „Roede voor de Borst“ das Album abschließt. Der Song bündelt noch einmal ziemlich gut, was VANAHEIM auf dieser Platte ausmacht, große Melodien, Härte, Folk und eine ordentliche Portion Dramatik.
Ganz frei von kleinen Schwächen ist das Album allerdings nicht. Die Produktion ist teilweise sehr vollgepackt. Wenn Gitarren, Schlagzeug, Violine und symphonische Elemente gleichzeitig aufeinanderprallen, wird es stellenweise etwas schwierig, jedes Detail herauszuhören. Gerade bei einem Album, das so viel Wert auf Atmosphäre und Arrangements legt, hätte etwas mehr Luft an manchen Stellen gutgetan.
Das ändert aber wenig am Gesamteindruck. „Roede voor de Borst“ funktioniert besonders dann, wenn man sich auf die Geschichten und die Atmosphäre einlässt. Die Platte braucht keine übertriebene Inszenierung, weil ihre musikalische Mischung bereits genug hergibt.
VANAHEIM zeigen mit „Roede voor de Borst“, dass Folk Metal auch nach all den Jahren noch funktionieren kann, ohne einfach nur die bekannten Zutaten neu zusammenzuschütten. Die Niederländer haben ihren eigenen Stil gefunden und bauen diesen konsequent weiter aus.
Besonders die niederländischen Texte und die Violine sorgen dafür, dass das Album einen eigenen Charakter bekommt. Dazu kommen starke Gitarren, abwechslungsreiche Arrangements und genügend Härte, damit auch Freunde des Death Metal auf ihre Kosten kommen.
Nicht jeder Moment sitzt hundertprozentig, und manchmal wäre etwas weniger tatsächlich etwas mehr gewesen. Unterm Strich bleibt aber ein Album, das man gerne noch einmal auflegt. „Roede voor de Borst“ ist epischer Folk Metal mit einer klaren eigenen Handschrift und einem angenehmen Sinn für Atmosphäre.
Fazit: Mit „Roede voor de Borst“ zeigen VANAHEIM, dass sie nicht nur die Tradition des Folk Metal bewahren, sondern auch innovativ weiterentwickeln.






