Tracklist
01. The Who Of You
02. Daze Of The Weak
03. No Truth
04. Conniption King
05. Alonely
06. Blind Lies
07. Sorrowsworn
08. Old Young Man
09. Fantastic Passion
10. Centre Of Everything
Besetzung
Howard Smith – Vocals
Matt Smith – Guitar
Darren McGillivary – Guitar
Pete Dee – Bass
Jonathan Grimley – Drums
Rückkehr einer britischen Thrash-Institution
ACID REIGN gehören zu den Bands, die man in der europäischen Thrash-Landschaft nie ganz vergessen hat, auch wenn ihre Diskografie über Jahrzehnte hinweg eher überschaubar blieb. Mit »Daze Of the Week« legt die Formation nun ihr viertes Studioalbum vor und knüpft damit an die späten 80er und frühen 90er an, ohne sich in Nostalgie zu verlieren. Die Besetzung rund um Sänger Howard Smith, Gitarrist Matt Smith, Gitarrist Darren McGillivary, Bassist Pete Dee und Schlagzeuger Jonathan Grimley wirkt eingespielt und gleichzeitig wach genug, um den typischen ACID REIGN-Spirit in eine moderne Produktionsästhetik zu übertragen.
Produziert wurde das Album erneut mit Jayce Lewis, der die Band bereits länger begleitet. Seine Handschrift zeigt sich in einem druckvollen, klaren Soundbild, das die rohe Energie der Songs nicht glättet, sondern eher schärft. Man hört eine Band, die sich bewusst ist, woher sie kommt, aber keine Lust hat, im eigenen Archiv zu erstarren.
Zwischen Chaos, Groove und britischem Witz
»Daze Of the Week« startet mit »The Who Of You« direkt in ein nervöses, riffgetriebenes Fundament. Der Song zeigt schnell, worum es hier geht, klassische Thrash-Strukturen, aber mit einer gewissen Verspieltheit im Timing und in den Breaks. »Daze Of the Weak« selbst greift diesen Ansatz auf und zieht ihn weiter in Richtung hymnischer Refrains, ohne die kantige Seite zu verlieren.
»No Truth« und »Conniption King« bewegen sich stärker im Midtempo-Bereich, wirken dadurch aber keineswegs entschleunigt. Vielmehr entsteht Raum für Details in den Gitarrenläufen und im rhythmischen Wechselspiel. Gerade Darren McGillivary und Matt Smith ergänzen sich hier auffällig gut, weil sie nicht permanent synchron spielen, sondern bewusst Kontraste setzen.
Ein kurzer Bruch entsteht mit »Alonely«, das sich textlich und atmosphärisch etwas nach innen richtet. Hier zeigt sich, dass ACID REIGN nicht nur auf Humor und Aggression setzen, sondern auch dunklere Zwischentöne zulassen. »Blind Lies« und »Sorrowsworn« schlagen danach wieder stärker in die klassische Thrash-Richtung aus, mit schnellen Riffs und einem angenehm ruppigen Drive.
Spannungsbogen bis zum Schluss
Im Mittelteil sticht besonders »Old Young Man« hervor, ein Song, der mit seinem Titel schon spielt, aber musikalisch überraschend ernst bleibt. Die Band arbeitet hier mit Dynamik statt Geschwindigkeit, was dem Album eine zusätzliche Ebene gibt. »Fantastic Passion« bringt danach wieder mehr Tempo und fast schon punkige Direktheit hinein, bevor »Centre Of Everything« das Album mit einem eher breit angelegten Finale abschließt.
Die Tracklist wirkt insgesamt gut ausbalanciert, auch wenn nicht jeder Song gleich stark zündet. Gerade im Mittelteil gibt es Momente, in denen sich bestimmte Ideen leicht wiederholen. Trotzdem bleibt der Fluss erhalten, weil die Produktion viel Raum zwischen den Instrumenten lässt und die Songs dadurch atmen können.
Jonathan Grimley sorgt dabei für ein sehr lebendiges Fundament. Sein Spiel ist nicht übertechnisiert, sondern sitzt genau dort, wo Thrash funktionieren muss! Zwischen Druck und kontrolliertem Chaos. Auch der Bass von Pete Dee bleibt hörbar und trägt mehr zur Struktur bei, als es im Genre oft der Fall ist.
Ein Album für Fans und Neueinsteiger
»Daze Of the Week« ist kein radikaler Neuanfang, aber auch kein bloßes Wiederaufwärmen alter Ideen. ACID REIGN schaffen es, ihre Herkunft hörbar zu machen und gleichzeitig eine zeitgemäße Produktion dagegenzusetzen. Der Humor, der der Band immer zugeschrieben wurde, blitzt eher unterschwellig auf, während die musikalische Seite deutlich ernster wirkt als in früheren Jahren.
Mit einer Bewertung von 3,5 von 5 Punkten bewegt sich das Album im soliden Bereich. Es gibt starke Momente, einige eingängige Riffs und eine Band, die hörbar Spaß an ihrem Material hat. Gleichzeitig fehlt manchmal der letzte Impuls, der einzelne Songs dauerhaft im Gedächtnis verankert.
Für Fans von britischem Thrash bleibt das Album dennoch eine lohnende Veröffentlichung, die zeigt, dass ACID REIGN auch nach all den Jahren noch genug Energie haben, um sich im Genre zu behaupten, ohne sich selbst zu kopieren.
Fazit: Mit »Daze Of the Week« beweisen ACID REIGN, dass sie immer noch relevant sind und ihren Sound weiterentwickeln können.






