Tracklist
01. Once There Was Light
02. Gates Of Harrogath
03. Call To Arms
04. Uileloscadh Mor
05. Nihlathak
06. Mount Arreat
07. Lord Of Destruction
08. Tyrael’s Despair
Besetzung
Christian Krajewski – Lead Guitars, Vocals
Ersin Kara – Guitars
Oliver Krajewski – Bass
Mike Gelnar – Drums
Manchmal entstehen die interessanteren Bands eher nebenbei. OLD RUINS gehören definitiv in diese Kategorie. Als sich 2019 Drummer Alexander Czernik und Sänger sowie Lead-Gitarrist Christian Krajewski zunächst mit der Idee eines reinen Studioprojekts zusammentaten, war vermutlich noch nicht abzusehen, wohin die Reise gehen würde. Die musikalische Richtung wurde schnell düsterer, atmosphärischer und vor allem eigenständiger. Oliver Krajewski am Bass und Ersin Kara an der Gitarre kamen dazu und aus dem ursprünglichen Projekt wurde eine richtige Band.
Mit „Mount Arreat“ legen die Gelsenkirchener nun ihr zweites Album vor. Wer hier allerdings klassischen Black Metal mit permanentem Gebolze erwartet, dürfte zunächst etwas überrascht sein. OLD RUINS arbeiten wesentlich stärker mit Melodien, Atmosphäre und verschiedenen Stimmungen. Heavy Metal trifft auf Post-Black Metal, dazu kommt eine ganz eigene Note, die sich schwer in eine einzige Genrebezeichnung pressen lässt. Und genau das ist eine der großen Stärken dieser Platte.
Wenn Dunkelheit plötzlich melodisch wird
Schon „Once There Was Light“ macht deutlich, wohin die Reise geht. Die Gitarren tragen viel von der Stimmung, ohne dass dabei die nötige Härte verloren geht. Darüber liegt der markante Gesang von Christian Krajewski. Seine Stimme ist sicher nicht das, was man als glatt oder beliebig bezeichnen würde. Sie besitzt Ecken und Kanten und gibt den Songs dadurch ein Gesicht.
Mit „Gates Of Harrogath“ wird es anschließend etwas direkter. Hier treffen treibende Passagen auf melodische Gitarrenlinien, die sich ziemlich schnell im Kopf festsetzen. Das funktioniert erstaunlich gut, weil OLD RUINS nicht versuchen, aus jedem Song ein möglichst kompliziertes Kunstwerk zu machen. Die Stücke dürfen einfach funktionieren.
„Call To Arms“ schlägt in eine ähnliche Kerbe, wirkt dabei aber noch etwas druckvoller. Besonders gelungen ist das Zusammenspiel der beiden Gitarren. Ersin Kara und Christian Krajewski sorgen dafür, dass immer Bewegung im Sound bleibt. Mal steht ein Riff im Vordergrund, dann übernimmt eine Melodie, bevor das Ganze wieder in eine dunklere Passage kippt. Das wirkt nicht überladen, sondern ziemlich selbstverständlich.
Ein Konzept, das musikalisch aufgeht
Spätestens bei „Uileloscadh Mor“ wird deutlich, dass „Mount Arreat“ nicht einfach eine Sammlung von acht Songs ist. Die Stücke wirken wie einzelne Szenen eines größeren düsteren Bildes. Dabei muss man sich nicht zwingend mit dem Konzept oder den Hintergründen beschäftigen, um die Atmosphäre der Platte zu verstehen.
„Nihlathak“ bringt wieder mehr Bewegung ins Geschehen und zeigt gleichzeitig, wie gut OLD RUINS Härte und Melodie miteinander verbinden. Genau diese Kombination zieht sich eigentlich durch das komplette Album. Es gibt genügend dunkle Momente, aber die Band verliert sich nie in einer endlosen Wand aus verzerrten Gitarren.
Der Titeltrack „Mount Arreat“ gehört für mich zu den stärkeren Nummern der Scheibe. Hier passt vieles zusammen. Die Gitarren entwickeln ordentlich Druck, gleichzeitig bleiben die Melodien präsent. Der Song besitzt diese gewisse Schwere, die man nicht nur hört, sondern tatsächlich spürt.
Auch die Rhythmusfraktion liefert dabei saubere Arbeit ab. Oliver Krajewski sorgt am Bass für das nötige Fundament, während Mike Gelnar hinter den Drums immer wieder für ordentlich Nachdruck sorgt. Nichts wirkt unnötig verspielt. Jeder Musiker erfüllt seine Aufgabe, und genau dadurch bekommt das Album seinen geschlossenen Charakter.
Keine Platte für nur einen Durchlauf
Mit „Lord Of Destruction“ wird es noch einmal richtig düster. Der Song trägt seinen Titel nicht gerade zufällig und passt hervorragend in die Atmosphäre des Albums. Danach folgt mit „Tyrael’s Despair“ ein Abschluss, der sich angenehm in das Gesamtbild einfügt. Statt einfach noch einmal alles herauszuhauen, lassen OLD RUINS die Platte auf einer eher melancholischen Note auslaufen.
Was nach mehreren Durchläufen hängen bleibt, sind vor allem die Gitarren und der ungewöhnliche Gesang. Dazu kommt eine Atmosphäre, die nicht nach dem ersten Hören verpufft. Im Gegenteil. Je öfter man „Mount Arreat“ hört, desto mehr kleine Details tauchen auf.
Das ist bei einem Album wie diesem durchaus ein Qualitätsmerkmal. OLD RUINS setzen nicht auf den schnellen Effekt. Ihre Songs brauchen ein wenig Zeit, belohnen den Hörer dafür aber mit einer erstaunlichen Langlebigkeit.
Unterm Strich ist „Mount Arreat“ eine verdammt interessante Veröffentlichung geworden. Die Band aus Gelsenkirchen hat ihren eigenen Klang gefunden und schafft es, Heavy Metal und Post-Black Metal so miteinander zu verbinden, dass daraus eben nicht der nächste Genre-Abklatsch entsteht. Melodisch, düster, gelegentlich sperrig, aber immer mit einer klar erkennbaren eigenen Handschrift. Wer Metal gerne etwas abseits der üblichen Wege entdeckt, sollte OLD RUINS definitiv auf dem Zettel haben.
Fazit: „Mount Arreat“ von OLD RUINS ist ein düsteres, atmosphärisches Meisterwerk, das die Grenzen des Genres verschiebt und die Zuhörer tief in seine Klangwelt eintauchen lässt.






