Band: AMON AMARTH 🇸🇪
Titel: The Allfather Awakens
Label: Metal Blade Records
VÖ: 02/10/26
Genre: Melodic Death Metal

Tracklist

01. Gjallarhorn
02. Eight Legs of Thunder
03. Kvasir’s Blood
04. We Rule the Waves
05. Upphaf
06. Die With a War Cry
07. Raven God
08. The Allfather Awakes
09. Oden’s Hunt
10. Ascending Like an Eagle

 

Besetzung

Johan Hegg – Vocals
Olavi Mikkonen – Guitar
Johan Söderberg – Guitar
Ted Lundström – Bass
Jocke Wallgren – Drums

 

Bewertung:

5/5

AMON AMARTH sind eine dieser Bands, bei denen man eigentlich ziemlich genau weiß, was einen erwartet. Fette Gitarren, nordische Mythologie, Schlachten, Wikinger, Johan Heggs unverwechselbares Gebrüll und Melodien, die sich irgendwann ganz frech im Hirn festsetzen. Das kann funktionieren. Es kann aber auch irgendwann nach Routine riechen. Nach dem dreizehnten Album wird die Luft für Überraschungen schließlich dünn. „The Allfather Awakens“ zeigt allerdings ziemlich deutlich, dass AMON AMARTH noch lange nicht vorhaben, sich auf den eigenen Lorbeeren auszuruhen.

Der erste Schlag sitzt

Schon „Gjallarhorn“ eröffnet das Album mit ordentlich Druck. Kein langes Vorgeplänkel, sondern Gitarren nach vorne und Heggs Stimme mitten hinein. Die Nummer besitzt diese typische AMON-AMARTH-DNA, klingt dabei aber nicht wie eine lieblos zusammengezimmerte Wiederholung früherer Alben. Die Melodien sitzen, das Tempo stimmt und vor allem haben die Gitarren wieder diese verdammte Fähigkeit, sofort im Kopf hängen zu bleiben.

Mit „Eight Legs of Thunder“ geht es direkt weiter. Ein Song über Schlacht und Kampf, wie sollte es bei AMON AMARTH auch anders sein? Trotzdem wirkt die Nummer nicht wie ein weiterer Pflichttermin im Wikingerprogramm. Das Riffing ist kräftig, die Melodieführung packend und Heggs Gesang bringt die nötige Portion Dreck hinein.

„Kvasir’s Blood“ schlägt anschließend etwas melodischere Töne an, ohne dabei an Härte einzubüßen. Genau hier zeigt sich eine der großen Stärken der Band. AMON AMARTH können Death Metal spielen, ohne ihre Songs mit sinnloser Brutalität zuzuschütten. Die Härte sitzt dort, wo sie hingehört, und die Melodien bekommen trotzdem genügend Platz.

Wenn die Wellen rollen

Bei „We Rule the Waves“ dürfte spätestens klar sein, dass AMON AMARTH wieder ein paar Nummern im Gepäck haben, die live richtig einschlagen werden. Das Stück besitzt diesen großen, hymnischen Charakter, der förmlich nach einer verschwitzten Halle, erhobenen Fäusten und einem Publikum verlangt, das jede einzelne Zeile mitgrölt.

Und dann passiert etwas, womit man bei dieser Band vielleicht nicht unbedingt gerechnet hätte. „Upphaf“.

Akustische Gitarren statt donnernder Riffs. Der Song basiert auf einer übersetzten Strophe aus der Völuspá und ist damit gleichzeitig die erste akustische Nummer der Band. Solche Ausflüge können schnell nach Fremdkörper klingen. Hier funktioniert es erstaunlich gut. „Upphaf“ nimmt Tempo aus dem Album und schafft einen kurzen Moment Ruhe, bevor AMON AMARTH wieder die Äxte auspacken. Das ist kein überflüssiger Zwischenstopp, sondern tatsächlich eine angenehme Abwechslung.

