WANDAR - Tiefe Erde - album cover

Band: WANDAR 🇩🇪
Titel: Tiefe Erde
Label: Vendetta Records
VÖ: 01/05/26
Genre: Atmospheric Black Metal

Tracklist

01. Bedrängnis
02. Trug
03. Visol-Bolvis
04. …Nächtlich
05. Drangsal
06. Erden
07. Irrlicht
08. Hetäre
09. Gestirne

 

Besetzung

Kallenheim – Vocals
Zazhgul – Guitar
Karlsgrad – Guitar
Mara – Bass
Totz – Drums

 

Bewertung:

4/5

WANDAR stammen aus dem deutschsprachigen Raum und stehen seit 2006 für eine konsequente Auslegung von atmosphärischem Black-Metal. Die Band richtet ihren Blick nicht auf Oberflächen oder Effekte, sondern auf Dichte, Kälte und eine fast greifbare Schwere im Klangbild. Ihr Ansatz verbindet skandinavische Tradition mit Einflüssen aus dem nordamerikanischen Underground, ohne sich dabei in Nostalgie zu verlieren. Stattdessen entsteht ein Sound, der roh wirkt, aber kontrolliert bleibt.

Besetzt ist die Formation mit Kallenheim am Mikrofon, Zazhgul und Karlsgrad an den Gitarren, Mara am Bass und Totz am Schlagzeug. Diese Konstellation wirkt auf dem Papier klassisch, entfaltet aber im Zusammenspiel eine ungewöhnliche Geschlossenheit. Jeder Beitrag greift ineinander, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.

Klangbild zwischen Nebel und Fels

»Tiefe Erde« setzt genau dort an, wo viele moderne Black-Metal-Produktionen entweder zu steril oder zu überladen wirken. WANDAR wählen einen Mittelweg, der sich eher wie ein langsames Absinken in dunkle Schichten anfühlt. Gitarrenflächen ziehen sich wie kalter Rauch durch die Songs, während das Schlagzeug eine stoische, manchmal fast marschartige Struktur vorgibt.

Die Produktion bleibt bewusst erdig. Kein übermäßiges Polieren, keine künstliche Weite, die den Kern verwässert. Stattdessen entsteht ein Druck, der sich eher im Inneren als über Lautstärke entfaltet. Das macht die Platte fordernd, aber auch beständig.

Aufbau und Dramaturgie

Der Einstieg »Bedrängnis« wirkt wie ein Tor in eine abgeschlossene Welt. Kein klassischer Opener, eher eine atmosphärische Schwelle, die den Raum vorbereitet. Direkt danach setzt »Trug« mit mehr Härte ein und zeigt, dass WANDAR ihre Intensität nicht über Tempo, sondern über Schichtung definieren.

»Visol-Bolvis« gehört zu den Stücken, die sich langsam entfalten. Hier wird deutlich, wie stark die Band auf Wiederholung und minimale Variationen setzt. Das wirkt hypnotisch, ohne monoton zu werden.

Mit »…Nächtlich« verschiebt sich die Stimmung. Der Song trägt eine melancholische Schwere, die sich stärker auf melodische Gitarrenlinien stützt. »Drangsal« zieht das Tempo wieder an und bringt eine fast körperliche Aggression ins Spiel, bevor »Erden« den Fokus auf Erdung und Reduktion legt.

»Irrlicht« spielt mit Orientierungslosigkeit. Der Song wirkt fragmentierter, als würde er ständig die Richtung wechseln. »Hetäre« überrascht durch eine fast rituelle Struktur, während »Gestirne« das Album abschließt und den Blick nach oben richtet, ohne die Dunkelheit wirklich zu verlassen.

Gesang und Ausdruck

Kallenheim arbeitet weniger mit klassischen Black-Metal-Klischees, sondern eher mit einer rauen, kontrollierten Präsenz. Der Gesang sitzt tief im Mix, wirkt manchmal wie aus der Ferne kommend. Genau das verstärkt den Eindruck von Distanz und innerer Kälte.

Die Instrumente tragen diese Linie konsequent weiter. Besonders die Gitarren von Zazhgul und Karlsgrad bauen Spannungsfelder auf, die sich selten sofort entladen. Vieles bleibt angedeutet, statt ausformuliert.

Wirkung und Einordnung

»Tiefe Erde« ist kein Album, das sich nebenbei erschließt. Die Platte verlangt Aufmerksamkeit und Zeit. Wer sich darauf einlässt, bekommt keine schnellen Höhepunkte, sondern eine stetige Verdichtung von Stimmung. Genau darin liegt die Stärke von WANDAR.

Verglichen mit vielen zeitgenössischen Black-Metal-Produktionen wirkt das Album weniger auf Effekt ausgerichtet und stärker auf Atmosphäre und innere Logik gebaut. Das kann sperrig sein, entfaltet aber über die gesamte Laufzeit eine klare Linie.

WANDAR liefern mit »Tiefe Erde« ein Werk, das konsequent seinen eigenen Weg geht. Nicht jeder Moment greift sofort, aber das Gesamtbild bleibt stabil und überzeugend. Die Band verzichtet auf einfache Zugänge und setzt stattdessen auf Tiefe, Struktur und Ausdauer.

Fazit: WANDAR beweisen mit »Tiefe Erde«, dass atmosphärischer Black-Metal mehr ist als nur dunkle Riffs und growlende Vocals.

Internet

WANDAR - Tiefe Erde - CD Review

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Robert
Soldat unter dem Motto morituri te salutant sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.