Band: SKUGGOR 🇸🇪
Titel: The Expanse
Label: Nordvis Produktion
VÖ: 04.09.2026
Format: CD / Vinyl / Digital
Genre: Atmospheric Black Metal / Ambient Black Metal

Tracklist

01. The Expanse
02. The Fire
03. The Trance
04. Hem
05. The Storm
06. The Nothing

Besetzung

M. (Matthew Bell) – Instrumente, Gesang

Projekt
Skuggor ist das Soloprojekt des in Nordschweden lebenden australischen Multiinstrumentalisten M.

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Black Metal ist immer noch Krieg auch dann, wenn er Athmospherisch ist, aus Schweden und nicht aus Norwegen kommt mit…. SKUGGOR und »The Expanse«! Wobei dieser Feldzug eher gegen die eigene innere Ruhe geführt wird. Hinter dem Projekt steckt der in Nordschweden lebende Australier M., der seine Musik zwischen rauem Black Metal, entrückten Synthesizern und einer beträchtlichen Portion Einsamkeit ansiedelt. Sechs Stücke führen in eine Landschaft, deren Schönheit wenig mit Behaglichkeit zu tun hat. Wer hier eine gemütliche Waldwanderung erwartet, hat vermutlich auch beim Wetterbericht nur bis „frische Luft“ zugehört.

Albumstream:

DIE WEITE HAT KEINEN TROST PARAT

Den Ausgangspunkt bildete die Strecke zwischen Moskosel und Arvidsjaur, zwischen dem Wohnort des Musikers und dem Sitz von Nordvis. Wälder und weitgehend unberührte Landschaft werden zum Bezugspunkt einer Musik, die äußere Eindrücke in innere Zustände übersetzt. Der Albumtitel lässt sich entsprechend als räumliche und emotionale Weite lesen: viel Horizont, wenig Halt. Diese Verbindung macht das Naturmotiv interessanter als die nächste austauschbare Liebeserklärung an ein paar besonders fotogene Tannen.

Musikalisch arbeitet M. mit einem überschaubaren, wirkungsvollen Vokabular. Fuzzige Gitarren treffen auf organisch wirkende Synthesizer, Wiederholungen erhalten durch kleine Veränderungen Bewegung. Der Gesang ist dabei stärker Ausdruck eines Zustands als ein sauber ausformulierter Vortrag. Die raue Oberfläche verhindert, dass sich die atmosphärische Anlage in bloßer Beschaulichkeit verliert.

GEDULD ALS KOMPOSITORISCHES MITTEL

Bereits die Gewichtung der Spielzeiten ist aufschlussreich. Das eröffnende Titelstück »The Expanse« nimmt sich mehr als acht Minuten, die fünf folgenden Kompositionen bleiben jeweils ungefähr im Fünf-Minuten-Bereich. Das Album stellt seine Weite somit gleich an den Anfang, ohne anschließend jeden Gedanken auf dieselbe Länge auszudehnen. Insgesamt bleibt die Reise bei rund 35 Minuten – ein vernünftiges Maß für eine Musik, deren Wirkung wesentlich von Wiederholung abhängt.

Gerade diese Beschränkung passt zum Ansatz. Atmosphärischer Black Metal braucht nicht zwangsläufig immer neue Abschnitte, wohl aber einen Grund, bei einem Motiv zu verweilen. SKUGGOR setzt dafür auf Klangfarbe, Beharrlichkeit und die Reibung zwischen harschen und weicheren Elementen. Der Reiz liegt weniger im überraschenden Richtungswechsel als darin, wie lange eine Stimmung trägt. Das verlangt Aufmerksamkeit und eine gewisse Bereitschaft, das eigene Bedürfnis nach sofortiger Belohnung zurückzustellen.

VERTRAUTE SCHATTEN

Vollständig eigenständig ist diese Sprache allerdings nicht. Die Nähe zu Summoning und zur Dungeon-Synth-Ästhetik liegt ebenso auf der Hand wie die Verbindung zu Forlorn Citadel, einem weiteren Projekt desselben Musikers. Auf »The Expanse« fällt die Gewichtung etwas sanfter und stärker zugunsten der elektronischen Atmosphäre aus. Eine radikale Trennung der beiden musikalischen Identitäten ergibt sich daraus jedoch nicht.

Das ist der nachvollziehbarste Einwand gegen die Platte. Wer mehrere Arbeiten von M. kennt, bekommt vertraute Vorlieben unter einem anderen Namen wieder. Innerhalb dieses Rahmens funktioniert SKUGGOR überzeugend; außerhalb davon liefert das Album wenige Argumente, die grundsätzliche Skeptiker dieser Spielart umstimmen dürften. Seine Stärke liegt in der stimmigen Ausführung, nicht in einem unerhörten Einfall.

Die geringere Dominanz der Gitarren dürfte zudem jene Hörer bremsen, die mit der Black-Metal-Bezeichnung vor allem Angriffslust verbinden. Hier gehört das Zurücknehmen zum Konzept. Die Härte bildet einen Bestandteil der Atmosphäre, während die Synthesizer beträchtlichen Raum beanspruchen. Wer diese Gewichtung akzeptiert, findet einen konzentrierten Zugang zu einer vertrauten, aber weiterhin tragfähigen musikalischen Welt.

FAZIT:

»The Expanse« verbindet raue Black-Metal-Texturen und ausgedehnte Synthesizeratmosphäre zu einem schlüssigen, angenehm kompakt gehaltenen Album. Die Nähe zu Summoning und Forlorn Citadel begrenzt die Eigenständigkeit, schmälert aber nicht grundsätzlich die Qualität dieses Ansatzes. Eine Veröffentlichung, die Geduld verlangt und ihren Reiz aus der konsequenten Vertiefung ihrer Stimmung gewinnt.

SKUGGOR – The Storm

Internet

SKUGGOR – The Expanse – Album Review

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