Band: ALLUME 🇮🇹
Titel: Ex Luto
Label: Octopus Rising
VÖ: 18/09/26
Genre: Post-Stoner Rock

Tracklist

01. Espressionismi
02. Stanco
03. La Stessa Idea
04. Apparire Confuso
05. Piu In Basso
06. AB +/-
07. Distanze
08. Il Panorama
09. Tardis
10. Cosa Sembro

 

Besetzung

Mario Caruso – Guitar and vocals
Nicola Cigolini – Drums
Nicola Mancini – Bass and synth
Marco Buzzini – Vocals

 

Bewertung:

4/5

Schwerer Sound mit eigener Handschrift

Es gibt Alben, die wollen von der ersten Sekunde an gefallen. Und dann gibt es Platten wie „Ex Luto“ von ALLUME, die sich ihre Wirkung lieber langsam erarbeiten. Das italienische Quartett setzt auf schwere Gitarren, wuchtige Basslinien, psychedelische Elemente und diese ganz eigene Mischung aus Stoner- und Post-Metal-Atmosphäre. Das Ergebnis ist dunkel, druckvoll und gleichzeitig erstaunlich lebendig.

Mit Mario Caruso an Gitarre und Gesang, Nicola Cigolini am Schlagzeug, Nicola Mancini an Bass und Synthesizer sowie Marco Buzzini am Gesang haben ALLUME eine Besetzung, die hörbar miteinander funktioniert. Genau diese Chemie ist einer der Pluspunkte des Albums. Die Band klingt nicht wie vier Musiker, die ihre Parts möglichst sauber hintereinander aufgenommen haben, sondern wie eine Einheit, die gemeinsam an einem Sound arbeitet. Nach dem Debüt „O.D.E.“ ist „Ex Luto“ der nächste Schritt. Und dieser fällt durchaus schwerer und direkter aus.

Riffs, die sich festsetzen

Schon „Espressionismi“ legt die Richtung fest. Die Gitarren kommen mit ordentlich Gewicht aus den Boxen, während das Schlagzeug einen treibenden Unterbau liefert. Der Song wirkt nicht hektisch, sondern baut seine Spannung Stück für Stück auf. „Stanco“ geht anschließend noch stärker in Richtung hypnotischer Groove. Hier zeigen ALLUME, wie gut ein vergleichsweise simples Riff funktionieren kann, wenn Bass und Schlagzeug entsprechend Druck dahinterlegen.

Mit „La Stessa Idea“ und „Apparire Confuso“ wird die psychedelische Seite stärker herausgearbeitet. Die Songs bekommen dadurch mehr Tiefe und wirken nicht wie reine Stoner-Rock-Riffmaschinen. Gerade die Bassarbeit von Nicola Mancini fällt immer wieder positiv auf. Sie sorgt dafür, dass der Sound ordentlich Fundament bekommt, während sich darüber die Gitarren ausbreiten.

„Piu In Basso“ gehört zu den Stücken, die sich mit ihrem schweren Groove regelrecht festbeißen. ALLUME lassen dem Song Zeit und verzichten darauf, ständig neue Ideen einzubauen. Das funktioniert erstaunlich gut. Die Wiederholungen entwickeln einen Sog, der genau das macht, was guter Stoner Rock können muss: Man nickt irgendwann unbewusst mit dem Kopf.

Keine Hochglanzproduktion

Einen großen Anteil am Charakter von „Ex Luto“ hat die Art und Weise, wie das Album aufgenommen wurde. Ein Großteil der Aufnahmen entstand im Sommer 2024 in der Villa Ridente nahezu live. Das hört man.

ALLUME haben sich bewusst gegen eine übermäßig polierte Produktion entschieden. Kleine Ecken und Kanten dürfen bleiben, die Dynamik wirkt natürlich und vor allem entsteht dieses Gefühl, dass die vier Musiker tatsächlich gemeinsam im Raum stehen. Gerade bei einer Musik, die so stark von Atmosphäre und Zusammenspiel lebt, ist das eine gute Entscheidung.

Bei „AB +/-“, „Distanze“ und „Il Panorama“ kommt dieser Ansatz besonders gut zur Geltung. Die Songs wirken organisch und entwickeln ihre Wirkung nicht allein über den Sound, sondern auch über das Zusammenspiel der Instrumente. Es gibt Momente, in denen die Band ordentlich Druck aufbaut, dann wieder etwas zurücknimmt und den nächsten Spannungsbogen vorbereitet.

Zwischen Verlust und Veränderung

Inhaltlich beschäftigt sich „Ex Luto“ mit Veränderung, Verlust und persönlichen Umbrüchen. Ein Teil des Materials entstand während der von der Pandemie geprägten Monate. Das passt zur Stimmung der Platte, ohne dass ALLUME daraus ein Konzeptalbum mit erhobenem Zeigefinger machen.

Vieles wird über die Musik transportiert. Die dunklen Gitarren, die teilweise fast schwebenden Passagen und die immer wiederkehrenden schweren Grooves erzeugen eine Atmosphäre, die genügend Raum für eigene Interpretationen lässt.

„Tardis“ gehört zu den abwechslungsreicheren Nummern und zeigt, dass die Band auch abseits des klassischen Riff-Schemas funktioniert. Zum Ende hin führt „Cosa Sembro“ den eingeschlagenen Weg konsequent weiter. Die Platte verabschiedet sich nicht mit einem großen Effekt, sondern bleibt ihrer düsteren und etwas nachdenklichen Grundstimmung treu.

Ein Album mit ordentlich Druck

„Ex Luto“ ist keine Platte, die versucht, das Rad neu zu erfinden. Das muss sie aber auch gar nicht. ALLUME nehmen bekannte Zutaten aus Stoner Rock, Psychedelic und Post-Metal und verbinden sie zu einem Sound, der eigenständig genug wirkt, um nicht als bloße Kopie durchzugehen.

Besonders stark ist das Album immer dann, wenn die Band ihre Songs atmen lässt und sich auf ihre schweren Grooves verlässt. Die nahezu live eingespielte Produktion unterstützt diesen Charakter zusätzlich. Dadurch bekommt „Ex Luto“ eine gewisse Rohheit, die dem Material gutsteht.

ALLUME zeigen mit ihrem zweiten Album, dass sie ihren Sound gefunden haben und gleichzeitig bereit sind, ihn weiterzuentwickeln. „Ex Luto“ ist schwer, psychedelisch und stellenweise angenehm sperrig, ohne den Hörer dabei vor den Kopf zu stoßen. Wer mit drückenden Riffs, hypnotischen Basslinien und dunklen Klanglandschaften etwas anfangen kann, sollte hier genauer hinhören.

Fazit: „Ex Luto“ von ALLUME ist mehr als nur ein Album, es ist eine Erfahrung.

Internet

ALLUME - Ex Luto - CD Review

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Robert
Soldat unter dem Motto morituri te salutant sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.