Area 53 2026: 16.-18.7.2026, VAZS Schladnitz, Leoben
Ich muß zu meiner Schande gestehen, dass es heuer mein Debüt am inzwischen fix etablierten AREA 53 in Leoben war. Vom 16. bis 18. des Wonnemonats Juli stattfindend, war dies die bereits siebte Ausgabe der Stahlparty im Schladnitzgraben. Leoben is‘ lei oben! Nun denn, wie war es, als sich an allen drei Tagen mit SAXON, ARCH ENEMY und IN FLAMES würdige Headliner einfanden?
Tag 1: Donnerstag, 16.7.
Bereits der erste Tag hatte es vom Lineup her in sich. Um die Mittagszeit tröpfelten die ersten Besucher in den ordentlich von der Sonne durchgebrutzelten Festivalbereich. MATTER OF TASTE, die man als durch den österreichischen Fleischwolf gedrehte DEEP PURPLE beschreiben könnte, eröffneten den Tag. Es folgten die angeschwärzten PATRIARCHA und die lustigen Punks IGELS vs. SHARK, die live ’ne Menge Spaß bedeuten.
Auch die deutschen Blackies AGATHODAIMON braucht man nicht wirklich vorzustellen; ob ihre Mucke sich am hellen Tag bewährt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Nach den Edelstahlbuddies FIREWIND kam die Band, die der eigentliche Gewinner von Tag 1 waren: HIRAES. Auch noch im knallenden Sonnenschein legte die Mannschaft um Britta Görtz mit ihrem Melodic Death von Anfang an voll los. Ein für mich viel zu kurzer Auftritt – samt Ausflug Brittas in den Moshpit. Machte wirklich Bock. Ich hätte sie gerne wesentlich weiter oben in den Festivalplan geschoben.
Aber da waren ja schon die Napalmzöglinge VISIONS OF ATLANTIS mit ihrem Johnny-Depp-meets-Disney-Metal. Da ich nicht der größte Fan ihrer Musik bin, wäre es unfair, ihre Show abzukanzeln. Professionell und stimmig für viele war es offensichtlich. Und für den Schreiberling keine schlechte Zeit, die Pommes vor Ort zu checken und den Merch-Stand unter die Lupe zu nehmen. T-Shirt-Preise nach Nietzsche’scher Philosophie (also jenseits von Gut und Böse) ist man eh schon gewohnt heutzutage.
Auch die Urgesteine der Verschwörung um die CAVALERAS waren gekommen, um zu siegen. Man hatte ein Set im Gepäck, das exklusiv aus dem Klassiker „Chaos A.D.“ bestand. Wenn die Brüderlein fein Max und Igor die Bühne stürmen, mit „Refuse/Resist“ loslegen und sich dann durch dieses fantastische Album ballern, kann nicht viel schiefgehen. So war es dann auch. Bitte gerne mehr von diesem Dresch-Samba.
Beinahe pünktlich betraten abends die Headliner des Donnerstags, SAXON, die Bühne. Von der ersten Note an traf der nicht mehr ganz zu den Anfängern zählende Biff die Noten gut. Auch seine Mitstreiter an den anderen Waffen hatten offensichtlich Spaß an ihrem Tun. Ein würdiger Headliner, der ein Set aus Hits und Neuerem in die Menge feuerte. Kann man gut geben. Ganz so „new“ ist die New Wave Of British Heavy Metal wohl doch nimmer. Das wird spätestens klar, wenn der Ventilator auf der Bühne dem Mitt-70er Biff die nicht mehr ganz so dichte weiße Matte föhnt. Man kann direkt durch seine Matte aufs Backdrop blicken – praktisch, die Band hat ja ein gefälliges Bildchen hinter sich montiert.
Ein toller erster Tag mit HIRAES als Headliner der Herzen.
