Cirith Ungol – Forever Black

Cirith Ungol - Forever Black album cover

Band: Cirith Ungol
Titel: Forever Black
Label: Metal Blade Records
VÖ: 24/04/2020
Genre: Ungol Heavy Metal
Bewertung: 5/5

„Forever Black“ ist nicht irgendeine beliebige Veröffentlichung. Daher MUSSTE ich das Medium Online-Magazin einfach einmal richtig ausnutzen, um im ersten Abschnitt die Geschichte der Band nachzuvollziehen. Wen das nicht interessiert, der möge den nächsten  Absatz überspringen, um gleich das eigentliche Review zu lesen.

Die Geschichte hinter diesem Album ist reif für eine biographische Verfilmung: Junge, idealistische Musiker finden sich in den 70ern zusammen, um einen völlig einzigartigen Sound zu entwickeln und glauben, bald die Welt des Hardrock damit aus den Angeln zu heben. Aber die Unterstützung der Plattenfirma ist unzureichend. Nur eingeschworenste Musikfans bekommen überhaupt Wind davon, dass es diese Gruppe überhaupt gibt, und sind dafür umso faszinierter.

Wir sehen die 70er und 80er vorüberziehen, in denen die Band trotz aller Widrigkeiten weiter an sich selbst glaubt und verbissen weitermacht. Währenddessen sehen wir eine Reihe austauschbarer Kapellen kommen und gehen, wie sie zuerst von den Massen unverdient gefeiert werden, um dann einen stets allzu vorhersehbaren Drogentod durch die berühmte Nadel Heroin oder Nase Koks zu viel zu sterben. In der Mitte des Dramas gerät die Gruppe an eine schmierige und inkompetente Plattenfirma, welche die Aufnahmen des Albums „Paradise Lost“ blockiert, wo es nur geht. Auch Vertrieb und Verkauf sind nicht die Stärken der Versagerfirma, sodass das Album in einer Reihe dekadenter Grunge-Veröffentlichungen hoffnungslos untergeht.

Als wollte irgendein Gott die Musikwelt dafür bestrafen, bricht ein allgemein dunkles Zeitalter von fast 20 Jahren herein. Dieses ist zuerst durch weinerlichen Selbstmordrock in Flanellhemden, später durch billigen Plastikpop, Dumpfbackenschlager, Rap-Metal und hämmernde elektronische Hintergrundbeschallung für XTC-Konsum geprägt. 1998 stirbt das CIRITH UNGOL Gründungsmitglied Jerry Fogle, der sich frustriert über den fehlenden Erfolg seiner Band in den Alkohol geflüchtet hatte, verbittert und einsam.

Wir sehen Drummer Robert Garwen mit feuchtem, aber harten Blick, wie er verbittert eine Plane über sein Drumkit wirft, das im Zeitraffer Staub ansetzt. Dann sehen wir immer mehr Sammler inmitten einer verödeten Musiklandschaft, die zusehends die vier Alben der bisher verkannten Band entdecken. Festivals werden nach Songs von CIRITH UNGOL benannt. Der Nachwuchsmusiker einer aufstrebenden echten Metalband, Jarvis Leatherby (Nightdemon), schafft es irgendwie, die Band wieder zusammen zu trommeln.

Die mittlerweile gealterten Männer spielen ergriffen endlich live in Europa, wo sie begeistert von einer über die Jahre immens gewachsenen Schar Anhänger gefeiert werden. In der letzten Einstellung sehen wir die Band erneut in einem Aufnahmestudio. Sie nehmen ihr erstes Album seit 30 Jahren auf.  „Legions Arise“ erklingt. Das Cover des neuen Albums „Forever Black“ wird eingeblendet, mit einem Zitat von Friedrich Nietzsche: „Manche werden posthum geboren“.

Kommen wir nun zu diesem aktuellen Album. Selbstverständlich und glücklicherweise wird es erneut traditionell von einem Portrait des Elric von Melniboune aus der Feder von Michael Wheelan geziert, denn dieser ist sozusagen das Bandmaskottchen der wiederbelebten Kultmetaller. Zur Musik selbst ist an verschiedenen Orten leider allerhand Unfug zu lesen, mit dem sich gewisse Schreiber  selbst disqualifizieren, und der hier berichtigt gehört:

Erstens: Wenn jemand ernsthaft AMON AMARTH-Einflüsse (!?) bei „The Frost Monstreme“ heraushört, kann ich mir  nur mit der flachen Hand gegen die Stirn klopfen. Wenn überhaupt, mag man bei AMON AMARTH Einflüsse von CIRITH UNGOL finden, sicher nicht umgekehrt! Das passiert, wenn man in der Sonderschule nicht genug aufpasst, schätze ich mal…

Zweitens: Die Band sei in den Achtzigern steckengeblieben, was für alte Männer jedoch ok sei.

