Tracklist
01. Persistence of Memory
02. The Long Goodbye
03. It’s For the Kids
04. Everybody’s Got a Plan
05. The Edge of Perfection
06. Infectious
07. NYC 93
08. Cursum Perficio
09. T.O.M.B.
10. Watch It Go
11. My Victory
Besetzung
Scott Ian – guitar
Charlie Benante – drums
Frank Bello – bass
Joey Belladonna – vocals
Jonathan Donais – guitar
Zehn Jahre sind eine lange Zeit
Zehn Jahre. So lange mussten ANTHRAX-Fans auf ein neues Studioalbum warten. Seit „For All Kings“ aus dem Jahr 2016 ist viel passiert, doch die New Yorker haben sich mit „Cursum Perficio“ keineswegs zurückgemeldet, um einfach nur ein weiteres Kapitel ihrer ohnehin beeindruckenden Bandgeschichte abzuhaken. Scott Ian, Charlie Benante, Frank Bello, Joey Belladonna und Jonathan Donais gehen auf ihrem dreizehnten Studioalbum mit spürbarer Energie zu Werke. Und das hört man bereits nach den ersten Minuten.
„Persistence of Memory“ ist mit etwas mehr als einer Minute zunächst nur ein atmosphärischer Auftakt. Dann schlägt mit „The Long Goodbye“ die eigentliche ANTHRAX-Maschine zu. Gitarren, Bass und Schlagzeug greifen sofort ineinander, während Joey Belladonna mit seiner markanten Stimme den Song unverkennbar nach ANTHRAX klingen lässt. Keine große Anlaufphase, keine unnötigen Spielereien. Die Band weiß offensichtlich ziemlich genau, was sie will.
Vertraut, aber keineswegs altbacken
Wer von ANTHRAX klassischen Thrash erwartet, wird natürlich bedient. Trotzdem ist „Cursum Perficio“ kein Album, das sich ausschließlich über die Vergangenheit definiert. Neben den schnellen Gitarrenriffs spielen Grooves eine zentrale Rolle. Genau diese Mischung macht die Platte so interessant.
„It’s For the Kids“ geht direkt nach vorne und besitzt gleichzeitig diese lässige, fast schon rotzige ANTHRAX-Note. „Everybody’s Got a Plan“ setzt stärker auf Groove und schwere Riffs. Hier zeigt sich, dass die Band ihren Sound über die Jahre weiterentwickelt hat, ohne ihre Identität dabei aus den Augen zu verlieren.
Einer der spannendsten Songs ist „The Edge of Perfection“. Mit 6:46 Minuten gehört das Stück zu den längeren Nummern des Albums und bekommt entsprechend Platz für verschiedene Dynamiken. Das Riffing bleibt schwer, der Song entwickelt sich aber immer wieder weiter. Gerade solche Momente verhindern, dass „Cursum Perficio“ wie eine Aneinanderreihung von erwartbaren Thrash-Nummern wirkt.
Wenn ANTHRAX einfach ANTHRAX sind
Bei „Infectious“ wird es wieder direkter. Der Song besitzt ordentlich Druck und einen Refrain, der sich schnell festsetzt. Charlie Benante spielt dabei nicht einfach nur präzise, sondern verleiht den Stücken mit seinem Schlagzeugspiel den nötigen Punch. Frank Bello hält das Fundament stabil, während Scott Ian und Jonathan Donais zwischen aggressivem Riffing und melodischeren Passagen wechseln.
Mit „NYC 93“ folgt ein Stück, das schon durch seinen Titel eine Verbindung zur Geschichte der Band herstellt. New York ist schließlich weit mehr als nur die geografische Herkunft von ANTHRAX. Die Stadt gehört zur DNA der Gruppe. Trotzdem wirkt der Song nicht wie ein nostalgischer Rückblick auf bessere Zeiten. Er funktioniert als eigenständige Nummer und fügt sich gut in das Album ein.
Der Titelsong „Cursum Perficio“ gehört für mich zu den stärksten Momenten der Platte. Der Track ist schwer, düster und besitzt eine gewisse Bedrohlichkeit, ohne dabei auf die für ANTHRAX typischen melodischen Elemente zu verzichten. Gerade hier zeigt sich, wie gut die unterschiedlichen Facetten der Band mittlerweile zusammenpassen.
Kein Versuch, jünger zu wirken
„T.O.M.B.“ und „Watch It Go“ halten das Energielevel hoch. Besonders Benantes Schlagzeugarbeit fällt erneut auf. Die Songs wirken lebendig und nicht wie sterile Studioaufnahmen. Das ist bei einer Band mit einer derart langen Geschichte keineswegs selbstverständlich.
Und genau das ist vielleicht die größte Stärke von „Cursum Perficio“. ANTHRAX versuchen nicht, plötzlich wie eine junge Thrash-Band zu klingen. Sie müssen auch niemandem beweisen, dass sie noch schnell spielen können. Stattdessen konzentrieren sie sich auf das, was sie seit Jahrzehnten auszeichnet, starke Riffs, markante Vocals, treibende Rhythmen und Songs, die trotz aller Härte im Gedächtnis bleiben.
„My Victory“ setzt schließlich einen gelungenen Schlusspunkt. Nach elf Tracks bleibt vor allem der Eindruck einer Band zurück, die ihre lange Pause genutzt hat, um ein Album aufzunehmen, das tatsächlich etwas zu sagen hat. Die zehn Jahre seit „For All Kings“ hört man der Platte nicht an. Im Gegenteil.
„Cursum Perficio“ klingt nach ANTHRAX, ohne sich selbst zu kopieren. Das Album verbindet Thrash und Groove, Härte und Melodie und schafft dabei den Spagat zwischen klassischem Bandcharakter und zeitgemäßem Sound. Natürlich wird niemand erwarten, dass ANTHRAX im Jahr 2026 plötzlich ihre eigene Geschichte neu erfinden. Das müssen sie aber auch nicht. Sie liefern schlicht eine verdammt starke Platte ab.
Fazit: „Cursum Perficio“ ist kein nostalgischer Pflichttermin für alte Fans, sondern ein Album, das auch nach mehreren Durchläufen noch etwas zu entdecken bietet.






