Tracklist
01. Cretaceous Slaughter
02. Krocoslam the Deceiver
03. The Slamosasaurus Encounter
04. Mastication
05. Extinction Level Event
Besetzung
Kilian Langlois-Chatel – Gesang
Michael Lalancette – Gitarre, Elektronik
Mathieu Parent – Gitarre
Eric Cooper-Lefebvre – Schlagzeug
Yan Chatel – Bass, zweiter Gesang
Gastgesang
Mirmek Avitia (All Misery) – »Krocoslam the Deceiver«
Mix und Mastering
Mix: Florent Lambert / Hogtone Production
Mastering: Michael Lalancette
Extremer Metal der nichts für schwache Nerven ist, aus Kanada! BITTER nennen ihre Debüt-EP »Slamosaurus Rex« und machen bereits damit klar, dass hier niemand mit ehrfürchtiger Miene vor dem eigenen Bandlogo kniet. Dinosaurier, zerlegte Körper und tonnenschwere Breakdowns: Für diesen Ausflug braucht es offenbar weder einen Bildungsauftrag noch einen funktionierenden Überlebensinstinkt. Jurassic Park hätte mit diesen Viechern jedenfalls ein erhebliches Problem bei der Betriebshaftpflicht. Hinter dem herrlich bekloppten Titel steckt allerdings ein ziemlich zielgerichteter Angriff aus Slam, Beatdown und Deathcore.
FAMILIENAUSFLUG MIT FRESSGARANTIE
Gegründet wurde BITTER im Dezember 2024 von Vater und Sohn: Bassist Yan Chatel und Sänger Kilian Langlois-Chatel legten den Grundstein für die Band aus Québec. Als Einflüsse nennt das Quintett unter anderem Xenotheory, Kanine und The Acacia Strain. Damit ist die Richtung abgesteckt: tief gestimmte Gitarren, körperlicher Groove und ein Gesang, dessen freundliche Seite vermutlich ebenfalls Hausverbot bekommt.
Interessant ist dabei die Verbindung aus demonstrativer Härte und karikierender Übertreibung. Das prähistorische Personal liefert den passenden Rahmen für eine Musik, die Größe vor allem über Gewicht vermittelt. Die langsamen Passagen sollen drücken, die schnelleren Ausbrüche dazwischen zusätzliche Unruhe stiften. Melodische Verschnaufpausen gehören ausdrücklich nicht zum Angebot.
FÜNF SONGS, REICHLICH ZÄHNE
»Cretaceous Slaughter« eröffnet den gut fünfzehnminütigen Kurztrip mit einer unmittelbaren Attacke. Der Auftakt führt ohne lange Erklärung in die rohe Grundausrichtung der EP ein. »Krocoslam the Deceiver«, mit Gastgesang von Mirmek Avitia aus dem Umfeld von All Misery, stellt anschließend aggressive Gitarren und Schlagzeug gegen die tiefen gutturalen Stimmen. Mit gut vier Minuten ist das Stück zugleich der längste Brocken dieser Veröffentlichung.
»The Slamosasaurus Encounter« verdichtet das Konzept auf weniger als drei Minuten. Schon die alberne Namensgebung gehört zum Reiz: Diese Band möchte ihre Brutalität offenkundig mit einem Grinsen präsentieren. Der dazugehörige Videoclip verstärkt den grotesken Charakter. Als ästhetische Entscheidung ist das sympathisch, weil die überzeichnete Gewalt dadurch als absurder Monsterspaß erkennbar bleibt.
Den schlüssigsten Zusammenhang zwischen Thema und musikalischer Anlage bietet »Mastication«. Das langsamere, präzise Vorgehen passt zum genüsslich ausgebreiteten Fressszenario. Der auf Bandcamp veröffentlichte Text macht aus dem Zerkauen eine makabre Erzählperspektive: Körper werden auf ihre Zerlegbarkeit reduziert, während das Opfer um sein Leben bittet. Anspruchsvolle Paläontologie darf man dabei getrost vergessen. Hier läuft ein Splatterfilm mit Schuppen.
DIE GRENZEN DER GEWICHTSKLASSE
Das Konzept besitzt Wiedererkennungswert, musikalisch bleibt die Ausrichtung hingegen eng. Tiefe Riffs, vernichtende Breakdowns und monströse Stimmen sind im Slam- und Deathcore-Umfeld etablierte Mittel. Ein originelles Bestiarium allein macht daraus noch keine eigenständige musikalische Sprache. Wer starke melodische Konturen oder besonders weit auseinanderliegende Stimmungen sucht, dürfte deshalb kaum zur Zielgruppe gehören.
Die kurze Spielzeit ist unter diesen Voraussetzungen eine vernünftige Entscheidung. Fünf Stücke geben dem Einfall genügend Raum, ohne daraus gleich ein abendfüllendes Dinosaurierfranchise zu basteln. Mit »Extinction Level Event« erhält die Titelfolge außerdem einen treffenden Endpunkt: Nach Schlachten, Begegnungen und Nahrungsaufnahme steht das Aussterben. Selbst das größte Maul hat irgendwann Sendepause.
FAZIT:
»Slamosaurus Rex« verbindet konsequenten Slamming Beatdown Deathcore mit einem angenehm absurden Monsterkonzept. Die enge stilistische Ausrichtung begrenzt die Reichweite, passt aber zum kompakten EP-Format und zur ausdrücklich körperlichen Zielsetzung. Eine klare Empfehlung sei ausgesprochen, für einen bissigen Einstand, bei dem der Humor genauso willkommen ist wie der nächste schwere Einschlag.






