Tracklist
01. 360° of Destruction
02. Alcoholocaust
03. Research Chemicals
04. Demolate
05. Karen
06. Get in the Coffin
07. King of Fallout
08. I Fuck for Bee
Besetzung
Tim Scott – Vocals & Bass
Jimi Mästerbo – Guitar
Markus Grundström – Guitar
Richard Fredriksson – Drums
Manche Alben wollen unbedingt Eindruck schinden. Große Ansagen, dicke Produktion, möglichst komplizierte Songstrukturen und am besten noch ein Konzept, das man erst nach dreimaligem Lesen versteht. METHANE haben auf solchen Firlefanz offenbar keinen Bock. „Demolate“ kommt aus der anderen Ecke. Hier zählen Riffs, Druck und eine gesunde Portion musikalische Rücksichtslosigkeit.
Die 2012 gegründeten Schweden haben sich ihren Ruf vor allem auf der Bühne erarbeitet. Und das merkt man dieser Platte ziemlich schnell an. Sänger und Bassist Tim Scott, Gitarrist Jimi Mästerbo, Gitarrist Markus Grundström und Drummer Richard Fredriksson klingen nicht wie eine Band, die ihre Songs nur im Proberaum zusammengedengelt hat. Da steckt ordentlich Bühnenschweiß drin.
Scott bringt zudem Vergangenheit mit. Er war bei der Kult-Death-Metal-Band REVENANT aktiv und stand dort unter anderem mit John McEntee von INCANTATION in Verbindung. METHANE selbst haben inzwischen reichlich Bühnen in Europa und den USA gesehen. WHIPLASH, WARBRINGER, NERVOSA und MASSACRE waren unter anderem schon als Tour- oder Konzertpartner dabei. Dazu kommen Festivalauftritte. Das hier ist also keine Wohnzimmerkapelle, die gerade entdeckt hat, dass Thrash Metal schnelle Gitarren braucht.
„360° of Destruction“ eröffnet die Platte genau so, wie man es bei diesem Titel erwartet: mit Vollgas und ohne Sicherheitsgurt. Die Gitarren sägen, die Drums treten nach und Scott rotzt seine Vocals mitten ins Getümmel. Thrash ist die Grundlage, aber METHANE würzen das Ganze mit Hardcore-Punk und Groove. Dadurch bekommt der Song ordentlich Bewegung und klingt nicht wie der nächste austauschbare Old-School-Thrash-Abklatsch.
„Alcoholocaust“ ist dann endgültig die Sorte Song, bei der man sich fragt, warum eigentlich noch jemand stillsitzen sollte. Der Titel ist herrlich daneben, die Musik passend dazu dreckig und druckvoll. Kein Stück für die gepflegte Weinverkostung, eher für Bier, Schweiß und einen Boden, der nach dem Konzert besser nicht näher untersucht wird.
Bei „Research Chemicals“ wird die Thrash-Schlagseite noch deutlicher. Die Riffs haben Biss und die Rhythmusfraktion hält den Laden ordentlich zusammen. METHANE greifen dabei auf bekannte Zutaten zurück, aber sie servieren sie mit genug Dreck, dass es nicht nach musikalischer Wiederaufwärmübung schmeckt.
Der Titelsong „Demolate“ gehört für mich zu den stärkeren Nummern der Scheibe. Hier funktioniert die Mischung aus Aggression und Groove besonders gut. Die Gitarren haben diesen leicht räudigen Charakter, der bei vielen modernen Produktionen leider gerne weggeputzt wird. METHANE lassen ihre Songs atmen und vor allem krachen.
„Karen“ sorgt anschließend für einen kleinen Arschtritt mit Augenzwinkern. Überhaupt merkt man, dass die Band trotz aller Härte nicht ständig mit finsterer Miene durch die Gegend laufen will. „Get in the Coffin“ bleibt dagegen wieder voll auf Angriff und „King of Fallout“ schiebt mit ordentlich Druck hinterher.
Und dann wäre da noch „I Fuck for Bee“. Allein der Titel dürfte bei manchen schon für hochgezogene Augenbrauen sorgen. Musikalisch bleibt die Band ihrer Linie treu, während man sich gleichzeitig fragt, welche Geschichte wohl dahintersteckt. Vielleicht will man es auch gar nicht wissen. Manchmal ist ein bekloppter Songtitel einfach ein bekloppter Songtitel.
Was „Demolate“ sympathisch macht, ist die fehlende Hochglanz-Attitüde. Die Produktion ist fett genug, damit nichts untergeht, aber sie nimmt dem Material nicht seine Kanten. Genau das braucht diese Musik. METHANE leben von Energie und nicht davon, jeden einzelnen Ton auf Hochglanz zu polieren.
Natürlich haben die Schweden das Rad nicht neu erfunden. Wer hier nach musikalischer Revolution sucht, wird ziemlich schnell wieder nach Hause gehen. Die Einflüsse sind deutlich zu hören und manche Ideen kennt man aus Thrash, Hardcore und Groove Metal bereits zur Genüge. Aber darum geht es METHANE vermutlich auch gar nicht. „Demolate“ soll nicht analysiert werden wie eine Doktorarbeit. Das Ding soll knallen.
Und das tut es. Nicht jeder Song schlägt gleich hart ein, aber die Platte besitzt genug Druck, Charakter und Dreck, um über weite Strecken bei der Stange zu halten. Vor allem gefällt mir, dass METHANE ihre Musik nicht unnötig aufblasen. Riff, Groove, Tempo, Fresse polieren. Fertig.
Wer seinen Thrash gerne etwas räudiger, grooviger und mit einer ordentlichen Portion Hardcore-Punk im Tank hört, sollte METHANE auf dem Zettel haben. „Demolate“ ist kein Hochglanzalbum und will verdammt noch mal auch keines sein. Es ist laut, direkt, teilweise herrlich bekloppt und genau deshalb ziemlich sympathisch.
Fazit: „Demolate“ von METHANE ist damit eine überzeugende Ansage aus der New-Wave-of-Old-School-Thrash-Metal-Ecke.






