Band: DATHOMIRROR DOORS 🇺🇸
Titel: Abandon Love
Label: Independent
VÖ: 11.09.2026
Format: EP / Digital
Genre: Gothic Rock / Gothic Metal

Tracklist

01. Abandon Love
02. Burned Alive
03. Die Alone
04. Evil Spell
05. Suffer You Will

Besetzung

Joey Depp – Gesang
Ant Demico

Mix und Mastering: Joey Depp
Studio: Dathomirror Studios

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Die Versöhnung fällt heute aus. DATHOMIRROR DOORS haben auf »Abandon Love« andere Dinge zu erledigen: Misstrauen bekommt eine Stimme, die Wut einen Rhythmus und die ganze Angelegenheit ein bemerkenswert dichtes Klangbild. Das amerikanische Duo aus Joey Depp und Ant Demico verbindet Gothic Rock mit metallischer Härte und elektronischen Anteilen. Fünf Songs reichen ihm für eine EP, die ihre finstere Haltung musikalisch überzeugend ausformuliert. Ihr größter Trumpf ist das Zusammenspiel von Komposition und Sounddesign. Die Stücke besitzen Konturen, ihre Steigerungen einen Sinn, und der Goth steckt tief in ihrer musikalischen Substanz.

EP-Stream:

Hört hier »Abandon Love« von DATHOMIRROR DOORS.

SCHWARZ MIT TIEFENWIRKUNG

Waschechter Goth lässt sich hier am Umgang mit Spannung festmachen. Räumlich angelegte Gitarren, wiederkehrende Gesangslinien und elektronische Klanganteile schaffen eine Umgebung, in der die härteren Ausbrüche ihre Wirkung entfalten. Die metallische Seite gibt dieser Musik zusätzliche Schärfe. Gleichzeitig bleibt genügend atmosphärische Weite erhalten, um den Stücken eine eigene Stimmung zu geben. Diese Verbindung trägt die EP und macht ihren Reiz aus: Man kann sich auf das Klangbild einlassen und bekommt trotzdem handfesten Druck zu spüren.

Dabei kommt dem Duo zugute, dass es seine Mittel unterschiedlich gewichtet. Die fünf Titel teilen eine erkennbare Handschrift, übernehmen innerhalb der Veröffentlichung aber verschiedene Aufgaben. Ein Auftakt muss Aufmerksamkeit bündeln, eine zurückgenommene Passage Spannung bewahren, ein späterer Ausbruch etwas zuspitzen können. »Abandon Love« bekommt diese Entwicklung auf engem Raum gut hin. Das ist eine kompositorische Qualität, die bei einer kurzen EP schnell unterschätzt wird.

»ABANDON LOVE«: VERTRAUEN WAR GESTERN

Der Titeltrack eröffnet mit ausgreifenden Gitarren und einer unruhigen rhythmischen Grundlage. Schon diese Kombination besitzt einen wirkungsvollen inneren Gegensatz: Die Gitarren schaffen Weite, während der Rhythmus Unbehagen in die Bewegung bringt. Darüber formuliert der Gesang den Verlust von Vertrauen. Die emotionale Ansage erhält damit einen passenden musikalischen Untergrund. Eine gefestigte Entscheidung würde anders wirken; hier bleibt etwas gereizt und in Aufruhr.

Darin liegt die Stärke dieses Einstiegs. Der Titel behauptet einen klaren Schnitt, die Anlage des Songs hält die Anspannung aufrecht. Als Lesart ergibt sich das Bild eines Rückzugs, der noch Kraft kostet. Man muss daraus keine private Geschichte der Musiker ableiten. Für den Song genügt dieser Widerspruch vollkommen. Er gibt der direkten Formulierung eine zweite Ebene und der EP einen überzeugenden Ausgangspunkt.

»BURNED ALIVE«: DER HALL ARBEITET MIT

»Burned Alive« nimmt anschließend etwas Härte zurück. Wiederkehrende Gesangslinien und deutlicher Hall rücken stärker in den Vordergrund. Gerade hier verdient das Sounddesign ein dickes Lob. Der Nachhall verlängert den Ausdruck der Stimme und macht ihre Wiederholungen zum Teil der Atmosphäre. Die Wirkung ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Vortrag und klanglicher Umgebung. Beides gehört in diesem Stück eng zusammen.

Innerhalb der Reihenfolge ist diese Verschiebung wertvoll. Nach der deutlichen Eröffnung verändert sich der Zugriff, ohne dass die EP ihre Grundspannung verliert. Der Song zeigt, wie gut DATHOMIRROR DOORS mit einer weniger offensiven Form von Intensität umgehen können. Die düstere Stimmung braucht hier keinen zusätzlichen Härtegrad. Sie bekommt Zeit und Raum. Genau solche Passagen geben dem Goth-Charakter der Veröffentlichung Gewicht.

DATHOMIRROR DOORS – Burned Alive (Musikvideo)

»DIE ALONE«: JETZT WIRD DER TON SCHÄRFER

Mit »Die Alone« gewinnen Bass, rhythmischer Druck und ein aggressiverer Gesangszug an Bedeutung. Die EP richtet sich damit deutlicher nach vorne aus. Nach dem atmosphärischeren Vorgänger wirkt diese Verschärfung besonders schlüssig: Die bisher aufgebaute Spannung erhält einen offensiveren Ausdruck. Stimme und Rhythmik ziehen dabei in dieselbe Richtung. Das gibt dem Stück Nachdruck und hält die Entwicklung der Veröffentlichung in Bewegung.

