© Miha Koron

Wie erwartet war das Tolminator Metal Fest 2026 für seine Veranstalter, seine Bands sowie für das internationale Publikum eine bahnbrechende Veranstaltung. Ähnlich aufgebaut und bei derselben Location befindlich wie das ehemalige Metalcamp bzw. die darauffolgenden Metaldays, konnte man es sich vor der Tolminator/Main Stage, im Bereich der DIY Stage sowie am wunderschönen Strand der Soča vor der Beach Stage richtig gut gehen lassen. Die Auswahl an Speisen und Getränken war überall durch vielseitige Anbieter gegeben, wodurch garantiert war, dass keine Kehle trocken blieb bzw. einem nicht der Magen knurren musste. Einziges Manko an den guten Verpflegungsmöglichkeiten waren die, für das im Vergleich zu Österreich preislich begünstigte Land Slowenien, relativ hohen Kosten.

Der Startschuss des Festivals fiel zwar am Freitag, 24. Juli 2026, ich konnte jedoch erst am Samstag anreisen, somit fällt die Berichterstattung für den ersten Tag mit Headliner In Flames leider aus.

Am Samstag fand ich mich nach meiner Ankunft am Nachmittag in den frühen Abendstunden vor der Tolminator Stage ein, wo die US-amerikanische Progressive Metal Band Elder ihren Mix aus Doom, Stoner und Psychedelic Metal zum Besten gaben. Diese eher getragene, melancholische Einstimmung auf einen musikalisch abwechslungsreichen Abend war sehr gelungen und auch soundtechnisch gut abgemischt, wodurch man schön in die einzigartige Stimmung des Festivals eintauchen konnte. Einen starken Kontrast boten im Anschluss die Thrash Metal Urgesteine (gegründet 1985) von Sacred Reich. Die Amerikaner aus Phoenix, Arizona ließen aufgrund ihres ausgesprochen coolen Sounds wohl keinen Metal Fan kalt und überzeugten mit einer kraftvollen, dynamischen Performance.

Als nächstes sicherte sich die Thüringer Metalcore/Melodic Death Metal Band Heaven Shall Burn die Aufmerksamkeit des Publikums, was für mich als Fan von Black Metal und Stoner Rock/Metal einen absoluten Überraschungsact im positiven Sinne darstellte. Sowohl eine geniale Bühnenperformance als auch ein gewinnender Sound ließen das Zuhörerschaft quasi durchdrehen, Moshpit und Crowdsurfing inklusive.

Heaven Shall Burn © Miha Koron

Da es am Sonntag stark regnete, entschied ich mich erneut erst am frühen Abend für ein Erscheinen vor der Tolminator Stage, wo mir mein mitgebrachter Regenschirm treue Dienste leistete. Leider verpasste ich somit die Georgier von Psychonaut 4, deren Bühnenperformance ich aufgrund ihres innovativen Depressive Black Metals gerne bezeugt hätte. Ich konnte mich im Anschluss allerdings vom Ausnahmetalent der vier brasilianischen Ladies von Nervosa (Thrash/Death Metal) überzeugen. Die Damen standen den männlichen Interpreten der Main Stage in Nichts nach und wussten mit ihrem lateinamerikanischen Feuer dem Publikum ordentlich einzuheizen. Mittlerweile hatte sich vor der Bühne ein regelrechter Mud Pit gebildet und jeder, der es wagte sich dem Mosh Pit zu nähern, wurde mit Schlamm besprenkelt. Passend zum Wetter betraten als Nächstes die Moldawier von Infected Rain, welche die Wettergötter mit ihrem Nu Metal scheinbar besänftigen konnten, die Bühne.

Infected Rain © Miha Koron

Der Regen ebbte jedenfalls ab und ich begab mich zur Abwechslung sowie Erholung für den Headliner mit Freunden zum Camping Platz und zum Food Market. Die nachfolgenden Acts auf der Tolminator Stage Agnostic Front und Municipal Waste verfolgte ich, aufgrund weniger stark ausgeprägtem Interesse, nur aus der Ferne. Schließlich war es ratsam sich für die renommierteste Band des Festivals, den Norwegern von Satyricon seine Reserven gut einzuteilen. Die Nordmänner lieferten wie gewohnt eine außergewöhnliche Bühnenperformance ab. All-time favourites wie „King“, „Fuel for Hatred“ und „Now, Diabolical”, ein atemberaubendes “Mother North” wie auch neuere Tracks des letzten Albums „Deep Calleth upon Deep” schallten perfekt gespielt über die gesamte Festival-Area. Hierbei wurden die Black Metal Pioniere wieder einmal ihrem Ruf völlig gerecht; Schlagzeuger Frost imponierte mit exaktem Drumming und Frontman Satyr verzauberte förmlich das ganze Publikum, ob nun mit Gitarre oder ohne, ein Erlebnis sondergleichen und absolutes Festival-Highlight.

