Band: LIFESWALLOWER 🇬🇧
Titel: Lifeswallower
Label: Prog On! Recordings
VÖ: 01.09.2026
Format: EP / Digital
Genre: Progressive Death Metal / Extreme Metal / Groove Metal

Tracklist

01. Defy My World
02. The Trees Hide Their Bodies
03. Abandon The Body Of Rot
04. Compound Fears

Besetzung

James Moffatt – Leadgesang
Tom Humphrey – Gitarre, Gesang
Ben Ottridge – Bass, Gesang
Benedict Harris-Hayes – Schlagzeug, Gesang, Sounddesign

Aufnahme und Produktion
Schlagzeugaufnahmen: Joe Clayton / No Studio
Mix: Ben Ottridge und Benedict Harris-Hayes
Mastering: Benedict Harris-Hayes / Ethereal Tantrum Studios

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Progressiver Metal der alles Verschlingt? Könnt ihr haben! LIFESWALLOWER nehmen ihren Namen offenbar als Arbeitsauftrag und stopfen Death Metal, Thrash, Groove und reichlich rhythmische Widerhaken in ihre selbstbetitelte Debüt-EP. Vier Stücke, knapp 24 Minuten und eine Gesangsabteilung, die zwischen tiefem Gebrüll und bizarrer Klarstimme sämtliche Höflichkeitsregeln vergisst: Das britische Quartett hat hörbar wenig Interesse an einem unauffälligen Einstand. Wer bei Progressive Metal zuerst an gepflegte Virtuosität denkt, bekommt hier zunächst einmal die Tür ins Gesicht.

Albumstream:

VOM COVERN ZUM EIGENEN UNGEHEUER

Angefangen hat die Geschichte vergleichsweise harmlos. Vier erfahrene Musiker trafen sich an der englischen Südküste, um Death-Metal-Klassiker der Neunziger zu spielen. Aus der gemeinsamen Beschäftigung mit fremden Songs entstand bald der Wunsch nach eigenen. Das erklärt die Mischung aus vertrauter Härte und einem auffälligen Drang, deren Formen aufzubrechen. LIFESWALLOWER beherrschen das Vokabular, lassen es aber ungern in Ruhe.

»Defy My World« stellt diese Haltung sofort vor. Dissonante Gitarren, gutturaler Gesang und drängendes Schlagzeug bilden den Ausgangspunkt; Thrash-Schärfe und progressive Einschübe halten die Nummer beweglich. Klare Stimmen schaffen zwischendurch zusätzliche Kontraste, ohne den aggressiven Grundcharakter aufzuheben. Der Song wirkt dadurch weniger wie eine Abfolge sauber getrennter Stilübungen als wie ein fortgesetztes Aufbegehren gegen die eigene Ordnung.

STIMMEN MIT MEHREREN GESICHTERN

Die Gesangsarbeit ist das auffälligste Merkmal dieser EP. Neben den tiefen Attacken stehen schräge, teilweise hohe Klarstimmen und Ausbrüche, deren Überdrehtheit eine entfernte Verwandtschaft zu Devin Townsend bei Strapping Young Lad erkennen lässt. Dazu kommen Nu-Metal-Anklänge, die sich vor allem in der rhythmischen Artikulation und dem Wechsel der Ausdrucksformen bemerkbar machen. Das kann faszinieren, wird aber nicht jeden Freund geradlinigen Death Metals glücklich machen.

»The Trees Hide Their Bodies« verbindet federnden Groove mit dieser unruhigen Stimmenvielfalt. Bedrohliche Hintergrundklänge ergänzen die Gitarrenarbeit und geben der Härte eine räumliche Dimension. Der Text entwirft eine grausame Jagd, in der Menschen zu Beute werden und die Landschaft jede Hoffnung auf Rettung verliert. Die wechselnden Perspektiven von Verfolgung, Flucht und Macht passen zur nervösen musikalischen Anlage. Das Grauen entsteht dabei auch aus der Unberechenbarkeit: Die nächste Wendung verspricht keine Entlastung.

GROOVE MIT STOLPERDRAHT

»Abandon The Body Of Rot« bietet einen besonders griffigen Zugang. Der Einstieg besitzt einen handfesten Midtempo-Groove, bevor Bremsmanöver und erneuter Vorwärtsdrang die Bewegung verändern. Hier greifen Thrash-Elemente und die körperliche Direktheit der Riffs überzeugend ineinander. Die Band kann komplizierter werden, ohne dabei den Kontakt zum Nacken zu verlieren.

Textlich lässt sich das Stück als Darstellung einer schmerzhaften Entfremdung vom eigenen Körper und Denken lesen. Verfall, Gefangenschaft und der Wunsch nach Ablösung bestimmen die Bilder. Dazu passt ein Gesang, der unterschiedliche Zustände gegeneinanderstellt, statt eine einzige Emotion durchzuhalten. Gerade diese Verbindung verleiht dem technischen Anspruch einen nachvollziehbaren Ausdruck.

Mit »Compound Fears« rückt schließlich eine Hardcore-Färbung in den Vordergrund. Schwer heruntergebremste Passagen und kurze klare Gesangsmomente ergänzen die kantigen Rhythmen. Gitarre und Bass halten den Druck aufrecht, während die Komposition ihre Richtungswechsel weiter ausreizt. Als Abschluss bündelt das Stück die körperliche und die verspielte Seite der Band.

VIEL IDEE, NOCH NICHT ÜBERALL DIESELBE PRÄZISION

Die Spielfreude ist eine Stärke, ihre Dosierung bleibt die offene Baustelle. Manche Übergänge verlangen einen abrupten Perspektivwechsel; gelegentlich konkurrieren die auffälligen Gesangsgesten mit den Riffs um Aufmerksamkeit. Nicht jede Kombination der zahlreichen Einflüsse sitzt gleichermaßen selbstverständlich. Ein wenig mehr Zurückhaltung an einzelnen Stellen könnte die stärksten Motive deutlicher hervortreten lassen.

Trotzdem besitzt die EP einen erkennbaren Zusammenhalt. Die Wechsel betreffen Tempo, Rhythmus und Stimmung, während die aggressive Grundhaltung bestehen bleibt. Besonders erfreulich ist, dass die Musiker ihren Anspruch auch über Dynamik und Zusammenspiel vermitteln. Technische Fähigkeiten allein wären schnell abgehakt; hier entsteht aus ihnen eine eigensinnige musikalische Persönlichkeit.

FAZIT:

»Lifeswallower« ist ein bissiger Einstand zwischen Death-Metal-Wucht, beweglichem Groove und progressiver Unruhe. Die exzentrische Gesangsarbeit und einige ruppige Übergänge verlangen Offenheit, geben den vier Songs aber auch Charakter. Ein Debüt mit reichlich Substanz, dessen nächste Herausforderung darin liegt, die vielen guten Einfälle noch gezielter aufeinander abzustimmen.

LIFESWALLOWER – The Trees Hide Their Bodies

Internet

LIFESWALLOWER – Lifeswallower – EP Review

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