Band: ZORNHEYM 🇸🇪
Titel: Descending Into Madness
Label: Noble Demon
VÖ: 02/10/26
Genre: Symphonic/Melodic Black/Death Metal

Tracklist

01. Prologue: From the Depths of Sêlasee
02. Deus Rex
03. Somewhere Far Beyond
04. Deep Below
05. Anneliese
06. Alone in the Dark
07. Gallow’s Oak
08. The Funeral March
09. Descending
10. Come Sweet Death
11. The Foreboding (CD Bonus Track)
12. None For All (CD Bonus Track)

 

Besetzung

Zorn – Lead guitar
Bendler – Vocals
Scucca – Guitar & backing vocals
Qual – Drums

 

Bewertung:

5/5

Zurück in die Anstalt

Manche Bands schreiben Alben. Andere bauen sich gleich ihre eigene kleine Welt dazu. ZORNHEYM gehören eindeutig zur zweiten Sorte. Seit dem ersten Album dreht sich bei den Schweden alles um das mysteriöse Irrenhaus Zornheim, seine Bewohner, die behandelnden Ärzte und die Frage, wo hier eigentlich der Wahnsinn beginnt und wo er endet. Ganz ehrlich: Viel normaler wird es nicht.

Mit „Descending Into Madness“ geht es diesmal zurück in der Zeit. Das dritte Full-Length-Album erzählt die Vorgeschichte rund um Zornheim und führt damit noch tiefer in das Universum, das Mastermind Zorn, ehemals DARK FUNERAL, seit Jahren aufbaut. Wer jetzt allerdings glaubt, hier käme ein vertonter Hörspielabend mit etwas Metal-Begleitung, liegt ziemlich daneben. ZORNHEYM machen weiterhin ordentlich Druck.

Symphonik mit Biss

Das große Plus der Band ist für mich, dass die orchestralen Elemente nie einfach nur dazu da sind, damit irgendeine Passage möglichst episch klingt. Natürlich ist „Descending Into Madness“ stellenweise groß, bombastisch und ausgesprochen filmisch. Aber darunter sitzt immer dieses massive Metal-Fundament.

Nach dem düsteren Intro „Prologue: From the Depths of Sêlasee“ haut „Deus Rex“ gleich ordentlich rein. Fette Gitarren, aggressive Vocals und die symphonischen Elemente greifen sauber ineinander. Kein langes Vorgeplänkel, keine vorsichtige Annäherung. Die Tür von Zornheim geht auf und man wird hineingeschoben.

„Somewhere Far Beyond“ setzt anschließend stärker auf die melodische Seite. Genau dort funktioniert ZORNHEYM besonders gut. Die Gitarren liefern Melodien, die tatsächlich hängen bleiben, während das Schlagzeug ordentlich nach vorne treibt. Das Ganze klingt düster, aber nicht farblos. Und das ist bei diesem Genre gar nicht so unwichtig.

Dunkel, aber verdammt eingängig

Bei all dem Konzept und der ganzen Geschichte besteht nämlich immer die Gefahr, dass die Songs irgendwann nur noch wie Kapitel eines Hörbuchs wirken. ZORNHEYM umgehen diese Falle ziemlich elegant.

„Deep Below“, „Anneliese“ und „Alone in the Dark“ funktionieren auch dann, wenn man sich nicht jede Einzelheit der Zornheim-Geschichte reinzieht. Besonders „Anneliese“ bleibt bei mir hängen. Die Nummer besitzt diese Mischung aus Härte und Melodie, die man nach ein paar Durchläufen plötzlich im Kopf hat. Das ist wahrscheinlich eine der größten Stärken des Albums. ZORNHEYM können Atmosphäre erzeugen, ohne dabei ihre Songs zu vergessen.

„Gallow’s Oak“ schlägt ebenfalls in diese Kerbe und baut seine Spannung aus düsteren Gitarren und orchestralen Passagen auf. Bei „The Funeral March“ wird es erwartungsgemäß schwerer und bedrückender. Spätestens hier merkt man, dass die einzelnen Stücke nicht einfach wahllos nebeneinanderstehen. Das Album hat einen roten Faden und zieht ihn konsequent durch.

Keine Hochglanzveranstaltung

Musikalisch steht hinter ZORNHEYM ein ziemlich schlagkräftiges Line-up. Zorn übernimmt die Lead-Gitarre, Bendler die Vocals, Scucca Gitarre und Backing Vocals und Qual sitzt hinter dem Schlagzeug.

Gerade die Gitarrenarbeit gefällt mir. Sie liefert genügend Härte für die Death- und Black-Metal-Ecken, gleichzeitig aber auch diese großen, fast schon dramatischen Melodien, die für den eigenen Sound der Band entscheidend sind. Dazu kommt Bendlers Gesang, der dem Ganzen die passende Portion Düsternis verpasst.

Im letzten Drittel zieht das Album noch einmal richtig an. „Descending“ trägt seinen Titel nicht ganz zu Unrecht und führt immer weiter nach unten. Mit „Come Sweet Death“ folgt schließlich ein weiterer starker Brocken, bevor die beiden CD-Bonustracks „The Foreboding“ und „None For All“ das Album abschließen.

Was soll ich sagen? Bei „Descending Into Madness“ fällt es mir tatsächlich schwer, irgendwelche größeren Haken zu suchen. ZORNHEYM haben ihre Mischung aus Black Metal, Death Metal, Melodie und orchestraler Wucht mittlerweile so weit verfeinert, dass das Ganze nicht mehr nach Experiment klingt. Es ist einfach ihr eigener Kosmos.

Das Album ist düster, teilweise beklemmend, ordentlich aggressiv und trotzdem überraschend melodisch. Vor allem aber besitzt es Atmosphäre, ohne dabei die Songs zu opfern. Genau das trennt für mich ein wirklich gutes Konzeptalbum von einer Platte, die nur mit einer großen Geschichte wedelt.

„Descending Into Madness“ ist kein Album für nebenbei. Dafür passiert hier zu viel. Aber wer sich darauf einlässt, bekommt einen ziemlich starken Trip durch die Abgründe von ZORNHEYM. Und diesmal gibt es von meiner Seite nichts schönzureden oder kleinzurechnen: 5 von 5 Punkten.

Fazit: „Descending Into Madness“ überzeugt als geschlossenes Werk, das seine erzählerische Idee konsequent in Klang übersetzt.

Internet

ZORNHEYM - Descending Into Madness - CD Review

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Robert
Soldat unter dem Motto morituri te salutant sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.