Band: NECROCENE 🇮🇹
Titel: Scumocracy
Label: Personal Records
VÖ: 18/09/26
Genre: Death Metal

Tracklist

01 (Threshold)
02 Ordinary Enemy
03 Tempestarii
04 Scale of Grey
05 Scumocracy
06 (Stillpoint)
07 Human Lithification
08 Concrete Petrichor
09 Weapons of the Damned
10 The Lust of Us

 

Besetzung

Ste – drums
Apo – vocals
Alex – guitar
Joy – guitar
Dan – bass

 

Bewertung:

3,5/5

Es gibt Death-Metal-Alben, die wollen technisch alles zerlegen, was ihnen vor die Füße kommt. Möglichst kompliziert, möglichst schnell und am besten noch mit einem Sound, der bis ins letzte Detail poliert wurde. NECROCENE interessieren sich für diesen Wettbewerb offenbar herzlich wenig. „Scumocracy“ klingt eher nach Keller, Beton und einer gehörigen Portion Frust. Genau das passt auch zur thematischen Ausrichtung der Band.

Ste an den Drums, Apo am Mikro, Alex und Joy an den Gitarren sowie Dan am Bass bilden das Gerüst hinter NECROCENE. Inhaltlich dreht sich „Scumocracy“ um eine ziemlich düstere Sicht auf die Gegenwart. Die Band greift geologische Begriffe auf und verbindet sie mit einer Kritik an den zerstörerischen Mechanismen des modernen Kapitalismus. Das klingt auf dem Papier schwergewichtig, wird musikalisch aber nicht mit übertriebenem Pathos ausgeschmückt. Stattdessen gibt es Death Metal, der bewusst sperrig, rau und unangenehm bleibt.

Kein Bock auf Hochglanz

Mit „(Threshold)“ beginnt das Album zunächst zurückhaltend. Die etwas mehr als eine Minute lange Einleitung baut Spannung auf, bevor „Ordinary Enemy“ das Gaspedal durchtritt. Hier zeigen NECROCENE ziemlich schnell, wo die Reise hingeht. Die Gitarren klingen rau und kantig, das Schlagzeug treibt ordentlich nach vorne und Apo kotzt seine Vocals förmlich aus den Boxen.

Dabei fällt auf, dass die Band nicht versucht, aus jedem Riff eine technische Lehrstunde zu machen. Das ist angenehm. Gerade im Death Metal ist die Versuchung groß, sich irgendwann nur noch gegenseitig mit Geschwindigkeit und Komplexität zu überbieten. NECROCENE bleiben stattdessen auf dem Boden und konzentrieren sich auf Druck und Atmosphäre.

„Tempestarii“ funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip. Der Song besitzt genügend Bewegung, ohne dabei hektisch zu werden. „Scale of Grey“ ist mit gut zwei Minuten deutlich kompakter und wirkt dadurch fast wie ein kurzer Schlag zwischen die Rippen. Danach folgt mit „Scumocracy“ der Titelsong und zugleich einer der interessantesten Momente des Albums.

Der Track bringt die musikalische und inhaltliche Ausrichtung ziemlich gut zusammen. Schwere Gitarren, ein dreckiger Grundton und ein Songaufbau, der nicht unbedingt nach dem großen technischen Feuerwerk schreit. Dafür bleibt das Stück hängen. Und genau das ist bei dieser Art von Death Metal mehr wert als zehn Gitarrenläufe pro Sekunde.

Schwerer Stoff, schwere Riffs

Nach dem kurzen Zwischenspiel „(Stillpoint)“ geht es mit „Human Lithification“ weiter. Der Song gehört zu den Stücken, bei denen NECROCENE ihre Vorliebe für zähe, schwere Strukturen besonders gut ausspielen. Der Titel passt dabei wie die Faust aufs Auge. Versteinerung wird hier nicht nur als geologischer Begriff verstanden, sondern bekommt eine gesellschaftliche Ebene.

Auch „Concrete Petrichor“ bleibt in diesem Fahrwasser. Der Track ist kein Hochgeschwindigkeitsgeschoss, sondern lebt von seinem Druck. Die Gitarren haben Gewicht, der Bass hält ordentlich dagegen und die Drums sorgen dafür, dass das Ganze nicht ins Stocken gerät.

Allerdings zeigt sich hier auch die Schwäche von „Scumocracy“. Der bewusste Verzicht auf technische Spielereien ist grundsätzlich eine gute Entscheidung, führt aber stellenweise dazu, dass sich bestimmte Passagen zu ähnlich anfühlen. Nicht jeder Song besitzt die nötige Eigenständigkeit, um sich dauerhaft festzusetzen. Die Band hat ihren Stil gefunden, nutzt dessen Möglichkeiten aber noch nicht immer vollständig aus.

Dreck statt Perfektion

Mit „Weapons of the Damned“ kommt noch einmal ordentlich Bewegung in die Geschichte. Der Song wirkt bissiger und direkter und gehört für mich zu den stärkeren Nummern des Albums. „The Lust of Us“ übernimmt anschließend den letzten Abschnitt und beendet die Platte nicht gerade mit einer Portion Sonnenschein.

Das ist auch gut so. Ein Album wie „Scumocracy“ braucht keine künstlich aufgehellte Schlussnummer. NECROCENE ziehen ihre düstere Linie bis zum Ende durch und bleiben damit ihrem Konzept treu.

Was letztlich hängen bleibt, ist weniger ein einzelnes Gitarrenriff als die Atmosphäre. „Scumocracy“ fühlt sich dreckig, schwer und stellenweise ziemlich unbequem an. Genau darin liegt seine Stärke. Die Band versucht nicht, Death Metal neu zu erfinden. Sie nimmt die Grundzutaten des Genres, lässt den Hochglanz weg und verbindet sie mit einer thematisch düsteren Perspektive.

Perfekt ist das Ergebnis nicht. Dafür fehlt es über die komplette Spielzeit etwas an Abwechslung und manchen Songs an dem entscheidenden Wiedererkennungswert. Trotzdem besitzt „Scumocracy“ genügend Charakter, um nicht einfach im großen Death-Metal-Einheitsbrei unterzugehen.

3,5 von 5 Punkten gehen daher an ein Album, das nicht unbedingt gefallen will. NECROCENE wollen Druck erzeugen, Dreck unter die Fingernägel bekommen und eine ziemlich finstere Sicht auf die Welt in Musik übersetzen. Das gelingt ihnen über weite Strecken ordentlich. Und manchmal braucht Death Metal eben keine technische Abrissbirne, sondern einfach nur ein verdammt schweres Riff.

Fazit: NECROCENE gelingt es mit „Scumocracy“, eine düstere, politisch aufgeladene Atmosphäre zu schaffen, die den Hörer tief in ihre nihilistische Welt eintauchen lässt.

Internet

NECROCENE - Scumocracy - CD Review

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Robert
Soldat unter dem Motto morituri te salutant sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.