Völliger Quatsch!  Es ist eher so, dass die Zeit jetzt erst richtig reif für CIRITH UNGOL ist, und die sind sich zum Glück treu geblieben. Es sind im Gegenteil vermeintlich moderne Elemente wie Loudness-Wars, austauschbare Trällerelsen, lächerlich missglückte Crossovergeschichten und dergleichen mehr, die längst zurecht auf der Müllhalde der Musikgeschichte liegen. Und daher findet sich auch nichts hiervon auf diesem zeitlosen Album.

Drittens: Am nervigsten ist die ständig wiederkehrende Aussage, es gebe auf „Forever Black“ keine beobachtbare Entwicklung, und CIRITH UNGOL würden klingen wie eh und je. Ja klar, vielleicht wenn der Rezensent keinen Unterschied zwischen BLACK SABBATH und RUNNING WILD erkennt. So etwas zeugt von bestenfalls oberflächlicher Beschäftigung mit der Diskographie dieser Band, die sich nämlich seit ihrer Gründung in den 70ern ständig weiterentwickelt hat.

Auf „Frost And Fire“ haben wir es noch klar mit höchst abgedrehtem Hardrock zu tun, der erst auf dem Meilenstein „King Of The Dead“ mit doomigen Metalklängen angereichert wird.  Erst mit „One Foot In Hell“ ist man endgültig im Heavy Metal angekommen. Im Heavy Metal fühlt man sich weiterhin auch auf „Paradise Lost“ wohl, welches aber, aufgrund des Wegfalls von Jerry Fogle und dessen einzigartigen Gitarrenspiels,  erneut eindeutig vom Vorgänger zu unterscheiden ist.

Kurz: Jedes bisherige Album lässt sich  deutlich (!) von seinem Vorgänger unterscheiden, auch wenn man CIRITH UNGOL stets sofort wiedererkennt. Und so ist es auch mit „Forever Black“.

„Forever Black“ ähnelt nun am meisten den Alben „One Foot In Hell“ und „Paradise Lost“ beziehungsweise stellt eine natürliche Fortsetzung dieser Alben dar. Das Drumming von Robert Garwen und der unnachahmliche Kratzgesang von Tim Baker sorgen schon im Alleingang für den unverkennbaren Ungol-Klang, der in einer klaren und trotzdem organischen Produktion gleichermaßen zeitlos und druckvoll aus den Boxen kommt.

Die im Verhältnis zu den älteren Alben entwickelte Heaviness und Eingängigkeit (nach Ungol-Standard) wurde weiter perfektioniert. Selten klang die Band auf so geglückte Weise heavy und eingängig wie auf „Legions Arise“ (bereits als Lyricvideo ausgekoppelt), „The Fire Divine“ oder „Nightmare“. Insbesondere die berühmten drei epischen  Schlussnummern der „Paradise Lost“-Scheibe erhalten mit „Stormbringer“Before Tomorrow“ und „Forever Black“ würdige Nachfolger.

Die Hardrock-Wurzeln der Band scheinen dagegen am ehesten bei „Fractus Promissum“ oder „The Frost Monstreme durch. (Es sei denn man leidet an auditiver Demenz, dann kann man bei letzterem Amon Amarth heraushören).

„Forever Black“ ist nichts anderes, als eine in Endlosschleife zu hörende Rückkehr einer Band, die nach wie vor unverwechselbarer und aktueller nicht sein könnte. Das durchweg erstklassige Songmaterial findet in der ersten Hälfte mit dem epochalen „Stormbringer“ seinen Höhepunkt, der Rest IST ein einziger Höhepunkt. Und deshalb haben Cirith Ungol die Höchstnote verdient, obwohl an ihrem ultimativen Übertrack „Master Of The Pit“ auch sie selbst nicht ganz kratzen können.

Tracklist

01. The Call
02. Legions Arise
03. The Frost Monstreme
04. The Fire Divine
05. Stormbringer

06. Fractus Promissum
07. Nightmare
08. Before Tomorrow
09. Forever Black

Besetzung

Greg Lindstrom (Bass, Guitars, Keyboards)
Robert Garven (Drums)
Tim Baker (Vocals)
Jim Barraza (Guitars)
Jarvis Leatherby (Bass)

Internet

Cirith Ungol – Forever Black CD Review

Share.

About Author

Wenn mir irgendwas von Manowar nicht gefällt, konsumiere ich es solange, bis ich endlich nach mehreren Durchläufen erkenne, welche Großtat die New Yorker wieder geleistet haben. Leider habe ich diese Geduld nicht bei anderen Bands, tut mir leid für euch.

Comments are closed.

Diese Website nutzt Cookies. Bitte beachten Sie unsere Datenschutz-Erklärung

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close