LINKIN PARK – From Zero World Tour 2026 09. Juni 2026, Ernst-Happel-Stadion Wien
Die Rückkehr einer Generationenband
Kaum eine Band hat die Rock- und Metal-Landschaft der letzten 25 Jahre so nachhaltig geprägt wie LINKIN PARK. Mit ihrer einzigartigen Mischung aus Alternative Rock, Nu Metal, Rap Rock und elektronischen Elementen schufen sie einen Sound, der Millionen Menschen weltweit begleitete. Nach den tragischen Ereignissen rund um den Verlust von Chester Bennington schien die Zukunft der Band lange ungewiss. Doch mit Sängerin Emily Armstrong begann für LINKIN PARK ein neues Kapitel, das inzwischen längst mehr ist als nur ein Neuanfang.
Im Rahmen der „From Zero World Tour 2026“ machte die Band am 09. Juni Halt im Wiener Ernst-Happel-Stadion und präsentierte eine knapp zweistündige Show, die eindrucksvoll bewies, dass LINKIN PARK auch in ihrer neuen Besetzung zu den größten Live-Acts der Gegenwart gehören.
Wir haben den Support-Act PHANTOGRAM leider verpasst und können daher keine Bewertung ihres Auftritts vornehmen. Ebenso verzichten wir auf eine Einschätzung von CLIPSE, da deren musikalischer Schwerpunkt außerhalb des Kernbereichs unseres Magazins liegt.
Ein cineastischer Auftakt
Bereits vor Konzertbeginn lag eine besondere Spannung über dem ausverkauften Stadion. Ein eigens produzierter Trailer zu »Unshatter« sowie ein Countdown, begleitet von MICHAEL JACKSONS »Human Nature«, bauten die Atmosphäre langsam auf. Als schließlich die ersten Klänge des »Inception Intro A« durch die Lautsprecher hallten und die riesigen LED-Wände zum Leben erwachten, war klar, dass dieser Abend mehr als nur ein gewöhnliches Rockkonzert werden würde.
Mit »The Emptiness Machine« eröffnete die Band ihr Set kraftvoll und selbstbewusst. Der neue Song fügte sich erstaunlich nahtlos in das Gesamtbild ein und wurde vom Publikum sofort angenommen. Direkt danach folgten mit »Lying From You« und »Crawling« zwei Klassiker, die das Stadion erstmals kollektiv zum Beben brachten.
Emily Armstrong überzeugte bereits in den ersten Minuten mit enormer Bühnenpräsenz. Sie verzichtete bewusst darauf, Chester Bennington zu kopieren, und interpretierte die Songs mit ihrer eigenen Stimme und Persönlichkeit. Genau dieser Ansatz verlieh den bekannten Stücken eine frische Dynamik.
Zwischen Vergangenheit und Gegenwart
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor dieser Tour ist die intelligente Balance zwischen nostalgischen Fan-Favoriten und aktuellem Material. Songs wie »Up From the Bottom«, »Over Each Other« oder später »Heavy Is the Crown« wurden vom Publikum ebenso enthusiastisch gefeiert wie die großen Klassiker der frühen Jahre.
Besonders beeindruckend gelang dieser Spagat im zweiten Akt der Show. Nach einem verkürzten, aber dennoch intensiven »The Catalyst« folgte »Burn It Down«, ehe Emily Armstrong bei »Over Each Other« erneut ihre Vielseitigkeit unter Beweis stellte.
Einen emotionalen Moment lieferte Mike Shinoda mit einer verkürzten Version von »Where’d You Go« aus seinem Fort-Major-Katalog. Die Reaktion des Publikums zeigte eindrucksvoll, wie eng diese Songs mit der Geschichte von LINKIN PARK verbunden sind. Noch deutlicher wurde dies später während des spektakulären Medleys aus »When They Come for Me« und »Remember the Name«, bei dem Shinoda seine Rap-Qualitäten eindrucksvoll präsentierte.
Die Stärke der neuen Songs
Während viele Fans naturgemäß auf die großen Hits warten, zählen bei dieser Tour gerade einige der neuen Stücke zu den Höhepunkten des Abends. Besonders »Two Faced« entwickelte sich erneut zu einem absoluten Publikumsliebling.
Der Song vereint moderne Härte mit klassischen LINKIN-PARK-Elementen und entfaltete live eine enorme Wucht. Joe Hahn leitete das Stück mit einem atmosphärischen Intro ein, bevor die Band die volle Energie freisetzte. Die Resonanz im Stadion sprach für sich.
Auch »Heavy Is the Crown« bestätigte seinen Ruf als einer der stärksten Live-Songs der aktuellen Phase. Die Kombination aus aggressiven Gitarren, hymnischen Refrains und Emily Armstrongs kraftvoller Performance sorgte für einen der lautesten Momente des gesamten Konzerts.