Setlist Saxon
01. Hell, Fire and Damnation
02. Power and the Glory
03. Dogs of War
04. And the Bands Played On
05. Madame Guillotine
06. Sacrifice
07. Solid Ball of Rock
08. The Eagle Has Landed
09. Heavy Metal Thunder
10. Dallas 1 PM
11. Strong Arm of the Law
12. Motorcycle Man
13. Denim and Leather
14. 747 (Strangers in the Night)
15. Wheels of Steel
16. Crusader
17. Princess of the Night
Tag 2: Freitag, 17.7.
Nachdem schon der Donnerstag wenig zu wünschen übrig hatte lassen, war ich gespannt, wie es an Tag 2 der Leobner Krachsause weitergehen würde. Was schon von Beginn klar an wurde – und das soll hier ausdrücklich gelobt werden: organisatorisch kann man ein Festival nicht viel besser aufziehen. Parkplätze gab’s en masse, erstaunlich wenig Wartezeit an den Biertankstellen sowie genug Häusln, um dieses wieder zurück in die Mur fließen zu lassen. Da kann sich so manches andere Metal-Festlein eine dicke Scheibe Organisationskunst abschneiden.
Am zweiten Tag setzte sich das starke Lineup fort. Headliner waren ARCH ENEMY sowie vor ihnen Kugelblitz DIRKSCHNEIDER – mehr dazu unten. Der Freitag war, no na, gut besucht. Nach einem Eröffnungsblock ab Mittags mit den Grazer Lokalmatadoren ENTER INFINITE, der starken Wiener Nachwuchshoffnung THE DEVASTATION, den deutschen ALL WILL KNOW und den belgischen TEMPTATIONS FOR THE WEAK kamen als weitere Ortsvertreter KONTRUST. Die sorgten bei der Journaille für leichtes Aufsehen – schon seit Jahren vermantschen sie CLAWFINGER-Riffs mit steirischer Tracht und Industrial-Disko. Live hat das Funpotenzial.
Nicht so klar war mir dann allerdings, warum die kanadischen Intellektuellen-Metaller VOIVOD, Veteranen seit etwa der Steinzeit, nicht weiter oben im Billing zu sehen waren. Warum auch immer, wer Konzerte gerne mit dem Taschenrechner ausrechnet, war bei ihnen genau richtig. Verkopfter geht’s nimmer. Und in dieser Schrägheit liegt ihr Reiz. Der ist mir dann ehrlicherweise bei den pinken Modernmusikanten SELF DECEPTION nicht so ganz klar geworden – aber es muss ja nicht jedem alles gefallen.
Noch im Tageslicht trat am frühen Abend der Meister Proper des deutschen Edelstahls, Udo Dirkschneider, Namensgeber seiner Kapelle an, um die Endrunde des Freitags einzuläuten. Er kredenzte mit einer Band in astreiner Spiellaune ein Set, das sich um den ACCEPT-Klassiker „Balls to the Wall“ gruppierte. Traditionell as fuck, aber auch kultig as fuck. Für mich war der Mann, der inzwischen 74 ist, der Gewinner des Abends. Schon mußte er die eine oder andere Pause einlegen, aber stimmlich war er gut beisammen. Eine mehr als solide Performance, gespickt mit Stahlperlen aus der Zeit als Metal laufen lernte.
Als es dunkel war, kündigte ein bühnengroßes Banner mit der Aufschrift „pure fucking metal“, das den Umbau vor ARCH ENEMY verhüllte, genau diese als Friyay-Headliner an. So ganz purer verfickter Metal war es aber in meinen Ohren nicht. Mit neuer Frontfrau Lauren Hart legten die Schweden ohne Zögern los. Keine Frage, professionell war’s und ihrem Status gerecht werdend. Aber alles in allem war es dann zumindest mir zu unspontan, zuviel ein Staging einstudierter Posen. Dass sie ihre Instrumente beherrschen weiß man, dass sie gute Songs haben weiß man mindestens so sehr. Aber die spontane Rock-Sau, die man für „pure fucking metal“ über die Bühne treiben muss, ist mir in der Künstlichkeit ihres Over-the-Top-Selbstanspruchs abgegangen.