Der Titel selbst lässt mehrere Perspektiven zu. Er kann eine Befürchtung benennen oder als böser Wunsch an ein Gegenüber gerichtet sein. Diese Offenheit passt zum gereizten Umfeld der EP. Für die musikalische Wirkung ist jedoch vor allem entscheidend, dass der schärfere Vortrag einen erkennbaren Platz im Gesamtverlauf hat. Die Härte kommt im richtigen Moment. Manchmal ist eine gute Reihenfolge bereits die halbe Miete.

»EVIL SPELL«: DER FLUCH HAT DRUCK

»Evil Spell« startet dröhnend und setzt im weiteren Verlauf besonders deutlich auf Härte. Hier zeigt die Veröffentlichung ihre metallische Seite am nachdrücklichsten. Der Einstieg bereitet den Ausbruch vor und gibt ihm einen Bezugspunkt. Das macht einen Unterschied: Eine Steigerung wirkt umso kräftiger, wenn zuvor eine Erwartung entstanden ist. Das Duo besitzt ein gutes Gespür für dieses Verhältnis.

Auch an dieser Stelle bleibt der Zusammenhang mit den übrigen Songs gewahrt. Die Gothic-Ausrichtung verträgt den zusätzlichen Druck ausgezeichnet. Die EP verfügt inzwischen über mehrere Intensitätsstufen, und »Evil Spell« nutzt die kräftigste davon. Für Hörer, die bei aller Atmosphäre auch einen beherzten Zugriff mögen, liegt hier einer der naheliegenden Anspieltipps. Der Song erfüllt diese Aufgabe ohne große Umwege.

»SUFFER YOU WILL«: EIN SAUBER GESETZTES SCHLUSSWORT

Zum Abschluss verbindet »Suffer You Will« gezielte rhythmische Akzente mit einer schneidenden Gesangsdarbietung. Der bissige Ausdruck profitiert von dieser präzisen Gewichtung. Die Nummer setzt einen bestimmten Schlusspunkt und bündelt damit noch einmal eine wesentliche Stärke des Duos: Die musikalischen Bestandteile sind auf eine gemeinsame Wirkung ausgerichtet. Der Gesang liefert die Schärfe, die Rhythmik verleiht ihr Nachdruck.

Bemerkenswert ist dabei die Konzentration. Nach den verschiedenen Abstufungen der vorherigen Stücke braucht die EP keine weitere stilistische Abzweigung. Ein entschiedenes Schlusswort passt zu ihrem kompakten Charakter. Mit 19 Minuten und 42 Sekunden besitzt »Abandon Love« zudem eine Länge, in der diese Konsequenz gut funktioniert. Die Veröffentlichung bringt ihre Ideen auf den Punkt und macht einen erneuten Durchgang leicht.

KLANGGESTALTUNG MIT VERSTAND

Joey Depp verantwortet Mix und Mastering in den Dathomirror Studios. Das fantastische Sounddesign gehört zu den Hauptargumenten für diese EP. Besonders überzeugend ist, wie unterschiedlich räumliche Wirkung, Hall und rhythmischer Nachdruck eingesetzt werden. Die Kompositionen profitieren davon, weil ihre jeweiligen Schwerpunkte klar hervortreten. Die klangliche Ausarbeitung trägt also zur Unterscheidbarkeit der Songs bei. Genau dafür lohnt sich der Aufwand im Studio.

Eine kleine Einschränkung bleibt bei der Bildsprache. Verletzung, Einsamkeit und Flüche sind im Gothic-Umfeld vertraute Motive; die Titel allein eröffnen noch kein besonders eigenwilliges Vokabular. Hier wäre künftig Platz für überraschendere Perspektiven. Die musikalische Gestaltung besitzt bereits deutlich mehr Profil. Aus der Konzentration auf eine dunkle Grundhaltung entsteht auf dieser EP jedenfalls eine überzeugende Geschlossenheit. Für einen längeren Nachfolger wäre interessant, welche weiteren Schattierungen das Duo daraus entwickeln kann.

FAZIT:

DATHOMIRROR DOORS liefern mit »Abandon Love« eine starke EP, deren Qualität im Zusammenspiel der einzelnen Elemente liegt. Der atmosphärische Zugriff von »Burned Alive«, die zunehmend härtere Gangart und das präzise Schlusswort »Suffer You Will« ergeben einen schlüssigen Verlauf. Dazu kommt eine Klanggestaltung, die den Songs Raum, Charakter und Nachdruck gibt. Das ist waschechter Goth mit überzeugend eingebundener Metal-Kante. Die vertraute Bildsprache lässt noch Entwicklungsmöglichkeiten offen; an kompositorischem Gespür und einem wirkungsvollen Sound mangelt es diesem Duo bereits jetzt keineswegs. Verdiente 4 von 5 Punkten für eine Veröffentlichung, die ihre schlechte Laune ausgesprochen gut in Form bringt.

Internet

DATHOMIRROR DOORS - Abandon Love - EP Review

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