Summer Destruction Night 12.09.26
Ungarn und Metal – das passt. Und wer aus dem österreichischen Osten kommt, braucht eigentlich keine Ausrede, um für einen Abend über die Grenze zu fahren. Gerade Steinamamnger (Szombathely) hat sich in den vergangenen Jahren zu einer interessanten Adresse für Underground-Metal entwickelt. Eine der wichtigsten Anlaufstellen dafür ist das Végállomás Klub in der Körmendi út. Der Club versteht sich als Konzertlocation für Rock, Metal, Hardcore, Punk und andere härtere Spielarten und bietet dabei nicht nur etablierten Acts, sondern vor allem auch heimischen Underground-Bands eine Bühne.
Am 12. September 2026 stand dort mit der Summer Destruction Night ’26 ein Abend auf dem Programm, der seinem Namen alle Ehre machen sollte. Acht Bands, knapp sechs Stunden auf zwei Bühnen Programm und ein stilistischer Rundumschlag durch die härteren Gefilde des ungarischen Undergrounds. Doch leider überkreuzten sich mein Terminkalender und ich konnte die ersten drei Bands bildlich nicht einfangen.
BORGIL – Death Metal aus Steinamanger (Szombathely)
Den Auftakt übernahmen Borgil um 18:00 Uhr. Die noch junge Formation stammt direkt aus der Stadt und wurde 2024 gegründet. Stilistisch bewegt sich das Quartett zwischen Death und Groove Metal. In der aktuellen Besetzung stehen Zoltán Wellner am Mikro, Martin Gosztom an der Gitarre, Zoltan Eberhart am Bass und Norbert Keibinger am Schlagzeug.
Damit war bereits zum Einstieg klar, dass hier nicht lange herumgefackelt werden sollte. Statt vorsichtigem Herantasten hieß es: Verstärker auf, Licht aus, Nackenmuskulatur aktivieren.
Borgil stehen dabei exemplarisch für das, was die Summer Destruction Night ausmacht: junge Bands aus der Region bekommen die Möglichkeit, sich vor einem Metal-affinen Publikum zu präsentieren und sich neben routinierteren Acts zu behaupten.
PAGAN INSURRECTION – Historie trifft Death Metal
Weiter ging es mit Pagan Insurrection, die um 18:40 Uhr die Bühne übernahmen. Die 2014 gegründete Band aus Mosonmagyaróvár verbindet Pagan- und Death Metal und bringt damit eine ganz eigene Note in das Line-up.
Wer hier lediglich brutale Riffs erwartet, bekommt etwas mehr geboten. In ihrer Musik finden sich neben den klassischen Death-Metal-Zutaten auch folkloristische Elemente. Bei früheren Veröffentlichungen kamen unter anderem Blasinstrumente, Schamanentrommel und Maultrommel zum Einsatz.
Damit sorgten Pagan Insurrection für den ersten stilistischen Ausflug abseits des klassischen Thrash-/Death-Metal-Fundaments des Abends.
FANATIC ATTACK – Thrash, Death und Black Metal
Um 19:20 Uhr wurde es wieder deutlich thrashiger. Fanatic Attack stammen aus Zalaszentiván beziehungsweise dem Raum Szombathely und sind bereits seit 2009 aktiv. Was zunächst als Thrash Metal begann, entwickelte sich im Laufe der Jahre in Richtung Blackened Thrash Metal beziehungsweise Thrash/Death/Black Metal.
Die Band kann dabei bereits auf eine beachtliche Diskografie zurückblicken: zwei Demos, drei EPs, drei Alben und eine Split-Veröffentlichung stehen mittlerweile zu Buche.
Für eine Veranstaltung wie die Summer Destruction Night sind Fanatic Attack geradezu prädestiniert. Old-School-Thrash trifft auf die düstereren Spielarten des Extrem Metal – aggressiv, direkt und ohne unnötige Verzierung.
SELFLESS ABUSE – Metalcore aus Debrecen
Um 20:00 Uhr folgte mit Selfless Abuse ein weiterer Stilwechsel. Die aus Debrecen stammende Band wurde 2014 gegründet und bewegt sich im Bereich Metalcore, wobei die musikalische Basis deutlich weiter gefasst ist. Heavy Metal, klassischer Rock und moderne Metalcore-Elemente fließen in den Sound ein.
Gerade solche stilistischen Kontraste machen das Konzept der Summer Destruction Night interessant. Hier wird nicht achtmal derselbe Thrash-Aufguss serviert, sondern ein Querschnitt durch den ungarischen Metal-Underground.
AXEMEN – Melodic Death Metal
Mit Axemen ging es um 20:40 Uhr weiter in Richtung Melodic Death Metal. Die Band war bereits beim diesjährigen Spring Destruction Night in Budapest vertreten, wo sie ebenfalls als Melodic-Death-Metal-Act angekündigt wurde.
