Tracklist
01. Mer Ström Åt Folket
02. Guld & Prima
03. Fröken Raket
04. Det Säger Boom!
05. En Gång Är Ingen Gång
06. Rocken Lever
07. Mamma Sa
08. Din Tid Kommer
09. Salut
10. Det Är Okej
Besetzung
Zdravko Zizmond – Vocals
Calle Sjöqvist – Guitar
Johan Siljedahl – Guitar
Adam Butler – Bass
Tomas Salonen – Drums
STRÖM kommen aus Småland und haben offenbar noch immer keinen Bock darauf, den Rock ’n‘ Roll zu Grabe zu tragen. Gut so. Mit „Mer Ström Åt Folket“ steht bereits das dritte Studioalbum der Schweden in den Startlöchern und der Titel ist eigentlich Programm genug. Mehr Strom fürs Volk. Mehr Gitarren. Mehr Rock. Weniger Gelaber.
Zdravko Zizmond am Mikro, Calle Sjöqvist und Johan Siljedahl an den sechs Saiten, Adam Butler am Bass und Tomas Salonen hinter der Schießbude gehen die Sache ziemlich geradlinig an. Hier wird nicht versucht, den Rock neu zu erfinden. Hier wird einfach aufgedreht und losgelegt. Und manchmal ist genau das verdammt angenehm.
Gleich einmal den Verstärker aufdrehen
Der Titelsong „Mer Ström Åt Folket“ macht gleich klar, wo der Hammer hängt. Gitarren nach vorne, ordentlich Druck auf dem Kessel und ein Gesang, der sich nicht anbiedert. STRÖM brauchen keine fünf Minuten, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Der Stecker sitzt und die Kiste läuft.
Mit „Guld & Prima“ bleibt die Band auf Kurs, bevor „Fröken Raket“ einen der ersten richtigen Arschtritte verteilt. Das Ding rockt dreckig aus den Boxen und besitzt genau diese unkomplizierte Energie, wegen der man sich überhaupt noch eine Rockscheibe auflegt.
„Det Säger Boom!“ macht anschließend seinem Namen alle Ehre. Große Überraschungen? Fehlanzeige. Dafür ordentlich Schub und ein Refrain, der ziemlich schnell zwischen den Ohren kleben bleibt. STRÖM wissen offensichtlich genau, was sie wollen, und haben keinen Grund, sich dafür zu entschuldigen.
Kein Rock im Designeranzug
Was mir an dieser Platte gefällt, ist ihre Bodenständigkeit. STRÖM stehen nicht mit dem Bügeleisen hinter dem Mikrofon und versuchen, jede Falte aus ihrer Musik zu entfernen. Die Gitarren dürfen nach Gitarre klingen und die Songs dürfen einfach Songs sein.
„En Gång Är Ingen Gång“ nimmt etwas Tempo raus und bringt mehr Melodie ins Spiel. Danach wird mit „Rocken Lever“ praktisch die Flagge in den Boden gerammt. Der Titel könnte kaum eindeutiger sein und trotzdem funktioniert der Song.
Das ist kein verkopftes Statement. Das ist eine Band, die offensichtlich Spaß an ihrer eigenen Musik hat. Und genau diese Spielfreude kommt rüber.
Wo der Saft langsam etwas nachlässt
Ganz ohne Kratzer kommt „Mer Ström Åt Folket“ allerdings nicht davon. Nach den stärkeren ersten Nummern macht sich irgendwann ein gewisser Gewöhnungseffekt breit. Das Grundrezept funktioniert, wird aber über zehn Songs hinweg doch recht häufig serviert.
„Mamma Sa“, „Din Tid Kommer“ und „Salut“ sind solide Rocknummern, reißen mich persönlich aber nicht mehr ganz so vom Hocker. Hier fehlt mir stellenweise einfach dieser kleine dreckige Haken, der einen Song wirklich festbeißt.
Das Problem ist nicht, dass STRÖM plötzlich schlechte Musik machen. Ganz im Gegenteil. Die Qualität bleibt ordentlich. Nur die Überraschungen gehen etwas aus. Ein paar Ecken mehr hätten der Platte definitiv nicht geschadet.
Der Rock ist noch lange nicht tot
Zum Abschluss kommt „Det Är Okej“, und irgendwie passt das verdammt gut. Denn ja, es ist okay. Mehr noch: „Mer Ström Åt Folket“ ist ein ordentliches Rockalbum mit genug Energie, Charakter und Ohrwürmern, um nicht nach dem ersten Durchlauf im CD-Regal Staub anzusetzen.
STRÖM wollen keine Revolution starten. Sie wollen Rock spielen. Laut, direkt und mit einem gewissen schwedischen Dickschädel. Das gelingt ihnen über weite Strecken ziemlich gut.
Für die ganz große Wertung fehlt mir allerdings etwas. Mehr Mut, mehr Dreck, vielleicht einmal ein Song, der völlig aus dem Rahmen fällt und einem die Rübe abschraubt. Das Material ist gut, aber nicht durchgehend stark genug, um sich dauerhaft im oberen Regal festzubeißen.
Trotzdem ist „Mer Ström Åt Folket“ eine sympathische Angelegenheit. Keine Plastikrock-Nummer, kein glattgebügeltes Produkt und schon gar kein Album, das sich für seine Wurzeln schämt. STRÖM haben Bock auf Rock und lassen das auch hören. Nicht jeder Funke wird hier zum Großbrand. Aber verdammt noch mal, der Stecker steckt noch immer in der Dose.
Fazit: „Mer Ström Åt Folket“ ist damit ein solides, mitreißendes Statement einer Band, die ihre eigene Formel kennt und sie mit spürbarer Lust weiterführt.






