Tracklist
01. What’s Wrong, What’s Right
02. Tally Ho
03. Whiskey, Tequila, Vodka & Beer
04. Roll On
05. Spinning Goblin
06. Turn It Around
07. Take A Stand
08. The Battle Of Sturning Bridge
09. The Courier
10. Free Soul
11. Johnny Jump Up
12. Goblins March
Besetzung
Jam Hakimi – Guitars & Vocals
Ania Cieslar – Violins
Tom Erni – Bass
Mario Steinacher – Drums
Manchmal braucht es keine komplizierte Formel, um ein gutes Album auf die Beine zu stellen. Eine Gitarre, eine Geige, ein paar ordentliche Rhythmen und Songs, bei denen man nach dem zweiten Bier automatisch mitwippt. Genau in dieser Ecke treiben sich THE GREEN GOBLINS herum. Die Schweizer Band verbindet Irish Folk mit Rock, einer kräftigen Portion Lebensfreude und dem eigenen Etikett „Celtic Folk’n’Roll“. Klingt erstmal nach feuchtfröhlichem Pub-Abend. Ist es auch. Aber eben nicht ausschließlich.
Angefangen hat die Geschichte 2017 als Straßenmusikprojekt im Grenzgebiet zwischen Schweiz, Deutschland und Frankreich. Gitarre, Geige und Dudelsack waren damals das Grundgerüst. Die Straße wurde irgendwann gegen Bühnen, Pubs, Festivals und Mittelaltermärkte getauscht. Aus der kleinen Truppe wurde eine eingespielte Liveband, deren Musik offensichtlich nicht dafür gedacht ist, still in einer Ecke konsumiert zu werden.
Heute stehen Jam Hakimi an Gitarre und Mikrofon, Ania Cieslar an der Violine, Tom Erni am Bass und Mario Steinacher am Schlagzeug. Und diese Besetzung funktioniert ziemlich gut, weil die Geige hier nicht einfach irgendwo im Hintergrund folkloristische Schleifen dreht. Sie ist ein wichtiger Teil des Sounds.
Folk mit ordentlich Druck
„What’s Wrong, What’s Right“ eröffnet das Album und gibt ziemlich schnell die Richtung vor. Melodisch, locker und mit genügend Schub aus dem Rhythmusbereich. Kein langes Vorgeplänkel, keine künstliche Dramaturgie. Die Goblins wollen loslegen und tun das auch.
Mit „Tally Ho“ wird die Sache noch eine Spur ausgelassener. Der Song hat diesen typischen Folk-Rock-Charakter, bei dem man sich problemlos eine kleine Bühne, ein verschwitztes Publikum und ein paar ziemlich volle Bierbecher vorstellen kann. Genau dort scheint die Band ohnehin ihre natürliche Umgebung zu haben.
Dann kommt „Whiskey, Tequila, Vodka & Beer“. Wer bei diesem Titel eine tiefgründige Abhandlung über die menschliche Existenz erwartet, dürfte enttäuscht sein. Der Song nimmt sich selbst nicht sonderlich ernst und genau deshalb funktioniert er. Party-Folk ohne großes Getue. Man muss nicht jeden Song analysieren. Manche Nummern sind einfach dafür da, dass der Laden läuft.
„Roll On“ und „Spinning Goblin“ halten das Niveau und zeigen gleichzeitig, dass THE GREEN GOBLINS nicht ausschließlich auf den nächsten Mitgröhl-Refrain setzen. Gerade die Kombination aus Violine, Gitarre und einer ordentlich arbeitenden Rhythmusgruppe verleiht den Songs einen eigenen Wiedererkennungswert.
Wenn die Geige das Kommando übernimmt
Interessant wird es immer dann, wenn die folkloristischen Elemente etwas stärker in den Vordergrund rücken. „Turn It Around“ besitzt mehr Bewegung, während „Take A Stand“ deutlich hymnischer daherkommt. Hier merkt man, dass die Band über die Jahre ihren eigenen Sound gefunden hat.
„The Battle Of Sturning Bridge“ fällt anschließend etwas aus dem üblichen Partyrahmen. Der Titel klingt schon nach Lagerfeuer, alten Geschichten und einer Schlacht, die wahrscheinlich bei entsprechendem Bierkonsum immer größer wird. Musikalisch bekommt das Ganze einen etwas epischeren Anstrich, ohne dass THE GREEN GOBLINS gleich versuchen, plötzlich eine Folk-Metal-Band zu werden.
Das ist überhaupt eine der angenehmen Eigenschaften des Albums. Die Band weiß offenbar ziemlich genau, wo ihre Stärken liegen. Sie muss nicht mit aller Gewalt härter, schneller oder bombastischer werden. Die Mischung aus Folk und Rock reicht völlig aus.
„The Courier“ bringt danach wieder mehr Tempo ins Spiel, bevor „Free Soul“ etwas entspannter wirkt. Hier zeigt sich eine weitere Seite der Band. Neben der ganzen Feierlaune gibt es auch Momente, in denen die Melodien einfach für sich funktionieren.
Das Bier steht schon auf dem Tisch
„Johnny Jump Up“ ist dann wieder ganz klar die Nummer für den geselligen Teil des Abends. Folk-Tradition trifft auf Rock-Attitüde und die Nummer schreit förmlich nach Publikum. Wer THE GREEN GOBLINS bereits live erlebt hat, dürfte ziemlich genau wissen, was hier auf der Bühne passieren kann.
Mit „Goblins March“ verabschiedet sich das Album passend. Noch einmal wird die folkloristische Seite betont und der Kreis zum Bandnamen geschlossen. Kein großes Pathos, sondern ein sympathischer Abgang.
Was „The Green Goblins“ letztlich auszeichnet, ist die Ehrlichkeit der Sache. Die Band versucht nicht, aus ihrem Celtic Folk’n’Roll eine hochkomplizierte Kunstform zu machen. Die Songs sollen funktionieren. Sie sollen Spaß machen, hängen bleiben und live genauso gut funktionieren wie auf Platte. Das gelingt über weite Strecken ziemlich überzeugend.
Natürlich ist das musikalische Grundrezept nicht neu. Irish Folk und Rock wurden schon unzählige Male miteinander verheiratet. Auch THE GREEN GOBLINS erfinden dieses Rad nicht neu. Dafür bringen sie genügend eigene Energie und vor allem eine hörbare Freude am gemeinsamen Musizieren mit.
„The Green Goblins“ ist kein Album für den stillen Abend bei Kerzenschein. Dafür gibt es andere Bands. Diese vier Herrschaften wollen eher, dass sich die Tür zum Pub öffnet, die ersten Gläser auf den Tisch kommen und irgendwann niemand mehr ganz genau weiß, wer eigentlich angefangen hat zu tanzen.
Die Mischung aus Geige, Gitarre, Bass und Schlagzeug funktioniert, die Songs bleiben zugänglich und die Band verliert trotz aller Partystimmung nie ihren musikalischen Faden. Besonders die folkloristischen Elemente geben dem Album seinen eigenen Charakter.
Kein revolutionärer Neubeginn im Celtic Folk, aber ein verdammt sympathisches Album mit ordentlich Spielfreude und genau der richtigen Portion Rock im Hintern.
Fazit: „The Green Goblins“ ist ein lebendiges Album zwischen irischer Tradition und Rock’n’Roll, getragen von einer markanten Geige und einer Band, die ihren eigenen Stil gefunden hat.






