Tracklist
01. Creature Of The Night
02. Flying Too High
03. Quit You
04. Do You Think About Me?
05. (Doomed To A) Life Of Misery
06. Heart Of Stone
07. Crystal Eyes
08. Playing With Fire
09. Loser
10. A Little Too Late
Besetzung
Ann-Sofie Hoyles – Vocals
Oskar Brindmark – Drums
John Hoyles – Guitar
Rickard Hellgren – Guitar
Alex Mayr – Bass
SPIDERS aus Göteborg gehören zu den Bands, die sich schon lange nicht mehr erklären müssen. Seit 2012 mischt das schwedische Quintett klassischen Hard Rock mit Garage, Punk und einer Prise New Wave und hat daraus über die Jahre einen ziemlich eigenen Sound gebastelt. Mit „Crystal Eyes“ steht nun das nächste Kapitel auf dem Tisch. Zehn Songs, die ordentlich nach Rock’n’Roll riechen, dabei aber nicht auf die immer gleichen Retro-Floskeln setzen.
Ann-Sofie Hoyles, Oskar Brindmark, John Hoyles, Rickard Hellgren und Alex Mayr machen auf ihrem neuen Album genau das, was sie am besten können: gute Songs schreiben, Druck erzeugen und dabei immer ein bisschen Dreck unter der Oberfläche lassen. Produziert wurde die Platte von Kalle Gustafsson Jerneholm und György Barocsai und in der Svenska Grammofonstudion in Göteborg aufgenommen. Der Sound passt dabei ziemlich gut zur Band. Druckvoll, klar, aber nicht steril.
Rock’n’Roll ohne Hochglanzlack
Schon der Opener „Creature Of The Night“ kommt mit ordentlich Schub aus den Boxen. Die Gitarren knirschen, das Schlagzeug treibt nach vorne und Ann-Sofie Hoyles setzt mit ihrer unverwechselbaren Stimme gleich einmal die Richtung fest. Das ist kein Rock für die gepflegte Hintergrundbeschallung. Hier darf es ruhig ein wenig dreckiger werden.
„Flying Too High“ bleibt auf dieser Spur, legt aber mehr Wert auf Melodie. Der Refrain sitzt schnell im Kopf und zeigt, dass SPIDERS durchaus wissen, wie man einen Song eingängig macht, ohne ihn bis zum letzten Tropfen glattzupolieren.
Bei „Quit You“ kommt dann eine ordentliche Punk-Kante dazu. Kurzer, knackiger und mit dieser leicht rotzigen Attitüde, die der Band ausgesprochen gut steht. SPIDERS müssen dabei keine musikalischen Verrenkungen machen. Die Songs funktionieren gerade deshalb, weil sie auf den Punkt kommen.
„Do You Think About Me?“ nimmt etwas Tempo heraus und zeigt eine melodischere Seite. Danach wird mit „(Doomed To A) Life Of Misery“ wieder ordentlich nachgetreten. Gerade hier funktioniert die Mischung aus Garage und klassischem Hard Rock richtig gut. Man hört die Einflüsse, aber SPIDERS klingen nicht wie eine Band, die verzweifelt versucht, irgendeine vergangene Epoche nachzuspielen.
Zwischen Nostalgie und eigenem Charakter
Das ist vielleicht eine der größten Stärken von „Crystal Eyes“. Natürlich steckt jede Menge Vergangenheit in diesen Songs. Klassischer Rock, Garage, Punk und New Wave sind deutlich hörbar. Aber SPIDERS spielen diese Einflüsse nicht einfach nach. Sie nehmen sich, was sie brauchen, werfen es in den eigenen Mixer und lassen daraus ihre Version von Rock entstehen.
„Heart Of Stone“ gehört für mich zu den Nummern, bei denen das besonders gut funktioniert. Die Gitarren haben ordentlich Biss und gleichzeitig genug Melodie, damit der Song nicht einfach nur durch die Lautsprecher brettert. „Crystal Eyes“, der Titelsong, setzt dagegen stärker auf Atmosphäre und bleibt trotzdem fest im Rock verankert.
Mit „Playing With Fire“ wird wieder etwas mehr Gas gegeben. Das Ding schreit eigentlich danach, live gespielt zu werden. Gerade solche Songs dürften auf einer Bühne noch einmal deutlich mehr Dreck und Energie entwickeln.
„Loser“ kommt ebenfalls schön direkt daher und verzichtet dankenswerterweise auf unnötigen Ballast. Hier zählt der Song, nicht irgendwelches technisches Schaulaufen. Zum Abschluss folgt „A Little Too Late“, dass die Platte noch einmal ordentlich auslaufen lässt, ohne künstlich ein großes Finale erzwingen zu wollen.
„Crystal Eyes“ ist keine Platte, die den Hard Rock revolutionieren möchte. Und ehrlich gesagt braucht sie das auch nicht. SPIDERS haben längst ihren eigenen kleinen Spielplatz gefunden und wissen ziemlich genau, was dort funktioniert.
Besonders angenehm ist, dass die Band ihre Retro-Einflüsse nicht mit der Brechstange präsentiert. Hier wird nicht ständig mit dem Finger auf die eigene Plattensammlung gezeigt. Die Songs stehen im Vordergrund. Mal dreckiger, mal melodischer, mal mit Punk-Schlagseite, dann wieder deutlich näher am klassischen Hard Rock.
Ann-Sofie Hoyles gibt dem Ganzen mit ihrer Stimme ordentlich Persönlichkeit, während die Gitarren immer wieder für die nötige Kante sorgen. Dazu kommt eine Rhythmusgruppe, die nicht im Vordergrund stehen muss, um den Songs den richtigen Tritt in den Hintern zu verpassen.
„Crystal Eyes“ ist damit ein Album geworden, das ziemlich genau weiß, was es sein will. Rock’n’Roll mit Garage-Dreck, klassischen Wurzeln und genügend eigener Identität, damit es nicht wie eine weitere Retro-Veranstaltung klingt.
Keine Hochglanzplatte für das Wohnzimmer. Eher etwas für den Moment, in dem der Verstärker lauter gedreht wird und man sich denkt: Genau dafür wurde Rock’n’Roll schließlich erfunden.
Fazit: „Crystal Eyes“ festigt den Ruf von SPIDERS als eine der spannendsten Bands im Bereich des modernen Rock.