Satyricon © Miha Koron

Mit Montag war auch schon der letzte Tag des Festivals angebrochen und siehe da, die Sonne ließ sich wieder in voller Pracht blicken und die Ufer der Soča erstrahlten in postkartenähnlichem Glanz. Meine Freunde und ich beschlossen den Wasserweg flussabwärts zu nehmen, vom Campingplatz bis zur Beach Stage floateten wir auf Luftmatratzen und anderen luftgefüllten Gummiutensilien gen den Bars bei der Beach Stage. Dort durfte ich mir das italienische Black Metal/Darkwave Projekt von Nel Buio zu Gemüte führen. Der von der Band selbst als Blackwave bezeichnete Stil war auf voller Linie gewinnend und passte schrägerweise unheimlich gut zum einmaligen Flair der Beach Stage. Einen weiteren Höhepunkt der zuletzt genannten Bühne stellte die Formation rund um die charismatische Shouterin Liz Selfish, Brat aus New Orleans, dar. Der von encylopadia metallum als Grindcore/Powerviolence/Death Metal bezeichnete Stil wird von der Band schlichtweg als Bimboviolence bezeichnet und wird untermalt von poppigen, technolastigen Samples, was die ganze Angelegenheit auflockerte und sehr catchy gestaltete. Die coole Band aus Louisiana lieferte eine mitreißende Performance ab und man konnte ihnen die Freude über ihren Auftritt an ihren Gesichtern ablesen. Aufgrund meiner Anwesenheit bei der Beach Stage verpasst ich Hatebreed, konnte aber nach einem Ortswechsel zur Tominator Stage beim Auftritt der Griechen von Lucifer’s Child wieder mitfiebern. Die Gründungsmitglieder (Ex-Rotting Christ sowie Ex-Nightfall) erinnerten mich von Ausführung und spielerischer Eloquenz her an Watain, womit sich ihr Auftritt durchaus erfolgreich gestaltete. Auch die darauffolgende Black Metal Band, bestehend aus den Kanadiern von Spectral Wound, hatten sich ihren Platz auf der Main Stage sehr wohl verdient und bretterten diabolische Tunes ins idyllische Städtchen Tolmin

Spectral Wound © Miha Koron

Ein weiterer musikalischer Leckerbissen bestand in der US-Amerikanischen Death Metal Band Immolation. Diese waren mir noch von ihrem Auftritt 2008 mit Melechesh in der Spinnerei Traun in Erinnerung geblieben und waren in Ton und Bild authentisch wie eh und je. Das im Jahre 1988 gegründete Quartett zelebrierten New York Style Death Metal auf mitreißende Art und Weise und stellten für mich den Abschied von der Tolminator Stage dar.

Immolation © Miha Koron

Im Anschluss machte ich noch einen Abstecher zur DIY Stage um mir die chinesischen Mädels von Dummy Toys anzusehen. Auch diese vier Ladies waren denkwürdig mit ihrer einfallsreichen Hardcore Performance.

Dummy Toys © Miha Koron

Danach schaffte ich es wie gesagt nicht mehr zur Main Stage um 1000Mods bzw. Deicide zu supporten, da ich in den Gefilden rund um Food Market und Campingplatz hängen blieb.

Zum Abschluss lässt sich resümieren: absolut empfehlenswertes Festival für Freunde von bunt gemischten Metal Genres und internationalem Publikum – ich unterhielt mich mit Leuten aus Norwegen, Brasilien, Mexiko, USA, Georgien, Belgien, Deutschland, Slowenien und natürlich Österreich. Auch das einmalige Strand Feeling kommt dort nicht zu kurz und die Stimmung ist sowieso bei jedem Wetter top.

© Miha Koron

All photos by Miha Koron

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