Damit wurde der Abend zunehmend abwechslungsreicher. Wo vorher rohe Thrash-Attacken und Metalcore aufeinandertrafen, rückten nun Melodien und Death-Metal-Härte stärker in den Mittelpunkt.
NEUROPSY – Old School Thrash aus Sopron
Um 21:20 Uhr gehörte die Bühne Neuropsy.
Neuropsy steht für Old-School-Thrash Metal und blickt sogar auf eine deutlich längere Geschichte zurück, als es das aktuelle Erscheinungsbild vermuten lässt. Die Band wurde ursprünglich bereits 2005 gegründet, arbeitet in ihrer heutigen Besetzung jedoch seit 2021. 2025 erschien die Debüt-EP „Sketches of Pain“.
Und genau hier schließt sich ein Kreis: Das Konzept der Summer Destruction Night lebt vom Zusammenspiel der Generationen. Junge beziehungsweise wieder erstarkte Underground-Acts treffen auf Bands, die bereits seit vielen Jahren ihre Runden im Metal-Zirkus drehen.
MORTE SILMORIS – Heimspiel für die Summer Destruction Night
Um 22:00 Uhr wurde es schließlich richtig interessant, denn mit Morte Silmoris stand eine Band auf der Bühne, die untrennbar mit der Summer Destruction Night verbunden ist und für mich ein Highlight des Tages war. Die ungarischen Thrasher Morte Silmoris absolvierten letztes Jahr eine mächtige Show in Österreich und haben bei uns bereits eine Fanbase aufgebaut.
Die aus Répcelak im Komitat Vas stammende Formation wurde bereits 2003 gegründet und spielt melodischen Thrash Metal. Zu den musikalischen Einflüssen zählen unter anderem Megadeth, Slayer, Kreator und Metallica.
Noch wichtiger: Morte Silmoris rief die Summer Destruction Night 2019 ins Leben. Das erklärte Ziel der Konzertreihe ist es, jungen und etablierten Underground-Bands eine Plattform zu bieten und die Szene enger miteinander zu verbinden. Aus einem Konzertabend wurde mittlerweile eine Veranstaltungsreihe, die auch in Budapest und an weiteren Locations stattfindet.
Somit war der Auftritt im Vegallomas nicht einfach nur ein weiterer Gig im Kalender. Die Band stand gewissermaßen auf ihrer eigenen Baustelle – und durfte gleichzeitig zeigen, warum dieses Festivalformat überhaupt existiert.
FERETRUM – Black Metal zum Finale
Den Abschluss übernahmen um 22:40 Uhr Feretrum aus Nagykanizsa. Die 2016 gegründete Formation steht für Black Metal, wobei die thematische Ausrichtung mit Okkultismus, Dunkelheit und Blasphemie klar in die finstere Ecke des Genres weist.
Nach Thrash, Death, Groove, Metalcore und melodischen Varianten des Extrem Metal setzte Feretrum damit den dunklen Schlusspunkt unter den Abend.
Und genau das macht die Zusammenstellung der Summer Destruction Night so spannend: Man beginnt im Death/Groove-Metal, arbeitet sich über Pagan-, Thrash- und Metalcore-Gefilde bis zum melodischen Death Metal vor, bekommt mit Neuropsy noch einmal eine ordentliche Dosis Old-School-Thrash serviert und endet schließlich im Black Metal.
Die Summer Destruction Night ’26 im Végállomás Klub war weniger ein klassisches Festival mit großem Bühnenzirkus, Sponsorenwänden und VIP-Bereich – und genau darin liegt der Charme.
Hier geht es um Bands.
Um Musiker, die ihre Instrumente schleppen, auf kleinen Bühnen stehen, ihr Material aufbauen und vor einem Publikum spielen, das wegen der Musik kommt. Das Végállomás Klub bietet dafür den passenden Rahmen. Die Location ist längst eine feste Größe der regionalen Underground-Szene und hat auch in der Vergangenheit internationale und ungarische Metal-Acts beherbergt.
Besonders positiv fällt dabei die stilistische Bandbreite auf. Von Borgils Death/Groove Metal über Pagan Insurrections Pagan Death Metal, den Blackened Thrash von Fanatic Attack und den Metalcore von Selfless Abuse bis zu Axemen, Neuropsy, Morte Silmoris und dem Black Metal von Feretrum war für nahezu jeden Freund härterer Klänge etwas dabei.
Und genau dafür braucht es Veranstaltungen wie die Summer Destruction Night.
Kein Hochglanz. Kein Mainstream. Keine Berührungsängste. Einfach Underground Metal.