Tag 2 war wieder höchst unterhaltsam und bestens organisiert, Meister DIRKSCHNEIDER stahl die Show von seinen ERZFEINDEN.
Setlist Arch Enemy
01. Yesterday Is Dead and Gone
02. The World Is Yours
03. War Eternal
04. My Apocalypse
05. Blood Dynasty
06. To the Last Breath
07. The Eagle Flies Alone
08. No Gods, No Masters
09. Dead Bury Their Dead
10. We Will Rise
11. Snow Bound
12. Nemesis
Tag 3: Samstag, 18.7.
Intuitiv war für mich (und wenn ich mich so umhörte auch für viele andere vor Ort) der Freitag der Höhepunkt des heurigen AREA 53 – am Samstagmorgen als drittem und Abschlusstag war nicht die Luft raus, aber man schien es schon gemütlicher angehen zu wollen.
Da passte es hervorragend, dass die gute JAZZ GITTI, die mit ihrer leicht anarchischen Art irgendwie mehr Metal als viele andere unserer Szene ist, den Tag mit ihrem traditionellen Frühschoppen anzapfte. Leiwaund, eh kloa.
Bei den Bands machten am Samstag die obersteirischen Trueheimer APIS, gefolgt von den Grazer Industriemetallarbeiten WATCH THEM FAIL, den Anfang. Gerade die letzteren lieferten ein engagiertes Set, sollte man im Blick bewahren! Aus bella italia angereist waren die Modernisten NEVER OBEY AGAIN – die brachial-rockigen Vocals ihrer charismatischen Frontfrau Carolina Bertelegni sind wie gute italienische Pasta: so was geht immer!
Kontrastprogramm waren die anschließenden Grindterroristen BRUTAL SPHINCTER, die sich mit dem Gore-Hammer brutal durch ihr Set musizierten. Wie eins auf die Rübe, wenn man es verdient hat. Mit VINEGAR HILL kam sodann eine weitere lokale Truppe, die man in der steirischen Szene mit ihrem leicht modernen, melodischen Sound gut kennt. Ein solider Auftritt von ihnen.
Zu meiner weiteren Schande (Asche auf mein Haupt) musste ich danach zurück nach Graz und kann zu den weiteren Bands, vor allem zu den Headlinern IN FLAMES und ihren ebenso schwedischen Anheizern PAIN wenig aus erster Hand berichten. Verlasse ich mich aber auf die kompetenten Stimmen aus meinem Umfeld, die weiter da waren, sollen vor allem IN FLAMES schon gezeigt haben, dass sie nicht nur Kuschelpop für Hipster machen, sondern noch rocken können. Die recherchierbare Setliste belegt dies in der Songauswahl. Auch Elchpeda Tägtgren von PAIN soll es in der Elektrometalbude rumsen haben lassen.
FAZIT: Alles in allem war die heurige AREA 53-Ausgabe ein extrem starkes Festival. Tolle Headliner und wünschenswerte Einbindung der lokalen Szene, wobei mir von allen anwesenden Künstlern HIRAES, DIRKSCHNEIDER sowie CAVALERA CONSPIRACY am meisten Spaß machten. Ein extra Lob geht an die Veranstalter für die reibungslose Organisation – soweit ich das beurteilen kann. Ein gutes Argument, nächstes Jahr wieder nach Leoben zu pilgern.

Setlist In Flames
01. Colony
02. Deliver Us
03. In the Dark
04. Voices
05. Paralyzed
06. The Quiet Place
07. Meet Your Maker
08. The Chosen Pessimist
09. Cloud Connected
10. Artifacts of the Black Rain
11. Trigger
12. Only for the Weak
13. Foregone Pt. 2
14. State of Slow Decay
15. Alias
16. The Mirror’s Truth
17. I Am Above
18. Take This Life