Eine Produktion von gigantischem Ausmaß
Neben der musikalischen Leistung beeindruckte vor allem die visuelle Umsetzung der Show. LINKIN PARK präsentierten eine Produktion, die ohne Übertreibung zu den aufwendigsten Rockshows der Gegenwart zählt.
Gigantische LED-Wände dominierten die Bühne und erzeugten während des gesamten Konzerts wechselnde futuristische und apokalyptische Szenarien. Gewaltige Laserfächer durchschnitten den Wiener Nachthimmel, während perfekt abgestimmte Rauch- und Pyroeffekte die Musik zusätzlich verstärkten.
Gerade während »Overflow«, das mit Anspielungen auf METALLICAS »One« eingeleitet wurde, erreichte die visuelle Inszenierung eine beinahe filmische Dimension. Die gesamte Produktion vermittelte den Eindruck eines düsteren Science-Fiction-Epos, das perfekt mit den Themen vieler LINKIN-PARK-Songs harmonierte.
Emotionale Momente im dritten Akt
Nach dem energiegeladenen Mittelteil schlug die Band bewusst ruhigere Töne an. Die Piano-Version von »Lost«, vorgetragen von Mike Shinoda und Emily Armstrong, sorgte für einen der emotionalsten Momente des Abends.
Anschließend folgte mit »Breaking the Habit« einer jener Songs, die auch Jahrzehnte nach ihrer Veröffentlichung nichts von ihrer Wirkung verloren haben. Zehntausende Stimmen sangen jede Zeile mit und verwandelten das Stadion in einen gigantischen Chor.
Mit »Let You Fade« präsentierte die Band einen weiteren neueren Titel, bevor »What I’ve Done« die Stimmung wieder in Richtung Stadionhymne lenkte. Die Mischung aus Melancholie und Hoffnung funktionierte hervorragend und zeigte einmal mehr die enorme Bandbreite des LINKIN-PARK-Katalogs.
Das große Finale
Der letzte Abschnitt der Show ließ keine Wünsche offen. »Lost in the Echo«, »Numb« und »Heavy Is the Crown« sorgten für eine nahezu durchgehende Explosion an Emotionen und Energie.
Besonders »Numb« entwickelte sich zu einem magischen Moment. Das Publikum übernahm große Teile des Gesangs und erzeugte eine Atmosphäre, die selbst routinierte Konzertbesucher beeindruckte.
Mit »Bleed It Out« endete zunächst das reguläre Set. Die verlängerten Passagen und die Einbindung von »A Place for My Head« sorgten für einen furiosen Abschluss.
Doch natürlich durfte eine Zugabe nicht fehlen.
»Papercut«, »In the End« und schließlich »Faint« bildeten den perfekten Schlusspunkt. Für einen kurzen, sympathischen Moment sorgte Joe Hahn, als die Band »In the End« aufgrund eines kleinen Fehlstarts nochmals neu beginnen musste. Statt die Stimmung zu stören, erzeugte dieser Augenblick zusätzliche Nähe zwischen Band und Publikum.
Als die letzten Töne von »Faint« verklungen waren und »Pass the Mic« von den BEASTIE BOYS aus den Lautsprechern erklang, verabschiedete sich eine sichtbar zufriedene Band von ihren Fans im Ernst Happel Stadion.
LINKIN PARK haben die schwierige Aufgabe gemeistert, ihre Vergangenheit zu ehren und gleichzeitig eine glaubwürdige Zukunft aufzubauen. Die „From Zero World Tour 2026“ zeigt eine Band, die nicht auf Nostalgie allein setzt, sondern mutig neue Wege geht.
Emily Armstrong hat sich längst als feste Größe innerhalb der Band etabliert und verleiht den Songs neue Energie, ohne deren ursprünglichen Charakter zu verlieren. Gemeinsam mit Mike Shinoda und den übrigen Mitgliedern präsentiert sie eine Show, die sowohl musikalisch als auch visuell Maßstäbe setzt.
Der Auftritt im Ernst-Happel-Stadion war jedoch ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass LINKIN PARK auch 2026 zu den wichtigsten und faszinierendsten Live-Bands der Rockwelt gehören.

Setlist
01. The Emptiness Machine
02. Lying From You
03. Crawling
04. Up From the Bottom
05. Somewhere I Belong
06. The Catalyst
07. Burn It Down
08. Over Each Other
09. Where’d You Go (Fort Minor cover)
10. Waiting for the End
11. Lies Greed Misery
12. Two Faced
13. Joe Hahn Solo
14. When They Come for Me / Remember the Name
15. IGYEIH
16. One Step Closer
17. Lost
18. Breaking the Habit
19. Let You Fade
20. What I’ve Done
21. Overflow
22. Lost in the Echo
23. Numb
24. Heavy Is the Crown
25. Bleed It Out
26. Papercut
27. In the End
28. Faint






