Band: INVINCIA 🇫🇮
Titel: Echoes From the Past
Label: Escape Music
VÖ: 25/09/26
Genre: Melodic Heavy/Power Metal

Tracklist

01. Prelude
02. Unite
03. Tonight We Ride
04. Echoes from the Past
05. Darkness in Us All
06. Awakening
07. Call of the Wild
08. Edge of the Universe
09. Time Flies
10. Zeal
11. A Wayfarers Toast

 

Besetzung

Kenneth Nylund – Lead Vocals
Joel Karlsson – Guitar
Alexander Södergård – Guitar
Oskar Packalén – Bass
Mikael Ahlholm – Drums

 

Bewertung:

4,5/5

Finnland und Heavy Metal, das passt schon seit Jahrzehnten ziemlich gut zusammen. Mit INVINCIA steht nun eine weitere Band aus dem hohen Norden vor der Tür, die sich dem melodischen Heavy und Power Metal verschrieben hat. Nach der eigenständig veröffentlichten EP „The Enemy Within“ folgt mit „Echoes From the Past“ nun das erste komplette Album. Und eines wird schon nach den ersten Durchläufen klar, hier stehen keine Musiker im Proberaum, die einfach ein paar alte Metal-Platten nachbauen wollen. Die Einflüsse sind deutlich, aber INVINCIA haben daraus bereits etwas Eigenes geformt.

Klassischer Metal, aber nicht aus der Mottenkiste

„Prelude“ macht seinem Namen alle Ehre und hält sich mit knapp einer Minute angenehm zurück. Dann geht es mit „Unite“ richtig los. Klassische Gitarren, eine saubere Melodie und ein Refrain, der nicht erst nach fünf Durchläufen seine Wirkung entfaltet. Genau solche Momente ziehen sich durch das Album.

Bei „Tonight We Ride“ wird das Tempo etwas angezogen. Der Song lebt von seinen Gitarren und einem Refrain, der ziemlich selbstbewusst nach vorne geht. Hier hört man durchaus die großen Namen heraus, mit denen INVINCIA gerne in Verbindung gebracht werden. SAVATAGE und QUEENSRŸCHE lassen grüßen, auch HELLOWEEN, JUDAS PRIEST und DIO haben ihre Spuren hinterlassen.

Das Problem bei solchen Einflüssen ist normalerweise schnell erklärt: Man kann sich daran orientieren oder sich darin verlieren. INVINCIA schaffen meistens den Spagat. Sie bedienen sich bei der klassischen Heavy-Metal-Schule, ohne dabei wie eine Coverband ohne Coverversionen zu klingen.

Joel Karlsson und Alexander Södergård liefern sich an den Gitarren jedenfalls keinen stumpfen Riff-Wettbewerb. Die beiden setzen auf Melodien, Soli und ordentlich Druck, lassen den Songs aber trotzdem genügend Luft. Oskar Packalén hält am Bass den Laden zusammen, während Mikael Ahlholm hinter den Drums für das nötige Fundament sorgt.

Kenneth Nylund gibt den Ton an

Eine wichtige Rolle spielt natürlich Sänger Kenneth Nylund. Seine Stimme passt erstaunlich gut zu dieser Mischung aus Heavy Metal und Power Metal. Er versucht nicht, permanent den großen Metal-Gott herauszuhängen, sondern setzt seine Stimme dort ein, wo sie gebraucht wird.

Gerade bei „Echoes From the Past“ funktioniert das hervorragend. Der Titelsong gehört zu den Stücken, die ziemlich genau zeigen, worauf INVINCIA hinauswollen. Große Melodien, dramatische Momente und klassische Gitarrenarbeit, aber ohne komplett in Pathos zu ersaufen.

„Darkness in Us All“ bringt anschließend etwas mehr Schatten ins Spiel. Der Song wirkt schwerer und dunkler und verhindert damit, dass das Album zu einer durchgehend glattgebügelten Melodic-Metal-Veranstaltung wird.

Wenn die Vergangenheit nicht zur Fußfessel wird

Interessant wird „Echoes From the Past“ immer dann, wenn INVINCIA nicht einfach nur ihre Einflüsse abarbeiten. „Edge of the Universe“ ist mit über sechs Minuten einer dieser Momente. Der Song bekommt Raum, entwickelt sich und zeigt, dass die Band auch mit längeren Arrangements umgehen kann.

„Call of the Wild“ geht dagegen direkter zur Sache. Treibende Gitarren und eine eingängige Melodieführung machen den Song zu einer Nummer, die vermutlich auch auf einer Bühne funktionieren dürfte. „Time Flies“ schlägt danach wieder die melodischere Richtung ein, während „Zeal“ ordentlich Druck aufbaut.

Zwischendurch sorgt „Awakening“ für eine kurze Verschnaufpause. Solche kleinen Instrumentalstücke können schnell wie Füllmaterial wirken. Hier passt es allerdings, weil der Songfluss dadurch nicht unnötig zerhackt wird.

Kein Retro-Zirkus

Was mir an INVINCIA besonders gefällt, ist der Umgang mit den eigenen Vorbildern. Die Band versteckt ihre Einflüsse nicht. Warum auch? Wenn man mit SAVATAGE, QUEENSRŸCHE, HELLOWEEN, PRIEST oder DIO groß geworden ist, darf man das ruhig hören lassen.

Entscheidend ist, was man daraus macht. Und genau da sind INVINCIA schon ziemlich weit. „Echoes From the Past“ klingt nicht nach einer Band, die verzweifelt versucht, 1986 zurückzuholen. Das Album hat vielmehr diesen klassischen Metal-Geist im Gepäck und stellt ihn in einen zeitgemäßen Rahmen.

Zum Abschluss kommt mit „A Wayfarers Toast“ noch einmal eine melodische Nummer, die das Album stimmig beendet. Kein künstlich aufgeblasenes Finale, sondern ein sauberer Schlusspunkt.

„Echoes From the Past“ ist ein verdammt gelungenes Debüt. INVINCIA erfinden den Heavy Metal nicht neu, und ehrlich gesagt wäre das bei dieser musikalischen Ausrichtung auch ziemlich schwer. Dafür schreiben sie Songs, die funktionieren und nicht nach dem dritten Durchlauf wieder aus dem Kopf verschwinden.

Die Gitarren haben Biss, die Melodien sitzen und Kenneth Nylund liefert am Mikro eine starke Vorstellung ab. Ein paar Stellen könnten noch etwas kantiger und mutiger ausfallen, denn genau dort, wo INVINCIA ihre eigene Handschrift stärker in den Vordergrund stellen, wird das Album richtig interessant.

Für ein Debüt ist das eine verdammt souveräne Ansage. Wer klassischen Heavy und Power Metal liebt und sich von großen Melodien nicht abschrecken lässt, sollte INVINCIA definitiv einmal laufen lassen. Die Finnen haben ihre Hausaufgaben nicht nur gemacht. Sie haben offensichtlich auch verstanden, dass man irgendwann aufhören muss, die alten Platten anzuschauen, und selbst anfangen sollte, welche zu machen.

Fazit: INVINCIA beweisen mit „Echoes From the Past“, dass sie mehr sind als nur Nachahmer ihrer großen Vorbilder.

Internet

INVINCIA - Echoes From the Past - CD Review

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Robert
Soldat unter dem Motto morituri te salutant sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.