Anthromorphicide_ANUBIS_cover_art

Band: ANUBIS 🇺🇸
Titel: Anthromorphicide
Label: M-Theory Audio
VÖ: 24/04/26
Genre: Melodic Metal

Tracklist

01. Nuclear Dawn
02. Celestial
03. Arcanist
04. The Fire Inside
05. Anthromorphicide
06. Reptile Eyes
07. Fanged Angel
08. My Favorite Cage
09. Ancient At Birth
10. Battalion

 

Besetzung

Will Buckley (Bass)
Devin Reiche (Vocals)
Justin Escamilla (Guitars)
David Velez (Drums)
Ulises Hernandez (Guitars)
Hanna Preston (Vocals)

 

Bewertung:

3/5

Auf „Anthromorphicide“ lösen sich ANUBIS von ihren Melo-Death-Wurzeln und schlagen verstärkt eine Richtung zwischen Power und Thrash Metal ein, ohne dabei die melodischen Elemente ganz aufzugeben. Für die Band aus Los Angeles ist dieser Stilwechsel jedoch nichts Neues: Schon in der Vergangenheit zeigte sich die Formation wandlungsfähig. Nach zahlreichen Umbesetzungen und mit nur noch einem verbliebenen Gründungsmitglied bleiben ANUBIS ein schwer berechenbares Projekt. „Schwer berechenbar“ beschreibt das gesamte Album sehr gut. „Anthromorphicide“ wird vorwiegend als Power/Thrash Metal kategorisiert, aber diese Kategorisierung ist fast noch zu spezifisch.

Durchwachsener Start

Der Opener „Nuclear Dawn“ ist von einem hektischen, rap-artigen Stakkato-Gesang dominiert, welcher die Lyrics weitestgehend unverständlich lässt. Die Wörter rauschen vorbei wie Schüsse aus einem Maschinengewehr. Was bleibt – sehr einprägsam dafür – ist die „nuclear dawn“-Zeile, die dermaßen heraussticht, dass sie sich bei mir schon längst als Ohrwurm eingenistet hat. Da weder die Gitarren noch das Schlagzeug mit einem ähnlich penetranten Stakkato gespielt werden, wirkt die Nummer übertrieben gehetzt. „Celestial“ schlägt danach deutlich stärker in Richtung Power Metal aus. Der galoppierende Rhythmus erinnert an typische Vertreter des Genres. Er transportiert eine epische, ausgelassene Stimmung, die fesselt. Der hektische Sprechgesang bekommt hier keinen Raum. Die Stimme von Devin Reiche ist stark, hat einen rauen Unterton, kann aber auch in hohen Lagen überzeugen. Allerdings stören die Effekte auf der Stimme. Sie lassen sie mechanisch klingen und besonders die hohen Töne wirken künstlich geschniegelt.

Ein fortwährendes Auf und Ab

Mit „Arcanist“ liefern ANUBIS simple, aber effektive Riffs und einen durchaus eingängigen Refrain. Trotzdem drängt sich erneut dieselbe Frage auf: Muss wirklich jede Gesangsspur so stark bearbeitet werden? Die Stimme klingt oft unnatürlich und nimmt dem Song viel von seiner eigentlichen Energie. „The Fire Inside“ fährt das Tempo zurück und präsentiert sich als Power-Ballade. Der Refrain lädt zum Mitschunkeln ein, doch insgesamt bleibt die Nummer zu unspektakulär, um nachhaltig im Gedächtnis zu bleiben. Der Titeltrack „Anthromorphicide“ bringt anschließend wieder deutlich mehr Thrash-Energie ins Spiel. Der schnelle Gesang kehrt zurück, diesmal etwas kontrollierter, während das Schlagzeug mit Shank-Beats und galoppierenden Rhythmen ordentlich Druck erzeugt. Der monströse Hintergrundgesang wirkt dagegen eher störend. Stark ist hingegen die Solo-Passage im letzten Drittel, besonders durch die treibende Double Bass. Das Fade-out am Ende wirkt allerdings etwas lieblos.

Der endgültige Verlust des roten Fadens

Bei „Fanged Angel“ geben plötzlich richtig böse Death-Growls den Ton an. Auch die Gitarrenarbeit erinnert mehr an modernen Death Metal als davor an Thrash bzw. Power Metal. Es wirkt wie ein Relikt aus einer früheren Epoche der Band. Die Growls werden zwischendurch kurz von Clean Vocals abgelöst, bleiben aber Hauptakteur der Nummer. Es sticht so dermaßen aus der Reihe, dass man gar nicht so recht weiß, ob man diese Abweichung gut oder schlecht finden soll. Es verstärkt jedenfalls den Eindruck, dass der rote Faden auf diesem Album längst verloren ist.

Der darauffolgende Titel „My Favorite Cage“ überrascht wiederum mit einem gänzlich anderen Stilmix: elektronische Beats und ein fast schon poppiger Unterton übernehmen die Regie. Der plötzliche weibliche Gesang in der zweiten Strophe sorgt für den nächsten Aufhorch-Moment. Dabei handelt es sich nicht, wie man anhand des Line-Ups erwarten würde, um Hanna Preston, die als Sängerin angegeben wurde, sondern Jade Zhariah Yates, einer Singer-Songwriterin aus Los Angeles. Ehrlich gesagt, hätte ich das ohne dem kürzlich veröffentlichten Musikvideo (siehe unten) gar nicht realisiert. Ihre Stimme klingt frech, rotzig und fügt sich gut in die Nummer ein. Aber bei diesem Potpourri an Stilen reicht es irgendwann auch mal…

Starke Momente

„Reptile Eyes“ gehört klar zu den stärkeren Momenten der Platte. Das bissige Hauptriff sitzt sofort, der Clou mit der Tonlagenversetzung bringt einen frischen, unerwarteten Stimmungswechsel, der subtil wie genial ist. Der Song zeigt, dass ANUBIS durchaus ein Gefühl für Dynamik besitzen. „Ancient At Birth“ startet mit Streicher- und Klavierklängen und zeigt den Sänger zunächst ungewohnt natürlich. Genau in diesen ruhigen Momenten funktioniert die Stimme am besten. Sobald der Metal-Part einsetzt, kehren allerdings auch die überladenen Effekte zurück. Trotzdem entwickelt sich der Song stark, baut Atmosphäre auf und liefert einen der epischsten Refrains des Albums. Auch der letzte Song, „Battalion“, ist gut gelungen. Es ist ein schnörkelloser, schneller Power-Metal-Track. Nichts Revolutionäres, aber solide umgesetzt und mit genug Energie versehen, um das Album ordentlich zu beenden.

Zwiespältiger Eindruck

Am Ende hinterlässt „Anthromorphicide“ einen zwiespältigen Eindruck. ANUBIS haben hörbar viele Ideen und versuchen ständig, neue Einflüsse einzubauen. Manche Experimente funktionieren durchaus, viele andere wirken jedoch unausgegoren oder unnötig überladen. Das größte Problem bleibt der Gesang bzw. dessen Produktion. Die übertriebenen Effekte verleihen dem Album einen künstlichen, beinahe mechanischen Klang, der viele eigentlich gute Ansätze ausbremst. So bleibt am Ende eine Platte mit interessanten Momenten, die sich aber nie wirklich zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenfügt.

Fazit: Mit „Anthromorphicide“ präsentieren ANUBIS eine Flut an Ideen und Stilwechseln, die zwar immer wieder spannende Momente hervorbringt, dem Album insgesamt aber einen klaren roten Faden verweigert.

Internet

ANUBIS – Anthromorphicide

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