Zurück in die Schlacht

Mit „Die With a War Cry“ wird anschließend wieder auf Angriff geschaltet. Der Song ist kompakt, druckvoll und kommt ohne unnötige Umwege auf den Punkt. Danach folgen „Raven God“ und „The Allfather Awakes“, zwei Stücke, bei denen die charakteristischen Gitarrenharmonien der Schweden wieder voll zur Geltung kommen.

Olavi Mikkonen und Johan Söderberg liefern hier genau das ab, was man von zwei Gitarristen dieser Band erwartet. Keine Selbstverliebtheit, kein sinnloses Gefrickel. Die Riffs müssen funktionieren. Und sie tun es.

Auch die Rhythmusfraktion macht ihren Job ohne großes Aufheben. Ted Lundström sorgt am Bass für das Fundament, während Jocke Wallgren hinter den Drums ordentlich Druck macht. Darüber thront Johan Hegg, dessen Stimme inzwischen ohnehin so etwas wie das akustische Markenzeichen von AMON AMARTH geworden ist.

„Oden’s Hunt“ zieht das Niveau weiter durch und hält die Balance zwischen Härte und Melodie. Es ist genau diese Mischung, die verhindert, dass das Album irgendwann in einer gleichförmigen Masse versinkt.

Ein würdiger Rausschmeißer

Mit „Ascending Like an Eagle“ kommt nach über sechs Minuten schließlich der längste Song des Albums. Und das ist auch gut so. Der Song bekommt genügend Raum, um sich zu entwickeln, anstatt einfach nur noch schnell den letzten Haken auf der Tracklist zu setzen.

Überhaupt wirkt „The Allfather Awakens“ erstaunlich geschlossen. Die Songs stehen nicht einfach nebeneinander, sondern ergeben als Album ein rundes Gesamtbild. Dabei haben AMON AMARTH ihre Arbeitsweise diesmal bewusst verändert. Statt erst nach dem Ende einer Tour mit dem Schreiben zu beginnen, entstanden viele Ideen bereits unterwegs. Aufgenommen wurde in zwei Sessions bei Jacob Hansen in Dänemark. Die erste fand im Frühjahr 2025 statt, die letzten Aufnahmen wurden im März 2026 abgeschlossen.

Vielleicht hört man genau diese andere Herangehensweise dem Album an. Es wirkt nicht überproduziert oder totpoliert. Trotz der großen Produktion bleibt genügend Leben in den Songs.

Der Allvater ist zurück

Natürlich erfinden AMON AMARTH den Melodic Death Metal hier nicht neu. Das müssen sie auch nicht. Wer nach dreizehn Alben plötzlich erwartet, dass Johan Hegg Jazz singt und Olavi Mikkonen Flamenco-Gitarre spielt, ist vermutlich ohnehin auf der falschen Baustelle. Was zählt, ist die Qualität der Songs. Und die stimmt.

„The Allfather Awakens“ besitzt mächtige Riffs, starke Melodien, Druck und Atmosphäre. Dazu kommt mit „Upphaf“ ein kleiner Ausbruch aus dem gewohnten Fahrwasser, der dem Album verdammt gut tut. Vor allem aber klingt die Platte nach einer Band, die immer noch Bock auf ihre eigene Musik hat. Und genau das hört man.

AMON AMARTH liefern hier kein nostalgisches „Schaut her, wir können es noch“. Sie stehen mitten im eigenen Sound und holen daraus noch einmal ordentlich Feuer heraus. Die Platte dürfte sowohl alte Anhänger als auch jene bedienen, die einfach auf gut gemachten, melodischen Death Metal stehen. Für mich ist „The Allfather Awakens“ damit eines dieser Alben, bei denen man nach dem letzten Song nicht sofort zum nächsten Release weiterklickt. Man drückt einfach wieder auf Start.

Fazit: „The Allfather Awakens“ von AMON AMARTH ist ein geschlossenes, kraftvolles Werk, das den Platz der Band im Genre mit Nachdruck behauptet.

Internet

AMON AMARTH - The Allfather Awakens - CD Review

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Robert
Soldat unter dem Motto morituri te salutant sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.